Künftig erscheinende Bücher. 238, 13. Oktober ISIS. Verlag von S. Hirzel in Leipzig. Ende Oktober gelangt zur Ausgabe: Timoleon und Immanuel Dokumente einer Freundschaft Herausgegeben von Hans Echulz. Geheftet M. 10.—, gebunden M. 11 — Der unmittelbare Einfluß von Schriftstellern und Dichtern auf Fürsten und Regenten ist selten fo stark gewesen wie in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Von beiden Seiten sucht man sich, manch junger Poet war ein Weltverbesserer, der sich um einen fürstlichen Gönner bemühte, um durch ihn seinen Ideen wirkliche Ausgestaltung geben zu können, und nicht wenige Fürsten verfolgten nicht nur die Literatur aufmerksam, sondern zogen Literaten in ihre Nähe und gaben ihnen die Mög lichkeit praktischer Wirkung. Der fruchtbarste dieser Freundschaftsbünde ist wohl der zwischen Goethe und Karl August geblieben. Aber auch an andern Fürstenhöfen ging der Dichter mit dem König: keiner wurde so gefeiert wie Klopstock am badischen und dänischen Hofe, kein persönliches Verhältnis beschäftigte die Mitwelt so wie das zwischen Friedrich dem Großen und Voltaire. Nicht immer hatten solche Beziehungen dauernden Bestand. Manchmal war ein solch vornehmer Herr geneigt, unter gefälligen Formen und bei vertraulichem Verkehr den Anderen für seine Zwecke zu gebrauchen und dieser mußte, wenn er sich nicht selbst aufgeben wollte, auf den Verkehr verzichten. Jens Baggesen, der gefeiertste dänische Dichter seiner Zeit und auch in Deutschland mit Achtung ge nannte, ist diesem Schicksal in seiner für die Ewigkeit gegründet erscheinenden Freundschaft mit dem Herzog von Schleswig-Holstein, dessen Urenkelin jetzt den deutschen Kaiserthron ziert, nicht entgangen. Der hier abgedruckte Briefwechsel gibt das geschlossene Bild einer Schicksalswandlung, die im Laufe eines Jahrzehnts über die Höhe einer seltenen Gemeinsamkeit zu innerer Entfremdung führt. Ein Tasso-Schicksal sieht man hinter diesen Briefen. In Dänemark ist dieser Freundschaftsbund früh gewürdigt worden, wenn auch die unmittelbaren Urkunden dieser Freund schaft erst mit diesem Buche ans Tageslicht kommen. Dort werden die Briefe vor allem wegen der beiden Hauptpersonen Be achtung finden, obwohl sie auch sonst wichtige Beiträge zur dänischen Geschichte am Ausgang des 18. Jahrhunderts bringen. In Frankreich mögen vor allem die Briefe aus Paris über die französische Revolution Interesse erwecken. Mitten im Erleben aus gezeichnet geben sie scharfumrissene Augenblicksbilder vom größten Reiz der Unmittelbarkeit. Eine ganze Reihe Briefe sind aus der Schweiz datiert. Dort hatte Baggesen in Bern in der Enkelin Albrecht von Hallers die Lebensgefährtin gefunden und die schwankende Gesundheit derselben sowohl als auch der Auftrag des Herzogs, die pädagogischen Einrichtungen der Schweiz im Inter esse seiner Kopenhagener Anstalten zu studieren, gaben immer wieder Gelegenheit zu Reisen und zu Berichten über das Land. Vor allem aber dürfte das Buch Freunde in Deutschland finden. Wie Baggesen selbst die gehobene deutsche Art zusagte — er lernte verhältnismäßig rasch sich deutsch auszudrücken und auch in deutscher Sprache schöpferisch gestalten — so war es ihm leicht aller orten Beziehungen zu den führenden Geistern des damaligen deutschen Geisteslebens anzuknüpfen, Beziehungen, die sich in den Briefen wiederspiegeln^ und vielfache Einzelheiten in der Literaturgeschichte der klassischen Periode, vor allem in der Geschichte Schillers, aufhellen. Ich bitte um gefällige Verwendung. Leipzig, den 13. Oktober 1910.