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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.08.1897
- Strukturtyp
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- 1897-08-20
- Erscheinungsdatum
- 20.08.1897
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- Deutsch
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5884 Nichtamtlicher Teil. 192. 20. August 1897. des Buches als Ware, das doch, abgesehen vielleicht von Schul- und Lehrbüchern, nicht zu den Gebrauchsgegenständen zu rechnen ist, der zu erzielen mögliche Umsatz immer nur ein verhältnismäßig geringer sein kann; anderseits stehen diesem Nabattsatz heutzutage dermaßen große Unkosten gegen über — große Ladenmiethe (zumal in einem möglichst groß und vollständig gehaltenen Lager eine hauptsächliche Waffe im Konkuurenzkampf gesucht werden muß), Frachtspesen, Ver luste durch Verderben von Büchern und durch zweifelhafte Forderungen u. s. f. —, daß der angewandten Thätigkeit des Sortimenters in den weitaus vorherrschenden Fällen das verdiente Acquivalcnt fehlt. Diese ungünstige Lage des Sortiments in letzter Zeit hat nun die weitere Folge, daß auch die pekuniären Ver hältnisse bei ihm geradezu traurig, ja drückend sind. Man vergegenwärtige sich die Anforderungen, die — in Ansehung des Berufes wahrlich nicht groß zu nennen — an den jungen Buchhändler gestellt werden! Vorbildung: wenn irgend möglich, wenigstens mit dem Einjährigen-Zeugnis ab geschlossene Gymnasial- oder Realschulbildung. Dann eine drei- bis vierjährige Lehrzeit, mit einer Vergütung bisweilen von 10 bis 30 ^ pro Monat in den einzelnen Jahren. Dann -Anstellung als Gehilfe (Kommis in kaufmännischen Geschäften) unter den erschwerendsten Verhältnissen infolge großer Auswahl, mit einem Gehalt von ca. 75 ^ (auch 60 bis 100 ^H*). Dann allmähliches, aber nur sehr langsames Steigen. Und das Resultat für die nicht Be mittelten und darauf Angewiesenen? Etwa im dreißigsten Lebensjahr ein Gehalt von 140 bis 160 Wohl bemerkt, dies sind noch nicht die schlechtesten Beispiele, sondern ein gutes Durchschnittsresultat. Dabei wird dann anständige Kleidung und gute Bildung und Umgangsform gefordert, daneben Ansprüche an litterarische Selbstausbildung gestellt, und dem allem steht eine Thätigkeit zur Seite, die an An strengung während der größeren Hälfte des Jahres ihres gleichen sucht und die durch die unvermeidbare Vielseitigkeit der Arbeit selbst eine starke Gesundheit auf die Dauer angreift.**) Die Geringschätzung der buchhändlerischen Thätigkeit auf der einen, die schlechten Erwerbsverhältnisse, die eine bessere Honorierung der Angestellten nicht ermöglichen, auf der an deren Seite brachten es dann mit sich, daß auch die An sprüche, die an die Mitglieder des Buchhandels gestellt wer den, bedeutend herabgesetzt wurden. So geben sich denn die meisten Geschäfte mit dem Nachweis des Einjährig-Freiwilligen- Examens ganz zufrieden, unbeachtet, ob außerdem Bildung und Befähigung eine solche ist, daß sie wirklich in praktischer Bcthätigung sich zu vervollkommnen verspricht; von den Ge schäften gar nicht zu reden, die sich mit vierzehn- bis fünf zehnjährigen Knaben, die noch nicht einmal Tertianerbildung haben, als Lehrlinge begnügen.***) Diese jungen Leute nun. *) U. a. wurde vor einiger Zeit folgendes Angebot veröffent licht: Tüchtiger Gehilfe bei freier Kost und Logis und monatlichem Gehalt von 10 gesucht! ") So gilt als Arbeitszeit z. B. in Berlin 8 bis 8, in Ham burg '/gd bis 9 mit 2 Stunden Tischzeit; in der ruhigen Zeit, im Sommer etwa 3 bis 4 Monate, verkürzt sich diese Arbeitszeit allerdings um N bis 1 Stunde, dafür heißt cs dann im Winter, etwa 4 bis 6 Wochen vor Weihnachten, sowie zur Zeit der Ab- rechnungs-(Ostermeß-)Arbeiten und des Schulanfanges bis 10 oder II Uhr, ja nicht gerade selten bis über Mitternacht aushalten, bei Abkürzung der Tischzeit auf 1 Stunde etwa. An Urlaub, wenn ein solcher überhaupt gewährt wird, giebt eS 8 bis 14 Tage im Jahr. ***) Die hieraus sich ergebenden Mißstände werden jetzt bereits von den Buchhändlern selbst erkannt, indem zur Zeit mit aller Macht darauf hingearbeitet wird, den Eintritt in den Buchhandel wieder wie früher von einem Gehilfen-, bezw. Lehrlingsexamen ab hängig zu machen. deren Bildung doch kaum für einen solchen Beruf als ab geschlossen zu bezeichnen ist, die von Litteratur noch kaum die geringste Ahnung haben, die noch völlig unfähig sind, sich über den Wert und die Bedeutung eines Buches ein Urteil zu bilden, die dann erfahrungsgemäß während des größten Teils ihrer Lehrzeit nur mechanische Vorarbeiten zu erledigen haben und zur Selbstausbildung nur in den selten sten Fällen Zeit und Gelegenheit finden werden, diese jungen Leute also sollen berufen sein, das Publikum zu bedienen, Ratschläge über passende Geschenkwerke, über Vorzüge und Nachteile eines Buches zu erteilen. Die Folge ist, sie können nur aufgefangene Urteile hersagen, sie werden durch eifriges Vorschwatzen ihre Unkenntnis zu verbergen suchen, werden durchweg jedes Buch, nach dem sie gefragt werden, em pfehlen u. s. f. Und das Publikum, das etwa, selbst unbekannt mit den Büchern, sich auf die Urteile derartiger Buchhändler verlassen will, dürste schlecht beraten sein. Hier möge denn auch das Publikum für seinen Teil mit eingrcifen und unter Berücksichtigung der Thatsache, daß die Bücher und Bücherpreise durchweg die gleichen sind, die Unter scheidung der Geschäfte darin suchen, ob sie sich den wahren Aufgaben des Buchhandels gewachsen zeigen oder nicht, näm lich Bücher zu beurteilen und nach dem Wert zu verkaufen. Ein höherer Rabatt kann von gewissen Geschäften gewährt werden, die sich der Mühe und Arbeit des wirklichen Bücher vertriebes nicht unterziehen, neue Erscheinungen nicht ver treiben, sich kein großes Lager zur nötigen Auswahl halten und somit mit geringeren Unkosten zu rechnen haben, deren Thätigkeit der oben erwähnte Autor treffend dahin zusammen faßt: »die ohne Vorschule und oft auch ohne den allernot wendigsten Anflug von litterarischer Bildung nichts erstrebten, als den sich von selbst meldenden Bedarf dem berufsmäßigen Sortimentshandel abzufangen und ihm dafür den ebenso schwierigen und mühsamen, wie unter solchen Verhältnissen undankbaren Bücherververtrieb ungeschmälert zu überlassen.« Auf solche oben geschilderte Weise hat nun der Sorti mentsbuchhandel seine frühere Bedeutung verloren, und wahr lich, wenn er in seiner heutigen zum Teil traurigen Verfassung bleibt, verdient er sie auch nicht mehr. Der Sortimenter fühlt sich eben heute nur dazu da, dem Kunden das ge wünschte Buch hinzureichcn; und wenn er etwa gefragt wird, was er empfehlen könne, wird er, dem eben jeder Sinn für seinen Beruf fehlt, immer das Vorschlägen, woran er am meisten verdient oder was er gern los sein möchte. Es geht leider dem Buchhändler unserer Zeit der Begriff seiner Stellung als »eines verantwortlichen Mitarbeiters im Reiche des Geistes« völlig ab, und nur wenige werden sich bereit finden, ein Buch nur je nach Wert oder Unwert zu empfehlen oder gar vom Kaufe abzuraten, eventuell ihn zu verweigern. Unter diesen Umständen ist es dann allerdings dem Publikum auch nicht zu verdenken, wenn es seinerseits den Buchhändler auch nur als seinen Handlanger betrachtet und ihm die Stellung abspricht, die er als treuer und gewissenhafter Mit arbeiter beanspruchen kann und muß. Der wahre Buchhändler sollte bei seiner geschäftlichen Thätigkeit nie die idealen Ziele aus dem Auge verlieren und sich stets bewußt bleiben, daß ihm durch seinen Beruf eine hohe und heilige Aufgabe geworden ist, die er getreulich nach besten Kräften erfüllen soll. Ihm ist es anvertraut, die geistigen Erzeugnisse zu verbreiten und dadurch der Mensch heit die Resultate wissenschaftlicher Forschung und der dichte rischen Schöpfungen zugänglich zu machen. Dazu bedarf es allerdings zuvörderst einer guten Vorbildung und einer reifen Auffassungsgabe. So gewiß demnach einerseits nur die jenigen, die wirklich Neigung zu einem sicherlich vornehmen, aber auch harten und schwer durchzukämpfenden Lebensberuf haben, sich dem Buchhandel zumenden sollten, so gewiß
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