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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.01.1925
- Strukturtyp
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- 1925-01-20
- Erscheinungsdatum
- 20.01.1925
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 16, 20. Januar 1925. wordener Mitglieder erhältst du Büchlein nach Wahl aus einer be stimmten Reihe. Vielleicht »Helenens Kinderchen« oder so. - Und dann darfst du auch ciue Goethe-Ausgabe zu 57 Mark und eine Kleist- Ausgabe in möglichst vielen Exemplaren verkloppen und erhältst dann: »Goethes Parkzeichnungen- oder »Kleist in Paris« gespendet. Rach Akte 15 938 des Handelsregisters Berlin-Mitte ist im Jahre 1921 als Vorstand ein Kaufmann Robert Federn, als Prokuristin ein Fräulein Charlotte Bernstein verzeichnet. Neuere Eiutraguugen nen nen die Namen: Weiglin, Gysae und Ossenbach. — Ich sehe in diesem Verband, der eigentlich gar keiner ist, eine Umgehung des legalen Buchhandels. — Die Aufzeichnung als »Ver band« (ohne Mitgliedsbeiträge!) mindert die Ausgaben an Steuern. Die Werbung durch die sogenannten »Mitglieder« erspart die Agenten- Provisionen. — Es wäre da nicht uninteressant, einmal die Meinung des Buchhändler-Vörsenvcreins über diesen beglückenden Volksverband mit dem Knkirol-Wahlspruch zu hören! Die Verein sngchrichten bes S ch u l w i ss e n s ch a f t- lichen Bi ldung s v er e i n s in Hamburg schrieben am 2. Noveniber 1924: Eine »Denkschrift zur Schaffung einer Deutschen Buchgcmcinschaft« geht uns zu. Als Ursprung dieser »Buchgemeinschast« wird ange geben : »Die Deutsche Buch-Gemeinschast, geboren aus den wirtschafts- und sozialpolitischen Nöten unserer Zeit, bezweckt den Auf- und Aus bau eines Riesennetzes von -Hausbibliotheken in Stadt und Laub.« — Hier fällt uns bereits ein Widerspruch auf. Wenn diese Buchgemein schaft aus wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Nöten geboren wäre, müßte sie von denen ausgehen, die Bedürfnis nach dem guten Buch haben. Sie wird aber gegründet von Leuten, die Bücher liefern wollen, die ein »Riesennetz« von Hausbibliotheken in Stadt und Land auf- und ausbauen wollen. Um es also kurz zu machen: eine Ge schäftsgründung, die man zu einem Nicsenunternchmen ausbauen möchte, und zwar dadurch, daß alle Interessenten Mitglieder werben. So tritt man auch au die »Schriftleitung der Vereiusnachrichten des Schul wissenschaftlichen Bildungsvereins« heran und hat gleich einen Werbcartikel mitgeliefert. Nach diesem Werbeartikel soll der »Berliner Lehrerverband in anerkennenswerter Weise den Wert der Bestrebungen der Deutschen Buch-Gemeinschast erkannt und dortselbst eine Werbe zentrale eingerichtet haben, um auch der großen Masse unserer Lehrer schaft den Besitz des guten Buches zu ermöglichen« (Anmerkung: man halte neben diesen Satz das Verzeichnis der 33 Bände, die bis zum Herbst auf 50 gebracht werden sollen: Goethes Faust I und II und llrfaust in einem Baich, Scheffels Ekkehard; die Hosen des Herrn von Bredow, Hoffmanns Elixiere des Teufels, Heines Buch der Lieder. Goethes Gedichte, Tolstois Kreuzersonate, Dickens' Oliver Twist, Flaubert, Bischer, Wilde, Lagerlöf, Brachvogel und Dostojewski. Dazu vier Romane von Flake, Harlan, Enlenberg und Georg Engel. Dazu Max Deri, Das Bildwerk; vr. Schönichen, Vom deutschen Walde; Auf sätze von Treitschke, Lenz, Marcks usw.; Wagnerbriefe; Stirner, Der Einzige und sein Eigentum ; Kügelgen, Jugenderinnerungen eines alten Mannes, herausgegeben von Prof. Sternfeld; Schopenhauer, Die Grundprobleme der Ethik, v. Ranke, Geschichtsbilder; Filchner, Quer durch China; Prof. Gottstein, Heilwesen der Gegenwart. Das ist so ziemlich alles. An Jugendschriften: Grimms Märchen, Deutsche Sagen, Andersens Märchen und »Ein Buch für junge Mädchen«. Diese Biblio thek soll erweitert werden, und das dürfte sehr nötig sein; denn die Hosen des Herrn von Bredow haben uns auf den profanen Gedanken gebracht, daß die Bücher des Verzeichnisses in ganz ähnlicher Zu sammenstellung sehr wohlseil als Massenartikel in den großen Waren häusern ausgeboten werden. Und ferner -dürfte Herr Julius Bab aus Berlin, der Leiter des Unternehmens, das Bildungswissen der deutschen Volksschullehrer nicht ausreichend kennen, wenn er sie mit diesem Verzeichnis beglücken will. Denn selbst ein anerkannter Ro man, den jedes Kind kennt, ist buchhändlerisch nicht mehr als ein Ladenhüter. Nun aber die Zusammenfassung des idealen Zweckes dieser Buchgemeinschaft: »Was ist somit die Schlußsumme der ganzen Planung? Es ist die geistig sittliche Verinnerlichung und Hebung der Masse, die Förde rung klar umgrenzter Werkprodnktivität auf allen Gebieten mensch licher Betätigung durch die Deutsche Buchgemeinschaft im praktischen Punkt, d. h. auf einer wirtschaftlichen Grundlage gebunden und ge sichert — und das ist die Entscheidung.« Diese Schlußapotheose habe ich nicht begriffen, wenigstens nicht so gut, wie den Sinn der Zahlkarte für die Deutsche Buchgc,mcin- schaft, G. m. b. H., Postscheckamt Berlin NW 7. Die G. m. b. H. will für den Mitgliedsbeilrag, dessen Höhe aus dem mir vorliegenden Schrifttum nicht erkennbar ist, bieten: 1. das Buch, 2. eine zweimal monatlich erscheinende Zeitschrift »Das Zeitungsbuch« und 3. den Vortrag, der an allen Orten gehalten werden soll, wo sich »der Ge danke der segensreichen Wirkung des guten Buches herausgcbildet hat«. — Die vorliegende Nummer des Zeitungsbuches bringt »Garin als Geisel«, eine Novelle von Rudyard Kipling, einige geschmacklose Witze und Anekdoten und einen noch geschmackloseren »Psingstchoral , dessen 1. Strophe lautet: »Ich lag in siecher Todesnacht, schon hatte sic mich längst gemacht zum Schwächsten und Geringsten, da plötzlich bin ich aufgewacht, oh, aufgelockt und aufgelacht (!) hat mich die Nacht der Pfingsten: Sausend, brausend kam sie schreiend und befreiend, Blitze schwangen, Donner und die Knospen sprangen.« — Dieser fürchterlichen Geschmacklosigkeit an die Seite zu stellen ist ein anderes Gedicht von Goeckingk (aus dem 18. Jahrhundert): »Krank für Liebe«. Daraus Strophe 5: »Ei! ich möchte säst dich schlagen; Zieh' den Schlepp auf; was für Staub? Soll ich's dir noch zehnmal sagen? Ach! die Liebe macht mich taub!« Dazu kommt ein Abdruck aus einer als »gutes« Buch angcpric- senen Biographie Carusos von Pierre V. N. Key, übersetzt von Kurt Thesing. Als Stilprobe diene die Schilderung der Stimme Carusos: »Gold, gehüllt in Samt: das ist Carusos Stimme. Gleich allen echten Genies verschwendet er seine Kräfte und schleudert seine lyrische Raserei in das Haus. Er gibt sich ganz aus. Und doch erweckt er irgendwie das atemberaubende Gefühl, als hielte er noch vieles zurück. Wieder und wieder bricht seine anfängliche herrliche, mühelose Ver zückung durch. Gleich einem zarten Mädchen auf sonniger Straße tanzt seine Stimme dahin seltsam, bezaubernd, mühelos springend, wo andere stolpern, und mit frischem Lächeln und raschem heiteren Blut ungezählte Meilen dahintrippelnd. Nie gab es solche Wärme, nie solchen Überfluß! solche Entfaltung! Aber wahre Schön heit kann nie abstrakt bleiben. Tie Kunst, die Transzendentalismus für ihre Würdigung beansprucht, stempelt sich selbst als inferior. Und so weiter!! Diese Nummer des Zeitungsbuchs stellt ein derart krasses Beispiel literarischer Minderwertigkeit und übler Journalistik dar, daß die geistigen Leiter des Unternehmens mit der Emporbildung zu gutem Geschmack zuerst bei sich beginnen sollten. Es geschieht den Verfassern einzelner längst bekannter guter Bücher aus dem Ver zeichnis nichts zu leide, wenn wir unseren Eindruck von dieser »deut schen« Buchgemeinschaft dahin zusammenfassen, daß wir darin lediglich ein geschäftliches Unternehmen zu erblicken vermögen, den Versuch, den Buchverkauf zu monopolisieren. Dazu die Hand zu bieten, wird kein denkender Lehrer bereit sein; einmal deshalb nicht, weil die Existenz des Buchhändlergewerbes dadurch bedroht ist — aus diesem Grunde muß das Berliner Unternehmen als sozialpolitisch und wirt schaftspolitisch schädlich bezeichnet werden — und dann nicht, weil nach der buntscheckigen, höchst planlos anmutenden Auswahl und Zusammen stellung der Bücher und nach dem literarischen Gehalt des Zeitungs- buches uns die geistigen Leiter des Unternehmens nicht berufen und qualifiziert erscheinen, an der Seele des deutschen Volkes eine Er- ziohungsanfgabc zu erfüllen. Zur Frage der bereits genannten Büch erg i lbe« verdienen nachstehende Ausführungen aus Nr. 7 der »Schwäbischen Tag wacht« besondere Beachtung. »Volksverband der Bücherfreunde«, »B ü ch e r g i l d e«, »Bücherkrei s«? Von W. Schütz e. Ja, was soll nun folgen, so möchte man fragen angesichts der Werbearbeit des »Bücherkreises«. Sind die Gründungen, abgesehen vom »Volksverband der Bücherfreunde«, der auf rein bürgerlicher Grundlage entstand, ein- Abschluß oder ein Anfang? Sind »Büchcr- gilde« und »Bücherkreis« Zusammenfassung der Kräfte, Aufhebung der Zersplitterung in der Bekämpfung der Schundliteratur und der Zen tralisierung der Dildungsbestrebungen innerhalb der Gewerkschaften und der Partei? Ja und Nein. Schon bevor seinerzeit — vor mehr als fünf Jahren — die Gründung des »V. d. B.« erfolgte, hatte Schrei ber dieser Zeilen mit einem der im WerbeInserat des »Bücherkreis« Unterzeichneten literarischen Berater, einem langjährigen, Freunde, einen schriftlichen Ideenaustausch über die Organisierung der Bil dungsmöglichkeiten, die Verbilligung des Bucherwerbs usw., nrsbeson-
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