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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.02.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-02-25
- Erscheinungsdatum
- 25.02.1908
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
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46, 28. Februar 1908. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhandel 2267 Wenn wir heute, nach 75 Jahren, rück- und vor blickend uns auf unsre Stellung besinnen, so kann diese nur nach wie vor die sein, daß Leipzig, indem es dem ge samten deutschen Buchhandel dient, auf die beste und ehrenvollste Weise sich selber nützt. Tut der Verein der Buchhändler zu Leipzig in dieser Beziehung seine Pflicht, so kann er getrost in die Zukunft sehen, was sie auch bringen möge. Mögen dann auch einst vielleicht, infolge heute noch unübersehbarer wirtschaftlicher Wandlungen, größere Änderungen in der Stellung Leipzigs eintreten — niemand kann und wird dann sagen können, der Vorort habe seine Pflicht gegenüber dem Buchhandel nicht erfüllt. Nach diesem ernsten Ausblick wird es Ihnen viel leicht willkommen sein, einiges aus den Anfängen des Vereins zu hören. Zwar bin ich überzeugt, daß die Herren in ihrer großen Mehrzahl, einer Andeutung an der Spitze unsres Geschäftsberichts gemäß, Lorcks Ge schichte der ersten 50 Jahre des Vereins eifrig durchstudiert haben. Für diese wird das, was ich sagen will, eine an genehme Erinnerung an Gelesenes bilden; für die ver mutlich wenigen anderen Herren jedoch wird das Alte etwas Neues sein. Vor dem Jahre 1811 hat in Leipzig kein Buch händlerverein Bestand gehabt. Der von Philipp Erasmus Reich im Jahre 1765 gegründete Verein war nach kurzem Bestehen wieder eingegangen. Die im Jahre 1792 von P. G. Kummer eröffnete Börse hatte ein gleiches Schicksal, und erst das Horvathsche Börsenunternehmen hat von 1797 bis 1834 bestanden. Im Jahre 1811 hatten sich aus zufälligem Anlaß W. A. Barth, P. G. Kummer und E. Richter als Deputierte des Buchhandels aufgetan. Ohne Auftrag, ohne Neuwahl, nur sich selbst gelegentlich ergänzend, nahmen sie die Interessen des Buchhandels gegenüber den Behörden wahr. Als im Jahre 1825 der Börsenverein gegründet wurde, hegte man gegen ihn in Leipzig einiges Mißtrauen; nur fünf von den siebzig Leipziger Handlungen traten anfänglich bei. Man vermochte sich nicht so rasch in den Gedanken zu finden, daß es auf die bisherige Weise doch nicht mehr recht weitergehen könne. Erst im Oktober 1830 richteten, wie Lorck schreibt, »die Inhaber der Firmen F. A. Brockhaus, C. Cnobloch, Ernst Fleischer, Fr. Fleischer, Hinrichs'sche Buchhand lung, L. Voß, Weidmannsche Buchhandlung an die Depu tierten — damals P. G. Kummer, F. C. W. Vogel und W. A. Barth — ein Schreiben, in dem sie in ziemlich derber Weise aussprachen: daß die Deputation sicherlich mit den Mitgliedern gefühlt haben werde, daß die Art und Weise der Vertretung der Korporation nicht mehr mit den Ansprüchen der Zeit in Einklang stehe, so daß sie, selbst mit ihrem besten Willen, nicht immer den Ansichten der Gesamtheit zu entsprechen imstande sei. Man hoffe des halb, die Deputation werde selbst die Sache in die Hand nehmen«. Das ging doch dem biedern alten Kummer ganz gegen den Strich. Er sollte Forderungen nachgeben, »von solchen jungen Herren, deren keiner geboren war, als er selbst schon lange handelte, ja die wenigsten das Licht der Welt erblickt hatten, als er bereits den Posten eines Deputierten bekleidete«. Aber anderseits mochte Kummer auch nicht gern, daß es heißen könnte, die Buchhändler hätten ihn als Deputierten abgesetzt. So machte er denn gute Miene zum verdrießlichen Spiel, lud die Stürmer und Dränger in seine Wohnung ein, und dort kam nach einer Reihe von Sitzungen der erste Statutenentwurf zu stände, der aber erst nach 1^/, Jahren, im Februar 1832, der Regierung eingereicht wurde. In unsrer vereins seligen Zeit wirkt es erheiternd, mit welcher Umständlichkeit und mit welchen Bedenken aller Art die Regierung, der Rat der Stadt Leipzig und die Universität an diesen Statuten der Buchhändler herumberaten haben. Die Uni versität wünschte, was vielleicht hervorgehoben zu werden verdient, schon damals Feststellungen über Rabatt. Endlich war alles überwunden, im Dezember 1832 wurde die Königliche Genehmigung erteilt, und am 25. Februar 1833 erklärte eine Hauptversammlung die Satzung als in Krast getreten und wählte den ersten Vorstand und dieser als seinen ersten Vorsitzenden Friedrich Fleischer. Von dem alsbald mit dem Börsenverein zusammen unternommenen Börsenbau will ich Ihnen hier nichts er zählen; weniger bekannt ist aber die Entstehungsgeschichte des Börsenblatts. Ebensowenig wie ein Verein hatte früher ein Buch händlerblatt bestanden. Erst vom Jahre 1821 an er schien das Kriegersche Wochenblatt. In der Ostermesse 1832 regte der Börsenvereins - Vorsteher W. A. Barth die Gründung eines Börsenoereins-Blattes an, und dies wurde auch von der Hauptversammlung glatt genehmigt. Barth beging aber den Fehler, die Angelegenheit ruhen zu lassen. Aktenmäßig konnte Lorck nichts weiter ermitteln, als daß am 2. Mai 1833 Otto August Schulz die Leipziger Deputierten anregte, ihrerseits die Gründung des Börsen blatts in die Hand zu nehmen. Das beschlossen die Leip ziger Deputierten aber erst am 2 l. November l 833, und zwar sollte nun so schnell gehandelt werden, daß für Anfang Januar 1834 das Erscheinen des Blattes in Aussicht genommen wurde. Für die etwaigen Verluste erklärten sich die sieben Deputierten persönlich haftbar. Da mußte etwas vorgegangen sein! Aller Wahrscheinlichkeit nach folgendes: Als der Börsenverein nichts tat, hatte in Berlin der Buchhändler Burchhardt, ob allein oder auf andre Anregung, den Gedanken aufgegriffen; er gedachte selbst ein Buchhändlerblatt zu gründen, dessen Erscheinen er am 26. November 1833 ankündigte und in der Tat auch bald nachher ins Leben treten ließ. Fünf Tage vorher hatten die Leipziger Deputierten jenen schnellen und überaus tatkräftigen Entschluß gefaßt. Da liegt wohl die Mutmaßung sehr nahe, daß sie von Burchhardts Absicht Wind bekommen hatten, aber Berlin unter keinen Umständen den Vortritt lassen wollten. Im Börsen verein war man sehr wenig vergnügt darüber, daß die Leipziger taten, was der Börsenverein versäumt hatte, und es scheint an Vorwürfen gegen Leipzig nicht gefehlt zu haben. Die Leipziger dachten aber nicht daran, die Situation für sich auszunutzen, sondern ließen sich gern bereit finden, am 24. April 1834 eine Übereinkunft zu schließen, nach der das Börsenblatt von 1835 an in das Eigentum des Börsenvereins überging. Die geschäftliche und redaktionelle Leitung aber verblieb zunächst den Leipziger Deputierten; doch erhielt der Börsenverein ein Kündigungs recht, von dem er im Jahre 1843 Gebrauch gemacht hat. Bis dahin bezog der Leipziger Verein für die Leitung des Börsenblatts ein Drittel des Reinertrags, der Börsenverein das zweite Drittel, und das dritte Drittel wurde dem gemeinsamen Börsenbau zugewendet. Wir heute könnten beinahe über diesen Ausgang trauern; denn, meine Herren, wie könnten wir heute an dem Jubiläum des Vereins leben, wenn uns noch ein Drittel vom Reinertrag des Börsenblatts gehörte! Mit diesem Versuch, den trocknen Aktennachrichten etwas Fleisch und Blut zu verleihen, will ich schließen. Aber auch aus diesen Darstellungen geht hervor, was ich schon eingangs sagte: Daß allen Wandel der Zeilen hin durch Leipzig seiner Pflicht eingedenk gewesen ist, sich den Interessen des Gesamtbuchhandels ein- und unterzuordnen. 294'
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