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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.08.1900
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- 1900-08-09
- Erscheinungsdatum
- 09.08.1900
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- Deutsch
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183, 9. August 1900. Nichtamtlicher Teil. 5899 Jubiläum einer amerikanischen Zeitschrift. -Larpor's Nontül^ NuAwiins-, die wcitestverbreitete Zeitschrift Amerikas, konnte im Mai d. I. das Jubiläum ihres fünfzig jährigen Bestehens feiern. Die Gründung des Blattes fiel in eine Zeit, auf die der Bürgerkrieg bereits seine dunklen Schatten vorauszuwerfen begann. Aber in den damaligen Spalten der Zeitschrift ist kaum irgend etwas davon zu verspüren. Das Magazin verdankt sein Entstehen keinem Zufall, sondern ging aus der natürlichen Entwicklung des Harperschen Verlags hervor. Die allgemeine Beliebtheit, deren sich -Harxsr's I'awilz' Inürary- — eine Art periodisch erscheinender Schriften — erfreute, legte den Gedanken nahe, eine monatliche Zeitschrift zur Ver breitung guter Litteratur zu gründen. Während der ersten Monate seines Bestehens brachte das Magazin jedoch nur Auszüge — das Beste aus allen ausländischen Zeitschriften —, und die Illustra tion der ersten Nummer bestand nur aus drei Porträts zeit genössischer Historiker, Allison, Macaulay und Prcscott, und einigen Modebildern. Dies zeigt, wie wenig sich damals die Gründer des Unternehmens von der späteren Ausgestaltung ihrer Schöpfung träumen ließen. Der Schwerpunkt des Blattes lag in seinem Anfangsstadium hauptsächlich auf der litterarischen, viel weniger auf der künstlerischen Seite. Die aufmerksamen Leser jener Zeit verlangten keinen Bildcrschmuck, ihnen genügte die Litteratur. Ende 1850, nach halbjährigem Bestehen, hatte die Zeitschrift bereits eine Auslage von 50000 Exemplaren. Dieser Erfolg eines ausgesprochen litterarischen Unternehmens stellt der lesenden Generation jener Zeit ohne Frage ein gutes Zeugnis aus. Die künstlerische Illustration stak in den fünfziger Jahren noch in den Kinderschuhen, und nur we nige Künstler belebten den Plan. Die amerikanische Litteratur hatte zu jener Zeit nicht viele berühmte Namen aufzuweisen. Zeitschriften, die damals bereits existierten, wie -6rs.üaw's- und -Mio Rnioüsrdoolcsr», oder andere, die ungefähr zur selben Zeit gegründet wurden, wie -kutvaw's» und -Mw ^tlantio-, und die ihrer Art nach nur auf die Beiträge amerikanischer Schriftsteller angewiesen waren, konnten cs nur zu einer gewissen Abonnentcn- zahl bringen, und nicht eine einzige rein litterarischen Charakters hat den heutigen Tag erlebt. Und hätte -Uarpsr's NuAanius» seine Spalten nur einheimischen Schriftstellern geöffnet, dann hätte cs sich sehr wahrscheinlich auch niemals zu seiner heutigen Höhe ent wickeln können; denn die meiste amerikanische Litteratur jener Zeit konnte höheren litterarischen Ansprüchen nicht genügen. Wie schon vorher in ihrem Vuchverlag, so boten HarperS nun auch in ihrem Magazin ihren Lesern nicht nur die einheimischen, sondern auch die ausländischen Schätze der Litteratur. Europäische Zeitschriften brachten zu jener Zeit das Beste, und so kam es, daß die hervorragendsten englischen Romane des letzten halben Jahr hunderts in Uarpsr's Nagarirw einen Platz fanden. Ein Blick auf die hundert Bände, die mit der diesjährigen Mainummer ab- schlicßcn, erweckt den Eindruck einer Ausstellung, in der jedes Feld menschlicher Thätigkeit und menschlicher Interessen vertreten ist. Außerdem geben sie ein klares Bild von dem fortwährenden Wachsen und Gedeihen der Zeitschrift sowohl in litterarischer als künstlerischer Hinsicht. Das Zusammenarbeiten des Magazins mit dem Buchverlag war am stärksten in den ersten Jahrzehnten ausgeprägt, und der letztere bestimmte daher auch zum größten Teil den Charakter des elfteren. Das Harpcrsche Verlagshaus war dafür bekannt, daß es hauptsächlich Bücher herausgab, in denen Forschungsreisen be schrieben, wissenschaftliche Dinge in populärem Sinne behandelt, oder Geschichte und Biographieen veröffentlicht wurden. Erschienen die Bücher illustriert — was bei Reise- und wissenschaftlichen Büchern fast immer der Fall war —, so wurde in dem Magazin ein Auszug aus dem Buche, sowie einige Illustrationen gebracht. Afrikanische und arktische Rcisebeschreibungen mit ihrem fesselnden Bildcrschmuck fanden den größten Leserkreis; daneben erregten die Berichte über den fernen Osten oder die Wüsten von Süd- und Central-Amerika viel Interesse. Der damals noch recht wilde Westen bot ein weiteres großes Feld für Romane und abenteuer liche Geschichten. Thomas W. Knox's -Reisen durch Rußland und Sibirien- interessierten bei weitem nicht so sehr, als I. Roß Browne's Erzählungen aus dem Leben der Bergwerker in den Roolc^-Hloun- taius. Der erste berühmte Schriftsteller in Harpers Magazin war -Porte Crayon» sD. H. Strother), dessen eigenartige Schilderungen über das Leben in den Bergen von Virginia, sowie noch eigen artigere Zeichnungen in den Heften des L. Jahrgangs zu erscheinen begannen. In einem seiner charakteristischsten Artikel beschreibt er die Reise eines Künstlers mit der Eisenbahn. Er besuchte die Schlachtfelder während des Krieges und versah das Magazin mit Kriegsberichten. Neben gediegener Lebensweisheit besaß er echten Humor und einen raschen Blick für alles Pittoreske. lieber alle neuen Wunder, die die Wissenschaft am Himmel, auf der Erde oder in der See entdeckte, brachte das Magazin belehrende, allgemein verständliche Artikel. Jacob Abbott machte in diesem Genre den Anfang und lieferte die wertvollsten Beiträge. Sein erster und sehr bedeutender Aufsatz bestand in der Beschreibung der neuen Eisenwerke in New Dork, und Artikel dieser Art bilden bis heute ein charakteristisches Element des Magazins. Großer Popularität bei den Lesern jener Zeit erfreute sich u. a. I. S. C. Abbott's -Ints ok Mpolson Lovaparts», wozu die Illustrationen mit viel Sorgfalt und Geschick hergestellt wurden. Dieser kurze Ueberblick über die ersten Jahrgänge, die auch Romane von Bulwer, Dickens und etwas später von Thackeray brachten, lassen erkennen, wie neu für jene Zeit der Charakter dieser volkstümlichen Zeitschrift war. Bis 1869 sollte ihr keine ernstliche Rivalin auf ihrem eigenen Felde erstehen. In litterarischer Hinsicht, sowie illustrativ hatte sie sich stetig erweitert und ver bessert. Da sie vor allen Dingen ein populäres Blatt sein wollte, wäre der Versuch, dem über dreißig Jahre älteren »Llaüvoocl's dla.bg.rins» in Edinburgh auf litterarischem Gebiete den Rang streitig zu machen, gar nicht einmal empfehlenswert gewesen, sie hätte damit nur ihrer eigensten Art geschadet und ihren Wert für die Allgemeinheit verringert. Erst die Konkurrenz einiger neu erscheinender, gleichartiger Zeitschriften, die ihren Leserkreis damit zu gewinnen suchten, daß sie Vorgaben, amerikanische Schriftsteller zu bevorzugen oder bessere Illustrationen zu liefern, zwang auch die Herausgeber von Harpers Magazin die Entwicklung des Blattes, namentlich auf illustrativem Gebiet, in neue Bahnen zu lenken. Und die Folge dieser gesteigerten Ansprüche war, daß sich eine neue Schule von selbständigen Illustratoren bildete, jene Künstler, die das goldene Zeitalter der Holzschneidekunst in Amerika heraufführten. Harpers Magazin hat in mancher Beziehung von Anfang an anregend auf die amerikanische Litteratur gewirkt; am stärksten zeigte sich dies in der Produktion von -süort storiss», kurzen Skizzen und Erzählungen, in denen sich gerade die amerikanischen Schriftsteller, vor allem weibliche Federn, immer hervorthaten. Nur sehr selten haben auch englische Novellisten, wie Charles Reade, W. E. Norris und Justin McCarthy, wirklich gute kurze Erzählungen geschrieben. Da die Zeitschrift vor allem ein Familien blatt sein wollte, spielten natürlich Skizzen, die das Familien leben behandelten, oder gut erzählte Liebesgeschichten eine Haupt rolle, und meistens stammten diese Erzählungen aus weiblichen Federn. Die Liste der Mitarbeiter für -süort storiss- weist die besten Namen der amerikanischen Schriftstellerwelt aus, ivie Howells, Mark Twain, Richard Harding Davis, James Lane Allen, Miß Wilkins und viele andere. Die bedeutendsten Veränderungen aber gingen mit dem Ma gazin während der letzten fünfundzwanzig Jahre vor, trotzdem her ursprüngliche Typus und das Ziel sich immer gleich blieben. Die rapide Steigerung des VcrkehrSlebens, das Anschwellen der Tagcsprcsse, die außerordentliche Entwicklung des Bücher- und Bibliothekswesens für populäre Zwecke machten alles das überflüssig, was unter anderen Verhältnissen die vornehmste Notwendigkeit einer guten Familienzeitschrist gewesen war — das Be streben, als Erziehungs- und Belehrungsinittel zu dienen. Von den einst so vortrefflichen litterarischen Miscellen ist heute keine Spur mehr zu ifinden; der beschreibende Artikel in seiner alten Form erscheint nur noch ausnahmsweise; was Archäologie und Erforschungen betrifft, so werden jetzt nur noch die neuesten und wichtigsten Entdeckungen, die nirgendwo anders vorher beschrieben sind, gebracht; ebenso verhält es sich mit allem Wissenschaftlichen. Berichte über soziale, litterarische, politische oder künstlerische Bewegungen nehmen jetzt den Platz ein, der früher oberflächlichen Fragen gewidmet wurde. Mit einem Wort, der journalistische Charakter herrscht vor. Die Persönlichkeit des Schriftstellers spielt heutzutage auch eine bedeutend größere Nolle als vor einem Vierteljahrhundcrt. Thatsächlich veröffentlicht das Magazin erst seit den letzten zwanzig Jahren mit den Arbeiten des Verfassers auch dessen Namen. Die Zeit kam, in der auch die monatlichen Nedaktionsplaudc- reien, früher einer der charakteristischen Züge einer großen Zeit schrift, von der Bildfläche verschwanden. »Tüs Nontül^ Rsoorcl ok Lnrrsnt Lvsnts-, von Henry I. Raymond eingeführt, nahm viele Jahre hindurch in jeder Nummer einige Seiten ein; der Artikel war nützlich und nötig zugleich, da er in kurzer und allgemein verständlicher Fassung über alles Neue, das sich in der Welt er eignet hatte, berichtete. Aber als die täglich erscheinenden Zeitungen erst jedermann zugänglich wurden, wurde der -kooorcl- immer kleiner und verschwand schließlich ganz. Aehnlich ging cs mit anderen Uebersichten dieser Art. Für die Entwickelung des Zeitschrifteuwesens, insbesondere auch für die allmähliche Trennung, die sich zwischen Zeitungen und Zeitschriften vollzogen hat, bietet ein Rückblick auf die Halb- jahrhundert-Geschichte von -Ilarpsr's Llontül^» nicht wenig des Interessanten. Mn L. 791
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