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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.02.1909
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1909-02-16
- Erscheinungsdatum
- 16.02.1909
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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^ 38, 16, Februar 1908, Nichtamtlicher Teil, Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchharrbel. 2025 neben den Kenntnissen eine reiche Erfahrung, die nur mit der Zeit erworben werden kann, Wohl auf wenigen Gebieten wird mehr gefälscht, und mit Glück gefälscht, als auf dem Gebiete der Autographen, was dadurch noch gefördert wird, daß es sehr gelungene Reproduktionen gibt, die von Un kundigen in gutem Glauben für echt gehalten werden und als echte Stücke in den Handel kommen. Auf die Fälschungen komme ich noch zurück. Den Autographen verwandt sind die Manuskripte oder Handschriften, nur daß diese gewöhnlich nicht von der Hand des Verfassers geschrieben sind. Altere Manuskripte sind sehr geschätzt, einmal weil sie doch nur selten Vorkommen, dann aber, weil sie, wenigstens sehr häufig, neben dem Selten- heits- auch wissenschaftlichen Wert haben. Die ältesten Manuskripte, die heute noch im Handel Vorkommen, gehen selten bis auf das 11. Jahrhundert nach Christi Geburt zurück, find meist aber viel jünger. Es gibt Manuskripte auf Pergament und auf Papier, erstere sind schon des Stoffes wegen die wertvolleren. Sind die Manuskripte noch bildlich geschmückt, haben sie einen schönen Einband der Zeit, so kann ihr Preis aus eine schwindelnde Höhe sich steigern. In dem schon angeführten 6»t»loAas äs Invrss st blaoussrits von Morgand sind 31 Manuskripte verzeichnet, das älteste aus dem 9, Jahrhundert ist ein Evangeliarium in 8°, aus Pergament von 215 Blättern, das mit vier großen Abbil dungen, die vier Evangelisten darstellend, geschmückt ist. Ein alter Einband in blauer Seide umschließt den Schatz, Der Preis ist 5000 Francs, Em ans der Bibliothek der Kaiserin Maria Theresia von Österreich stammendes Manuskript: Oktics äs Irr Visrgs Llaris, ebenfalls auf Pergament, aus dem sünfzehnten Jahrhundert, ebenfalls mit figürlichen Darstellungen, in roten Sammt gebunden, wird mit 7500 Fr, bewertet. Die Beurteilung eines Manuskripts und seines Wertes ist sehr schwierig. Handelt es sich darum, zu wissen, ob ein Manuskript auch wissenschaftlichen Wert besitzt, so ist nur der Fachgelehrte berechtigt, ein Urteil darüber abzugeben. Erwähnt sei, daß gerade die ältesten Manuskripte am sorgfältigsten und schönsten geschrieben find; im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert geschriebene sind häufig kaum zu entziffern. Papyrushandschriften sind in den letzten Jahren in großer Zahl in Ägypten und an anderen Orten gefunden worden und haben bereits unser Wissen und unsere Erkennt nis in ungeahnter Weise bereichert. Ich erinnere nur an den Fund des Gesetzbuches des Hammurabi, der so großes und berechtigtes Aufsehen gemacht hat. Wird die Liebe zu den Bochern übertrieben, so wird aus dem Bibliophilen ein Bibliomane, Kein Geringerer als Thomas Frognall Dibdin hat dieser Krankheit ein Denkmal gesetzt in seinem berühmten Buche: LibliomsolL or bood> nraäasss; a dibllograpdioLl romaoos. III. rvitb outs. klsrv aoä improvoä oäitiou, liov. 8". I-ooäou 1876. Wird von Dibdin die Krankheit zum Teil scherzhaft behandelt, so kann sie doch sehr ernste Folgen haben. Der Bibliomane verliert für alles andere Sinn, als für Bücher, und solche Manie hat den Befallenen zuweilen zum Diebe, ja zum Mörder gemacht, wie z, B, den Prediger Tinius, der Anfang des neunzehnten Jahrhunderts lebte und der aus Liebe zu den Büchern zum Mörder wurde. Harmloser sind die Büchernarren, die nur sammeln, ohne von den Büchern einen Genuß zu haben. Sie können immerhin nützlich wirken, indem sie dem Antiquariat ihre Förderung angedeihen lassen. Schlimm wirken sie, wenn sie aus Liebe zu ihrer Narrheit ihre Angehörigen vernach lässigen oder schädigen. So lernte ich in Teplitz einen Mann kennen, der von Armenunlerstützung lebte, nichts- Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 76. Jahrgang, destoweniger hungerte und seine Angehörigen darben ließ, nur um seinem Hang, Bücher zu sammeln, zu stöhnen. Da es ihm an Geld fehlte, um gute Bücher zu kaufen, so nahm er auch mit wertlosem Schund vorlieb; nur mußte er billig sein. Als ich vor einer Reihe von Jahren auf einer Reise nach Wien Teplitz berührte, um meinen leider so früh verstorbenen Freund Gruchot, damals Geschäftsführer bei Dominicas in Teplitz, nachmals Besitzer von de Haen in Düsseldorf, zu be suchen, mochte sich wohl dort das Gerücht verbreitet haben, daß ein Berliner Antiquar die Gegend unsicher mache. Genug, eines Tages kam der Bücherliebhaber zu Dominicus und bat, den Berliner Antiquar zu ihm zu führen, da er ihm seine 2000 Bände umfassende Bibliothek verkaufen wolle. Aus dem Lächeln, mit dem mir mein Freund die Mitteilung machte, ersah ich, daß etwas hier nicht ganz geheuer sei. Wie erstaunt war ich aber, als ich drei halsbrecherische Treppen erklommen hatte und in das Heim des Bücherliebhabers trat. Drei Zimmer, vollgepfropft mit Büchern, Regale an den Wänden, Regale in der Mitte der Zimmer, Regale unter den Fenstern, alle gefüllt mit Büchern, aber was für welchen! Ploetz, Gram matik in allen Ausgaben, nur in der letzten nicht, Schlosser, Weltgeschichte in zahlreichen Exemplaren und Ausgaben, Zumpt, Grammatik — überhaupt für alte Schulbücher hatte der Mann ein tsibl«: es schien, als ob sämtliche Schul jungen der österreichischen Monarchie sich hier ein Rendezvous gegeben hätten, um sich ihrer Schulbücher zu entledigen. So scherzhaft die Sache mich zuerst anmutete, so ernst wurde ich, als ich die Tränen in den Augen des Mannes bemerkte, als ich ihm sagen mußte, daß lediglich die Papiermühle ein Abnehmer für seine »Bibliothek» sein könnte. Verlorenes Leben, verlorene Liebesmüh'! Von den Büchernarren, als Ausschreitungen der Biblio- vhilie, zu den Bllcherdieben ist nur ein Schritt, Albert Cim hat diesem Thema ein Büchlein gewidmet, das unter dem Titel; Lmatsurs st volours im Jahre 1908 in der »Oollsetiou äa Libliopdils Lsrisisnr bei Henri Daragon in Paris erschienen ist und manches Ernste und manches Spaßhafte über Bücherdiebe enthält. Zur ver hältnismäßig harmloseren Klasse der Bllcherdiebe gehören die Leute, die Bücher sich ausleihen, ohne sie zurückzugeben. Trotzdem sind sie dem Bibliophilen nicht weniger unangenehm. Sie find die Veranlassung, daß Leute, die gern einem Be kannten mit 20 aushelfen, sich standhaft weigern, ihm ein Buch anzuvertrauen. »Ito aä vsnäsatssl» — Geht zu den Händlern! stand auf dem Pfosten der Bibliothek des berühmten Scaliger. Ein anderer Liebhaber weigerte sich, einem Bekannten ein Buch aus seiner Bibliothek zu leihen. Als der Bekannte hoch und heilig versicherte, daß er das Buch am anderen Tage sicher zurückbringen werde, wurde ihm die Antwort: »Geliehene Bücher werden niemals zurllckgegeben; sehen Sie hier diese vier Säle, gefüllt mit Büchern; sie alle habe ich geliehen und nicht zurückgegeben-. Selbst Richard de Bury, der Verfasser des schon erwähnten Philobiblion, ge steht, daß ihm jedes Mittel recht gewesen sei, wenn es sich darum handelte, Bücher zu erlangen. In den Klöstern, bei Privatleuten nahm er — um nicht zu sagen: stahl er — einfach alle Manuskripte, die ihm gefielen. Er hatte den bequemen Grundsatz, daß die Fortnahme eines Buches nur dann ein Diebstahl sei, wenn sie zum Zwecke eines Wieder verkaufs geschehe. In seinem amüsanten Buche: »lls iivrs« ruft Jules Janin aus: »Wie viel gestohlene Bücher schmückten nicht die Bibliothdque von Sarrazin, Montreuil, Chapelain, du Mönage, Sommaire und Pinchesne, Colletet und Pelletier!« und fügt die Erzählung eines Diebstahls hinzu, dessen Opfer der be rühmte protestantische Geistliche Saurin geworden ist. Er hatte, lediglich um sie zum christlichen Glauben zu bekehren, sa«
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