^ 231, 5. Oktober 1910. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt I- d. Dtschn. Buchhandel. 11545 Albert Langen Verlag für Litteratur und Kunst München Zm Oktober wird erscheinen: A Richard Huldschiner Die Nachtmahr Roman Geheftet 3 Mark 50 Pf., gebunden 5 Mark, in Halbfranz 6 Mark 50 Pf. Es ist ein tiroler Bauernroman, den der Verfasser in seinem neuen Buche vorlegt. Aber das Problem dieses Romans liegt weit ab von der bekannten Sommerfrische- Literatur, in der wir sonst dem tiroler Bauern begegnet sind. Nicht, daß hier die Bauern uns schlechter erschienen als vordem. Im Gegenteil: während sie hier unter einer schicksalsschweren Wolke unbewußt den Weg ihrer Instinkte gehen und sich in Gefahr und Schuld und Tod verstricken, erscheinen sie uns als die Zeugen einer tiefen Mensch lichkeit. Die Macht der einfältigen Natur dieser Menschen erbebt sich aus sich heraus und, ohne die Stelzen eines künstlichen Pathos, zu höchster Tragik. Wie die Anna Niedermoser, Verlobte des Philipp Verauner, Lamserbauern auf Bits, dem sie von ihrem Vater versprochen ist. dem Bruder ihres Verlobten als willenlose Beute anheimfällt; wie sie sich, als Philipp mit ihr auf dem Lamserhof eingezogen ist, mit dumpfer Ablehnung dem Gatten verweigert; wie sie, als sie das Kind des Schwagers unterm Kerzen trägt, in schwerer Verwirrung den Kos in Brand steckt — unwissend, was sie zur Lösung der Konflikte tun solle, und nur dem dunklen Drang, irgend etwas zu tun, gehorchend; wie sie mit ihrem Gatten, der ihre Schwangerschaft entdeckt, graue Tage auf dem Lose des Vaters zubringt und heimlich, in starrer Nacht, dem Kind das Leben gibt, es in unklarer Verzweiflung tötet und die Leiche versteck«; wie sie dann nach Innsbruck geht, angeblich in die Gebäranstalt, acht Tage in furchtbarer Verlassenheit herumirrt und schließlich heimschreibt, sie habe jetzt entbunden und das Kind sei gleich gestorben; wie unterdessen das Seltsame ruchbar geworden ist und die gesetzmäßigen Wächter der menschlichen Ordnung sie in das Gefängnis holen. — Dies alles ist eine Geschichte von unerlöstem Menschenleid, die uns zu tiefst erschüttert. In Rechnung mit 25"/„ bar mit 33'/?/», Partie 7/6 München, Anfang Oktober 1910 O