^ 262. 11. November 1916. Fertige Bücher. ss-I-nti-» >. d. rgchn. Buchh-nd-r. 13728 Der Pester Lloyd H schrieb am 9. Oktober 1910 über: M. C. Andre, „Mensch: erkenne Dich selbst!" Ein Deszendent einer Vagantenfamilie erzählt die Geschichte der ihm voran- aeaanaenen zwei Generationen, berichtet sie ganz frei von der üblichen Familien- sentimentalität mit nüchterner Nonchalance, in einem Tone, der förmlich zum Un- qlaubcn herausfordert. Dennoch wirkt seine Erzählung fesselnd, wahr und durchaus unabweisbar Die Fabel des Buches ist nicht allzu reichlich bemessen, nicht gar zu kunstvoll aufqebaut, manche Nebenfigur wird überflüsstgerweise eingeführt und dann ganz willkürlich fallen gelassen, die Charakteristik der einzelnen Personen ist eine ziemlich ungleiche und sprunghafte und der Schluß der Geschichte abrupt und unbe friedigend. Aber das alles ist höchst nebensächlich. Wertvoll und interessant ist der Ton, in dem der Autor spricht. Der spielende und dennoch bitterliche Humor, der sich abwechselnd in der souveränen Verachtung „Ew. Hochwohlgeboren" des Publikums und in der gründlichen Geringschätzung der eigenerzeugten „Helden" äußert, mitunter auch furchtlos die Kritik angreift, oder zur höchst amüsanten Selbst persiflage wird, er ist das Feinste an diesem Pudelnärrischen und doch tief weisen Buche. Ganz merkwürdig wirkt aber dieserHumor, wenn er nun auch noch das eigene Werkzeug, die Sprache, attackiert. Wie ein mokantes, scharfes Gelächter empfindet man die vielen Gänsefüßchen, die der Autor überall setzt, wo er das Unzu längliche, Abgenützte, Undifferenzierte der Sprache, die Gedankenlosigkeit der vielen fertigen Redensarten stigmatisieren will, die die Begriffe, für die sie zurechtgemacht wurden, längst nicht mehr decken. Der Hanptwert der Erzählung aber liegt darin, daß sie, wie schon der Titel besagt, der ganzen Menschheit einen Spiegel vor hält, in dem sie sich, Wohl etwas verzerrt, sonst aber vollkommen ähnlich und klar, mit ihren reichlichen wirklichen Fehlern und spärlichen eingebildeten Tugenden er blicken kann. Das mikrokosmische Erleben der Vagantenfamilie lehrt uns der Men schen ganzes kleinliches Tun und Treiben erkennen, weiht uns in alle Verderbtheit, Engherzigkeit und Gedankenlosigkeit des Erdengewürms ein, und während uns scheinbar ein harmloser Einzelfall vorgetragen wird, regnet es wohlverdiente und treffliche Püffe nach allen Seilen, von denen insbesondere die „Stützen der Gesell schaft", als da sind: Arzte, Prediger, Pädagogen, ihr reichlich Teil abbekommen. Womit nicht gesagt sein will, daß Künstler, Beamte, Frauenrechtlerinnen und noch viele andere leer ausgehen. In Ganzpergament gebunden (nur so!) M. 7.— ord., M. 5.25 no., M. 4.95 fest, M. 4.60 bar. 13/12. Prospekte in beschränkter Zahl gratis! In allen Barsortimenten! Wegen seiner splendiden Ausstattung Bibliophilen besonders zu empfehlen. Or. N. Douglas Verlag :: München.