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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.01.1923
- Strukturtyp
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- 1923-01-31
- Erscheinungsdatum
- 31.01.1923
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. .V- 26, 31. Januar 1923. Bekanntmachung. Die Schlüsselzahl des Deutschen Musikalien. Verlegervereins wird mit Wirkung vom 30. Januar 1 923 ab festgesetzt auf 900. (Ausnahmen: Chorstimmen, Salonorchester, Textbücher 600. — Editionen verschieden.) Der Vorstand des Vereins der Deutschen Musikalienhändler zu Leipzig. Robert Lienau, Vorsteher. Der Vorstand des Deutschen Musikalien-Verleger-Vereins. C a r l L i n n em a n n, Vorsitzender. Lauensteiner Winterlager. I. Ein Bericht vom Verlauf. Was ist, kurz gesagt, der Lauensteiner Gedanke? Er entspringt der Auffassung, datz der Buchhandel nicht bloß »Geschäft» ist, son. dem ein Organismus, der ein gesundes Verhältnis zur Allge- meiuheit des Volkes haben mutz. Die Erstarrung unseres Berufes durch unbewegliches Festhalten an überkommenen Einrichtungen und Gebräuchen, die Mechanisierung durch Überspannung des gewerkschaftlichen Ovganisationsgedankens und die daraus sich ergebende Übersteigerung der nie wegzuschaffenden Wirtschaft- lichen Gegensätze zwischen Verlag und Sortiment bis zur Feind lichkeit ist eine Zeitkrankheit, die überwunden werden muh, nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern dadurch, datz wir Buchhändler »im Bilde» sind, was werden will. Wir Lauen steiner sind Suchende. Alle Geschäftssentimentalität liegt nns fern, ebenso wie alles Weltverbessern. Unser Lebensgefühl aber ruft inmitten der Schiebergcsinnung von heute wieder nach dem »anständigen Menschen», wir wollen für uns selbst weiter nichts sein als »ordentliche Lüt», wie die Schweizer sagen. Der Rahmen unserer Zusammenkünfte ist sehr wichtig, nicht wegen der Burgromantik, sondern weil di« Räume der Burg erst unser Gemeinschaftsleben ermöglichen und es mit Schönheit durchdringen. Wir sind keine »Versammlung» im Jagdsaal der Burg, sondern wir sind eine Familie. Das Tasten nach neuer Form gelang dieses Mal schon ein Stück weiter. Wie himmelweit unterschied sich der Eröfsnungs- abend von den üblichen Vereinsversammlungen! Er wurde stark von dem Gedanken der Volksgemeinschaft getragen, wir all« leb ten im Geiste mit unseren 'Brüdern im Rheinland und in West falen. Aber alles Phrasengeklingel schwieg ebenso, wie der Lärm der Städte von der vom Sturm umwehten Burg weit weg lag. Hölderlins Lied an die Deutschen erklang, ernste Männer faßten sich schweigend an zur Kette. Ein Rheinländer, der gerade von Düsseldorf kam, erzählte voll Erregung allerlei Tatsachen des jüngsten Durchmarsches. Unser Gast, der Arbeiterdtchter, gleich falls direkt von der Ruhr gekommen, wutzte manches von der Stimmung der Arbeiter beim Eindringen der Franzosen im Laufe der Tage zu erzählen. Es wurde dann der große Plan der »Kul turellen Notgemeinschast« beraten. Di« Leipziger waren die ersten, die riesen: wir machen sofort mit, und ein edler Wetteifer entstand. Hie München, hi« Stuttgart, hie Hamburg, hieBreslau, und am meisten freute es uns, datz es auch hieß: hie Essen. Das war die beste Antwort auf die französische Ge walttat. Der Burgherr sang mit seiner Frau ein Nordlandslied von isländischen Recken, und unser lieber -Silberlöwc- erzählte mit überlegenem Humor von seinem jetzigen Proletarierdasein. Aber auch in die Verhandlungen der anderen Tage klang Deutschlands Not hinein. Unvergeßlich wird jedem Teilnehmer sein, als Montag Punkt 11 Uhr di« Verhandlungen für einige Minuten unterbrochen wurden. Wir bildeten wieder eine Kette, die Gedanken weilten an der Ruhr, und vr. Alfred Giesecke impro visierte eine aus dem Herzen kommende und daher zu Herzen gehende Ansprache, die in einem Treueschwur an den Geist des Frcihcrrn vom Stein gipfelte. Der Abend brachte eine 2>/asttmdige Ansprache eines Jungsozialisten, des Arbeiterdichters Arthur Zickler, über »Fllhrertum». Er trug noch die Eierschalen des Parteisozialismus mit sich, aber sie waren längst durchbrochen, und so predigte er, der Arbeiter, heroische Gesinnung aus tiefstem aristokratischen Fühlen und Denken. Er predigte die Wiedergeburt deutschen Menschentums, und immer stärker gerieten di« Zuhörer in den Bann.seiner Persönlichkeit. Der dritte Abend stand wieder unter Führung unseres »Silberlöwen«. Er sorgte durch Klein- stadtschilderungen aus alter Zeit für Entspannung. Über die Form der Verhandlungssührung wäre noch zu be merken, daß von keiner Seite beabsichtigt wurde, die angeschnit tenen Fragen etwa durch »Entschließungen» zur »Lösung» zu bringen. Für künftige Zrrsammenkünfte ist sicher noch eine Ver minderung des Verhandlungsstoffes nötig. Das Fruchtbarste war außer den persönlichen Gesprächen in gemütlicher Kafseestunde und auf Wanderungen im schneeverwehten Tannenwald« entschie den jene Arbeitsgemeinschaft, die sich Mittwoch-Nachmittag nach der offiziellen Aufhebung des Winterlagers entwickelte. Es lvar etwa di« Hälfte der Burgfürsten, -grafen und -ritter noch aus der Burg verblieben. Ursprünglich wollten wir mit Schlitten nach dem Rennstieg fahren, aber wir sparten unser Geld und schenkten es lieber als Ehrengaben an -den »Silberlöwen» und den »Arbeiterdichter». Aus Einzelgesprächen über chinesische Philo sophie und Ähnliches am Kafseetisch entwickelte sich ganz unge wollt »die« Arbeitsgemeinschaft, die in den vorhergehenden Tagen, teils infolge der zu großen Teilnehmerzahl, teils infolge der Debattenform, noch nicht recht zum Durchbruch gekommen war. Jetzt kamen auch die zu Worte, die bis dahin noch nicht gespro chen hatten. Jeder mußte reihum «in Problem im Buchhandel klarlegen, das ihn besonders berührte. Die Kaffeetassen von den Tischen verschwanden, an den vier Wänden des Zimmers saßen die Zunftgenossen, di« blaue Dämmerung, die braune Nacht kam, kein Gesicht war mehr erkennbar. Nur Stimmen kamen aus dem Dunklen. Allez Körperhafte war verschwunden, und nur der Geist redete aus jedem Einzelnen. Das war ein stimmungsvoller, eindrucksreicher Schluß der Tagung. II. Ein Bericht von der Arbeit. Dieser Arbeitsbericht will keine erschöpfende und auch keine chronologische Darstellung sein, im Gegenteil, di« Debatte über die Referate und die Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaft sind zusam mengearbeitet. Er erstrebt die Grundgedanken herauszustellen. Sollte einiges Wesentliche übersehen sein oder nicht richtig darge stellt, so sei es jedemTurniergenossen gegönnt, ergänzende Ausfüh rungen zu machen. Ebenso wäre es erwünscht, noch nachträglich einsallende Gedanken dem Chronisten mitzuteilen, die er unter der Rubrik »Lauensteiner Beiträge» hier veröffentlichen würde. Ebenso wie beim ersten Bericht ist uns ernsthafte Kritik erwünscht. Ablehncn müssen wir aber jede unfruchtbare Bekrittelet. »Diese ist stets Ausdruck von Impotenz, daraus sch..tz' ich«, läßt der Lauensteiner Ochse seinem Berliner Verehrer sagen. Dem Aufbau der Verhandlungen dienten eine Reihe von Referaten, die von dem Bericht: Weiterentwicklung des Genossenschaftsgedankens zur Gruppenbil dung ihren Ausgang Nahmen. Es kamen dann zur Verhand lung: Jugendbewegung, V o l k sb i l dun g s g e d a n ke, die Zukunft des B a rs o r t i me n t s und des Kom missionsbuchhandels, Buchhändlerbank, Aus- landabsAtz und Propaganda, Kalkulations- und Honorar fragen. Wie bei der ersten Zusammenkunft wur den die allgemeinen Gesichtspunkte an den Anfang gesetzt. Bei den augenblicklichen wirtschaftlichen Nöten allzulange verweilen bedeutet Eulen nach Athen tragen. Der Verlag war 1922 noch allein in Notlage, jetzt beginnt auch di« Notlage des Sortiments, nachdem bei den erhöhten Bllcherpreisen die Kaufkraft des Publikums sichtlich nachlätzt, sofern die Käuferschicht nicht jener Großstadtschicht angehört, die das Buch nur unter dem Gesichts punkt der Anlage immer wertloser werdender Papiermark kauft. Der Verlag rechnet für 1923 höchstens noch mit der Hälfte seiner vorjährigen Prodicktion mangels Kapitals, sobald er nicht wie so manch« wissenschaftliche Verlage ein glänzendes Valutageschäft nach dem Ausland gemacht hat. Eine Reihe Verlage hat bereits begonnen, das Personal zu reduzieren. Das Sortiment hat für 1923 wahrscheinlich ebenfalls mit einem Rückgang des Umsatzes
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