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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.02.1886
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1886-02-10
- Erscheinungsdatum
- 10.02.1886
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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, 10. Februar nchtamtlicher Teil. 19 Werk ein empfehlenswertes Prachtwerk im Sinne des Museums ist. Die Accidenzdruck-Sammlung darf bei reichster Ver tretung nichts enthalten, was nicht wenigstens nach einer Richtung hin nach strenger Prüfung Fach- und Kunstverstän diger als nachahmenswert bezeichnet werden kann. Es muß dahin kommen, daß die Aufnahme einer Arbeit in die Samm lung des Museums einer Empfehlung des Betreffenden gleich kommt. Im übrigen darf die Sammlung nicht bloß auf die kunst vollen, meist in Farben-, Gold- und Prägdruck ausgeführten Arbeiten, als: Aktien, Wertzeichen, Diplome, Prachtplakate, Preiscourante, Neujahrs- und andere Festkarten u. dergl. be schränkt werden, sondern auch einfache Rechnungen, Cirkulare, Wechsel- und Quittungsformulare, Einladungskarten, Steuer- und Volkszählungslisten u. s. w. sind aufnahmefähig, wenn sie nur nach irgend einer Richtung hin sich durch besondere Zweckmäßigkeit empfehlen. Daß die volle Durchführung dieser Gruppe keine zu schwere Aufgabe sein wird, ist jedem ein leuchtend, der die Bereitwilligkeit des Buch- und Kunst handels sowie der graphischen Anstalten, in solchen Sachen zu dienen, kennt. Gruppe VI. Die Papierbranche und die Buchbinderkunst. Wenig würden die Erfindungen, von welchen unter Gruppe I., H., III. berichtet wurde, genützt haben, wäre es nicht durch die Maschine für die Fabrikation von Papier ohne Ende möglich ge worden, das für die umfangreichen Werke und Zeitungen be nötigte Papier in genügender Menge sowohl, als in den großen Formaten und der erforderlichen Güte und Glätte zu beschaffen, wozu die bisherigen Apparate der Papiermühlen mit ihrer Hand fabrikation nicht im stände gewesen wären. Es war jedoch, als ob alle Erfinder in den buchgewerblichen Fächern nur auf den Schlag der letzten Mitternachtsstunde des achtzehnten Jahrhun derts gewartet hätten, um der Presse das ganze Rüstzeug dar zubringen, das sie befähigte, den Platz als sechste Großmacht, der damals noch unbesetzt war, einzunehmen. Die Erfindung der Papiermaschine war zwar eine franzö sische, wie die der Schnellpresse eine deutsche; es gehörte aber der fruchtbare Boden des mächtigen, freien und technisch aus gebildeten Englands dazu, um beide zur Reife gelangen zu lassen; so kam die Erfindung Louis Roberts erst in England zur prak tischen Vollendung durch den bekannten Techniker Bryan Donkin. Nachdem jedoch die Schnellpressen ihr Werk begonnen und sowohl an Zahl wie an Lieferungsfähigkeit rasch zunahmen, er gab sich nach wenigen Jahrzehnten, daß der Stoff, mit welchem sie gespeist werden sollten, in der bisherigen Zusammensetzung nicht in genügender Masse zu beschaffen war, so daß mau, um wirklichem Mangel vorznbeugen, gezwungen war, die dem Papier die eigentliche Kraft gebende Nahrung — baumwollene und leinene Hadern — in knapperen Rationen zu verabreichen und, um das für Sättigung der Druckmaschine nötige Quantum zu beschaffen, — wenn es sich nicht um besondere Fälle handelte — seine Zu flucht zu Surrogaten aller Art zu nehmen. Diese suchte man zum kleinern Teil im Mineralreich (verschiedene feinere Thonarten), zumeist jedoch in den faserigen Stoffen des Pflanzen reiches (Mais- und andere Strohsorten, Binsen und Gräser ver schiedener Art; selbst Kartoffelsteugel u. dergl. wurden nicht ver schmäht). Die hauptsächlichste Hilfe kam jedoch aus den Wäldern, von denen manche den Fabriken anheimfielen, welche den gemah lenen sowie den durch chemische Verfahren erzielten Holzstoff (Cellulose) lieferten. Die Papierfabrikation selbst gewann sehr an Ausdehnung und machte beständig Fortschritte, die sich gerade in der Behand lung der heterogensten Surrogate zeigten. Das Papier wurde aber an Gehalt immer geringer. Dem Fabrikanten einen Vor wurf daraus zu machen, daß er Holzpapier liefert, wenn nur solches bestellt und bezahlt wird, wäre ebenso ungerecht, als an den Materialisten Beschwerde zu richten, weil er keinen Kaffee liefert, wenn Cichorie verlangt wird. Ein Vorwurf würde ihn erst dann treffen, wenn er Cichorie als Kaffee verkauft und sich als solchen bezahlen läßt. So auch mit den Papierfabrikanten. Die drohende Kalamität für das gesamte Buchgewerbe hat jedoch eine solche Bedeutung erlangt, daß ein einträchtiges Zu sammengehen zwischen Bücherproducent und Papierfabrikant durch aus geboten ist. Eine genauere Kenntnis der Bestandteile des Papiers und der Art, dieses zu prüfen, ist dem Verleger künftig durchaus notwendig. Wie groß übrigens die Kalamität bereits ist, davon kann man sich am besten überzeugen, wenn man in der Klemmschen Sammlung ein mehr als 400 Jahre altes Druck werk in seiner vollen Frische, als wäre es eben aus der Presse gekommen, betrachtet und damit einen Druck aus dem vergangenen Jahre, der nur während weniger Tage dem Sonnenlichte aus- gesetzt gewesen ist, vergleicht. Von den Zeitungen mit der Lebens zeit der Eintagsfliege soll dabei gar nicht die Rede sein; doch sollte man stets um eine längere Lebensdauer wenigstens einiger Exemplare besorgt sein. Sieht man von dieser Kalamität ab, die ja auch leider leichter besprochen als beseitigt ist, so hat man, wie schon angedeutet wurde, nur allen Grund, über die Vielseitigkeit und Ausdehnung der Papierfabrikation zu staunen und sich zu freuen. Wie bekannt, wird die Papiermaffe zu einer Menge von Gegenständen verwendet, die außerhalb der Grenzen der buch gewerblichen Produktion und somit auch dem Museum fern liegen. Um nicht von Schiffen, Häusern, Qfen, Eisenbahn wagenrädern und dergl. zu reden, nennen wir nur Leibwäsche, Bett- und Möbelüberzüge, Vorhänge. Selbst die, dem Buch gewerbe nahe liegende wichtige Tapetenfabrikation muß un berücksichtigt bleiben. Sehen wir uns nur das an, was das Buchgewerbe direkt konsumiert, was der Buchhändler, der Licht-, Stein- und Kupferdrucker, der Photograph und der Heliograph, der Zeichner, der Buchbinder, das Kartonage-, Papierkonfektions- und Schreibmaterialiengeschäft verlangt. Da sind die feinsten Kupferdruck- und Chromolitho graphiepapiere, das Velin für Prachtausgaben, chinesisches, Ton- und Aquarellpapier. Die feinen, mittelfcinen und ein fachen, ganz-, halb- oder ungeleimten Drucksorten, das Zei tungspapier auf Rollen für die Rotationsmaschine. Sogar auf die Vergangenheit wird zurückgegriffen und stark geripptes Büttenpapier, namentlich für den Druck der Liebhaber ausgaben verwendet. Für typographische und lithographische Accidenzarbeiten werden gebraucht: Karton ungefärbt und gefärbt, Imitation von Perlmutter, Elfenbein, Alabaster, Holz, Metall, Bank noten- und Sicherheitspapiere. Dann folgen bunte Papiere aller Art: Umschlags- und Plakatpapiere in Naturfarbe oder in einfacher Massefärbung, gestrichene und Diaphanpapiere; ferner die marmorierten und Pergamentpapiere, die Imitationen von Kattun, Seide, Bücherleinen, Chagrin, sogar von Krokodilshaut u. s. w. für die mannigfachen Buchbinder- und Kartonagezwecke. Für das Bureau und das Geschäft: Akten- und Handels bücherpapier, Briefsorten aller Art, Kouverts, Seidenpapier für Kopierbücher, zum Einlegen zwischen Kunstblätter, Ein- tz7 *
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