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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.01.1923
- Strukturtyp
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- 1923-01-13
- Erscheinungsdatum
- 13.01.1923
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- Deutsch
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«Srknbla» I. d. Dttchki, Vuchhand-I. Redaktioneller Teil. X- 11, 13. Januar 1923. Phile, und da mein Teilhaber und eine Anzahl unserer Mit arbeiter gut« Bücherkäuser sind, unterhalte ich eine kleine Sorti mentsabteilung, die dem Umsatz eines Sortiments in Bückcburg — nehmen Mir einmal an — nicht nachsteht. Die Erfahrungen, die ich nun so reichlich machen konnte, werden wahrscheinlich, da sie von einem Verleger stammen, interessieren. Ich will kurz sein und bemerken, daß meine Sortimentsabteilung musterhast von einem »gelernten Sortimenter- geführt wird. Erfolg: von 100 Bestellungen wurden 50?6 glatt erledigt, bei 2V"/» wurde ich direkt und in angemessener Frist vom Kehlen und Erscheinen der Neuauflagen benachrichtigt, 30^ (kein Irrtum, bitte), 30?S bleiben nach zwei Monaten noch unerledigt. Nachricht fehlt trotz An frage. Ich habe nach diesen Erfahrungen einen großen Schrecken bekommen und zunächst einmal dafür gesorgt, daß in meinem Be trieb auch der unbedeutendsten Anfrage oder Bestellung sorg fältigste Erledigung zuteil wird, aber als Verleger mache ich mir doch meine Gedanken darüber/ wieviel Zeit und Mühe unnütz vertan wird. Ich denke auch daran, in welch mißliche Lage der Buchhändler kommt, wenn er seinem Kunden immer aufs neue antworten mutz: der Verleger hat noch nicht geantwortet. Eine andere Erfahrung. Ich bestellte bei einem angesehenen Verlag ein illustriertes Werk. Das Buch wurde geliefert, der zweite Bogen fehlte. Das Werk ging mit der Bitte um Umtausch eingeschrieben zurück. Erfolg: Stillschweigen. Ich reklamierte dreimal. Erfolg: Stillschweigen. Dann übergab ich die Ange legenheit dem Rechtsanwalt des Deutschen Verlegervereins und erhielt dann, ohne ein Wort der Entschuldigung, das mir zu stehende Exemplar. Ein anderer Fall: Ich kaufte vor Jahres frist ein Werk, das ebenfalls einen defekten Bogen enthielt. Der Defekt wurde von mir erst »ach etwa einem halben Jahr bemerkt. Ich benötigte das Werk dringend und kaust« cs deshalb bei einer Buchhandlung. Das defekte Exemplar schickte ich dem Verleger mit der Bitte um Umtausch gegen ein anderes Werk seines Ver lages zurück. Ich setzte dabei voraus, daß mir das Werk, das seinerzeit 70.— Mark gekostet hatte, im Umtausch auch zum Tagespreis zurückgenommen werden sollte. Monatelang bekam ich keine Nachricht, dann kam zunächst ein falsches Werk, das ich auch noch einmal zurllckschicken mußte, und dann endlich, als ich mit dem Verlcgerverein drohte, erhielt ich das richtige Werk und gleichzeitig einen aufklärcnden Brief, daß die Verzögerung der Angelegenheit darauf zurückzusühren sei, daß ich, völlig u n k a us mä n n i s ch, Zurücknahme des defekten Exemplars zum Tagespreise verlangt hätte. Ich bin also kein Kauf mann. Wenn man mir heute ein Werk im Umtausch zurückschickt, so nehme ich das Werk zum heutigen Wert an und betrachte cs als eine Selbstverständlichkeit, daß man so Verfahren sollte. Mein geschäftstüchtiger Verlegerkollege hat mir nun beigebracht, daß das unkausmännisch ist. Er nimmt ein Werk von 400 Seiten zu 70.— Mark zurück und berechnet mir für 400 Seiten eines ähnlichen Werkes 10 000.— Mark. Wer der bessere Rechner ist, sei dahingestellt. Wieviel Zeit geht dem Sortimenter durch unfruchtbare Kor respondenz mit Verlegern verloren. Gibt es da keinen Ausweg? Ist eine gemeinsame Bestellabteilung in größeren Städten so unmöglich? Noch vielerlei Klagen iiber den Verlag könnte ich Vorbringen. Ich habe auf meinen Reisen manches unmöglich Scheinende mit eigenen Augen gesehen und gebe zu, es ist aller hand faul auch im Verlag, und anstatt unmögliche Verkehrsord nungen auszuarbeiten, sollte produktivere Arbeit geleistet wer den. Doch auch die Sünden des Sortiments sind zahllos, und Ge rechtigkeit verlangt, daß ich nicht stillschweigend darüber hinweg- gehe. Die rücksichtslose Zahlungsart eines Teils der Buchhändler erwähnte ich schon. Ich erwähnte schon di« 100jährige Staub schicht, welche auf so vielen Sortimenten oder Buchhandlungen lagert. Rückständigkeit, Bequemlichkeit und mangelnde Initiative darf man ohne Erröten gar manchem deutschen Buchhändler vor werfen. Sie verlangen Beweise? Nun, wie sieht oft so ein B ll che r - S ch au f c n sie r aus. Zugegeben, es ist außerordent lich schwierig, ein gutes Büchcr-Schaufenstcr zu machen, aber das trostlos« Durcheinander, das heute noch manche Schaufenster bieten, sollte doch Städten wie Prien Vorbehalten sein, wo Angelgeräte, Zahnbürsten, Klosettpapier und Romane ein fried- 4t liches Leben miteinander in der Auslage führen. Zu einem guten Bücher-Schausenster gehören Material, Litcraturkenntni», ästhe tisch geschulter Geschmack und — viel Liebe. Der Buchhandel ist Gott sei Dank einer der Berufe, welcher nicht lehrbar ist. Einen gutsitzenden Herrenanzug zu verkaufen oder Heringe einzuwitkeln, dazu gehört Intelligenz und Bered samkeit; zum Buchhändler gehört die große starke Leidenschaft zum Buch, zum geistigen Schaffen, zur Mitarbeit am deutschen Geistesleben. Wie oft verrät das Schaufenster, daß der Aus steller von all diesen Eigenschaften nicht eine einzige besaß I Jsl's ein Wunder, we>v, der Käufer ein Haus weiter geht? Oder ein anderes. — Wie oft machte ich folgenden Versuch: Ich gehe in einen Buchloden und verlange ein Buch. Ich weitz, das ist das Dümmste, was man sagen kann, aber die Art, wie der junge Mann oder die junge Dame daraus reagiert, ist auch nicht viel besser. Wie wenig psychologischer Scharfsinn ist oft bei den jüngeren Berufskollegen anzutreffen! Der harmlose Mensch, der ein Buch verlangt, ist oft ein besserer Bücherkäuser als derjenige, welcher zum 47. male fragt, ob der 4. Band von dem Hellingrathschen Hölderlin noch nicht erschienen sei. Hier bleibt noch allerhand zu tun. Die Auslese bet der Anstellung von neuen Mitarbeitern müßte viel strenger gehandhabt werden, das Reifezeugnis des Gymnasiums ist noch lange kein Beweis für die Tüchtigkeit und ein anständiges Volksschulzeugnis kein Beweis gegen di« Eignung zum Buchhändler. Neuerdings ziehen Großbanken und industrielle Unternehmungen bei der Auswahl der Bewerber einen erfahrenen Graphologen zu Rate. Der Buch händler versäumte es, soweit mir bekannt ist, bis heute noch immer, die Probe darauf zu machen, inwieweit die Graphologie, die mehr und mehr als Wissenschaft anerkannt wird, ihm bei der Auswahl per Mitarbeiter behilflich sein kann. Dabei ist die Aus bildung des buchhändlerischcn Nachwuchses von allergrößter Wichtigkeit. Es ist mitunter beschämend, wie wenig literarische Bildung der jung« Buchhandelsbeflissen« besitzt. Zum Beweise schlage ich folgende Wette vor: Gehen Sie in eine Buchhandlung und fragen Sie nach moderner Lyrik. Ich bin zu jeder Buße bereit, wenn nicht unter neun von zehn Fällen der junge Mann regelmäßig Rilke, Werfel und Morgenstern vorlegt. Dann hört es auf. Nicht etwa weil andere Lyrik nicht am Lager ist, nein, einfach deshalb, weil ihm die Beziehung zur Lyrik fehlt. Ein angehender Buchhändler müßte täglich seine Literaturgeschichte studieren und daneben durch Lektüre seinen Gesichtskreis zu er weitern suchen. Vorträge über Philosophie und Kunst, Natur wissenschaft und Handelswissenschaften sollten mehrere Male inr Monat stattfinden und dem jungen Buchhändler leicht und mühe los zugänglich sein. Hier ist eine Ausgabe für die älteren Kol legen. S cha u f e n st e r-D e k o r a t i o n s k u r se sollten von Ortsv-ereinen arrangiert werden. Wieviele Künstler, Literatur kundige und Freunde des Buchhandels würden sich unentgeltlich in den Dienst so guter Sach« stellen! Der Ausbau aller Werbe mittel (das Bücher-Schausenster ist ein prachtvolles Werbemittel) ist viel wichtiger, als man allgemein anzunehmen scheint. Dann noch ein Wort über die Kleinarbeit im Buchhandel. Unser liebenswürdiger Kollege Cramer in Heilbronn hat ein sehr lesenswertes Büchlein über Kontorpraxis geschrieben, ich bin überzeugt, daß dieses vortreffliche Buch erst ein Anfang ist, aber wo ist der Kollege, der weitere Vorschläge machte, und wo ist die Buchhandlung, welche sich diese oder andere Orgauisations-Nat- schläg« zunutze macht? Es ist eine bitter« Wahrheit, deshalb sei sie hier einmal in aller Deutlichkeit ausgesprochen: f ast alle Buchhändler ersticken in der entsetzlichen Klein arbeit ihres Berufes. Die Folge davon ist, daß sie vor zeitig altern, grau werden, nervös und ungeduldig sind und an großen Aufgaben und Zielen vorübergehen, weil sie viel zu sehr im Kleinkram aufgegangen sind ein Leben lang. Wo ist der Buchhändler, der für sich selbst einmal etwas tut, der in die Berge geht, Sport treibt? Dazu bleibt kaum Zeit. Die Frauen unserer Kollegen werden dies bestätigen. Gewiß ist di« Klein arbeit im Buchhandel nicht völlig z» beseitigen, aber eine Ver einfachung müßte endlich einmal und mit allen Mitteln ange strebt werden. Schon deshalb tut Vereinfachung not, weil der
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