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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.03.1923
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1923-03-22
- Erscheinungsdatum
- 22.03.1923
- Sprache
- Deutsch
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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Sprechsaal. 69, 22. März 1923. Aus dieser Tabelle ergibt sich nun folgendes Bild: 6 Firmen haben einen Tageskurs angenommen, der über dem höchsten amtlichen Noten- turs liegt, 16 Firmen sind über dem niedrigsten ärmlichen Kurs, 18 über dem im Freiverkehr berechneten und nur 2 (hoch klingt das Lied vom braven Mann!) haben bedacht, daß von den genannten Kursen noch Spesen, Provision und Steuer in der Höhe von 5 bis 11 Prozent etwa abgehen, so daß nach meiner Ansicht der von diesen beiden Firmen be rechnete Kurs der allerhöchste sein dürfte, der überhaupt in Anrechnung hätte gebracht werden sollen. — Es liegt durchaus keine Veranlassung vor, daß der Verleger ohne jedes Risiko oder längere Verzögerung den offiziellen Tageskurs sich anrechnen darf, während -er Exporteur, ab gesehen davon, noch die mit der Umwechslung seiner Devisen oder Sorten verbundenen hohen Unkosten tragen soll. Zur weiteren Be leuchtung der Tabelle möchte ich noch bemerken, daß ich am 5. März (also dem für die letzte Sendung in Frage kommenden Tage) amtlich einen Scheck über 100 Kronen verkaufte und dafür nach Abzug der fast 10 000.— Mark betragenden Provision, Spesen, Steuer und Inkasso spesen gerade Mark 5926.— pro Krone erhielt (währen- mir 6025 am folgenden Tage berechnet wurden). Dann verkaufte ich einige Tag« später, als der niedrigste amtliche Notenkurs 5521 stand, einige Kronen im Freiverkehr und erhielt gar nur Mark 5000.— pro Krone. Auch der Verleger lehnt, wie im Börsenblatt auf Seite 315 zu lesen ist, die Be zahlung mit Schecks in fremder Währung mit den Worten ab: »da ich bei Schecks auf dluslandsplätze zu große Unkosten habe«. Daß aber der Exporteur die Unkosten hat, ist scheinbar nicht in Betracht gezogen. Möge diese mühsame Zusammenstellung den Erfolg haben, daß sich die maßgebenden Stellen des Buchhandels mit dieser Frage be schäftigen und vielleicht einige Richtlinien dafür geben. Buchpropaganda. Versuch eines Beitrags zu deren Förderung. Ein großer Teil unserer Berufskollegen ist noch immer der irrigen Anschauung, das Buch sei ein viel zu vornehmer Handelsartikel, als daß man dafür eine ähnliche Reklame machen könne wie für irgend eine andere Ware. Allein, der Zweck heiligt die Mittel. Die Re klame ist noch vielfach das Stiefkind des Buchhandels. Stellen wir einmal das Buch als Warengattung neben andere Artikel, z. B. Ziga retten, Sekt, Schokolade, Tee usw. Wie verschwindend klein erscheint uns nun neben dem Riesenaufwand, den jene Berufsgruppen an Re klame für ihre Artikel opfern, unsere buchhändlerische Gesamtpropa ganda! Zwar verkenne ich keineswegs, daß bei jenen ganz andere Grundlagen und Voraussetzungen vorhanden sind als bei unserm Be rits, aber trotzalledem sind die Versäumnisse bei uns noch immer groß genug. Obwohl sich in letzter Zeit auch hierin schon vieles gebessert hat, gehen wir aber vielleicht Zeiten entgegen, die es jetzt schon ge raten erscheinen lassen, die Propagandafrage noch einmal aufzu- rvllen. Inserate und Besprechungen in Tageszeitungen allein tun es nicht. Es fehlt im Buchhandel noch fast vollkommen eine große um fassende Propaganda für das Buch im allgemeinen als Geschenkartikel und für Eigenbedarf. Wir wissen, daß weite Kreise, die früher gute Bttcherkäufer waren, es heute leider notgedrungen nicht mehr sein können, wir wisse» aber auch, daß ein großer Bevölkerungsteil erst in der letzten Zeit in die Lage gekommen ist, sich Bücher zu kaufen. Das ist zum größten Teil noch Brachland, das der Bearbeitung harrt. Diesen Kreisen gilt es so häufig wie nur irgend möglich mit suggestiver Ge walt eine Idee einzuhämmern, nämlich: den Gedanken des Bücher- kanfens überhaupt. Dies muß aber an einer Stelle geschehen, die sie alle zu beachten gewohnt sind, vor allem in Tageszeitungen, Zeit schriften, Schaufenstern, an Plakatsäulen, in Kinos usf. »Greif zu einen» Buch, es ist Dein Berater in allen Lebenslagen.« Aber ich betone nochmals, es muß schlagwortartig mit suggestiver Kraft ge schehen, denn die meisten Leute haben ein dickes Fell. Schwache Mittel kosten nur herausgeworfenes Geld. Es dürfte ratsam sein, nach einem gewissen Plane zu verfahren, indem der Wortlaut der Reklame dem Sinne nach allmählich gesteigert wird. Als Anfang empfehle ich »Bücher sind Freunde«, »Greif zu einem Buch« usw. Ist ein gewisser End punkt erreicht, fängt man wieder von vorn an. Die angelegten Mittel werden ganz bestimmt tausendfältigen Segen bringen. Ist der Kunde einmal in einem Buchladen, bann ist es Aufgabe des Sortimenters, die Reklame fortzusetzen. In vielen Städten sieht man jetzt eine ähn liche Reklame der Blumenhändler: »Sag es mit Blumen«, in Schau«- fenstern, auf Theaterzetteln, Konzertprogrammen usw. Unsere Nc- klamefachlente, nicht zuletzt die Autoren werden sich vielleicht gern in den Dienst dieser Idee stellen. Zeitungsinserate in dieser Form sollten stets nur unterm Text erscheinen, »veil sie im Anzeigenteil zu wenig beachtet werden. Nur wenige Worte dürfen sie umfassen; Verantwort» Redakteur: Richard Albert 1. — Verla«: Der Börsen Druck: Ramm L Seemann SSmtttch in L-tp-tg — Adresse der i 368 diese müssen allwöchentlich einmal an einer bestimmten Stelle der ge- lesensten Zeitungen am Ort erscheinen, künstlerisch gesetzt init eigen artiger Umrandung. Jede Klischeefabrik dient gern mit Entwürfen. Die Kosten müßten teilweise von den Sortimenten am Ort gleichmäßig, zum andern Teil vielleicht vom Verlegervcrein und von den Autoren- vcrbändcn getragen werden, kurz von allen, die am Absatz des Buci)«« interessiert sind. Vielleicht gelänge es auch, die Druckereien und Groß buchbindereien für den Plan zu interessieren. Es könnte dann auf jeden Beteiligten nicht mehr viel kommen. Zu betonen ist nochmals, nicht zu vergessen ist die Einheitlichkeit und Gleichzeitigkeit in der Art der Aus führung, damit die suggestive Gewalt nicht verloren geht. Schließt sich in der Kostentragung wirklich einmal eine engherzige Seele aus, so lassen Sie sic in Gottes Namen fahren. Ihr Gewinn wird noch immer hoch genug sein. Auch die Warenhäuser werden dafür zu gewinnen sei». Viele Hunderte von Menschen laufen täglich noch immer teilnahm- los an Ihrem Schaufenster vorbei. In Tausenden von guten Familien, wo noch die Mittel vorhanden wären, wird bei passenden Gelegenheiten noch nicht einmal der Gedanke erwogen, ein Buch W kaufen, sei es zur Konfirmation, Verlobung, Hochzeit, Ostern, Weihnachten, Geburts tag usw. Diesen Gedanken gilt es zunächst einmal zu wecken. Ist dies geschehen, so werden Bücher auch unter Freunden und Verwandten zu Geschenken häufiger gewünscht, wird der Trieb nachEigenbesitz angeregt. Ungeheures Brachland liegt hier noch vor Ihnen, verehrte Leser! Wollen Sie noch zögern, es sich nutzbar zu machen? Während der letzten Mo nate wird mancher Verlag ein Interesse daran gehabt haben, den Ab satz etwas etnzudämmcn, vielleicht auch der Sortimenter, weil Neu° beschaffung meist Verlust statt Gewinn brachte. Wie rasch kann hier eine Änderung eintreten! Ist es nicht ratsam, schon rechtzeitig einen Plan anfzustellen, um ihn im richtigen Zeitpunkt in die Tat umsetzen zu können? Leisten wir nicht mit dieser Werbung der deutschen Sache eine ungeheure Kulturarbeit? Aus mehr als einem Grunde also hoffe ich, daß meine Saatkörner hier auf fruchtbaren Boden fallen mögen. Das deutsche Volk gibt für Bier und Tabak jährlich Riesensummen ans. Niemand mißgönnt ihm diesen Genuß, aber es gilt zu vergleichen, in welchen! Verhältnis diese zu seinen Ausgaben für Bücher stehen. Jahrelange sorgfältige Beobachtungen haben mir gezeigt, daß sehr zahlreiche Kunden den Ankauf eines Buches, wenn er schon einmal sein muß, immer noch als eine lästige, überflüssige Ausgabe betrachten. Dieser üble Gedanke muß mit großen Mitteln bekämpft werden. Die mündliche Aufklärungsarbeit des Sortimenters ist hier imzuretchend. Das gesamte Buchgewerbe muß hier Mitarbeiten. Im Börsenblatt sind häufig gute Auswahlen sogenannter Büchersprüche erschienen (Bbl. 1921, Nr. 274, 276, 277; 1922, Nr. 202, 207, 253, 277 und 278). Es ist eine prachtvolle Reklame, wenn Ortskollegcn solche zusammen jede Woche regelmäßig in den gelesensten Zeitungen erscheinen lassen. Nimmt die Zeitung sie nicht kostenlos auf, dann in Gottes Namen muß sie eben bezahlt werden. Zcitungsdruckereien, die mit dem Verlag in Fühlung stehen, werden es wohl nie ablehnen, ein Opfer zu bringen. Diese Sprüche haben noch den Vorzug, daß sie nicht als eine geivollte Reklame erscheinen. Nun zu einein neuen Gedanken! Wäre es nicht ratsam und durch führbar, eine Art Börsenblatt für das Publikum zu schaffen? Ich meine eine halb- oder gauzmonatlich erscheinende Sonderausgabe, die einen anderen Titel tragen muß und die nur Veröffentlichungen ent hält, die das Publikum interessiert, Neuerscheinungen und Neuauflagen. Wie oft habe ich mir beim Lefen des Börsenblattes gedacht, daß es jammerschade um all die schönen Besprechungen, Probekapitel, Inhalts angaben usw. ist, die die Kundschaft nie zu Gesicht bekommen kann. Ist es nicht schade um den einmal stehenden Satz? Diesen »Bücherfreund«, oder wie er sonst heißen mag, wird sicher jeder Sortimenter gern mehr fach beziehen und ihn an seine besten Kunden versenden. Wie leicht ließe sich hier durch Hinzu-nahme von Probekapiteln und allerhand inter essanten Aufsätzen eine jeden Gebildeten fesselnde kleine Werbezeitschrift schaffen! Kann es eine prächtigere Bücherwerbung geben? Ich hoffe, die verehrte Schriftleitung steht meinem Vorschlag wohlwollend gegen über*). Es sollte mich freuen, wenn meine bescheidenen Anregungen diejenige Beachtung finden würden, die ich ihnen wünsche. Plaueni. V. Max Hochmuth. *) Die Schriftlcitung steht diesem Gedanken durchaus tvohlwollend gegenüber. Die etwaige Verwirklichung hängt allein davon ab, ob ge nügend Verleger zur Beteiligung bereit sind und ob das Sortiment sich dafür ausreichend interessiert. Sobald sich aus entspreck>enden Anmel dungen bei der Schriftleitung übersehen ließe, wie weit das der Fall ist, würde diese mit praktischen Vorschlägen hervortretcn. — Im übrigen sei noch festgestellt, daß dieser Artikel bereits vor der Veröffentlichung der vorhergehenden Aufsätze über dasselbe Thema (Bbl. Nr. 65 und 66) abgefaßt war. Red. , erein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Deutsches VuchhündlerhauS. tedaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 28 lBiichhünblerhau-s
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