Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.11.1907
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1907-11-23
- Erscheinungsdatum
- 23.11.1907
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19071123
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190711239
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19071123
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1907
- Monat1907-11
- Tag1907-11-23
- Monat1907-11
- Jahr1907
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
12644 ISVrlknriLtt f. b. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 273, 23. November 1S07. zurückkehren und sich neue Kraft für ihr künstlerisches Streben hätten holen können! Selbst wenn diese beiden Sätze nicht beliebig aus dem Zusammenhang gerissen wären, würde ich darin noch immer keinen Widerspruch erblicken können. Denn wenn man, um nicht überhaupt tabuls. rasa zu machen, an dem Grundsatz festhält, daß die Kunst in erster Linie um ihrer selbst willen gepflegt werden muß, so ist damit doch noch lange nicht gesagt, daß man für die Pflege der Kunst überhaupt keine praktischen Mittel empfehlen und mit ihr keine gemeinnützigen Nebenzwecke verbinden darf. Herr Kiesling verwechselt eben den Zweck und die Mittel zum Zweck. Und darauf laufen ja alle meine voraufgegangenen und auch meine nachfolgenden Vorschläge hinaus, daß bei der Kunstpflege in Zukunft immer so viel wie möglich praktische Mittel zur An wendung kommen sollen, die gleichzeitig auch noch gemeinnützig sind und den heutigen Zeitoerhältnissen entsprechen. Und dabei müßte nach Kräften noch mit der unglückseligen Unterscheidung zwischen höherer und niederer Kunst aufgeräumt werden, die nicht nur direkt widersinnig ist, sondern der wir auch die Unstimmig keit zwischen Kunst und Gewerbe in erster Linie zu verdanken haben. Meine Vorschläge können ja ergänzt, beschnitten oder meinet wegen auch ganz verworfen werden. Das schließt aber doch nicht aus, daß die darin geschilderten Zustände auf einem Delegierten tage einmal gründlich durchgesprochen werden. Und wenn die maßgebenden Persönlichkeiten auf die Stimmen in den Fach blättern beider Kategorien kein Gewicht legen wollen, dann ziehe man zu diesen Beratungen doch auch einmal Künstler heran, die noch keine Berühmtheit erlangt haben, und Faktoren und Ge hilfen, die so unabhängig sind, daß sie ohne Gefahr für ihre Existenz die Dinge bei ihrem richtigen Namen nennen können. Denn dann bekämen die maßgebenden Kreise doch endlich einmal ein annähernd richtiges Bild von den tatsächlichen Verhältnissen und Bedürfnissen der Praxis und zuverlässige Unterlagen für ein etwaiges Vorgehen; aber auch nur dann! Und wenn sich das Letztere auf die Schaffung von Lehr anstalten in andern Bundesstaaten erstrecken sollte, dann würde dadurch die Frequenz der Leipziger Akademie in keiner Weise be einträchtigt. Denn zunächst kämen alle diese Einrichtungen dem Personal der graphischen Betriebe an den betreffenden Plätzen zu gute, das heute in seiner überwiegenden Mehrheit gar nicht daran denkt, Studien halber nach Leipzig zu gehen. Viel eher wäre noch der Fall denkbar, daß durch diese neuen Anstalten das Streben nach einer höhern Ausbildung auch in weitere Kreise ge tragen wird, und daß dann mancher danach trachtet, sein Können auch an der Akademie in Leipzig zu bereichern, wo ihm die wert vollsten Sammlungen und außerdem noch viel geschäftliche An regungen geboten werden. Sachsen mit seinen Großbetrieben wird immer das Land der Sehnsucht für alle wißbegierigen Fach leute bleiben. In diesem Sinne bitte ich, meine nachfolgenden Vorschläge unbefangen zu prüfen: 1. Es soll möglichst an alle deutschen Kunstakademien eine vollständige graphische und buchgewerbliche Abteilung unmittelbar angegliedert werden. Dieser neue Zweig müßte den Buchdruck, die Lithographie, die Chemigraphie, kurz die modernen Re produktionstechniken umfassen und mit allen dazu gehörigen Ein richtungsgegenständen und Maschinen vorbildlich ausgestattet sein. In kleineren Bundesstaaten, die über keine eigne Akademie verfügen, müßtedieAngliederung an eine etwa vorhandenetechnischeHochschule, an eine Kunstgewerbeschule oder an sonst ein ähnliches Institut er folgen, wenn sich auch dort das Bedürfnis dazu fühlbar machen sollte. Für sogenannte kleine Anfänge oder primitive Einrichtungen läßt sich aber kein Künstler begeistern, und ein Buchdrucker erst recht nicht. Als treffendes Beispiel dafür, daß man bet allen Unter nehmungen, durch die man auf Menschen einwirken will, mit ganz bestimmten Imponderabilien rechnen muß, könnten die Warenhäuser gelten. Seit Jahrzehnten hat es solche gegeben; nur waren ihre Leiter früher gewöhnlich Krämer, und ihr Umsatz blieb daher auch meist nur ein spärlicher Erst als kluge Groß kaufleute die Idee aufgriffen und mit weitem Blick palastartige Etablissements mit Waren füllten, kam ein ganz neues Leben in diesen Geschäftszweig, und Erfolge werden seitdem erzielt, die man bis dahin einfach für unmöglich gehalten hat. Ganz ähnlich verhält es sich mit den graphischen Lehranstalten, wie überhaupt mit allen Kulturmitteln. Warum hätten denn sonst wohl gerade die klügsten Priester ihren Göttern immer die prächtigsten Tempel gebaut? Darüber, daß ein allgemeines Verlangen nach solchen Lehr anstalten längst vorhanden ist, besteht kein Zweifel mehr. Und die volle Berechtigung dieses Verlangens ist schon vor Jahren bewiesen worden und sowohl vom praktischen wie auch vom ethischen Standpunkt aus des langen und breiten in meiner Broschüre begutachtet. 2. Die Organisatoren und Leiter für diese neuen, ausschließlich Lehrzwecken dienenden, staatlichen Kunstanstalten stellt auf An suchen der betreffenden Landesregierung die Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Zu deren Assistenz und zur Bedienung der Apparate und Maschinen während des Unterrichts wären ortsansässige Fachleute gegen eine angemessene Entschädigung heranzuziehen. Bei der Lehrerfrage bin ich auf diesen Ausweg verfallen, damit die Sache nicht gleich von vornherein an derselben scheitert. Denn gerade die Berufung von Lehrkräften scheint dabei das heißeste Eisen zu sein, obgleich es überall Fachleute gibt, die sich dafür eignen würden. Die Sächsischen Behörden dagegen werden vor dieser Schwierigkeit aber wohl um so weniger zurückschrecken, als ihnen dabei ja die meisten Erfahrungen zur Seite stehen und sie zudem auch über die größte Auswahl an geeigneten Kräften verfügen. Und so absonderlich ist dieser Gedanke doch schließlich auch nicht. Denn wenn es sich beispielsweise irgendwo um die Hebung der Brau industrie handelte, würde doch wohl kein vernünftiger Mensch etwas darin finden, wenn man sich dazu Braumeister aus Bayern kommen ließe. 3. Die Kostenbestreitung der Neueinrichtung, sowie die des Unterrichts müßte selbstverständlich Sache der einzelnen dabei in Frage kommenden Bundesstaaten sein. Letztere hätten also Sachsen für die Inanspruchnahme seiner Akademie und seine da durch bedingten Mehraufwendungen entsprechend zu entschädigen. In Leipzig würde also auf diese Weise neben dem Reichsgericht noch so eine Art von Reichsakademie für die graphischen Künste ins Leben treten. Und selbst wenn eine solche Erweiterung einzelner Kunst institute unter Umständen eine einmalige Ausgabe von einer viertel Million Mark und mehr erfordern sollte, so darf diese Summe im Vergleich zu den vielen Millionen, die alljährlich in Deutschland für Kulturzwccke geopfert werden, nicht zu hoch er scheinen. In den meisten Fällen wird aber schon der fünfte Teil dieser Summe genügen. Das Geld ist ja nicht verloren und die Kosten für die Ausnutzung dieser neuen Einrichtung könnten das Budget der betreffenden Schule nicht so übermäßig belasten. Vor allen Dingen würden sie aber zu den großen Vorteilen in gar keinem Verhältnis stehen, die das betreffende Land aus solchen praktischen Lehranstalten zieht. Denn die kräftige Entwicklung der Industrie im Königreich Sachsen mit allen ihren guten Folgen kann man zum großen Teil getrost auf die Initiative und das Geschick zurückführen, die das dortige Ministerium in der Errichtung von Fachschulen gezeigt hat. Und ebenso verdankt Württemberg dem mutigen und großzügigen Vorgehen seiner Regierung in dieser Beziehung viel. 4. Etwas schwieriger erscheint hierbei die Beantwortung der Frage: Was sollen diese Kunstanstalten während des Unterrichts produzieren? Und gediegene, künstlerische Arbeit müßten die Dozenten mit ihren Assistenten und Schülern schon schaffen; sonst sind alle ihre Bemühungen von vornherein aussichtslos. Denn der jedem Menschen mehr oder weniger eigene Hang, etwas Bleibendes, Nützliches schaffen zu Helsen, darf niemals ausgeschaltet werden, wo es sich um eine Erziehung für die Praxis — das Leben handelt. Da diese Lehranstalten nun aber doch in erster Linie die graphischen Gewerbe fördern sollen, so dürften sie letzteren natürlich keine Konkurrenz machen. Die Ausführung von Privataufträgen wäre also so ipso ausgeschlossen. Dagegen stände dem aber wohl nichts im Wege, daß sie Arbeiten übernähmen, die ihnen von ge wissen Firmen der graphischen Branche, also von Wiederverkäufern übertragen werden. Veranlassung dazu könnten letzteren eine vorübergehende Überhäufung mit Aufträgen, Betriebsstörungen oder ähnliche Vorkommnisse geben. Die staatlichen Anstalten würden
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder