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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 21.10.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-10-21
- Erscheinungsdatum
- 21.10.1911
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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12588 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 246, 21 Oktober 1S11. Schweiz und überall da, wo Deutsche wohnen, vermitteln den Verkehr mit der bücherkaufenden Welt. Sie bilden in Gemeinschaft mit dem deutschen Vcrlagsbuchhandel eine fest umrisssne Berufsgenosjenschaft. Sie haben sich auf bestimmte Verkehrssormen geeinigt, und durch weitverzweigte Organi sation sind sie in der Lage, für jedes neue Buch aufklärend zu wirken. In anderen Ländern, wo diese Pionierarbeit von einer dem deutschen Buchhandel ähnlichen festen Organisation nicht geleistet werden kann, ist der Verlagsbuchhandel darauf angewiesen, nur solche Bücher zu drucken, die er von vorn herein gewinnbringend zu verkaufen glauben kann. Wissen schaftliche Bücher und Dichtungen, die ihre Wertprägung auf dem Büchermarkt noch nicht empfangen haben, müssen dort vom Staat oder von wissenschaftlichen Vereinen und Mäzenen subventioniert werden, wenn sie den Weg in die Öffentlichkeit finden wollen. Man denke, wieviel Talent bei uns verkümmern müßte, welches Maß von revolutionierender Erkenntnis gehemmt wäre, wenn sich Kunst und Wissenschaft nicht auf den freien Unternehmergeist stützen könnten, wenn Dichter und Gelehrte auf die Unterstützung von Staat und Gesellschaft angewiesen wären. Daß sich der Buchhandel aus der vorkapitalistischen Zeit bis in unsere Epoche hinein seine Form bewahren konnte, während in anderen Ländern das Handelsschema des mo dernen Industrialismus auch aus den Büchermarkt über- gegrifsen hat, das dankt er der Eigentümlichkeit deutschen Wesens, das sich seine moralischen Gesetze, aus feiner Arbeit schasst. Seit vielen Jahren wird an der alten Institution herum kuriert, denn ihre ökonomische Lage ist schwach, und das Waren haus, das sich der Organisation des Buchhandels angeschlossen hat, macht dem regulären Sortimentsbuchhandel erhebliche Konkurrenz. Die Rabatte der Verleger sind zwar bedeutend höher als die üblichen Rabatte im Warenhandel, aber der Sortimentsbuchhandel glaubt selbst bei diesen Rabattsätzen aus die Dauer nicht bestehen zu können. Eine Erhöhung der Rabatte würde aber auch eine Erhöhung der Bücherpreise bedeuten und das kann nicht im Interesse des Buchhandels liegen, weil es die ohnehin nicht große Konsumkraft des Volkes noch weiter verringern würde, während alles auf die Stei gerung des Bücherkonsums ankommt. Das Lesebedürfnis ist wohl gewachsen, aber die Mehrzahl der Leser begnügt sich mit Büchern aus der Leihbibliothek oder mit der Lektüre von Zeitungen und Zeitschristen, die das Buch zu ersetzen suchen. Die großen Massen haben bisher am geistigen Leben, soweit es sich aus dem Buch mitteilt, nur geringen Anteil genommen. Das Bedürfnis, ein neues Buch zu besitzen, ist selbst bei den oberen Zehntausend nur sehr unvollkommen ausgebildet. Man sagt, die Bücherpreise wären bei uns zu hoch, und man will damit die geringe Kauflust des Publikums erklären. Tatsächlich sind aber die Bücherpreise in den letzten zwanzig Jahren bedeutend heruntergegangen, trotz der gesteigerten Ansprüche an den Materialwert und an die Ausstattung der Bücher. Das Buch, das in Massen produziert werden kann, ist bei uns ebenso billig, wie sonstwo. Das Buch, dessen Ver breitungsfähigkeit nicht vorhergesehen werden kann, dessen Absatz eng begrenzt ist (und das trifft auf die Mehrzahl der Bücher zu), kann nur in einer verhältnismäßig geringen An zahl von Exemplaren gedruckt werden. Sehr viele Bücher bringen kaum die Selbstkosten ein. Man hat aus Frankreich hingewiesen auf den 3,SO Frcs.» Band. Dieser Einheitspreis ist für das französische Buch nur deshalb möglich, weil es aus den internationalen Markt zu geschnitten ist. Frankreich exportiert noch immer einen großen Teil seiner Bücherprodüttion; der Einheitspreis seines Romans war dort ein handelstechnisches Bedürfnis. Frankreich Prägt das Modebuch für den Weltmarkt. Es züchtet den Modeschrift steller; für die Pslege des jungen Talents außerhalb des schematisierten internationalen Büchermarkts ist dort nur wenig Raum. In nnseren variablen Bücherpreisen drückt sich unsere vielgestaltige literarische Produktion aus, unabhängig von Geschmack und Mode. Deutschland steht an der Spitze der bücherproduzierenden Kulturländer. Im Jahre 1SOS sind bei uns 31 OS1 Bücher erschienen; in großem Abstand, auch wenn man den Unterschied der Bevölkerungszifser mitrechnet, folgt England, mit etwas mehr als 10 000 neuen Werken; während in Frankreich die Ziffer der neu erschienenen Bücher im letzten Jahrzehnt von 13362 aus 13185 heruntergegangen ist. Nun haben wir zwar die größte Bücherproduktion der Welt, damit ist aber noch nicht gesagt, daß wir den größten Bücherkonsum haben. Wir leiden an einer chronischen Überproduktion. Denn ein großer Teil der erschienenen Bücher findet nicht den Weg zum Leser. Die Auflagen vieler Bücher werden »verramscht« und ein- gestampst. An dieser Überproduktion, die im handelstechnischen Sinne gar nicht als Überproduktion bezeichnet werden kann, weil sie nicht aus der Störung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage entsteht, sind alle Verleger beteiligt. Nicht nur die Verleger, die ein vages Spiel bei der Auswahl der Manuskripte leitet, die »erfolgreiche« Bücher verlegen wollen und dabei die meisten Nieten ziehen, auch der ernst geleitete Verlag, der bei der Wahl kritisch vom Wert der Arbeit ausgeht, macht die Erfahrung, daß ein großer Teil seiner Bücher nicht durchdringt. Das liegt in der Natur der literarischen Pro duktion frei schaffender Schriftsteller, die nicht sür einen for dernden Bedarf produzieren, sondern aus eigenem Willen Werke schassen, Werke, die einen günstigen Wind brauchen, um die Fahrt ins Licht des Lebens zu machen. Mit solchen abenteuernden Büchern, die stolz und froh, in schöne Ge wänder gehüllt, auszogen, um ihr Glück zu machen, die zur Ostermssse zum Verleger, vom Schicksal hart mitgenommen, zerzaust wieder heimkehren und irgendwie aus dem Markt untergebracht werden müssen, haben wir bei uns mehr als sonstwo zu rechnen. Während in England und Frankreich die Konvenienz, das Mittel zur Verständigung der Menschen untereinander, eine gewisse Stetigkeit und Einheit des Geschmacks sicherstellt, ist bei uns vorläufig noch und vielleicht sogar glücklicherweise der Erscheinungen Flucht so vielfältig, daß wir uns in einer ästhetischen Wirrnis befinden. Der Geschmack des Publikums pendelt zwischen Extremen; er ist bald literarisch, bald kunst fremd; bald siegt das Dichtwerk, bald das schablonenhafte Produkt. Die Aufnahmefähigkeit des Publikums ist scheinbar sehr groß und vielfältig, sie ist es nur auf Kosten des schlechten Gedächtnisses. Es kann geschehen, daß der Dichter, dem gestern zugejubslt wurde, morgen im Stich gelassen wird. Dem Publikum fehlt die Ruhe, die Stetigkeit und die Liebe, den empfangenen Eindruck ausreisen zu lassen. III. Wir haben begonnen, neben dem Buch mit differen ziertem Preis, das sich erst einen Markt erobern muß, das Buch zum billigen Einheitspreis zu schassen. Dieser billige Ein heitspreis ist aber nur bei Büchern möglich, die in Massen hergestellt werden können. Wir sind zunächst daraus beschränkt, Bücher populärwissenschaftlichen und von denen schöngeistigen Inhalts solche, die in den Besitzstand des heutigen Lebens ein getreten sind, in neuen billigen Ausgaben herauszugeben, also Bücher, die ihren Umlaufkreis in der zahlungsfähigeren Schicht vollendet haben, zu einem billigen Einheitspreis in eine neue Umlaufsbahn zu leiten. Diese Versuche sind zum Teil außerordentlich geglückt. Wir werden dabei aber nicht stehen bleiben können. Es hat sich gezeigt, daß dem literarischen
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