11134 Börsenblatt f. o Dtschn. Buchhanvet. Künftig erscheinende Bücher. 224, 27. September 1910. Wir versandten soeben Rundschreiben über: Oskar Loerke: Der Turmbau Roman. Zwanzig Bogen. Geheftet 4 Mark, gebunden 5 Mark. Der jahrhundertelang unbeachtete Torso eines schönen Domes in einer ostdeutschen Stadt soll durch den Bau des ihm fehlenden Turmes vollendet werden. Mit der Ausführung dieses Werkes wird ein Architekt beauftragt, durch dessen Auftreten eine Anzahl Schicksale ihre Vollendung finden, so wie der Dom durch den Bau seines Turmes. Der Baumeister selbst gewinnt nach hartem Ringen die Beruhigung seines unsteten Geistes; ein Ziegler erkennt in den finsteren Leidenschaften des Lasses und der Eifersucht das Wesen seiner Seele; einem Lotelier, der durch einen Anglücksfall erblindet, schlägt seine äußerliche Heiterkeit ins Innere und durchleuchtet es fortan; und die Schwester des Baumeisters schließlich steht zwischen diesen allen als die tragischste: durch eine triebhaft mächtige Rivalität mit dem Bruder verwirrt, zu dem unglücklichen Hotelier durch Liebe gestoßen, durch Dankbarkeit für die Rettung ihres Lebens und durch Verzweiflung in die verzweifelten Leidenschaften des Zieglers verführt. Aber auch sie gewinnt schließlich ein Leben in schmerzlicher Heiterkeit, und das ganze Buch klingt in der Anschauung aus: überall führt ein Weg weiter, und alles, was es auch sei, macht uns reicher. Gustav Biberich: Auf der Spirale Novelle. Zwölf Bogen. Geheftet 2 M. 50 Pf., gebunden 3 M. 50 Pf. Am Anfang des Buches verläßt sein Leid, der stud. jur. Luzian Gopprecht, seine Wohnung im Innern der Stadt, und am Ende des Buches bezieht er sie wieder; er ist genau an dem Punkt, von dem er ausging; nichts ist geschehen, und es ist doch sehr viel geschehen. Er hat draußen bei einer feinen alten Dame zur Miete gewohnt, und, als diese in die Stadt zog, das Haus weiterbehalten, und ein paar Abenteuer belebten seine Einsamkeit. Die Abenteuer, die Biberich seinen Helden erleben läßt, sind von einem echten novellistischen Schnitt. Ein jedes hat seine besondere starke Art von Poesie; und ein poetisches Element durch dringt das ganze Werk, das durch eine seine Grazie, nicht nur der Empfindung, sondern auch der Phantasie ausgezeichnet ist. Gustav Biberich ist ein neuer Name; sein Erstlings werk ist dazu angetan, diesem Namen sogleich Achtung und Aufmerksamkeit zu verschaffen. S. Fischer, Verlag, Berlin