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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.09.1910
- Strukturtyp
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- 1910-09-20
- Erscheinungsdatum
- 20.09.1910
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- Deutsch
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10744 Börsenblatt f. d. Dtschn. vuchhanb-'. Nichtamtlicher Teil. ^ 218, 20. September 1910. preis«) zusammen mit Herrn Hans Körber unternommene, mit zäher Energie durchgeführte Gründung des schweizerischen Vereinssortiments in Olten, des heute zu aller Wohl so segens- reich wirkenden Instituts, daß wir es gar nicht mehr entbehren zu können glauben. Im Mai des Jahres 1902 zog der Alternde sich vom Geschäft zurück. Zwar eigentlich nur formell. Sein Tätigkeitstrieb ließ ihm keine Ruhe. Tag für Tag kehrte er für einige Stunden zu seinem Schreibtisch zurück, um sich noch in irgend einer Weise nützlich zu machen. Und als endlich zunehmende Gebrechlichkeit ihn zwang, zu Hause zu bleiben, auch da erlosch das Interesse für die Weiterentwicklung seines Lebenswerkes nicht. Bis zuletzt ging ein warmer Abendsonnenschein von ihm aus, der die zu ihm Kommenden mit Frieden erfüllte. In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober des vergangenen Jahres entschlief er sanft, um- geben von seinen Kindern. Noch wenige Tage vor seinem Tode hatte er die große Freude, seine zärtlich geliebte jüngste Urenkelin und deren Mutter in seine Arme zu schließen. In der Kapelle des Bremgartenfriedhofes zu Bern widmete Herr Ebell dem Dahingeschiedenen wohltuende Abschiedsworte. Er sagte unter anderm: »Soll ich noch Karl Schmids als Menschen gedenken, so sind vor allem seine große Herzensgüte, sein reiches Gemüt und sein Wohlwollen gegen jedermann zu erwähnen. In wehmütiger Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Dir, lieber Freund, aber auch in der festen Zuversicht, daß Dein Geist fortleben wird im schweizerischen Buchhandel und uns, wie die jüngere Generation, anspornen wird, unfern verantwortungsvollen Beruf in Deinem Sinne und nach Deinem Vorbilde auszuüben.« Kaum halte sich die Gruft über unserem Herrn Karl Schmid geschlossen, so standen wir schon wieder an der Bahre eines unserer verdientesten Mitglieder: Am 15. November schloß in Zürich Herr vr. Jacques Huber im Alter von 81 Jahren seine Augen für immer. Es würde zu weit führen und dem Sinne des Verstorbenen zuwiderlaufen, wenn wir hier alle Verdienste aufzählen wollten, die sich dieser vortreff liche Mann um den schweizerischen Buchhandel sowohl, als um die vaterländische Literatur und Wissenschaft erworben hat. Sie stehen unauslöschlich in unserem Gedächtnis eingegraben. Von seiner Tätigkeit in unserem Vereine sei erwähnt, daß er. nachdem er von 1887 bis 1898 ununterbrochen als Friedensrichter amtiert hatte, verhältnismäßig spät, im Jahre 1898, in den Vorstand eingetreten ist. Diesem gehörte er bis 1906 als Mitglied an. Als Präsident leitete er die Geschäfte des Vereins in den Jahren 1898/99 und 1901/02. Viele von Ihnen werden sich noch erinnern, in welch treff licher Weise sich der Verstorbene als Festprästdent die fünfzig jährige Jubiläumsfeier unseres Vereines durchgeführt hat. Mit der ihm eigenen außergewöhnlichen Energie hat er sich an den Arbeiten des Vorstandes beteiligt, und dem schweize rischen Buchhandel namentlich bei der Beratung des neuen schweizerischen Zolltarifs in den Jahren 1901/02 durch die kraftvolle Geltendmachung unserer berechtigten Interessen unschätzbare Dienste erwiesen. Seine Darstellung des schweizerischen Buchhandels, die im Reichesbergschen »Hand wörterbuch der schweizerischen Volkswirtschaft usw.« erschien, ist den Mitgliedern unseres Vereins als Separatdruck zu gänglich gemacht, vr. Jacques Huber wird als eine der markantesten und bedeutendsten Persönlichkeiten in der Ge schichte des schweizerischen Buchhandels sortleben; auch sein Bildnis wird diesen Jahresbericht schmücken. Aus einem, offenbar von befreundeter Seite, in der »Schweiz« veröffentlichten Nachrufe sei hier folgendes über das Leben des Verewigten mitgeteilt: Als ältestem Kinde des angesehen Notars Huber in Dießen hofen — die Mutter war eine Wegelin von Frauenfeld — ließen die Eltern dem am 22. Oktober 1828 geborenen Knaben die beste Erziehung zuteil werden, die sich in dem kleinen Städtchen finden ließ. Hatte der Vater in seinem Berufe und in kaufmännischen Unternehmungen, die ihn schon in jungen Jahren bis nach Paris geführt hatten, den Wert einer gründlichen Bildung kennen ge lernt, so sollte den Kindern hierin erst recht das Beste geboten werden. Glücklich verlebte Jacques Huber mit einem jüngeren Bruder eine schöne Jugendzeit, in der freie Bewegung in ländlicher Um gebung und ernste Arbeit unter tüchtigen Lehrern das edelste Gegengewicht bildeten. Pfarrer Benker, später der erste Rektor der neuen thurgauischen Kantonsschule, hatte seit Jahren einen Kreis junger Leute um sich gesammelt, die er so ziemlich in allen Wissenschaften unterrichtete und bis zur Universität vorbereitete. Es war ein Akt schönster Pietät, daß I. Huber seinem verehrten Lehrer Benker ein würdiges Denkmal setzte in einer umfang reichen Publikation der thurgauischen gemeinnützigen Gesellschaft. Mit dem Auszug nach Lausanne begannen lange Wanderjahre. Kenntnis des Französischen war unbedingtes Erfordernis für mehr als eine der Berufsarten, die für den jungen Mann in Betracht kommen konnten, und so erreichte er durch Fleiß und Beharrlichkeit, daß er bald ebenbürdig neben seinen französisch sprechenden Klassenkameraden stand. Eine wenig er freuliche Unterkunft vergaß er über der reichen geistigen Nahrung, die ihm in Lausanne geboten wurde, und bis an sein Lebensende hat er den Namen Alexander Vinets nie anders als im Tone feierlicher Hochachtung ausgesprochen. Schwer wurde ihm die Berufswahl, da er wegen eines kleinen Sprachfehlers die Tätigkeit des Juristen oder Theologen nicht glaubte wählen zu dürfen. Als im Elternhause der Entscheid zugunsten der Buchhändlerlaufbahn gefallen und Zürich als erste Station bestimmt war, nahm I. Huber bedrückten Sinnes den Weg unter die Füße. Der Setzertätigkeit im Elsässer waren leider nur kurze Studien an der Universität vorausgegangen; aber dennoch konnte der junge Mann wohlausgerüstet von Zürich nach Stuttgart vorrücken. Die Arbeit in einer angesehenen Buch handlung brachte viel Lehrreiches für den Beruf; auch interessante Persönlichkeiten, wie z. B. Fürst Gortschakoff, damals Gesandter am württembergischen Hofe, traten in den Beobachtungskreis des Buchhändlers, der im Hause Wolfgang Menzels anregenden Ver kehr fand. Wesentlich anders waren die Verhältnisse in Königs berg, wo I. Huber norddeutsche Art kennen und schätzen lernte und mit einem dort studierenden Landsmanne lebenslange Freund schaft schloß. Der weiteste Horizont aber öffnete sich ihm mit dem Eintritt in die Weidmann'sche Buchhandlung in Leipzig, die damals von Karl Reimer und seinem Schwager Salomon Hirzel geleitet wurde. Eine vornehme Auffassung des Berufes, ver bunden mit hervorragender Geschäftstüchtigkeit, sah er hier in hoher Blüte vor sich. Nicht wenig trug hier zu seinem Behagen ein Kreis junger Schweizer bei, zu denen er sich gesellte, und die ihm Jahrzehnte hindurch treue und liebe Freunde ge blieben sind. Bei der Übersiedelung der Weidmann'schen Buchhandlung nach Berlin fand I. Huber nicht mehr eine in gleichem Maße be friedigende Tätigkeit; er gab nach kurzer Zeit die Stelle auf und kam aus der preußischen Hauptstadt in das landschaftlich so an anmutige Würzburg und dann zurück in die Heimat. Bald zeigte sich ihm die Möglichkeit, in der Beyel'schen Buch handlung in Frauenfeld einen Wirkungskreis zu finden, und schon 1855 kaufte er das Geschäft, das auch die Buchdruckerei und den Verlag der Thurgauer Zeitung in sich schloß. Nur wer den Verstorbenen an der Arbeit gesehen, kann sich vorstellen, mit welcher Energie er das Unternehmen nach allen Seiten ausbaute. Alle Mittel, die er gewann, wurden zur Ver vollkommnung des Geschäfts eingesetzt. Die Buchdruckerei stattete er aufs beste aus; neben dem Sortiment wuchs in aller Stille ein wohlausgewählter Verlag heran. Die Zeitung redigierte er selbst, bis sie an Umfang zu groß wurde und vielseitige Kräfte forderte. 1859 schloß I. Huber einen glücklichen Ehebund mit der Schwester des berühmten Zürcher Ophthalmologen, Louise Horner, und trat damit in einen Familienkreis, der ihm manche geistige Anregung bot. Zu Hause aber schuf ihm die treffliche Gattin ein Heim, das ihn die große Arbeitslast viel leichter tragen ließ. Den Verkehr mit unseren heimischen Dichtern, Schriftstellern und Gelehrten Pflegte er gerne und freute sich, ihr Verleger sein zu können; auch hier scheute er bei aller Geschäftstüchtigkeit nicht
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