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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 26.08.1897
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1897-08-26
- Erscheinungsdatum
- 26.08.1897
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- Deutsch
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6024 Nichtamtlicher Teil. 197, 26. August 1897. eines großen Centralbücherlagcrs durchzuführen. Im alten Hause in der Poststraße war daran nicht zu denken gewesen, denn es mangelte dort vollständig an Raum, und in den ersten Jahren wäre wohl auch das nötige Kapital nicht vorhanden gewesen. Als der Neubau an der Stephanstraße vollendet war, wurde der anfänglich in Hülle und Fülle vorhandene Raum mit einem Schlage durch die neue Friessche Kundschaft in An spruch genommen, und dann kamen die schweren Jahre der Anglicderuug dieser Kundschaft. Nun aber trat wieder ver hältnismäßige Ruhe ein, die Dinge gingen ihren wohlgeord neten Gang, und nach dem Grundsätze: Rast ich, so rost ich, war von Ausruhen keine Rede, sondern es ging nun an die Ausführung der alten Lieblingsidee, an die Errichtung eines Barsortiments, wobei ihm schon in seinen frühesten Jugcnd- plüncn eine umfangreiche Erweiterung dieses Geschäftszweigs vorschwebtc. In welcher Weise und mit welchem Erfolge das groß artige Unternehmen angelegt, durchgeführt und zu immer größerer Ausdehnung gebracht worden ist, ist allbekannt. Das Barsortimcnt von K. F. Koehler hat sich in kürzester Frist, man könnte sagen mit einem Schlage, ebenbürtig neben die älteren Firmen der gleichen Art gestellt und braucht keinen Vergleich zu scheuen. Man darf im Gegenteil von ihm sagen, daß von seinem Erscheinen ab eine neue Epoche dieses Zweiges buchhändlerischer Thätigkeit datiert. Der Natur der Sache nach haben die auf seinen Vorgang hin ins Leben getretenen Neuerungen, wie alles Neue, nicht nur Anhänger, sondern auch Gegner gefunden und mannigfache Kritik herausgcfordert. Wie man in Sortimenterkreisen vielfach von ihm denkt, möge mit den Worten eines anderen Beileidsschreibens gesagt sein, das von einem bedeutenden Abnehmer des Barsortiments, aber Nichtkommit- tentcn der Firma, hcrrührt: »Der Verstorbene war ein Mann, dessen großartige Unternehmungen in ihren Wirkungen weit über den Ehrgeiz des großen Kaufmanns hiuausgreifen. Viele, gleich mir, werden dies erkannt haben, nur bis jetzt nicht diejenigen, die ihm Nachrufe geschrieben haben. Diese wür digten in geschäftlicher Beziehung allerdings die erreichte Größe des Hauses Koehler, aber nicht was ich meine. Das Bar sortimcnt z. B. ist in der Hand des viel zu früh Verstorbenen nicht allein eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern, was viel höher steht, dem Sortiment eine Wohlthat geworden.« Die Führung des Barsortiments hatte sich Koehler in den letzten Jahren mehr und mehr als sein persönliches Arbeitsfeld Vorbehalten. Wenn er sich auch bei jeder das Kommissionsgeschäft betreffenden, einigermaßen wichtigen Frage genau unterrichten ließ und an der Entscheidung teilnahm, so mußte er die Ausführung im einzelnen doch seinen Ver tretern überlassen; im Barsortiment aber überwachte er auch die Einzelheiten und gab die Leitung nur ab während seiner in den letzten Jahren seines Lebens allerdings häufiger wer denden und sich immer länger ausdchnendcn Abwesenheiten. In dieser Thätigkeit fand er auch deshalb besondere persön liche Gcnugthuung, weil er dabei seine ausgedehnte Litteratur- kenntnis verwerten und täglich vermehren konnte. Er war von Jugend auf ein guter Sortimenter, der mit Eifer und regem Interesse die neuen Erscheinungen der Litteratur ver folgte und sich durch Lektüre der literarischen Blätter sorg fältig auf dem Laufenden hielt. Die vortreffliche Sortimenter lausbahn, die mit der Lehre bei Vandenhoeck L Ruprecht begann und in den Gehilfcnstcllungcn bei Dulau L Co. in London, Otto Lorenz in Paris und Wilhelm Braumüller fortgesetzt und abgeschlossen wurde, behielt ihren Einfluß auf ihn während seines ganzen Lebens. Gelegenheit, um Ein blick in alle ihn interessierenden Novitäten zu erhalten, bot ihm auch schon früher die Sortimentsabteilung des Geschäfts, die in großem Umfange Litteratur aller Fächer vertreibt, indem sie einem umfangreichen Kundenkreis von auhcrdcutschen und außer europäischen, mit den deutschen Verlegern nicht direkt in Ver bindung stehenden Sortimentern seinen Bedarf vermittelt, außerdem aber auch eine große Reihe von Bibliotheken, In stituten und Privatleuten des Auslandes mit Litteratur ver sorgt. Die Art und Ausdehnung des neu begründeten Bar sortiments aber brachte es mit sich, daß jeder neuen Erschei nung eine noch weit eingehendere Aufmerksamkeit gewidmet werden mußte, was mit Koehlcrs Neigungen bestens zu sammentraf und ihm diese Art von Arbeit besonders genuß reich machte. Im öffentlichen Leben ist er nicht hervorgetreten. Politisch pflegte er mit der nationalliberalen Partei zu stimmen; er war aber kein Parteimann, weil in seinem Denken und Empfinden viel zu unabhängig, um durch Dick und Dünn mit der Fahne einer Partei zu gehen. Einige Male ist er Geschworener ge wesen, zu anderen kommunalen Aemtern aber reichte seine, vom Geschäfte völlig in Anspruch genommene Zeit nicht aus. Dagegen hat er eine Reihe von Jahren dem Vorstande des Vereins der Buchhändler zu Leipzig angehört und die Pflichten dieses Ehrenamtes aufs gewissenhafteste wahrgenommen. Eine Wahl in den Vorstand des Börsenvereins, die ihm vor einigen Jahren angetragen wurde, hat er abgclehnt; er begründete es mit der vielen, ihm durch den damaligen Neubau am Tüubchenweg erwachsenden Arbeit, es mochte aber auch schon das Gefühl der an seinen Kräften zehrenden Krankheit in ihm sein. Der bis jetzt geschilderte umfangreiche Pflichtenkreis fand eine weitere Ausdehnung in der Arbeitsvermehrung, die durch die Errichtung umfangreicher Bauten auf längere Zeit und zu wiederholten MMn cintrat. Leopold von Ranke sagt von Kaiser Rotbart, dem großen Staufer, iu seiner »Welt geschichte«: »Er baute viel, wie alle Menschen, die der Zu kunft vertrauen«. Das Wort läßt sich auch auf Koehler an wenden. In der kurzen Zeit von 1881 bis 1894 errichtete er zwei gewaltige Häuser, das eine, an der Stephan- und Sternwartcnstraße, eine Verbindung von Geschäfts- und vor nehmem Wohnhaus, das andere, am Täubchenweg, nur für Geschäftszwecke bestimmt. Jeder, der Erfahrung auf diesem Gebiete hat, weiß, welche Menge von Arbeit, Sorgen und Verdruß mit der Errichtung großer Bauten verbunden ist; für Koehler kam das aber alles nicht in Betracht, wenn die geschäftliche Notwendigkeit in Frage stand. Als das Haus an der Stephanstraße bei der immer wachsenden Ausdehnung des Barsortiments in den unteren Räumen längst nicht mehr ausreichtc und die Frage erörtert wurde, ob auch noch die zweite Hälfte des herrschaftlich eingerichteten ersten Stockwerkes, wie schon die erste, zu Geschäflszwecken umgebaut werden sollte, äußerte er gleichmütig: »O, wenn es sein muß, demo liere ich noch das ganze Haus«, und als cs iinmer klarer wurde, daß mit dem Demolieren doch keine gründliche Ab hilfe auf die Dauer zu schaffen sei, weil die Bauart der oberen Stockwerke nicht stark genug für geschäftliche Anforde rungen war, da kam auf das Bedenken, ob er sich wirklich noch in die Arbeit eines großen Neubaues stürzen wolle, wieder die Antwort: »Wenn es sein muh, baue ich noch ein Dutzend solcher Kästen«. Und noch in den letzten Monaten seines Lebens, als cs sich als vorteilhaft herausstelltc, das neue Haus am Täubchenweg, von dessen Areal noch 800 Quadratmeter unbebaut waren, vollends auszubauen, da wurden zwischen Leipzig und seinem Aufenthaltsorte lebhafte Verhandlungen geführt, Pläne und Kosten geprüft und berechnet, die Finanz frage erörtert, und endlich kam nach einem langen Brief wechsel, in dem seine, oft unter den größten Schmerzen dik tierten Briefe stets einen völlig klaren Geist, eine unbedingte Beherrschung des Stoffes und dazu nicht selten noch humo ristische Wendungen zeigten, die Weisung: »Bauen wir also l« Bauend ist er gestorben.
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