Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.04.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-04-08
- Erscheinungsdatum
- 08.04.1908
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19080408
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190804084
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19080408
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1908
- Monat1908-04
- Tag1908-04-08
- Monat1908-04
- Jahr1908
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Nichtamtlicher Teil Antiquariat und Antiquare. Vortrag, gehalten in der Ortsgruppe Berlin der Allgemeinen Vereinigung Deutscher Buchhandlungs-Gehilfen, Donnerstag, den 26. März 1908, von R. L. Prager. Wenn ich mich anschicke, Ihnen heute einen Vortrag über das Antiquariat und seine Träger zu halten, so fürchte ich beinahe, daß meine Ausführungen nicht alle von Ihnen interessieren werden. Das Antiquariat ist ein gewissermaßen ganz abseits vom Buchhandel stehender Zweig, der sich voll kommen selbständig und zwar nach der kaufmännischen Seite hin entwickelt hat. Während das Sortiment und mit ihm der Verlag vom Tauschoerkehr zum L conditions-Verkehr ge kommen ist und noch heute der gesamte Betrieb wesentlich auf dieser Verkehrsform beruht, kennt das Antiquariat lediglich Barkauf und Barverkauf. Es sind bar gekaufte Bücher, mit denen der Antiquar handelt, und das Risiko und die Ver zugszinsen trägt er allein. Das Antiquariat, das zu den ältesten Formen des Buchhandels gehört, ist auch eine seiner wichtigsten, insofern es die Verwertung von Büchern er möglicht, lange nachdem das Interesse des Sortiments für sie schon erloschen ist. Das geschieht dadurch, daß der Antiquar ein großes Lager ansammelt und der Nachfrage schnell und verhältnismäßig billig genügen kann, während es dem Sor timenter heute weniger als je möglich ist, alle oder auch nur einen größeren Teil der Bücher auch nur einer Wissen schaft aus früheren Jahren oder gar aus früheren Jahr zehnten auf Lager zu halten. Diejenigen, die nur solche Antiquariate kennen, die gelegentlich dies oder jenes Buch antiquarisch kaufen, glauben mit dem Antiquariat sehr bald fertig zu sein. Man kennt den Ladenpreis und nimmt da von Dreiviertel oder die Hälfte, dann ist der antiquarische Preis gemacht, und das Verkaufen kommt ganz von selbst. Das ist jedoch ein recht starker Irrtum. Heutzutage ist das Antiquariat auch für den Verlag ein ausschlaggebender Faktor, wenn auch der Charakter des Antiquariats insofern eine Wandlung erfahren hat, als es jetzt entweder eine oder mehrere Spezialitäten ausschließlich führt oder wenigstens eine oder mehrere Wissenschaften ganz besonders bevorzugt und in diesem Zweige nicht nur antiquarisch erworbene Bücher, sondern auch neue Bücher vorrätig hält, also Anti quariat und Sortiment in sich vereinigt, gelegentlich auch wohl noch Verlag. Solche Spezialgeschäfte sind die Versorger der Bibliotheken und der Gelehrten der ganzen Welt und können dies sein, da ihr großes antiquarisches Lager ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Abnehmer schnell und billig zu bedienen. Ich sagte schon, daß das Antiquariat zurückgeht bis in die Anfänge des Buchs. Auch damals, als es nur ge schriebene Bücher gab, gab es schon Antiquare, wenn sie auch nicht so genannt wurden. Schon damals war das Bestreben, alte Handschriften, womöglich Original-Handschriften der Verfasser zu sammeln, vorhanden, und die Bücherliebhaberei, die sich allerdings nur auf Fürsten und Große beschränkte, gab den Händlern mit solchen Handschriften reichlich Gelegen heit, ihre Ware abzusetzen. Dazu kamen die Bibliothek gründungen von Alexandria usw., die ebenfalls dankbare Abnehmer wertvoller Handschriften waren. Freilich gab es auch gewissenlose Händler, die zu Fälschungen bereit waren. Manch minderwertiges Manuskript wurde unter hochtönen dem Namen angeboren, und eine Hauptaufgabe der Biblio thekare war es, sich durch leichtherzige Händler nicht täuschen zu lassen. Auch im Mittelalter kann man die Handschriftenhändler zugleich als Antiquare bezeichnen. Die Universitäten in Italien erwähnen bereits in den Statuten des dreizehnten Jahrhunderts den Handschriftenhandel und regeln ihn, namentlich um den Übervorteilungen, denen die Studenten ausgesetzt waren, entgegenzutreten. Diese Handschriften händler, die wohl mehr Verleiher als Händler waren, hießen ktatlouarn und waren den Universitätsstatuten unterworfen. Neben ihnen betrieben den Handel die »veuäitores libroruw« oder »librarü«, die von den Universitätsbehörden unabhängiger waren. Den stationär» lag auch ob die Verwertung der von verstorbenen Professoren hinterlasfenen Bücher, also der Bücher aus zweiter Hand, wenn diese Verwertung wohl auch vorzugsweise für Rechnung der Erben geschah. Von einem Antiquarhandel im modernen Sinne kann natürlich erst die Rede sein, nachdem die bis dahin begrenzte Herstellung der Bücher eine unbegrenzte geworden war. Dies wurde sie erst durch Erfindung der Buchdruckerkunst. Erst jetzt war Material in genügendem Maße vorhanden, um ein Lager zu bilden, um Vorräte anzusammeln, die den Ge lehrten eine größere Auswahl gestatteten. Wie die ersten Drucker ihre Typen selbst herstellten, waren sie auch Verleger und Verbreiter der aus ihren Pressen hervorgehenden Druckerzeugnisse, sorgten sie auch für ein würdiges Kleid, die Einbände. Es währte mehr als ein Jahrhundert, bis diese Gesamtherstellung sich spezialisierte, bis die Herstellung der Typen, die Druckkunst, die Buch binderei und die einzelnen Zweige des Handels mit Büchern getrennt von einander betrieben wurden. Zuerst lösten sich die Herstellung vom Verlag und von der Druckkunst die Hilfsgewerbe. Freilich entstanden selb ständige Schriftgießereien erst gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, und selbständige Buchbindereien dürften eher später entstanden sein. Ließ doch noch Aldus Manutius zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts seine Bücher in eigener Werkstatt binden, was wohl schon daraus hervor geht, daß er der erste war, der anstatt der bisherigen Holz deckel Leder zum Einbande verwandte. Aber schon im sechzehnten Jahrhundert gab es selbständige Buchbindereien, und Jost Ammann führt uns in der im Jahre 1568 er schienenen »Beschreibung aller Stände auf Erden«, die Hans Sachs mit Versen versehen und Jost Ammann mit Holzschnitten geschmückt hat, eine Buchbinderwerkstatt im Bilde vor. Im sechzehnten Jahrhundert war die Buch bindekunst schon zum Teil auf einer großen Höhe, und die sächsischen Kurfürsten und Herzöge, der Fürst von Pfalz- Bayern und der Herzog Albrecht von Preußen legten großen Wert auf künstlerische Einbände. Der Kurfürst August von Sachsen, der bereits im Jahre 1580 eine Bibliothek von 2354 Bänden besaß, berief im Jahre 1566 den Augsburger Buchbindermeister Jakob Krause, aus Zwickau gebürtig, an seinen Hof und erzielte dadurch eine höhere künstlerische Entwicklung des sächsischen Buchbindergewerbes. Ich bin auf die Buchbindekunst etwas näher ein gegangen, weil die Buchbinder, je kräftiger sich ihr Gewerbe entwickelte, sich um so mehr auf den Handel mit gebundenen Büchern legten, während der Handel mit rohen Büchern den Buchhändlern zugewiesen war. Dieser Handel mit gebundenen Büchern zeitigte das Bestreben, auch Nachlässe von Gelehrten, in denen gebundene Bücher sich befanden, zu erwerben und zu verkaufen. Hier finden wir also die erste wirklich geschichtlich beglaubigte Spur des deutschen
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder