8000 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Vermischte Anzeigen. 152, L. Juli 1909. In eigener Sache! Dem verehr!. Sortiments- und Verlagsbuchhandel mache ich von Folgendem ergebenst Mitteilung: Der „Literarische Ratgeber" Merkblatt für Leihbibliotheken, Buchhandlungen usw. über die neuesten Erscheinungen belletristischer usw. Literatur „Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner" herausgegeben von 0r. Otto Gramzow Verlag C. E. Klotz, Magdeburg ersucht bekanntlich um Zusendung von Rezensionsexemplaren unter Zusicherung objektiver Berichte in Form kurzer Besprechungen hauptsächlich zur Orientierung des Sortiments. Ich sandte hierauf der Redaktion meine Neuerscheinungen, allerdings leichtsinniger Weise, ohne mich vorher vergewissert zu haben, ob wirklich hervorragende Fachmänner (d. h. doch wohl literarisch versierte und objektive Schriftsteller) der Redaktion als Mitarbeiter zur Verfügung stehen. In Nr. 4 dieses „Ratgebers" erschienen nun über 3 Bücher meines Verlages, die bisher von einer sehr großen Zahl bedeutender Autoren in großen Zeitungen und Zeitschriften zum Teil in Feuilletons bis zu 11 Spalten Umfang sämtlich außerordentlich lobend besprochen worden waren, ziemlich absprechende Kritiken. Es fiel mir nicht ein, darauf zu reagieren, obwohl mir schon damals auffiel, daß mir auch nicht einer der 17 „hervor ragenden Fachmänner" von Namen bekannt war. Da erhalle ich nun soeben ein Zirkular des Verlages C. E. Klotz, das mich zur Insertion in diesem „Ratgeber" auffordert und in dem handschriftlich erhebliche Rabattvergünstigungen angeboten werden. Ich zitiere aus dieser sehr interessanten Offerte folgenden Passus (das Original lag der Redaktion des Börsenblattes vor*)): Für den Verlagsbuchhandel ist eS empfehlenswert, (von hier an bis zum Punkt mit Blaustift unterstrichen. D. U.j als 'Anschluß an die erfolgte Besprechung, frühere Erscheinungen desselben Autors durch Inserate schnellstens bekanntzugeben. Praktisch (im Original fettgedruckt!!) für beide Teile (!! D. A.) wird die Aufgabe des Inserates schon bei Übersendung (im Original fettgedruckt!!!!) des Rezensionsexemplars sein. In Nr. ... (in welcher Nr., wird vorläufig verschwiegen. D. A.) wird z. V. besprochen werden: Gide, Andre: Der Schlecht Gefesselte Prometheus. Deutsch von Franz Blei. (51 S.) gr. 8°. München Lans von Weber, gbd. 4. — . Blödsinn von der ersten bis zur letzten Zeile! Möglich, daß der Verf. ein gutes Buch schreiben wollte; denn er legt im Epilog das Selbstbekenntnis ab: „0n n'ecrit p38 les Iivre8 qu'on veut". Für wen mag das närrische Zeug wohl ersonnen sein? Idioten werden es ebensowenig verstehen wie Gescheite. Die kümmerlichen Körnlein von Lebensweisheit hätten der mythischen Einkleidung nicht bedurft, sondern konnten in wenig Zeilen gegeben werden. Da findet sich in deutschen Landen noch ein Mann, der so etwas übersetzt! Und ein Verleger wagt sein Geld an eine gute Ausstattung. Sollte das Gewand den blöden Inhalt vergessen machen? Es ist wirklich allzu stark, was man hier dem deutschen Publikum zu bieten wagt. ?— Charlottenburg. vr. Otto Gramzow. *) Wird bestätigt. Redaktion des Börsenbl.