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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.05.1875
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1875-05-04
- Erscheinungsdatum
- 04.05.1875
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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sind diese Räume heute mit festlichem Gewand geschmückt und in uns Allen lebt das Gesicht des Dankes, daß cs uns vergönnt ist, diesen heutigen Tag zu erleben. Es ist ja nicht das Jubiläum eines einzelnen uns theurcn Genossen, dem wir freudigen Herzens unsere Glück wünsche darbringen, uns Allen gilt das heutige Fest, und dieses Gefühl der unmittelbaren Angehörigkeit erhöht für Jeden von uns die Bedeutung der Feier, welche wir heute begehen. Wie aber bei einem Familienfeste auch die Freunde und Gönner des Hauses erscheinen, so gereicht cs uns zur besonderen Ehre, heute die Vertreter der hohe» Sächsischen Staatsregierung und der städtischen Behörden, den Herrn Generalpostdirector des Deutschen Reiches, die Repräsentanten der Universität, der Justizverwaltung, der Presse, der Lehranstalten und verschiedener Corporationcn, solvie andere um unser» Verein hochverdient gewordene Männer in unserer Mitte zu begrüßen. Ihr Erscheinen gibt uns von neuem die freudige Gewißheit, daß der deutsche Buchhandel auch ferner auf das bisher stets bewiesene Wohlwollen und die fördernde Unterstützung seiner Interessen seitens des Staates, der Stadt und der Männer der Wissenschaft rechnen darf; das Jubiläum des Börsenvereins ist ihnen nicht eine fremde Feier geblieben. Unsere Blicke, hochgeehrte Festgenosscn, richte» sich heute der Vergangenheit zu und cs niögc mir gestattet sein, Ihnen in kurzen Zügen die Geschichte des Börscnvereins vorzuführen. Nur wenigen von jenen Männern, welche bei seiner Gründung dem Buch handel angehörten, ist es vergönnt gewesen, den heutigen Tag zu erleben und es wird Ihnen Allen zur Freude gereichen, daß ein Veteran jener Tage, Herr vr. Friedrich Johannes Fromm an» in Jena, den wir auch heute das Glück haben in fast jugendlicher Frische unter uns zu sehen, unserer Aufforderung nachgekommen ist, die „Geschichte des Börscnvereins" zu schreiben. In lebenswahren, aus eigener Anschauung hervorgcgangencn Bildern werden uns in dieser Schrift die Zustände des deutschen Buchhandels vor SO Jahren vorgeführt, wir lernen das Fundament kennen, aus dein unsere jetzige Organisation ruht und wir verfolge» die Thätigkcit der Baumeister und ihrer Genossen, welche rastlos den Bau sortgeführt haben, zunächst zur Förderung unserer eigenen geschäftlichen Interessen, dann aber auch zur Fortentwickelung deutscher Wissenschaft und Cultur. Der deutsche Buchhandel, welcher bis zu Ende des 17. Jahrhunderts seine Haupt-Centralpunkte im Süden unseres Vater landes, namentlich in Frankfurt a/M. hatte, begann zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Wanderung nach Norden. Er fand bei dem Rathc der Stadt, welche uns auch heute gastlich umfängt, eine wohlwollende Aufnahme, und er hat es bis zu dieser Stunde niemals zu bereuen gehabt, daß Leipzig zum Mittelpunkt seiner geschäftlichen Thätigkcit gewählt wurde. Und ein solcher Mittelpunkt war und ist für uns unentbehrlich; während andere Gcwerbtreibende leicht desselben entrathen können, ist er durch die eigenartige Natur unseres Geschäftes bedingt. Wir sind eben der Eine aus den Andern hingcwiescn; dem Sortimenter steht es nicht frei, ob er die Waare, welche er vertreibt, von diesem oder jenem Fabrikanten beziehen will, er ist an einen bestimmten Verleger gebunden, falls er ein bestimmtes Werk gebraucht. Es Ivard hierdurch ein Bewußtsein der Zusammengehörigkeit erzeugt, das seine» concretcn Ausdruck in unfern, genossenschaft lichen Verband gesunde». Der deutsche Buchhandel hat, wie Moritz Veit bei der Jubelfeier 1861 sagte, einen originalen Gedanken verwirklicht, er hatdiecrstc deutsche Corporation begründet und sie ist Jahrzehende hindurch die einzige geblieben. Wenn wir uns heute eines sol chen Vorzugs nicht mehr rühmen dürfen, so erfüllt uns gerade dies mit Stolz und mit Freude, denn die einheitliche Organisation, welche der deutsche Buchhandel längst erreicht hatte, als die politische Einheit noch zu den frommen, ja wie es fast schien zu den unerreichbaren Wünschen gehörte, sie ist auch für das deutsche Vaterland geschaffen, wir sind jetzt und will's Gott! für immer eins an Haupt und an Gliedern. Als nun Leipzig der unbestrittene Mittelpunkt des Buchhandels geworden war, da fanden sich auch einsichtige und geschäfts kundige Männer, welche den Verkehr der auswärtigen, zur Messe kommenden Buchhändler unter einander und mit den Leipziger Hand lungen zu erleichtern bemüht waren. Paul Gotthels Kummer in Leipzig miethete 1792 einige Zimmer im Richtcr'schen Kaffeehause und schuj so den ersten Vcrcinigungspunkt für fremde Buchhändler. Allein die Entfernung des Locals vom Ccntrum des Verkehrs ver hinderte eine lebhaftere Bethciligung nnd man war ersreut, alsI. Chr. Horvath aus Potsdam 1797 das große theologische Auditorium in, Paulinum miethete und dasselbe für die Zwecke der Abrechnung einrichtetc. Dies Local entsprach den damaligen Verhältnissen in ziemlich genügender Weise und Horvath hat dies Unternehmen, indem er von den Fremden ein kleines Eintrittsgeld erhob, eine Reihe von Jahren für seine Rechnung sortgcsührt, ohne für sich einen materiellen Vortheil zu beanspruchen. Erst 1824 faßten vr. Fr. Campe aus Nürnberg und B. F. Voigt aus Ilmenau im Verein mit andern College» den Entschluß, den „Börsenverein für den deutschen Buch handel" als ein öffentliches Institut z» begründen. Dieser Vorsatz kam im folgenden Jahre (am 30. April 1825) zur Ausführung und cs ward eine Börsenordnung veröffentlicht, welche neun Paragraphen umfaßte und zu deren Ausrechthaltung sich sogleich 101 Handlungen durch ihre Unterschrift verpflichteten. Der neu gegründete Verein sand allgemeinen Anklaug, von allen Seiten kamen Anmeldungen neuer Mitglieder und in den so verbundenen Genvssen bildete sich ein Gefühl der Standeschre aus, das Unsittliches von sich fern hielt und de» Nachdruck und dessen Vertrieb in Acht und Bann that, lange bevor das Gesetz den Urheber und dessen Rechtsnachfolger schützte. Die Leipziger Handlungen hatten sich nur mit Widerstreben dem Börsenvcrein angcschlossen, als aber auch ihr Beitritt erfolgt war, da erwiesen sich die Räume des Paulinum als unzureichend und Friedrich Fhcischcr in Leipzig regte den Gedanken an, eine Buch händler-Börse, welche ursprünglich nur für die Leipziger Geschäfte in Aussicht genommen war, für den gesammten deutschen Buchhandel zu erbauen. Der Vorschlag fand allseitige Zustimmung nnd in der Generalversammlung vom ö. Mai 1833 wurden die vorgelegten Bau pläne genehmigt. Das erforderliche Capital sollte durch Ausgabe von 350 Actien ä 100 Thlr. aufgebracht werden. Es war dies damals noch etwas ziemlich Ungewöhnliches; die Emission von Actien, dem jetzigen Gcschlcchtc eine fast zu bekannte Erscheinung, war sür Viele eine ganz neue Finanzmaßregel. Die Königlich Sächsische Regierung, welche dem Buchhandel stets ihr besonderes Wohlwollen zugewendet hatte und deren damaliger Bevollmächtigter, Hr. Geheimrath vr. v. Langenn das beabsichtigte Unternehmen mit hingebendem Eifer förderte, gewährte einen jährlichen Beitrag von 750 Thlr. aus 40 Jahre hinaus, bis sämmtliche Actien amortisirt seien. Die Einlösung der letzten Actien konnte aber schon früher erfolgen, als der Plan festsetzte, und am 14. September 1869 sprach der Börsenvorstand unter Führung seines damaligen Vorstehers, Herrn Jul. Springer, Sr. Exccllenz dem Herrn Minister v. Nostitz-Wallwitz in Dresden seinen tiefgefühlten Dank für den bis dahin seitens des Staates gewährten Beitrag aus. Der Ban der Börse ward rasch gefördert und bereits in der Ostcrmesse 1836 konnte das neue Gebäude bezogen werden. Sie werden, hochgeehrte Herren, das Gefühl der Freude, welches mich erfüllt, zu würdigen wissen, daß mir heute die hohe Ehre zutheil
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