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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.12.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1900-12-27
- Erscheinungsdatum
- 27.12.1900
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- Deutsch
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das Farbige in der Zeichnung verschmähend, in der Linie mit all ihren intimen Reizen, die diese Künstler hineinzulegen wühlen, seinen höchsten Ausdruck fand. Das farbige oder angcwischte Bild hatte bei ihnen noch nicht viel Freunde gefunden, und statt des Pinsels und des Wischers genossen der Zeichenstift und die Feder den Vor zug. — Daß diese Umstände ans eine modern zugeschnittene illustrierte Zeitung anfangs erschwerend wirken mußten, ist einleuchtend. So war es eine ganze Kette von Verhältnissen und Zuständen, die die Prosperität eines derartigen Unternehmens, wie cs die »Jllustrirte Zeitung« war, für Deutschland nicht so ohne weiteres gewährleisteten. Im Gegenteil gehörte für den Kenner dieser Verhältnisse ein recht großer Unter nehmungsgeist dazu, trotz alledem derartiges ins Leben zu rufen. Und diesen Mut besaß Johann Jacob Weber. Am 3 April l803 in Basel als Sohn unbemittelter Eltern geboren, die ihm eine gute Erziehung angedeihen ließen, ergriff er 1818 die buchhändlerische Laufbahn, die er in der Baseler Buchhandlung von Emanuel Thurneysen begann. Er ging dann längere Zeit nach Genf, Paris und London. In Paris trat er in das beste Geschäft am Platze, bei Firmin Didot frdres, ein, jenem alten Buch- händlerhause, in dem sich der Buchhandel seit mehreren Jahrhunderten in einer Familie vom Vater auf die Söhne übertragen und wobei jedes Geschlecht neuen Ruhm durch seine Thätigkeit errungen hatte. Die Entwickelung von Frankreichs Buchhandel ist innig verknüpft mit der der Buchhändlerfamilie Didot, und die glänzendsten Blätter in der Geschichte des französischen Buchhandels sind auch die der Firma Didot So mußte für Johann Jacob Weber der Aufenthalt in Paris von der größten Bedeutung für sein ganzes späteres Leben werden. Seine schon von Hause aus gepflegte Vorliebe für französische Bildung und französischen Geschmack hatte schon in Genf reiche Nahrung gefunden, um wieviel mehr nun hier in Paris unter so günstigen Verhältnissen! Von Paris aus wandte er sich nach Deutschland, wo er in Leipzig bei Breitkopf L Härtel und dann in Freiburg bei Herder thätig war. Aber die engeren Geschäftsverhält nisse konnten ihn nicht befriedigen, und der Drang, seine Arbeitskraft und Ideen frei entwickeln zu können, trieben ihn bald zur Selbständigkeit. Weber war eine groß an gelegte Natur, und die schon im Heimatland und noch mehr im Auslande erworbenen freien und modernen Anschauungen führten ihn nur zu bald zu Unternehmungen, die für deutsche Verhältnisse, wie auch für den deutschen Buch handel von großer Bedeutung und zu Fortschritten für uns wurden, die wir heute als solche erst recht zu würdigen wissen. In Verbindung mit dem Pariser Buchhändler Bossange Pdre gab Weber 1832 eine rein volkstümliche Zeitschrift heraus, das »Pfennigmagazin« genannt, in der auch ab und zu Illustrationen gebracht wurden. Das Blatt fand durch seine Billigkeit und den, trotz dieser doch recht guten Inhalt schnell Verbreitung im Volke und konnte bald die Höhe von 60 000 Abonnenten aufweisen. Es war das erste derartige litterarische Erzeugnis -— der erste Anfangsversuch einer illustrierten Presse in Deutschland. Trotz des guten Einsetzens des Blattes ließ es aber bald nach, und Weber gab es in andere Hände; sein Plan, auf diesen: Wege den breiten Schichten eine gesunde Geistes nahrung zuzutragen, schlug fehl trotz allen seinen Bemühungen. Das ganze Unternehmen beweist aber, wie weit Weber schon seiner Zeit voraus war und wie er sich niit Problemen be schäftigte, die ihrer Tendenz nach beinahe besser in unsere Zeit paßten und sich jetzt auch schneller verwirklichen lassen als damals. Um seine reformatorischen Ideen im Buchhandel oiebeniind>echz>üller Iahrgnng. zu verwirklichen, gründete er im August 1834 eine eigene Verlagshandlung und widmete sich der Herausgabe illustrierter Werke, zu denen er besonders die graphischen Künste, Stahlstich und Holzschnitt, heranzog. Seine neue Thätigkeit begann mit Mignets »Geschichte der französischen Revo lution«. Dem folgte die Sporschil'sche »Kaiserchronik« und »Schweizerchronik«. Die »Geschichte Napoleons I.«, illustriert von dem berühmten Horace Vernet, war das erste Werk, in dem in großem Umfange der Holzschnitt zur Buchillustration verwendet wurde. Darauf erschien ein Werk, das heute in noch alter Frische vor uns liegt, die »Geschichte Friedrichs des Großen« von Kngler, zu dem Adolf Menzel seine ewig schönen Zeichnungen schuf. Gaben schon die Zeichnungen Vernets den deutschen Illustratoren und Holzschneidern neue Anregung, so war das bei Menzels Bildern noch mehr der Fall. Hielt Menzel in der Technik auch fest an der Strichzeichnung, so wurde er doch immer mehr geneigt, auf malerische Wirkung zu arbeiten, und kam damit den farbigen Bestrebungen der modernen Illustration recht weit entgegen. Doch auch diese fruchtbringende Thätigkeit konnte Weber auf die Dauer nicht befriedigen Sein Plan, ein großes Unternehmen auf breiter Basis zu schaffen, hatte ihn immer wieder dazu gedrängt, eine moderne illustrierte Zeitung für das ganze deutsche Sprachgebiet zu schaffen. Und als Ingram in London mit dem gleichen englischen Projekte so gut einsetzte, da war auch Weber nicht mehr zu halten; mit rastlosem Eifer ging er an die vielen mühevollen Vor arbeiten, und Deutschland erhielt bald darauf seine erste illustrierte Zeitung. Nun freilich galt es erst recht, alle Hindernisse, die sich dem jungen Unternehmen in den Weg stellten, zu über winden. Ein Versagen der Arbeitskraft und des Organisations talentes Webers würde jetzt das Eingehen der Zeitung be deutet haben. Aber Weber hatte Gelegenheit, zu zeigen, daß er diesen Anforderungen gewachsen ivar. Er überwand alle Schwierigkeiten und brachte das Werk in Gang. In Carl B Lorck fand der mit Arbeit überbürdete Weber einen treuen Helfer, dessen technische Kenntnisse in allem, was auf den Druck Bezug hatte, ihm viel zu statten kamen. Lorck wurde Sozius von Weber und hat Jahre lang dem Werke seine ganze Arbeitskraft gewidmet; sein Name ist mit der Ge schichte der ersten deutschen illustrierten Zeitung deshalb innig verknüpft. Die »Jllustrirte Zeitung« fand überall günstige Aufnahme und nahm immer mehr zu an Ausbreitung durch ihre vor nehme, unparteiische Redaktion, die Weber von Anfang an sich zum Prinzip gemacht hatte Hierzu kamen die äußerst gewissen hafte Berichterstattung und der immer reichhaltiger und besser werdende Bilderschmuck des Werkes. Die im Anfänge an die neuen Aufgaben noch nicht gewöhnten Holzschneider fanden sich mit der Zeit unter Webers Einfluß bald in die großen Aufgaben, die ihnen die »Jllustrirte Zeitung« bot. Wohl hatte Weber in dem berühmten Holzschneider Eduard Kretzschmar (einem Schüler Unzelmanns) einen tüchtigen artistischen Leiter gewonnen; allein Kretzschmar war Meister im Faksimile und nicht im Tonschnitt, und letzteren wollte Weber ja gerade für sein Unternehmen angcwendet wissen, da er zu gut erkannt hatte, daß die großen Flächen der Bilder in tonigcr Behandlung nicht nur viel schneller herzustellen waren, sondern auch malerischer wirkten. Von diesen Bestrebungen wurden auch die Zeichner mitgerissen, und von Jahr zu Jahr läßt sich immer mehr das Ueber- wicgen des Tvnigcn über das Faksimile in den Illustrationen der Zeitung beobachten — Nach Kretzschmar war es der, auch als Maler sich eines guten Rufes erfreuende Xylograph Toni 1369
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