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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.01.1923
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1923-01-15
- Erscheinungsdatum
- 15.01.1923
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 12, 15. Januar 1923. Weiter soll eine Aktion unternommen werden, um bei den Taaessci. tungen niedrigere Auzeigenpreije zu erzielen. Schließlich wird eine Pressepropaganda zugunsten des Buches Vorbereitet werden. Mgr. Leipziger Buchbindcrei-A.-G. vorm. Gustav Frltzsche. — Der Auf. sichtsrat schlägt einer zum 25. Januar cinbcrufencn ao. G.-V. eine Erhöhung des Aktienkapitals bis zu 20 Millionen Mk. durch Ausgabe von 8 Millionen Mk. Stammaktien und 1 Million Mk. bis lOprozen- tigen Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht vor. In der ersten Sitzung der Kommission, die der Wirtschaftsministei leitete, erklärte er, daß die Kommissionsarbcit dazu beitragen müsse, den republikanischen Staatsgedanken in den Schulen heimisch zu machen. Dagegen müsse geschichtliche Schwülstigkeit Wegfällen. Auch seifiir parteipolitische Sonderbcstrcbungen in den Schul- b ü ch c r n kein Raum. Zum Vorsitzenden der Kommission wurde Ministerialrat Mühlmann ernannt. Die Kommission hat sofort mit ihrer Arbeit begonnen und ist bereits dabei, sämtliche Lehr- und Lese bücher der in Frage kommenden Fach-, Gewerbe- und Handelsschulen zur Einsichtnahme einznfordern. Zeitungs-Zentrale (Z.-Z.j Aktiengesellschaft in Berlin. — In der am 10. Januar d. I. stattgefundenen außerordentlichen Gencralver-I sammlung der Zeitungs-Zentrale (Z.-Z.) Aktiengesellschaft wurde das Aktienkapital dieser Gesellschaft von eineinhalb Millionen Mark auf zehn Millionen Aiark erhöht. Die Schlüsselzahl des Deutsckjcn Musikolien-Verleger-Veveins ist vom 16. Januar 19Ä ab: 7 00. (Ausnahmen: Ehorstimmcu und Hu mor! stika: 400; Editionen: 140.) Hermann Löns-Abcnd in Glogau. — In der Reihe der Dichter- adendc, die die Buchhandlung Heitmann in Glogau seit Jahren veranstaltet, kommt am 24. Januar Hermann Löns an die Reihe. Tie Bücher des viel zu früh auf der Wacht im Westen gefallenen Hcide- dichters sind, wie die »Neue Niederschlcsifche Zeitung« in ihrer An zeige sagt, ein hehres Vermächtnis an das deutsche Volk. Sein braunes, sein grünes, sein goldenes Buch, die zahllosen Wald- und Heidebilder, vor allem die großen Romane, an der Spitze sein Meister werk »Der Wchvwolf«, werden für alle Zeit im deutschen Schrifttum ihren Platz behaupten. Geht doch von wenigen Dichtern ein so starker heimatlicher Klang, ein so «kräftiger Erdgeruch aus, wie von Hermann Löns. Seit Jahren wird der Dichter von einer großen und dankbaren Gemeinde, die sich nicht n-nr auf die Jugend beschränkt, verehrt, und so dürfte allen diesen Verehrern LönFscher Art die Veranstaltung eines eigenen Lönsabends recht willkommen sein. Für ihn ist einer der intimsten Freunde des Dahingegangenen, der Herausgeber mehrerer Bücher aus seinem Nachlaß und neuerdings auch des Lönskalenders, gewannen: vr. Friedrich Castelle. Er ist eine starke künst lerische Persönlichkeit, die Tichtcrtalcnt mit ausgesprochen rezitato- rischcr Begabung in sich vereinigt. Doppelte Eisenbahnsahrprcisc eü 1. Februar. — Ter ständige Aus schuß des Rcichseiscnbahnrates billigte einhellig die Politik der Reichsbahn, die zum Ausgleich zwischen Ausgaben und Einnahmen die schnelle Anpassung der Tarife an die fortschreitende Geldentwertung fordert, wobei die wirtschaftlichen Interessen, soweit eben möglich, durch Spezialisierung des Tarifs berücksichtigt und geschont werden sollen. Hand in Hand hiermit sollen Ersparnisse auf der Ausgabcnseite gehen durch Verringerung der persönlichen und sachlichen Ausgaben, sowie die Hebung der Arbeitsintensität. Der Ausschuß erkannte einstimmig die Notwendigkeit an, den Personenverkehr entsprechend seinen Selbstkosten in Zukunft stärker hcranzuziehen. Mit allen .gegen zwei Stimmen wurde die Notwendigkeit einer Erhöhung der Pcrsonentarife zum 1. Februar 1923 um 100 Prozent anerkannt. Das deutsche Eigentum in Italien. Aus Nom wird gemeldet: Nachdem die Bemühungen zwecks Beschaffung von Bankgarantien zur Durchführung des italienisch-deutschen Abkommens betreffend Ablö sung des beschlagnahmten Eigentums endgültig gescheitert sind, teilte die italienische Negierung der deutschen Negierung mit, daß sie das Abkommen für hinfällig betrachte und sich ihre volle Hand lungsfreiheit Vorbehalte. Damit wird auch diesem schmerzlichen Kapitel ein schmerzlicher Schlußstein gesetzt. Die Liquidation des Eigentums und damit die Austreibung vieler hoffnungsvoll zurückgekehrtcn Fami lien steht bevor. Ter effektive Termin für das Aufhören des Abkom me ns ist der 1. Februar. Republikanische Schulbücher. — Den «Lcipz. Neuesten Nachrichten« wird aus Dresden gemeldet: Ter sächsische Wirtschaft-minister hat durch eine Verordnung eine Kommission mit der Aufgabe betraut, den Lehr- und Lesestoff der sämtlichen Lehrbücher nachzuprüfen, die in den Schulen des Wirtschastsministeriums benutzt werden. Die Bücher sollen besonders daraufhin nachgcschcn werden, ob der darin enthaltene Stofs dem Sinne und dem Geiste der gemeinsamen Ver ordnung des Kultus- und des Wirtschastsministeriums zum Schutze des republikanischen Staatsgedankens in den Schulen entspricht. Die Kom mission hat darauf zu achten, daß Aufsätze und Abhandlungen, die dem Geiste der republikanischen Staatsverfassung widersprechen, oder die durch die Zeitvcrhältnisse überholt sind, nicht mehr im Lesebnchc enthalten sein dürfen. PersoimliillchrWeii. Erasmus Lucaü Kasprowicz f. — Anknüpfend an die Nachricht vom Tode E. L. Kasprowiczs im Bbl. Nr. 272 vom 23. November 1062 ividmet StanislausWagner im »OLiennlü koLirmrski« (Nr. 266 vom 29. Dezember 1922) diesem Buchhändler, der sich um die polnische Literatur verdient gemacht hat, einen längeren Nachruf. Wagner war in den Jahren 1877 und 1878 in Leipzig und stand damals in herz lichen Beziehungen zum Verstorbenen. Kasprowicz wurde im Juni 1834 in Klobuck im ehemaligen Nus sisch-Polcn geboren und stammte nicht aus Zagorze, wie im Börsenblatt irrtümlich angegeben ist (vgl. die »Libliograkia I'oiska«, XIX. Jahrh., Bd. II, S. 360). Zu Fuß wanderte er nach Krakau und besaß nach seiner eigenen Aussage damals nur eine sehr geringe Bildung, als er dort Lehrling in der Buchhandlung von O. E. Friedlein wurde. In Krakau erwarb er sich gründliche Kenntnisse der deutschen und russischen Sprache, die ihm später von großem Nutzen waren. Der strebsame Jüngling faßte eine kiese Liebe zu seinem Beruf, in dem er manchmal bis 11 Uhr abends beschäftigt war. Dann saß er bis spät in die Nacht über den Michern und vervollständigte die Lücken seiner mangelhaften Bildung. Viel verdankte er dem Umgang mit den die Friedleinsche Buchhandlung, die damals die erste in Krakau war, besuchenden Gelehrten. Sie machten den Gehilfen auf lesens werte Werke aufmerksam. Die Verlagsbuchhandlung »lübrairie küranxöre« in Leipzig, in die Kasprowicz 1856 eintrat, war von Johann Nepomuk Bobrowicz gegründet worden. Später erwarb sic Siegis- mund Gerftmann, der dann nach Brüssel übersicdclte, während Kaspro wicz die Leitung der slawischen Mteilung der Firma F. A. Brockhaus übernahm. Nur als Sortimenter tätig zu sein, befriedigte den energi schen und arbeitsamen jungen Mann nicht, und auf sein Betreiben er schienen schon 1860 die ersten Bände der »Bibliothek polnischer Schrift steller« (LtbUotelea pisar^- polsüieli) im Brockhausschen Verlag. Kasprowicz wollte in dieser Bibliothek die Werke alter und neuer Autoren hcrausgebcn, die Firma Brockhaus lehnte diese Idee aber ab und be schränkte sich auf die neueren Schriftsteller. Überall, wo Polen lebten, in Frankreich, England, Rußland und Amerika fand das Brockhaussche Unternehmen großen Beifall. In gutem, deutlichem Druck aus schönem starken Papier erschienen in geschmackvollem Einband in der Biblio thek im Laufe von 30 Jahren Lider hundert Bünde zu wohlfeilem Preise, Werke der Klassiker Mickicwicz, Krasiüski und Slowacki, der Dichter und Schriftsteller Niemccwicz, Nzcwuski, Siemicnski, Norwid, Ujcjski, Czajkowski, Sicukicwicz u. a. Außer Brockhaus gab es damals nur noch einen namhaften und Lührigen polnischen Verleger: I. K. Zupanski in Posen. Kasprowicz führte die Korrespondenz mit den Verfassern der Werke, die in der Bibliothek erschienen; cs sind viele hundert Briefe, die, von ihm geordnet, sich im Archiv der Firma F. A. Brock Haus befinden. Außer Sammlungen polnischer patriotischer Lieder, Anöachtsbüchern und polnisch-deutschen Gefprächsbüchcrn verlegte Brock Haus auch noch deutsch-russische Gcsprächsbücher und viele Werke rus sischer Schriftsteller. Kasprowicz war ein eifriger Spiritist und veranstaltete im Leip ziger Spiritistcuverein, in seiner bescheidenen Privatwohnung und im Salon des Grafen Ponmski häufig Seancen, denen ausländische Spiri tisten, die Leipzig besuchten, häufig als Gäste beiwohnten. Er arbeitete in der Firma F. A. Brockhaus volle 50 Jahre und trat 1906 in den Ruhestand, um dann auch den Nest seines Lebens in Leipzig zu ver bringen. Kasprowicz war ein rechtschaffener, bescheidener, arbeits eifriger Mann, der seinen Landsleuten, die nach Leipzig kamen, stets gern mit Nat und Hilfe bcistand, namentlich den Emigranten, die nach dem polnischen Aufstande von 1863 sich nach Leipzig begaben. Ehre seinem Andenken! vr. Ehr.
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