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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.03.1923
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- 1923-03-17
- Erscheinungsdatum
- 17.03.1923
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X- 65. 17. März 1923. Redaktioneller Teil. schon andere illustrierte Ausgaben des Eandide — so etwa die mit den Holzschnitten von Max Unold im Insel-Verlag 1913 veröffentlichte — zieren sollten, denn der Eandide gehört zu den - Weltliteraturwerken, die einer Illustration-Interpretation, wenn sie nur von einem Künstler stammt, Möglichkeiten über Möglich keiten verstatten. (V o l t ai r e, C a n d i d e, E i n e E r z äh l u n g. Mit 28 Federzeichnungen von Alfred Kubin. Paul Steegeinann, Hannover 1 922.) Nach Form und Gehalt sind die scheinbar technisch anspruchslosen Federzeich nungen Kubins sehr subtil, verlangen vom Betrachter und Leser keiti« allzu robuste Gemlllssli-mmnng, wenn sie sich ihm nicht ver sagen sollen. Einen Widerspruch zwischen Brutalität und Sen timent, den mancher, ob mit Recht oder Unrecht ist hier nicht zu untersuchen, in ihnen zu finden vermeint, wird der »europäische« Lefer des öfteren auch in berühmten russischen Dichtungen zu finden glauben. Dergleichen scheinbar unvermittelte Kontraste, auch wenn sie nicht lediglich in der täuschenden Übersetzung zu finden sein sollten, haben indessen fast immer ihre ti-eferlie-genden Wurzeln. Die realistische Treu«, mit der gerade einige russische Klassiker ihre Schildereien so aufzeichneten, daß zwischen Kunst fertigkeit und Natürlichkeit nicht zu unterscheiden ist, haben in ihrem Stoffgebiet bei der Darstellung des Jnstinktlebens unver bildeter Menschen eine Motivierung, die ausreichend erst zu be greifen ist aus einer genaueren Kenntnis dessen, was man ethno logisch mit einem sehr vergröbernden SchlagwortXi« Volksseele heißt. Als ein Beispiel dafür sei aus den schönen vierten Druck der Juniperuspr-esse der Werkstätten der Württember- gischen Staatlichen Kunstgewerboschule in Stuttgart (die unlängst im Bbl. Nr. 14 ausführlicher gewürdigt wurde) hingewiesen: Die Geschichte eines Verbrechers. Von Maxim Gorki. Julius Hoffman», Stuttgart 1 922. Auch diese Ausgabe mit ihren die malerischen Effekte nicht verschmä henden Schwarz-Weitz-Holzschnitten von Emmerich Reiner (dem in der Schlußdignette ein technisch interessantes Bildchen gelang, das in seiner Zartheit säst den Holzschnitt in den Stein druck übergehen.läßt) soll unter den neuen mir zur Hand gekom menen Liebhaberausgaben von Übertragungen russischer Werke mit Ehren genannt werden. Die großen russischen Dichter haben * häufig Überlieferungen volkstümlicher Art ausgenommen und be arbeitet, Märchen und Sagen mit den Gebilden ihrer eigenen Phantasie verwebend, kluge Spruchweisheit verwendend, bis weilen selbst erst die literarische Form für solche Überlieferungen prägend. Das hat auch ein Puschkin nicht verschmäht, in dessen Werken der Westeuropäer Wohl am ehesten einen Eingang in diese bunte ihm noch unvertraute Empfindungswelt finden wird. Einen niedlichen, von Ehmcke betreuten Druck in der stellenweise allzu glatten Übersetzung Friedrich Badenstedts veröffentlichte der Euphorien Verlag: Alexander Puschkin, Märchen vom Zaren Salt an. Euphorion Verlag, Berlin 192l. Einen anderen, mit farbigen Steindrucken von Bern hard Borchert, gab, in einer guten neuen Übertragung E. Groegers, der Newa Verlag in Berlin heraus, dessen Veröffentlichungen ebenfalls empfehlend unter den deutsch russischen Liebhaberausgabe» anzufuhren sind. Das farbenfreu dige und sinnenfrohe Buch, das gut den Kinderbuchton trifft und als solches einen es willkommenh-eißend-cn Empfang verdient — nur große Dichter können für kleine Kinder schreiben —, vereint mit dem Märchen vom König Saltan noch die vom goldnen Fisch lein, vom goldnen Gockel und vom Pfäfflein (Märchen von A. S. Puschkin, Newa Verlag, Berlin 1 923). Als ein Politisches Märchen, das seine Reflexion und seine Tendenz nicht zu verhehlen vermag, kann die von E. Groeger besorgte deutsche Ausgabe von Leo Tolstoi, Das Märchen von Iwan dem Narren und seinen beiden Brüdern Simeon dem Krieger, T-ar-aß dem Dicken nnd ihrer stummen S ch w c st c r .M a l a n j a, von dem alten Teufel und den drei kleinen Teufe Ichcn. Newa V e r l -a g, Ber Iin 1 923, dem Westeuropäer an einem bedeut samen Beispiel erklären, wie die Gewohnheit eines Zwischen-den- Zeilen-schreiben-und-lesen-könnens zu den russischen literarischen Tugenden gehörte, auch damit das Wüten der Zensurbchörd-cn verständlicher machen, die überall die Angriffe vermeintlicher Anspielungen vermuteten, und das gerade in den harmlosesten Wendungen und Worten. Die eingestrcutcn Federzeichnungen W. N. Massjutins sind nicht ohne Beziehungen auf einen sati rischen Stil, ohne dadurch das Ergötzen harmloser Ki-n-dcrg-emiiter zu stören. Auch Massjutin hat den »ehernen Reiter» Puschkins illustriert, dasjenige der Werke des Dichters, das, fast könnte man es so vergleichen, der gewaltige Witte Peters des Großen zu einer Monumentalität -emportrieb, die sonst der lyrischen Natur Puschkins nicht -entsprach. Mehr -als Benois hat er in seinen Blättern den grandiosen Rhythmus des hohen Werkes ausströ men lassen, das die kundig« Einleitung Arthur Luthers gut charakterisiert und dessen deutsche Übertragung durch Wolfgang E. Groeger die schönste mir bekannte ist. (Der eherne Rei ter. Ein episches Gedicht von Alexander Pusch kin. Newa Verlag, Berlin 1 92 3.) Der Vergleichungen wegen, zu denen der weltliterarhistorisch« Stoff zwingt, ist Pusch kins »Do» Ju-an«-V-ersuch vielleicht diejenige seiner kleineren Dichtungen, die am ehesten einen ersten Einblick in sein Schaffen gewähren wird, nur darf man nicht in die Dichtung Dinge hinein sehen wollen, die nicht in ihr stecken. Davor warnt auch das Begleitwort, das Arthur Luther für eine Liebhaberausgabe bei« gesteuert hat, deren Illustrationen als Variationen eines vielge spielten Themas sich neben anderen bekannten Don Juan-Bildern zu behaupten wissen: DersteinerneGast. Dramatische Szenen von A. Puschkin. Mit Original-Litho graphien von Martin Bloch. (Übersetzt von Wolf gang E. Groeger.) Newa Verlag, Berlin 1923. Nach einer landläufigen Literaturgcschichtenmeinung ist Puschkin noch immer »der russische Byron--. Schlagwort-Parallelen hin ken nicht nur, sie sind Lähmungen eines jeden unbefangenen Urteils, das sie verhindern. Man hüte sich stets, ihnen zu ver trauen, weil sie verwirren. Und man lese lieber, statt literar historische Ansichten aufzustapeln, die Dichtungen selbst. Ein Kabinettstück Puschkinscher Verskunst, wie es noch E. Groegers Wiedergabe zeigt: Die Fontäne von Baktschi Sarai. Ein episches Gedicht von A. Puschkin. (Mit Bil dern von W. N. Massjutin.) Newa Verlag, Berlin 1 923, und ein Kabinettstück feiner realistischen Genremalerei: Graf Nulin von Alexander Puschkin (Deutsch von E. Groeger. Illustriert von F. Sacharoff.) Ne w a V e r l a g, B e r l i n 1 923, sind so eigenwertige Leistun gen, daß man nicht lange herumzusuchen braucht, wo sie her kamen. Der Geleiter aller dieser Einzelausgaben, Arthur Luther, hat auch für die beiden 'letztgenannten eine sinngemäße und nicht bloß sinnreiche Erläuterung geschrieben. Zu einer Einführung in das russische Schrifttum muß die Einführung dem deutschen Leser verhelfen: allein mit bio-bibliographischen Datierungen, die, nebenbei gesagt, manchmal in derartigen deutschen Ver suchen merkwürdig -unrichtig Waren, ist es nicht getan. Einzel ausgaben pflegen für eine erste Fühlungnahme sich brauchbarer zu erweisen als Gesamtausgaben, -die von vornherein den Leser vor die Aufgabe stellen, die Gesamtpersönlichkeit aus ihrem Lebens-Werk begreifen zu sollen. Und Einzelausgaben, die durch die Art ihrer Ausstattung eine Buchselbständigkeit hervortretcn lassen, sind darum besonders geeignet, -aus einer ersten Bekannt schaft im liebwerd-enden Verkehr -eine sich festigende Freundschaft entstehen zu kaffen, die dem ganzen Werke und seinem Träger gilt. Allerdings könne» sie -auch zu «inseitigen Urteilen verlocken. So hat man Anton Tschechow — -von -dessen Romanen und Novellen eine gute -vielbändige Ausgabe im Verlage von Kurt Wolfs in München erschienen ist — -etwas voreilig zum »russischen Maupassant» ernannt, dabei -ebenso den franzö sischen wie den russischen Dichter mißverstehend. Die heitere Leichtigkeit einer ironisierenden Gesellschaftspsychologie bewahrt auch in den mondänen Nobcllen Tschechows einen eigenen, einen russischen Zug. Aus ihnen, den Bruchstücken -eines rrissischen Dec-ameron«, geben eine anmutende Auswahl: Anton Tsche chow, Derpersis che Ordenund-and ereGrotesken. (Deutsch von Alexander EI ia s-b-e rg.) Mit acht Holzschnitten von W. R. Massjutin. Weltverlag, Berlin 1922. Die Ausstattung des Bandes hebt durch Bild schmuck und Buchdruck noch den Reiz der kleinen Stücke. Man 33S
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