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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.07.1910
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1910-07-11
- Erscheinungsdatum
- 11.07.1910
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- Deutsch
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Nichtamtlicher Teil. ^ 157, 11. Juli 1910. trauerte, lieferten in liberalster Weise aufschlußreiche Akten; auch andere Behörden, namentlich von den Universitäten Jena, Rostock und Tübingen, ferner die Tiedgestiftung in Dresden, die deutsche Schillerstiftung in Weimar und das Reuterhaus in Eisenach steuerten mannigfaltige Handschriften, Briefe, Bilder, Skizzen und Erinnerungen bei. Den Grundstock der das Leben und Schaffen Reuters veranschaulichenden Ausstellung bildet die reichhaltige Sammlung des Veranstalters und Leiters, Professor vr. Gaedertz, dem auch von Privatpersonen beachtens- und betrachtenswerte Andenken und Reliquien zugingen, darunter die Originalzeich nungen von Konrad Beckmann und von Ludwig Pietsch zur »Stromtid«, sowie viele von Reuter selbst gemalte Porträts der Offiziere und Leidensgefährten aus der »Festungstid«. (Leipziger Tageblatt.) Der König derHandschriftensammler. —Seit einem Viertel jahrhundert haben nunmehr, in unregelmäßigen Zwischenräumen, bei der Londoner Firma Sotheby Versteigerungen von Teilen der »Lidliotbeoa kbillixxiea« stattgefunden, und auch der vergangene Monat hat vom 6. bis 9. Juni wieder einen Teil der unvergleich lichen Handschriftensammlung des 1872 verstorbenen Baronets Sir Thomas Phillipps in andere Hände übergehen sehen. Seit Jahren fragte man sich schon in den beteiligten Kreisen der Öffentlichkeit, wie lange wohl weitere Abteilungen der Phillippsschen Sammlung zum Verkauf gelangen würden; aber niemand konnte anscheinend auf diese Frage mit einiger Gewißheit eine Antwort geben, wenn auch so viel sicher scheint, daß sich diese Verkäufe noch über viele Jahre erstrecken werden, und daß möglicherweise die heutige Jugend ins Patriarchenalter gelangt sein wird, bis die Zerstreuung der einst von Sir Thomas Phillipps in mehr als sechzigjähriger Tätigkeit gesammelten Schüße ihr Ende erreicht hat. Bisher fanden, wie W. Roberts in der »National R-eviov?« mitteilt, folgende Einzelversteigerungen statt: Datum Zahl ^nlmlt Gesamtwert 2"um j,. Lose Pfund Schilling Pence 1886. 3.—10. August 3346 gedruckte Bücher 2200 1b 1889. 22.—24. Januar 1413 637 17 — 1891. 15.—16. Juli 642 Briefen.Handschr. 891 11 6 1891. 7.-8. Dezember 703 Briefe 371 1 6 1892. 4.-6. Juli 601 720 1 6 1893. IS.—22. Juni 915 Handschriften 2474 4 — 1895. 21.—26. März 1285 ,, 8468 2 — 1896. 10.—17. Juni 1441 6998 7 — 1897. 17.—20. Mai 826 4194 14 6 1898. 6 -11. Juni 1168 5916 18 — 1899. 5—10. Juni 1258 3784 19 6 1903. 27.April—2.Mai 1355 4612 4 — 1908. 15.—18. Juni 835 3796 19 — Vor der letzten Versteigerung im Juni d. I. hatten also 13 Versteigerungen stattgefunden, die in mehr als 60 Tagen einen Erlös von über 45 000 Pfund brachten. Die beiden ersten Ver steigerungen, die die gedruckten Bücher der Sammlung dem Verkauf unterstellten, enthielten u. a. eine vollständige Folge der vielen Bücher und Buchhefte (Broschüren), die Sir Thomas in seiner eigenen Druckerei in Middle Hill hatte Herstellen lassen. Diese wurden natürlich nur in sehr beschränkter Auflage hergestellt, und eine vollständige Folge davon gehört auf dem freien Markt zu den größten Seltenheiten. (Eine vollständige Liste dieser Bücher, sowie der von anderen Pressen für Sir Thomas Phillipps gedruckten Bücher ist in Lowndes' »Lib1ic>§rax>1i6i-3 Nanual«, S. 186—188, sowie im »^piwnciix«, S. 226—237 enthalten.) Doch das eigentliche Interesse weiterer Kreise an den Schicksalen der Sammlung begann erst mit der Versteigerung des dritten Teils, der zahlreiche Handschriften und Urkunden von hohem geschichtlichen Wert enthielt, so z. B. Briefe von Sir Thomas Lucy, dem angeblichen Urbild zu Shakespeares Richter Schaal, von Daniel Defoe, von Sir Thomas Bodley u. a. m. Der fünfte Teil enthält eine große Zahl von Briefen geschichtlichen Inter esses, der sechste besonders literarhistorische Handschriften, so nament- lich die Urhandschrift von Walter Scotts »Leben Swifts«, eine Handschrift von 570 Seiten Großquart, die damals 230 Pfund erzielte; heute würde wahrscheinlich mehr als viermal soviel dafür bezahlt werden. Die siebente Versteigerung brachte besonders Hand schriften aus der Tudor- und Stuart-Periode, ferner solche aus Irland, Schottland und Wales, die achte, neunte und zehnte solche aus den einzelnen englischen Landesgebieten, sowie aus und über Shakespeare und Wycliff; und das gleiche gilt von den weiteren Versteigerungen, die jeweils in eine Sammlung klassischer, geschichtlicher, topographischer und genealogischer Handschriften zerfielen. Zu jeder dieser Versteigerungen war ein mit größter Sorgfalt zusammengestellter Katalog er schienen, der noch heute zn Nachforschungen auf jedem der darin vertretenen Handschriftengebiete unschätzbare Dienste leistet. Wer war nun der Mann, der diese einzig in der Welt da stehende Sammlung vereinigen konnte? Sir Thomas Phillipps, Baronet, Mitglied der Ho^al Loeiot^ ok Interaturs und Vorstandsmitglied (Trustes) des Britischen Museums, war im Juli 1792 als einziger Sohn eines reichen Fabrikanten in Manchester geboren. Der Hauptzweck, den der Vater mit der Erziehung seines Sohnes verfolgte, war weniger, ihn zu einem Mehrer seines Besitzes, als zu einem Mann von feiner Geistesbildung zu machen, und dieses Ziel wurde auch im Sohne hinlänglich erreicht. Er wurde in Rugby und Oxford er zogen und war schon, als er im Jahre 1818 dem Vater in Fabrik und Vermögen folgte, ein Mann von ausgesprochenen literarischen Neigungen, dessen Vorliebe für wertvolle Zeugnisse literarischen Lebens allmählich in eine wahre Leidenschaft für alte Handschriften überging. Phillipps kaufte am liebsten gar nicht einzelne Stücke, sondern ganze Bibliotheken und Sammlungen; so bestellte er z. B. einmal, als er von dem Buchhändler Thorpe einen dicken Oktavkatalog über etwa 1400 Handschriften erhielt, von diesem die ganze Sammlung, ebenso erwarb er auf einen Schlag die berühmte Meermansche Sammlung griechischer Handschriften. Seine Aufträge an die Buchhändler waren ge wöhnlich auf kleine Notizblätter geschrieben, die auf diese Weise mitunter recht hohe Werte verzeichneten, so z. B. einer an den Buchhändler Boone, der den Auftrag zum Ankauf von 136 Hand schriften im Gesamtwert von 156 Pfund 17 Schilling enthielt Wie in seinen Neigungen, so war Sir Phillipps auch in seinen, Abneigungen sehr ausgesprochen; besonders haßte er den Tabak den Katholizismus und — seinen Schwiegersohn, den verstorbenen bekannten Shakespeare-Gelehrten I. Orchard Halliwell-Phillipps, den Sohn eines Londoner Kaufmanns, der eine Zeitlang sein Gehilfe gewesen war und dann gegen seinen Willen die älteste seiner drei Töchter geheiratet hatte. Enterben konnte er diese Tochter aller dings nicht, aber er hinterließ doch eine Klausel in seinem Ver mächtnis, daß weder sie noch ihr Gatte jemals sein Haus betreten dürften, und hinterließ seine gesamten literarischen Schätze seiner mit einem Geistlichen verheirateten jüngsten Tochter. Außer auf dem Wege der Versteigerung wurde übrigens ein Teil der Phillippsschen Sammlung auch freihändig an besondere Interessenten abgegeben. So erwarb im Jahre 1908 die franzö sische Regierung 272 Urkunden von größtem Wert für die franzö sische Geschichte, und es besteht die Aussicht, daß auch von den dort noch vorhandenen rund 30 000 französischen Handschriften, die Phillipps zum großen Teil von dem bekannten französischen Bücherdieb Libri erworben hatte, eine ansehnliche Zahl wieder nach Frankreich zurückkehren wird. Ebenso erwarb im Jahre 1887 die preußische Regierung für die Königliche Bibliothek in Berlin die Handschriften, die früher im Besitz des LoIIö^s äo Olerinont in Paris gewesen waren; auch die belgische und holländische Negie rung, das Britische Museum, die Universität Cambridge und die Loä- loian lübrar^ erwarben freihändig zahlreiche Handschriften, die für sie besonderes Interesse hatten, und wahrscheinlich haben noch wei tere dieser freihändigen Verkäufe stattgefunden. Von der einzig artigen Bedeutung der Sammlung gibt es wohl einen Begriff, daß die Zahl der Handschriften auf Pergament (Vellum) allein die hohe Zahl von nahezu 2000 Stück beträgt! Sir Phillipps gab die Gründe dieser Neigung selbst folgendermaßen an: »Als ich meine Handschrifiensammlung anzulegen begann, kaufte ich zuerst alles, was in meinem Bereich lag, wozu ich dadurch ge trieben wurde, daß ich verschiedene Berichte über die Zerstörung wertvoller Handschriften las. Mein Hauptverlangen ging auf geschichtliche und besonders unveröffentlichte Handschriften, ob gut oder schlecht, und besonders solche auf Pergament. Meine Neigung, Handschriften auf Pergament aufzubewahren, entsprang hauptsächlich der Beobachtung ihrer unaufhörlichen Zerstörung durch Goldschläger; mein Suchen nach Pergament-
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