2S8, 17. November 1SI1. Künftig erscheinende Bücher. «SrskNAav f. ». Dtsch». Buch?«IÜ»l. 14 3 3 s Erich Reiß Verlag, Berlin W. 62 <Z) Nächste Woche erscheint: Nervosität Roman von Eva Loiting. Ca. 22 Bogen. Broschiert M. 4.—. Gebunden M. 5.—. Aus dem Geiste der Gegenwart heraus ist dieses Buch erwachsen. Der Großftadtmensch von heute, der Spielball seiner Reizbarkeit, das zwischen Ekstasen der Sehnsucht und der Trostlosigkeit pendelnde Opfer seiner nervösen Feinfühligkeit ist der Leld dieser Dichtung. Mit einer packenden Kraft der Schilderung, mit einer Beobachtung, die im Lalbdunkel der Gefühle Licht und Schatten mit plastischer Kraft gegeneinander abgrenzt, ist die grübelnde Selbst analyse des Leiden gestaltet; dieses Leiden, der mit den Phantomen seiner Phantasie Schlachten schlägt und dessen Lerz erfüllt ist von der müden Sehn sucht nach der Reinheit und der Einfachheit unverbildeter Natur. Und dieses unruhvolle Kind der Großstadt zieht hinaus in die beschau- liche Stille eines verträumten Städtchens, um Ruhe, Trost, Genesung zu suchen. Es gerät mitten hinein in den Kreis kleiner Seelen, deren beschränkter Blick über die Sorge des Alltags nicht hinausreicht und deren enge Wünsche nur Schlafzimmer und Küche umkreisen. Mit frischem, herbem Lumor sind diese Gegensätze gestaltet: diese Jagd nach dem kleinen Glücke des Behagens und daneben die dunkle Sehnsucht des zarten, reizbaren Nervenmenschen. In ihm schwebt dunkel der Wunsch, dieser nicht greifbaren und dadurch doppelt qualvollen Tyrannei seiner Nerven zu entfliehen. In ihm waltet der Durst, nur einmal, ein einziges Mal sich restlos einem starken Gefühl hingeben zu können. Und diesem Menschen gegenüber tritt wie verklärt die reine, stille Gestalt eines selbstsicheren Mädchens. Ihr Wesen ist im Feuer ruhiger Pflichterfüllung geklärt und gefestigt. Aber mit dem alles begreifenden, ahnungsvollen Verstehen des weiblichen Lerzens fühlt sie diese ihr so fremde Zwiespältigkeit des Empfindens mit, bis sie, die werdende Frau, mit sicherem Instinkt dem Schwankenden den einzigen Weg zum Frieden weist: die harte Straße der Pflicht. Die Verfasserin, für die Öffentlichkeit bisher eine Fremde, stellt sich mit diesem Buche in die erste Reihe unserer Romanschriftstellerinnen und scheint berufen, sich schnell eine Lesergemeinde zu erobern. Bar mit 35°/« ä eond. 25°/». Partie 13j12.