Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.05.1901
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1901-05-15
- Erscheinungsdatum
- 15.05.1901
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19010515
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190105157
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19010515
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1901
- Monat1901-05
- Tag1901-05-15
- Monat1901-05
- Jahr1901
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
3v74 Amtlicher Teil. ^ 112, 15. Mai 1301. gründen den Ordinär- und Nettopreis nach Möglichkeit herabdrückte; ich frage wiederum: wie kommt der Sortimenter dazu, unverhältnismäßig hohe Unkosten des Verlegers aus diese Weise aus seiner eigenen Tasche mitbezahlcn zu müssen? Damit der Verleger ein ihm unbequemes, für den Sortimenter aber vielleicht weit lukrativeres Unternehmen möglichst schwer schädigen, wenn nicht gar schon im Keime ersticken kann, deshalb also muß der Sortimenter mit einem um so und so viel geringeren Rabatt zufrieden sein! Nachstehender Fall, der dem Dresdner Verein vor kurzem zur Behandlung vorlag, möge als Beispiel angeführt sein: Eine altangesehene Firma giebt seit langer Zeit ein alljährlich neu erscheinendes Buch heraus, das sich an das breiteste Publikum wendet und dessen Absatz regelmäßig so und so viel Tausend Exemplare beträgt. Die lctztjährige Ausgabe ist nun vergriffen; indem die Verlagshandlung dies dem Sortimentsbuchhandel bekannt giebt, zeigt sic gleichzeitig das erstmalige Er scheinen einer Kleinen Ausgabe des Buches an, die neben der bisherigen Ausgabe alljährlich erscheinen soll. In ihrer Ankündigung bittet die Firma nun, der Sortimenter möge sich durch einen Probebezug von der -leichten Absatzfähigkeit auch dieser Kleinen Ausgabe ihres »weltberühmten« Verlagswerks überzeugen. Hier also betont die Firma ausdrücklich die leichte Absatzfähigkcit der neuen Ausgabe des »weltberühmten» Buches; von irgend welchem Risiko kann also bei dessen Herausgabe doch folgerichtig gar keine Rede sein! Trotzdem rabattiert sie das Buch gegen bar mit nur 20 Prozent. Auf unseren Vorhalt, daß der Sortimenter bei einem solchen Rabatt unmöglich bestehen könne, scheint die geschätzte Firma ihre Ueberzeugung von der so stark betonten »leichten Absatzsähigkcil ihres weltberühmten- Bnches urplötzlich geändert zu haben; sic erwidert uns nämlich, daß cs sich bei der Kleinen Ausgabe um einen »infolge drohender Konkurrenz nötigen Versuch handelt, dessen Ergebnis durchaus problematisch ist.» Um das Maß voll zu machen, versichert sie uns aber in demselben Schreiben noch ganz besonders, daß sie den Bestrebungen, dem Sortimentsgeschäst auszuhelfcn, durchaus sympathisch gegen über stehe! Ich kann einer solchen Beteuerung von Sympathie in solchem Zusammenhang allerdings nur sehr »problema tischen- Wert beimessen; die Sache zeigt aber, was der Sortimenter sich unter Umständen auch nach dieser Richtung hin gefallen lassen muß. — Was nützen schließlich alle jene, für Einzelne mit großen persönlichen Opsern verbundenen jahrelangen Bemühungen zur Hebung des Sortiments, wenn ihm auf der einen Seite zwar gegeben, aus der anderen Seite aber ebenso viel oder noch mehr in so bequemer Weise genommen wird? Hierzu ein notwendiges Gegenstück! Ein geachteter pädagogischer Verlag läßt ein Rechenbuch sür Volksschulen erscheinen, das er dem Sortimenter mit vollen 16 Prozent gegen bar liefert; auf unsere Bitte, den Nettopreis doch nied riger ansctzen zu wollen, erhielten wir abschlägigen Bescheid mit der Begründung, es habe an die Herausgeber des Buches ein so hohes Honorar gezahlt werden müssen, daß zu billigerem Preise an den Wiederverkäufer nicht geliefert werden könne. In der That aber hat der Verleger das abnorm hohe Honorar durchaus freiwillig und nur deshalb gezahlt, um die übri gen konkurrierenden Verleger zu überbieten. Um seinem sonstigen Verlag also durch Anknüpfung wertvoller neuer Be ziehungen zu nützen übertrumpft Verleger seinen Konkurrenten 8. durch Zahlung exorbitant hohen Honorars und läßt sich das letztere nach und nach durch den Sortimenter aus die sicherste und einfachste Weise zurückerstatten! Er hat ja das Monopol, die Hefte sind in den sämtlichen Volksschulen der betreffenden Großstadt eingeführt, er kann den Preis sür den Wiederverkäufe!: demnach einfach diktieren. Und gegen eine derartige Ausnutzung kann sich dieser absolut nicht schützen; denn er muß die Hefte führen, will er seine Kunden nicht direkt zum Kollegen Buchbinder, seinem geschätzten Konkurren ten, treiben. Die Anschauung und Forderung, daß der Verleger das Risiko für seine Unternehmungen in allen Fällen allein und in der That, nicht nur scheinbar zu tragen verpflichtet ist und es auf die schwächeren Schultern des Sortimenters nicht abwälzen darf, ist gewiß in keiner Weise unberechtigt. In ungezählten Fällen aber ist von einem Risiko überhaupt keine Rede — und der Sortimenter wird trotzdem durch ungenügenden Rabatt für seine Arbeit und Spesen nicht ent sprechend entschädigt. Ich erinnere beispielsweise an eine große Reihe gut eingesührter Schulbücher — von denen Auslage nach Auflage erscheint —, die dem Verleger gewiß einen reichlichen Nutzen abwerfcn, die aber dessenungeachtet mit nur 20 Prozent oder weniger rabattiert werden; ich verweise ferner aber auch auf die bedeutende Zahl jener Werke, die als stamlurck crnrlis anerkannt jedem Sortimenter so und so ost in jedem Jahr durch die Hand gehen, die aber mit noch nicht 25 Pro zent Rabatt geliefert werden. Bon dieser Thatsache scheint der Sortimenter im allgemeinen gar keine Kenntnis zu haben. Sprach doch vor wenigen Wochen erst ein angesehener Dresdner Kollege mir gegenüber die Vermutung aus, unser Antrag richte sich wohl ausschließlich gegen jene Leipziger Firma, mit der wir bedauerlicherweise kürzlich im Börsenblatt uns aus- cinandcrsetzeu mußten, — es gäbe ja doch sonst gar keinen Verleger, der es hinsichtlich der Rabattgewährung in gleicher oder ähnlicher Weise zu halten pflege. Ich konnte dem so optimistisch denkenden Kollegen nur erwidern, daß wir des geschäft lichen Gebahrens jener einen Firma wegen die Allgemeinheit sicherlich nicht in Form unseres Antrags angerusen haben würden; damals aber schon stellte ich die Behauptung aus, daß Hunderte unserer gangbarsten Bücher mit noch nicht 25 Pro zent Rabatt geliefert werden. Ich habe mich, meine sehr geehrten Herren, seit jener Unterredung der Mühe unterzogen, den am 15. Oktober 1900 abgeschlossenen Barsortimentskatalog der Firma Volckmar nach verschiedenen Richtungen hin einer sorgfältigen Durchsicht zu unterwerfen. Dieses Verzeichnis umsaßt annähernd 18500 Titel und Posten; bei gewissenhafter Prüfung habe ich gefun den, daß von diesen nicht weniger als 1747, das sind annähernd 10 Prozent der Gesamtsumme, mit einem geringeren Rabatt als 25 Prozent geliefert werden. Von diesen 1747 Büchern wird ein Durchschnittsrabatt von 23, 24 Prozent (also noch nicht ganz 23 Prozent) gewährt. Ich denke, diese Thatsache wird manchem der Herren Kollegen die Augen öffnen! Um Ihnen, meine Herren, die Möglichkeit zu geben, sich von der Richtigkeit meiner Angaben wenigstens teilweise selbst zu überzeugen, habe ich von diesen 1747 Büchern eine Auswahl von 150 getroffen und diese Zusammenstellung auf dem Vorstandstische niedergelegt. Sie werden aus dieser Liste ersehen, daß sich unter den aufgesührten Werken eine große Anzahl befindet, die fast jeder Sortimenter in jedem Jahr verlaust. Die Verleger derselben haben an jedem abgesetzten Exemplar zweifelsohne einen nicht unerheblichen Gewinn, — trotzdem wird dem Sortimenter nur der erwähnte Durchschnitts- rabatt von noch nicht ganz 23'/. Prozent bewilligt; der dem Sortimenter verloren gehende Rabatt beträgt allein bei diesen 150 Büchern genau 88 Mark. Wie kommt es wohl, meine Herren, daß kein einziger Verleger von Jugcndschriftcn oder Romanen dem Sortimenter seine» Verlag mit so geringem Rabatt anbictet? Weil der Verleger hier ganz wesentlich auf die Verwendung und das
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder