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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.08.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-08-12
- Erscheinungsdatum
- 12.08.1911
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- Deutsch
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186 12 August 1911. Nichtamtlicher Teil. VSrtenbtatt t. b. Lljchll. vuchhanbe.. 9117 Nichtamtlicher Teil. Münchener Briefe. ii. Ein Unternehmen, das der Idee nach sich als von be sonderer Tragweite erweisen dürste und in München ein sehr ausgedehntes Interesse wachgerufen hat. ist hier vor kurzem unter einem Namen in die Öffentlichkeit getreten, dessen Prägnanz im vorhinein auf das Gesamte günstig schließen ließ. Von Wilhelm Ostwald eifrig propagiert, ist der Gedanke einer Organisierung der geistigen Arbeit so praktisch als möglich dargetan worden durch das öffentliche Jnerscheinentreten der -Brücke«. Dieser erste praktische Ver such. den Organisationen von Handel und Gewerbe nun endlich auch eine Organisation der geistigen Wirksamkeiten gegenüberzustellen, dieser von einem außerordentlichen Ver stehen der zeitgemäßesten Bedürfnisse redende Versuch ist keineswegs als die belanglose Äußerung irgendeines idealisti schen Zusammenschlusses anzusehen. Vielmehr ist zu betonen, daß es sich hier um etwas durchaus Materialistisches handelt, etwas Zweckdienliches im besten Sinne. Denn auf Grund vielfach beklagter Mißverhältnisse in dem ausgedehnten Gebiet der geistigen Arbeit verwies die Überlegung auf eine Möglichkeit, jene Mißverhältnisse, die gerade jetzt besonders zu bemerken sind, wo der praktischen Arbeit so viele Wege zur Vereinheitlichung und zur Kraftersparnis geebnet wurden, zu beseitigen oder wenigstens zu be schränken. Das heißt, es wurde als durchführbar nach gewiesen. daß durch eine Zentralisation zunächst von Auskunft stellen aller Art der gesamte, also auch internationale Verkehr zwischen den geistigen Arbeitern bedeutend erleichtert werden kann, und zwar -automatisch durch allgemeine Einführung einheitlicher Verständigungsmittel, besonders einheitlicher Formate und einheitlicher (aufgedrucktcr) Registraturvermerke für alle Druckwerke, organisatorisch durch Überbrückung der Inseln, auf denen zurzeit die Mehrzahl der geistigen Arbeiter (Individuen und Einzelorganisationen) noch steht«. Die Folgen, die sich aus dieser Tätigkeit der übrigens in enger Beziehung zum Internationalen Bibliographischen Institut in Brüssel stehenden »Brücke« berechnen lassen, sind zu nächst die Ausgestaltung des Unternehmens zu »der Aus- kunststelle der Auskunftstellen, einer Zentrale und Hochschule der Organisation und im Anschluß daran zu einem Museum für Organisationstechnik im weitesten Sinne des Wortes, das in sich alles übersichtlich vereinigen soll, was auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit ausgedacht und ausgeprobt worden ist. um die geistige Arbeit zu fördern und zu er leichtern, und zu einer allgemeinen parlamentarischen Ver tretung der Geistesarbeiter aller Richtungen«. Dieses Pro gramm ist offenbar zu groß angelegt und macht einen zu gewichtigen Eindruck, als daß man darüber einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. Es wäre sehr angebracht, wenn man sich in weiteren Kreisen etwas näher mit diesen Ideen befassen wollte, denn einerseits gehören sie zweifellos zu den wichtigsten Angelegenheiten der Zeit, und anderseits gehen sie nicht bloß den Künstler und den Gelehrten an. sondern alle, deren Arbeit irgendwie im Dienste des Geistes steht.») Schreiber dieses hatte eine Unterredung mit dem Re dakteur und 2. Vorsitzenden der »Brücke», Herrn K. W. »> Wir möchten bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß ein ähnliches Institut wie die »Brücke», das sich Internationale Union zur einheitlichen Förderung der Wissenschaft nennt, bereit» seit Ih. Jahren in Berlin besteht und im Schoße desselben auch der Plan zur Gründung eines wissenschaftlichen Verkehrsinstituts Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 78. Jahrgang. Bührer, der zufolge festgestellt werden darf, daß die organisatorische Idee nicht von gestern aus heute ent standen ist. sondern schon seit etwa dreißig Jahren existiert und auf eine ebensolange lebhafte, allerdings noch nicht öffentliche Tätigkeit zurückblicken kann. Die Träger der Idee geben sich zwar keinen Illusionen hin und sind human genug, um aus den Anblick der Früchte ihres Wirkens verzichten zu können, sofern diese nur von einer späteren Zeit geerntet werden; den Glauben daran haben sie allerdings und sind fest überzeugt, daß ihr Unternehmen der Intensität und der Ausbreitung nach zunehmen und für eine nicht allzu ferne Zukunst von großer Bedeutung sein wird. Es war richtig, als Herr Buhrer auf einen skeptischen Einwand erwiderte, daß es ohne Belang sei. wenn diese Zeit noch nicht reif genug zum kräftigen Ausgestalten der Idee wäre. Die Existenz allein der Idee ist ein Beweis für das Vorhandensein eines »höheren Amerikanismus« als ihres Erzeugers, einer Anschauung, die sich mehr und mehr zur modernen Geste auspiägen wird und hinüber leitet in die neue, bisher nur utopistffch angeschaute — man erlaube das große Wort — Ara der langsamen, aber unaufhaltsamen Verschmelzung von Völkern und Klaffen. Dis Frage, ob die Menschen von heutzutage fähig sind, das Unternehmen tragen zu Helsen, wird ziemlich hinfällig, wenn man das unleugbare Bedürfnis der heutigen Kultur nach Vereinheitlichung aller Beziehungen und nach Kraftersparnis im weitesten Betracht in Erwägung zieht. Es ist nun nicht möglich, im Rahmen dieses Berichts näher auf alle Einzelheiten einzugehen, in welchen die Wirk samkeit der -Brücke« in Erscheinung treten soll. Es sei des halb verwiesen auf den Essay von Wilhelm Ostwald in der Vosstschen Zeitung und vor allem aus die Programm schrift von Bührer und Sauger: »Die Organisation der geistigen Arbeit durch die Brücke», die im Verlage von Fr. Seybolds Buchhandlung in Ansbach erschienen ist. Dieses Buch ist mit einer solchen Klarheit geschrieben, daß es schlechthin jedem einigermaßen denkfähigen Menschen verständlich sein muß; es ermöglicht nicht allein eine vor zügliche Anschauung von den Ideen der »Brücke«, sondern es berührt auch die in Betracht kommenden Fragen so verständnisvoll, daß man es schon dieser Anregungen halber lesen kann. Die Ferien des Königlichen Hoftheaters reißen zwar die übliche Lücke in das allgemeine Programm der hiesigen Bühnenereigniffe. sind aber dabei nicht allzu schmerzlich zu bemerken; denn einerseits ist man auf angenehme Weise in Anspruch genommen durch das Operettengastspiel Professor Max Reinhardts, dessen klassische Inszenierung von Offen bachs »Schöner Helena» nunmehr in Abwechslung tritt zu dem Liebesschwank »Them'dore« von Paul Steffan mit der Musik von Digby la Touche, wobei sich bekanntlich gewisse Differenzen zwischen dem früheren »Mitverfasser -Roda Roda und der Direktion des Künstlertheaters ergeben haben, die noch nicht erledigt sind, andrerseits fühlt sich ein mehr oder minder berufenes Publikum hingezogen zum Schau spielhaus, wo Frank Wedekind in seinem Gastspiel von Jenny Vallidre und Ernst Rothmund sekundiert wird. Hierbei kann mit einiger Genugtuung festgestelll werden, daß das erwogen worden ist, als dessen wichtigstes Ziel eine wissenschaft liche Formulierung und Behandlung der zu vermittelnden Fragen und Antworten hingestellt wird, die nicht lediglich dem tat sächlichen, sondern vor allem auch dem problematisch weiter führenden Charakter der Wissenschaft gerecht werden sollen. Red. 1I8S
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