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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.08.1871
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1871-08-02
- Erscheinungsdatum
- 02.08.1871
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- Deutsch
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175, 2. August. Nichtamtlicher Theil. 2331 dürfte unter Direction des Herrn Mor.Schauenburg ihre Thätigkeit nicht mehr allein auf Frankreich und England beschränken, sondern auch in Deutschland geschäftliche Ausbreitung zu gewinnen verstehen. Ein umfangreiches Musterbuch von Graveurarbeitcn für Büchereinbände hatte die renommirte Graviranstalt von Gerhold in Leipzig zur Ausstellung gebracht. Die vielfach im Buchhandel ein- geführtcn Contobücher von Niese in S. lagen in einem Sorti ment aller Einrichtungen aus. Für Diejenigen, welche geneigt sind, zur Wiederherstellung der beim Bombardement der Stadt Straßburg größientheils zerstörten Bibliothek derselben Bücher zu schenken, ist — um den Spendern derselben Gelegenheit zur Beurkundung der Schenkung zu geben, sowie die Erinnerung an die Entstehungsweise der neuen Universi tätsbibliothek desto besser zu erhalten und endlich, um seltene Bücher leichter von ihrer Wurzel, dem Besitzer, zu lösen — ein Büch er zeich cn geschaffen worden, das der guten Sache wegen nicht un erwähnt bleiben mag. Es ist 4 Zoll hoch und 3 Zoll breit, um schlossen mit einem Arabeskenrahmen, in dem man den Reichsadler, den sonncnumstrahlten Münster und das Wappen von Straßburg, nicht minder die Portraits Erwin v. Steinbach'z und Gutenberg's sieht. In der Mitte liest man: Der Hochschule zu Straßburg von und die Jahreszahl 1871. Noch sei endlich zweier Kunstschöpsungen gedacht, welche, sich selbst empfehlend, zu käuflicher Ueberlassung ausgestellt waren; einer Zeichnung des Malers E. Schmidt in Leipzig auf Holz, 38 Cent, hoch und 30 Cent, breit, — „Singende Nachtigall im blühende» Fliedcrbusch mit Schmetterlings- und Käferstaffage" —, die nur des Griffels wartet, um der Buchdruckerpresse zur Vervielfältigung über- 1 geben werden zu können und deren Preis 90 Thlr. betragen soll, I sowie eines Güldenen ABC für Jung und Alt und Jedermann aus dem Volke, ein Manuskript. Der Künstler C. Röhling in Berlin beabsichtigt diese Sammlnng alter Sinnsprüche in 24 Blättern, Illustrationen und Randzeichnungen für 300 Thlr. abzugeben. Betrachten wir zum Schluffe die Ausstellung des Jahres 1871 als Gesammtbild, so erfüllt den Vordergrund zunächst die wohlthuende Wahrnehmung, daß trotz der schweren, jedes Jndustrieleben hemmen den Zeit dennoch die Erzeugnisse aus allen Feldern der Kunst und Wissen schaft in ziemlich reicher Anzahl vertreten gewesen find. Es gebührt denHerren Einsendern daher um so lebhafterer Dank für diesördernde Unterstützung, deren wir uns von ihnen zu erfreuen hatten und glau ben wir uns der Hoffnung hingeben zu könne», daß diese eifrige Un terstützung auch den späteren Ausstellungen nicht fehlen werde, um somehr, als das Interesse des Buch- und Kunsthandels und seiner Nebenzweige durch die Ausstellungen wesentlich gewinnt. Sie ermöglichen nicht nur den Fachleuten, sondern auch dem gebildeten kauflustigen Publicum einen Ueberblick der vorzüglichsten neu erschie nenen Preß- und Kunsterzeugniffe, und je reichhaltiger und fesselnder sie sich gestalten, um so zahlreicher wird der Besuch, um so wichtiger der Nutzen für die Aussteller sein! Ferd. Seidel. Miscellen. Einer Reiseskizze „Bon Kairo zu den Mosesbrunnen", von dem bekannten Aegyptologen G. Ebers, im Julihefte der Monats schrift „Aus allen Welttheilen" (Verlag von A. Refelshöfer in Leipzig) entnehmen wir Folgendes aus Suez: „Um ein sonst überall und in allen Sprachen zu findendes Buch zu erwerben, ließ ich mich zu den beiden sogenannten Buchhändlern des Ortes führen. Da fand ich nichts als Papier, Contobücher, Kalender und einen kleinen Vorrath der gemeinsten französischen Schundliteratur. Ich habe auf meinen Reisen ziemlich häufig in die Buchläden geschaut und glaube mich dort am besten und sichersten über die geistigen und gemüthlichen Bedürinissc des Volkes, das ich kennen zu lernen wünschte, unterrichtet zu haben. In Frankreich übcrwiegt überall der moderne Roman, die politische und sociale Literatur, in Spanien fand ich ein ziemlich großes Antiquariat, wenige leidliche Sortimentsgeschäste und in diesen, neben einigen altspanischcn Klassiker», Uebersetzungen aus dem Französischen, aus die Stiergesechtc bezügliche Schriften und Darstellungen, bunte Heiligenbilder, »ltramontane religiöse Schrif ten — und neben diesen die allerfrechsten Machwerke, die der nackte Materialismus je zu Tage gefördert hat. Gerade die letzte», und unter ihnen in erster Reihe „Di»«", ein ebenso unverschämter als flacher Versuch der Negation Gottes, wurden am schnellsten verkauft. Aus diesen Erscheinungen ist es nicht allzu schwer, auf die gegen wärtigen sociale» und politischen Zustände in Spanien zu schließen, und ich bin der Ansicht, daß überhaupt der Culturgrad eines Volkes weit besser nach dem, was es liest, beurtheilt werden kann, als nach dem bekannte» Liebig'schcn Seifeconsum und andern schwer zu er langende» Indizien. In den Buchlädcn zu Suez konnte ich mir von den geistigen und gemüthlichen Bedürfnissen der Bevölkerung schon darum kein Bild machen, weil dieselbe keine zu haben scheint. Dieser Mangel ist aber gerade charakteristisch sür sic. Jeder ringt nach Ge winn und materiellem Behagen. Die edleren Regungen seiner Seele können ihn nur bei seinen mcrcantilen Operationen stören, und am liebsten schnitte er das Gewissen aus wie die Läufer nach dem Volks glauben die Milz. ScinGeist ist mit Zahlen undGrößen beschäftigt. Alles andere ist vom Nebel. Im Suez-Hotel und in den größten Läden an der Hauptstraße fand ich später viele Bände von guten englische» Werken in der Tauchnitz-Ausgabe, die aber fast ausschließ lich von den Reisenden gekauft werden. Es sei erlaubt, mit einem Wort auf den großen Nutzen hinzuweisen, den die billigen Leipziger StercoIHP-Ausgaben in weitesten Kreisen stiften. Zugänglich auch für den Unbemittelten, geben sie nur Schriften von einigem Wcrthc und wirken ebenso viel Gutes, als die wohlfeilen französischen Roman- Hefte Schaden bringen. Dabei ist der Absatz ein ganz ungeheurer. Ich kann versichern, daß, wo sich im Orient eine anständige Buch handlung befindet, die Hälfte des ganzen Lagers der Tauchuitz'schen Offizin ihren Ursprung verdankt. Der Besitzer der größten Buch handlung in Kairo ist ein Landsmann von uns. Sollte es ein Zufall sein, daß auch in allen italienischen Hauptstädten die bedeutenderen Sortiments-Buchhandlungen von Deutschen gehalten werden, durch die selbst die Italiener dasjenige beziehen, was die anderen Völker auf literarischem Gebiet leisten? Wohin ich gekommen bin, fand ich die Deutschen als wahre Vermittler des geistigen Besitzes aller Völ ker, keineswegs die Franzosen, welche an der Spitze der Civilisation zu schreiten vorgeben und in jüngster Zeit der Welt wenig mehr ge schenkt habe» als Entsittlichung und Unruhe." Vor uns liegt der sechste Jahrgang des: „Adreßbuch für den Buch-, Kunst-, Musikalienhandel und verwandte Geschäfts zweige der österreichisch-ungarischen Monarchie, mit einem Anhänge: Zeitungsadreßbuch für Oesterreich-Ungarn. Herausgegebcn von Moritz Perlcs, 187>, mit dem Bildnisse von Friedrich Tcmpsky." Derselbe enthält in der Rubrik Buch-, Antiquar-, Kunst-, Musikalicn-, Landkarten-, Schreibmatcrialienhandlunge» und Leihbibliotheken 787 Firmen (darunter 64 Filialen), während im Jahrgang 1870 759 Firmen (darunter 68 Filialen) ausgeführt waren, lieber Leipzig verkehren 415 Handlungen. Im Zeitungs- adreßbuch werden 377 Journale namhaft gemacht (1870: 3H2), wovon 124 in Wien erscheinen. Der reiche, ungemein sorgfältig bearbeitete Inhalt sichert dem Buch zahlreiche Abnehmer und muß der Buchhandel stolz darauf sein, zwe: so treffliche statistische Hand bücher zu besitzen, wie cs das genannte und sein allerdings bedeutend umfangreicherer Leipziger College sind. 339
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