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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.11.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-11-17
- Erscheinungsdatum
- 17.11.1911
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- Deutsch
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- Saxonica
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14294 Börsenblatt f. d. Dtjchn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. ^ 268, 17. November 1811. Zu den Neformbestrebungen des deutschen Buchhandels. ii. Offene Antwort eines Sortimenters an Unter obiger Überschrift erschien in Nr. 263 dieses Blattes ein Artikel, der gewiß im Buchhandel allseitig mit Aufmerksamkeit gelesen worden ist. Es hat hier zweifellos ein Verleger, und wie ich gern annehmen will, ein Mann das Wort ergriffen, dem daran liegt, die großen Gegensätze im Buchhandel einer befriedigenden Lösung cntgegenzuführen. Der Verfasser spricht leider nicht mit Unrecht von einer »starken Krisis«, und meint, daß die Situ ation etwas Unheimliches an sich habe, weil niemand recht wisse, Ivo der Hebel anzusctzen sei. Auch der Verfasser weiß keine greif baren Vorschläge zu machen, denn er beschäftigt sich zur Haupt sache mit den Klagen, wie sie seit Jahr und Tag im Sortiment und Verlag immer wieder ertönen, und gibt dann seine» Kollegen im Verlag einige Anregungen und Vorschläge, die er aber selbst mit Fragezeichen versieht. Und vor den Schlußsätzen heißt es: Er (der Artikel) hat seine Schuldigkeit getan, wenn er diesen oder jenen zum Nachdenken anregl und tritt gern zurück gegenüber jedem Vorschlag, der besser zu einer Gesundung der Verhältnisse führt». Als ich den Artikel zu Ende gelesen hatte, saßte ich sofort den Entschluß, darauf zu antworten. Nicht in der Meinung oder gar Überzeugung, daß ich imstande wäre nutzbare Vorschläge zu machen, sondern nur von dem Wunsche beseelt, zur Klärung der Sachlage etwas beitrage» zu können. Ich lege die Ausführungen des Verlegers * * * zugrunde, weil hier die Hand a» eine Wunde gelegt wird, die nicht nur das Sortiment, sondern der ganze deutsche Buchhandel besitzt. Wer den Artikel in Nr. 263 in aller Ruhe erwägt, wird mit mir gewiß einig sein, daß die Verhältnisse des Berlages weitaus sachlicher behandelt sind, als die des Sorti ments. Das ist ja auch erklärlich, aber ich muß mein ausrichtiges Bedauern aussprechen, daß der Verfasser, der die Mängel und oftmals recht empfindlicher Weise treffen, einfach vorübergeht. Es mutet wirklich recht befremdend an, wenn der Verfasser von der »übermäßigen Konkurrenz im Detailhandel-, spricht, von der Kon kurrenz der Verleger untereinander jedoch kein Wort ver lauten läßt! Und gerade hierin tritt ein Moment zutage, das als berechtigte Klage des Sortiments doch wohl anerkannt werden muß. Die bis zum Überdruß schon erörterte Überproduktion des Verlages ist lediglich doch eine Folge der zu vielen Verleger. Der Verlag operiert bekanntlich sehr oft mit der Behauptung: Das Sortiment versagt! Zugegeben, daß es Sortimenter gibt, die tatsächlich versagen, so ist und bleibt die Verallgemeinerung dieser verlegerischen Klage unzutreffend, und sie ist ferner sogar ungerecht, wenn man die ausschlaggebenden Verhältnisse in Betracht zieht. Es muß hier ausgesprochen werden, was allerdings auch schon oft geschehen ist: nicht die Ausnahmewilligkeit des Sortiments, sondern die Aufnahmefähigkeit des Publikums wird von Jahr zu Jahr vom Verlage aus immer härtere Proben gestellt, daß ein Versagen als logische Folge austreten muß. Für populäre Literatur, Ge schenkwerke, politische Broschüren, billige Sammlungen, Klassiker usw. gibt es natürlich keine Begrenzung der Absatzmöglichkeiten, aber die Tausende von Schriften und Büchern aller Art, an deren Wert und Bedeutung nur der betreffende Verleger glaubt, sie sind es, die der denkende und rationell arbeitende Sortimenter ablehnt. Hier versagt er in der Tat, weil er versagen muß! Einsichtsvolle Verleger, die auch das Sortiment wirklich kennen (was leider nicht immer der Fall ist), geben selbst zu, daß sie nur zu oft gezwungen sind, Bücher zu drucken, die auch ihnen überflüssig erscheinen. Ich spreche hier etwas aus, was ich wiederholt von befreundeten Verlegern gehört habe. Auch die wissenschastliche Literatur leidet an der Überproduktion, was auf allen Gebiete» von Fachleuten beklagt wird. Der Verlag hat des öfteren schon erklärt, er könne und wolle auf ein solides und tatkräftiges Sortiment nicht verzichten. Diese Erklärung ist natürlich unserer schönen Augen wegen sicherlich nicht erfolgt. Der Verlag ist unzwciselhast berechtigt, vom Sortiment zu ver lange», daß es seine Bücher (die neuen wie die alten!) in aus reichender Weise vertreibt. Der Verlag ist folgerichtig alsdann aber auch verpflichtet, dem Sortiment, das für ihn arbeiten soll, ausreichende Lebensbedingungen zu bieten. Die Rabattsrage lasse ich hierbei ganz aus dem Spiel, weil ich zu denjenigen Sortimentern gehöre, die ihre Tätigkeit nicht von der Höhe des Verlegerrabattes abhängig machen. Was mir dagegen aus dem Herzen liegt, will ich hier, nicht als meine Klage, sondern als Anklage seitens des gesamten soliden Sortiments offen aus- sprechen, und möchte zu diesen, Behufe zwei Fragen an den Ver fasser des Artikels in Nr, 263 richten: 1. Wissen Sie, daß es Verleger gibt, die dem Buchhandel ihre Neuigkeiten ankündigen, nachdem sie die betr. Abnehmer kreise im Publikum schon mit Anzeigen versehen und zu direktem Bezug ausgefordert haben? 2. Wissen Sie, daß es Verleger gibt, die zwei Preise machen? Ta ich hier zu Berussgenossen spreche, brauche ich über die schwere Bedeutung dieser beiden Fragen keine Details anzufügen. Ich kann dagegen nicht daraus verzichten, aus ihnen die Konse quenz hier zu veröffentlichen. Sie heißt: Totengräberei am Leibe des ganzen deutschen Buchhandels, von dem das Sortiment nur ein Teil ist. Aber dieses Sortiment wird ange klagt, immer wieder angeklagt — daß es versage!? Und nun, sehr geehrter Herr Verleger' will ich Ihnen noch eine dritte Frage vorlegen: Kennen Sie wirklich die Verhältnisse des Sortiments so genau, daß Sie es in Ihrem Artikel, der die Re formbestrebungen des deutschen Buchhandels behandelt, wagen durften, das gesamte Sortiment vor Ihre» Richterstuhl zu ziehen!? Sie haben in Ihrem Aussatz auf einen an sich ganz richtigen Unterschied hingewiesen zwischen den Interessen des wissenschaftlichen und des belletristischen Verlages. Und dabei sagen Sie, »der Verleger schöner Literatur, dessen Publi kationen sich an ein verwöhnteres Publikum wenden, wird die Sanierung des tüchtigen Sortiments zweifellos begrüßen . Dazu möchte ich Ihnen bemerken: eine Sanierung des tüchtigen Sortimentes ist ja ein Unding, also wohl nur ein Lapsus, der Ihnen in die Feder geflossen ist. Wenn aber von der Sanierung des Sortimentes, so weit es nötig ist, geredet werden soll, so muß ich Ihnen entgegnen: vom Verlage erwarten wir sie nicht! Was in unserer Körperschaft verbesserungsbedürstig ist — Mängel und Schäden bei uns stellt kein einsichtiger Sortimenter in Abrede — das muß von uns selbst gemacht werden. Aber der Verlag kann uns wohl helfen, wenn er eingedenk bleibt seiner Erklärung: er wolle und könne nicht verzichten auf ei» solides Sortiment, und wenn er keine Totengräberarbeit an uns verrichtet! Sie haben auch gejagt, »daß man einen Fehler gemacht habe, indem man den Verlag als ein einheitliches Gebilde betrachte, das im Deutschen Verlegerverein seine offizielle Vertretung finde«. Diesen Fehler habe ich niemals begangen, weil es mir bekannt ist, daß der Deutsche Verlegerverein zur Hauptsache ein Krcditverein ist. Es ist mir ferner bekannt, daß der Deutsche Verlegerverein gelegentlich wohl auch andere Fragen behandelt (Verlagsrechte usw.), es ist mir jedoch nicht bekannt, daß der Deutsche Verlegerverein sich mit dem Wohl und Wehe seiner Geschäftsfreunde im Sortiment be- schästigt hat. Seine Satzungen legen ihm diese Aufgabe allerdings nicht aus, aber ich glaube doch, daß eine bessere Verständigung zwischen Verlag und Sortiment erfolgen würde, wenn der Deutsche Berlegerverein nach Schillers Wort verfahren wollte: »es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken«. Es liegt mir durch aus sern, gegen den Deutschen Verlegerverein aus einem Umwege (durch Schiller) irgendwelche Vorwürfe zu erheben, ich glaube je-
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