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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.10.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1906-10-20
- Erscheinungsdatum
- 20.10.1906
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- Deutsch
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10364 Nichtamtlicher Teil. 245, 20. Oktober 1906. der tarifgemeinschaftlichen Entwicklung und der gewerb lichen Tatsachen zustande gekommen, gleich fern von eingebildeten oder willkürlichen Vorstellungen wie von einem den Gehilfen- vertretcrn unterschobenen freiwilligen, den Interessen der Prin. zipale dienenden Entgegenkommen. Die Aufrechterhaltung des Vereinbarten ist sowohl eine Ehrenpflicht der Organisation, wie sie eine zwingende Notwendigkeit für die Wahrnehmung der Interessen der Gehilfen und die Konsolidierung der allgemeinen tariflichen Errungenschaften ist. Wir müssen um des Interesses der Gesamtgehilfenschaft willen dringend wünschen, daß man von einer unfruchtbaren, leider wiederum durch die führenden Parteiorgane Vorwärts und Leipziger Volks zeitung absichtlich aufgsstachelten und genährten Opposition gegen den neuen Tarif Abstand nehmen, dafür aber bemüht sein möge, durch ein geschlossenes Vorgehen im geeigneten Moment die Vorteile des neuen Tarifs der Kollegenschaft möglichst allgemein nutzbar zu machen. Eine solche Arbeit wäre des Aufwandes an Kraft würdig, die jetzt anscheinend nur tatloser Opposition und bedauerlicher Disziplinwidrigkeit ge opfert wird. Ohne Preisgabe der tariflichen Vereinbarungen und deren materiellen Inhalts, ohne das Risiko tiefgreifendster und in ihren Folgen unabsehbarer Verwicklungen im Ge werbe und in der Organisation besteht keine Möglichkeit, irgend eine Abänderung an den geschloffenen Verträgen herbeizuführen. Darum möge die Kollcgenschaft sich auf sich selbst besinnen und sich auf dem nach langer und reiflicher Überlegung von ihren be rufenen Vertretern gefundenen Boden vereinigen, auf dem gemäß den gefaßten Beschlüssen und getroffenen Vereinbarungen im Inter esse des Ganzen zu wirken jedes Mitgliedes Pflicht ist.- (Leipzigcr Zeitg.) In einer Versammlung der Leipziger Buchdruckorgehilfen am 17. d. M. wurde der neue Tarif mit großer Majorität an genommen. (Leipziger Tageblatt.) Berliner Bibliothekar-Verband. — Im Juni d. I. beschloß eine Versammlung von Berliner Bibliothekaren, eine Vereinigung ins Leben zu rufen, die für die wissenschaftlichen Bibliothekare Berlins einen Sammelpunkt bilden sollte zum Zwecke des Meinungsaustausches über Fragen von bibliotheka rischem Interesse und zum Zwecke persönlicher Annäherung. Am 16. d. M. hat nun der erste Berliner Bibliothekar abend stattgefunden in den gastlich geöffneten Bibliotheksräumen des Abgeordnetenhauses. Zweierlei mag für die Zukunft dieses ersten deutschen bibliothekarischen Lokalvereins von guter Vor deutung sein: erstens die zahlreiche Beteiligung der Vorstände und Mitarbeiter der vielen Berliner Bibliotheken — es waren gegen 60 erschienen — und zweitens, daß der an der Spitze aller deutschen Bibliothekare stehende Generaldirektor der Königlichen Bibliothek, Adolf Harnack, den Reigen der Vorträge eröffnete. Er sprach über -Anmerkungen in Büchern-, ein Thema, das scheinbar recht untergeordnet und gleichgültig ist, aber gewiß zur Wissenschaft vom Buch gehört. Es war eine, wie es sich bei Harnack ja eigentlich von selbst versteht, in außerordentlich geistvoller Weise angestellte Erörterung über Begriff, Ort, Zweck, Bedeutung, Ge schichte der Anmerkungen, der sachlichen Zugaben zum Text, die durch den Druck und die Stellung oder beides vom Text unterschieden sind. Es gibt ja Gelehrte, die von ihnen den spär lichsten Gebrauch machen oder sie geradezu hassen, andre, die den Leser mit Anmerkungen überschütten. Es gibt Gelehrte, die das Beste in die Anmerkungen setzen und, wie einst Gieseler seine Kirchengeschichte, ein ganzes Buch in Anmerkungen schreiben, so daß der Text nur einen dünnen Faden darstellt, andre, die An merkungen zu Anmerkungen setzen, den Leser verwirren und nervös machen. Der Spott der Humoristen über die Gelehrten und den -gelehrten Ballast- richtet sich oft gerade gegen die Anmerkungen. Aber Anmerkungen und Anmerkungen sind etwas ganz Verschie denes. Die Parenthese im Text zum Zweck der Verdeutlichung, der Erklärung oder einer kurzen Diskussion ist wohl fast so alt wie die Schriststcllerei. Die textkritischen Anmerkungen am Rande stammen aus den alexandrinischen Gelehrtenschulen und ihren Kodizes und gingen in die christliche Schriftstellerei über. Man verdankt also der griechischen Wissenschaft die Anmerkungen, die textkritischen wie die sachlichen. Sie sind aber zunächst nicht vom Autor, sondern von den gelehrten Abschreibern und Editoren verfaßt. Eine sichere Antwort auf die Frage, wann der Autor das selbst zu tun begann, was früher der gelehrte Abschreiber oder Editor besorgt haben, ist nicht ganz sicher zu geben. Es ist ein langsamer Prozeß, der in der ausgehenden Antike und im Mittelalter noch in den ersten An fängen war. So zeigen uns auch die ersten Drucke durch Jahrzehnte einen ganz glatten Satz, der nur selten mit Anmerkungen ausge stattet ist. Es sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Gelehrten der Spätrenaissance, die den großen Schritt getan und den Autoren die Aufgabe des beglaubigenden, erklärenden, verbessernden und vervollständigenden Scholiasten zugewiesen haben. Dieser Schritt bedeutet nicht weniger als die Sicherstellung der Exaktheit, Zuver lässigkeit und Vollständigkeit der Darstellung von vornherein. So bezeichnet die Anmerkung des Autors einen Wandel und Mark stein in der Geschichte der Wissenschaft. Sie will genaue und zu verlässige Darstellung. Das eben läßt die fortlaufende Darstellung in der Regel nicht zu, weil sich da in linearer Succession ein Stück an das andre reihen muß. Im 17. und 18. Jahrhundert wird noch ein verhältnismäßig spärlicher Gebrauch von der Anmerkung gemacht. Anders im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Exaktheit und der geschichtlichen Betrachtung und Entwicklung. Und nun beginnen auch die Klagen des Publikums über die Anmerkungen der Gelehrten, über die zahllosen Scholien und den gelehrten Ballast, was der Vortragende noch in vielen Einzel heiten erörterte, um am Schluß seiner fesselnden Ausführungen Vorschläge für ein Ideal von Anmerkungen zu machen, -zehn Ge bote für Schriftsteller, die mit Anmerkungen umgehen-: 1) Fasse deinen Text so, daß er auch ohne Anmerkungen gelesen werden kann. 2) Vergiß nicht, daß es auch Parenthesen im Text gibt und Exkurse am Schluß des Buchs, die Anmerkungen ersetzen können. 3) Sei sparsam mit Anmerkungen und wisse, daß du deinem Leser Rechenschaft geben mußt über jede unnütze Anmerkung. Betrachte die Anmerkungen nicht als Rumpelkammer, sondern als Schatzhaus. 4) Halte dich nicht für zu vornehm, um An merkungen zu machen, und wisse, daß keine Berühmtheit dir die Beweise deiner Behauptungen erspart. 5) Schreibe deine Anmerkung, wenn du etwas in der Hauptdarstellung ver gessen hast; schreibe überhaupt die Anmerkungen nicht nachträglich. 6) Schreibe nicht in die Anmerkungen, was dem Text wider spricht, und schreibe nichts in die Anmerkungen, was wichtiger ist als der Text. 7) Betrachte die Anmerkungen nicht als Kata komben, in denen du deine Voruntersuchungen beisetzest, sondern entschließe dich zur Feuerbestattung. 8) Mache die Anmerkungen nicht ohne Not zum Kampfplatz; tust du es aber, so schmeichle dir nicht, daß du das letzte Wort hast. 9) Versuche es, die Kunst zu lernen, durch Anmerkungen der Darstellung Obertöne und Akkorde zu geben, aber spiele kein Instrument, das du nicht verstehst. 10) Stelle die Anmerkungen stets dorthin, wohin sie gehören, also nicht an den Schluß des Buchs, es sei denn, daß du eine Rede drucken läßt. — An diesen außergewöhnlich anregenden und von feinem Humor gewürzten Vortrag schlossen sich eine kurze Dis kussion und ein langes geselliges Beisammensein im Architekten hause. — Den Vorstand des Berliner Bibliothekarverbands bilden Prof. Or. H. Paalzow (Königliche Bibl.), Prof. Or. A. Wolfstieg (Bibl. des Abgeordnetenhauses) und vr. A. Buchholtz (Stadtbibl.). Bei einem von ihnen hätten diejenigen wissenschaftlichen Biblio thekare Berlins, die dem Btbliothekaroerband beitreten wollen, sich zu melden. (Vossische Zeitung.) * Neue Bücher, Kataloge rc. für Buchhändler: Lvwpsnckien-lls.talogs. keckigisrt und bora-usASAsksn unter Nit- wirkunx von bsrvorra.gsncksn Va.ebgslsbrtsn von b. kV Losblsr, Larsortiinsnt in lsipri^. In ckg.nsrbg.kton unck eleganten lilinbäncksn ru belieben ckurob (. . . . 8ort.-ba ) 16". I: Tbsologis, orisntalisobs 8praobso, kbilosopbis unck Läcka- gogik. 1Z6 8. II: ckurisprucksnr uoä 8taatswissensobakten. 104 8. III: blsckiein unck k^aturwisssnsobaktsn. 168 8. IV: dssebiobts, Lunst, blusik, dsograpbie, lancier- unck Völker bunds. Lbilologis unck 8pra.okwisssnsoba.kt, 1-itsra.tur- gssobiobte. 196 8. V: Lau- und Ingenieur-V7isssnsokakten. Obswisobs Tseboo- logis, dswsrbe und Handel. 256 8. VI: Haturwisssnsebakten, niecksrs unck böbsrs Natbsrnatik. lanck- unck borstwirtsebakt. 120 8. Verlags-Verzeichnis 1906 von Theo. Stroefer's Kunstverlag in Nürnberg. 8°. 24 S.
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