57, 7, Mürz 1924. Fertige Bücher. Börsenblatt s. d. Lisch». Duchhanbes 29z 7 Versandbereit liegt vor: Desider Kosztolänyi Der blutige Dichter Ein Nero-Roman Einzig berechtigte Übertragung aus dem Ungarischen von Stefan I. Klein Mit einer Einleitung von Thomas Mann dessen Worte wir stalt jeder weiteren Empfehlung sorgen lassen: „Lieber Herr Kosztoiünyil Bewegt scheide ich von Ihrem Manuskript, diesem Kaiser- und Künstler- roman, mit dem Sie die Hoffnungen erfüllen, ja übertreffen, die sich seit den Novellen der Magischen Laterne' an Ihr seines und starkes Talent knüpfen. Ihr Wachstum kann kaum etwas Überraschendes haben säc den, der sich an Ihren Anfängen erfreute. Und doch möchte ich Ihren ,Nero' überraschend nennen, mit deni Hinznfügen, daß ich dies Wort, angewandt auf ein Kunstwerk, als eine sehr starke Lobeecrhebung empfinde. Es will sagen, daß das Werk mehr ist, als ein Produkt der Kultur und eines nationalen oder selbst europäischen Niveaus; daß cs das Zeichen persönlicher Gewagtheit an der Stirn trägt, aus kühner Einsamkeit stammt und unseren Sinn mit einer Menschlichkeit, die wehe tut, sv wahr ist sie, berührt. Das ist das Wesen des Dichterischen. Das andere ist Akademie, selbst wenn es sich fanskulottisch gebärden sollte. Sie gaben in geruhig-herkömmlicher Form ein freie» und wildbürtiges, ein irgendwie ungeahnte» Buch. Sie gestalteten in einem zweifellos wohlstudierten Zeitgewande, das nicht, einen Augenblick archäologisch wirkt, so leicht und selbstverständlich wird es getragen. 'Sie gestalteten, sage ich. unter historischen Namen Menschlichkeiten, deren Intimität ans letzten Gewjssenstiesen stammt. Ihr schlimmes und schamhaft stolzes Wissen um Kunst und Künstlertum, Sie ließen es eingehen in diesen Roman des blutig qualvollen Dilettantismus und verliehen ihm damit alle Tiefe und Melancholie, alle» Grauen und all« Komik des Lebens. Ironie und Gewissen, sie sind eins, und sie bilden das Element der Dichtung. Nerv ist wild und groß zuweilen in seiner verzweiseiten Ohnmacht; aber als Fignr stelle ich Sencca über ihn, diesen Dichter-Höfling und Sophisten von Meisterglattc. der dennoch ein wirklicher Weiser ist. ein wahrhaft großer Literat, und besten letzte Stunden mich erschüttert haben, wie weniges in Leben und Kunst. Die Szene gleich, wo er und der Kaiser einander ihre Gedichte vorlesen und sich gegenseitig belügen, ist köstlich. Doch läßt sie sich an durchdringender Traurigkeit freilich nicht ver gleichen mit jener anderen, der mir liebsten wohl in dem ganzen Werk, wo Nero in steigender Wut und Pein, ein wahrhaft menschlich Beleidigter, vergebens um das kollegiale Pertrauen des Britannicus wirbt, des Britannicus, der die Gnade, das Geheimnis besitzt, der ein Dichter ist und der in dem stillen und sremdcn Egoismus seines Künstlertums den Hilflos-Gewaltigen gleichgültig von sich stößt, zu seinem Verderben. Ja, das ist gut, ist vortrefflich, ist meisterhaft. Und es gibt mehr dergleichen in dem Roman, dessen eigentümliche Intimität sich übrigens nicht nur im Seelisch-Jnnermenschlichen. sondern auch im Sozialen bewährt, und der mit ganz leichter, anstrengungsloser Gebärde Bilder und Szenen aus dem Leben der antiken Weltstadt emporrust, die amüsanteste Gesellschaftskritik sind. Ich freue mich, lieber Herr Kosztolänyi, Sie vor andere» beglückwünschen zu können zu diesem schönen Werk. Es wird dem ungarischen Namen, dem von Petöfi und Arany bis auf Ady und Moritz Zsigmond so viele Verkünder erstanden sind, zu neuer Ehre gereichen, und es wird Ihren eigenen jungen Namen deutlicher hervortreten lassen unter denen, die heute das geistig-kulturelle Leben Europas bezeichnen. Ihr sehr ergebener Thomas Mann." Preis des broschierten Bandes M. 2. — , des Leinenbandes M. 4.— Rabatt bis ZI. März 40' , Partie 11/10. A Bestellzettel liegt bei. Oskar Wöhrl« Verlag, Konstanz. Konstanz, Anfang März 1VS4.