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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.07.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1906-07-28
- Erscheinungsdatum
- 28.07.1906
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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7260 Fertige Bücher. ^ 173, 28. Juli 1906. Stimmungsbilder der Presse über: Chamberlain, Immanuel Kant Bergl. Börsenblatt Nr. 31 und 40) Chamberlain hat nicht nur Vorträge über Kant halten wollen. Er hat sich sichtlich eine ganz andere, viel größere Aufgabe gestellt: er will uns seine Weltanschauung geben. Und ich nehme es gleich vorweg: diese Ausgabe hat er glänzend gelöst. Die Art seiner Darstellung ist ganz hervorragend. Er versteht es meisterhaft, den schwierigen philosophischen Problemen die Spitze zu nehmen. Ganz allmählich führt er den Leser an seine Aufgaben heran, immer enger und enger wird der Kreis, und schließlich steht das Problem da: einfach, klar und plastisch. Der Aufmerksame braucht nur zuzugreisen, er muß dann ver stehen. Ich kenne kaum ein philosophisches Werk, das mit gleicher An schaulichkeit geschrieben ist. Leipziger Tageblatt. Welch Geistes Art mau immer sein mag, die Lektüre von Chamber- lains Kant wird bei jedermann Bewunderung und erhöhtes Lebens- gesühl auslösen. Oesterr. Bolkszeitung. Chamberlain kann in einer Reihe mit Schriftstellern wie Paulsen, Eucken, Wundt, Gomperz genannt werden. Durch seine „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" nnd durch seinen „Richard Wagner" hat er sich glänzend in die philosophische Literatur Angeführt. Eine erstaunliche Vielseitigkeit und Belesenheit, Originalität des Denkens, scharfes Erfassen des Wesentlichen und eine elegante, lebendige, von warmer Empfindung und großer überzeugender Kraft durchdrungene und ge tragene Sprache fesseln den Leser. Diese Eigenschaften zeichnen auch das neueste Werk Chamberlains aus. Natioual-Zeitung (Basel). Das Buch ist wieder ein echter Chamberlain. Erstaunliche Belesen heit und große Denkfreudigkeit vereinigen sich zu einer Buchreichhaltigkeit, wie sie nur bei Chamberlains Landsmann Carlyle zu finden ist. Dem geistigen und menschlichen Wesen seines Helden Kant bringt er tiefes Verständnis entgegen. Berliner Lokalanzeiger. „Ein Laie redet zu Laien", damit kennzeichnet der Verfasser sich selbst und die Leser, für die er schreiben will. Es ist aber ein herr licher Genuß, au der Hand eines solchen „Laien" wie Chamberlain Kant entgegengesührt zu werden; ein Genuß gleicherweise für den, der schon in Kants Gedankenwelt einigermaßen heimisch ist, wie für den, der sich diesem Geistesriesen erst nähern will. Zwar wird das neue Werk Chamberlains in den Kreisen der Fachgelehrten noch weit stärkeren Widerspruch Hervorrusen wie seine Grundlagen des 19. Jahrhunderts. Wer den für die gesamte moderne Wissenschaft grundlegenden Begriff der Evolution zu bekämpfen unternimmt, muß auf lautesten Wider spruch gefaßt sein. Die „Laien", zu denen der Verfasser spricht, werden unbeirrt von diesem Streit um Prinzipien den roten Faden des Buches: den Zusammenhang von Schauen und Denken, mit nimmer nach lassendem Interesse verfolgen. Pädagog. Blätter für Lehrerbildung. Aber so bewundernswert die Leistung auch ist und so sehr außer dem auch Chamberlain, wie der große Kant, dem seine Arbeit gilt, sich der Grenzen seines eigenen Könnens bewußt bleibt — das nächste Er gebnis des Werkes ist ein Chamberlain, nicht ein Kant. Doch mit diesem Chamberlain ausgerüstet, können wir uns getrost an das Studium Kants wagen. Die deutsche Hochschule. Die ganze Darstellung trägt durchgehends das Gepräge eines'hohen universalen Geistes, der Kants Philosophie gleichsam in sich aufgesogen hat und dadurch befähigt ist, ihre Gedankcnfäden wie mit spielender Leichtigkeit auseinanderzulegen. Das Buch ist ein genialer Wurf, auf jeder Seite interessant, oft glänzend, ja hinreißend in der Diktion und verläßt auch da, wo der Verfasser geistreich plaudernd verweilt oder über Schwierigkeiten hinwegeilt, doch nie die Höhe wissenschaftlicher Erörterung. Theologische Rundschau. Rechnet man die Sucht, die gewöhnlichen Ansichten über Dinge und Personen, die sich in der Wissenschaft ein gewisses Bürgerrecht er worben haben, über den Haufen zu werfen, mit kühner „Vorurteils losigkeit" die Dinge sozusagen vom Standpunkt eines prononziert und nicht ohne Koketterie zur Schau getragenen „Dilettantismus" umzu werten, mit geflissentlicher Respektlosigkeit über wissenschaftliche Strö mungen oder deren Träger abzusprechen und gewagte Paradoxien vor zubringen, die mehr verblüffen als erleuchten; erwägt man die durch keine Bedenken getrübte Sicherheit, womit der „Dilettant" Chamberlain über die schwierigsten und verwickeltsten Fragen der Wissenschaft sein Urteil abzugeben sich für befugt hält und dabei einfach alles beiseite schiebt oder totschilt, was ihm nicht in seine eigene Auffassung hinein paßt, eine Eigenschaft, die hier oft nicht weniger entschieden, als in seinen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" hervortritt, so begreift man, daß auch das Kunstwerk einer so stark subjektiv gefärbten Persönlichkeit wie derjenigen Chamberlains, zwar, als Ganzes genommen, im höchsten Maße anziehend und anregend, aber in seinen Einzelheiten nur mit äußerster Vorsicht zu benutzen sein wird. Die Gegenwart. Wer so dem Pulsschlag eines genialen Menschen zu horchen vermag, der darf sich getrost zu unserm Führer aufwerfen; und wer ihm folgt, wird Genuß und Gewinn davon haben. D-rtmuuder Zeitung. Chamberlain ist bei allen Themen, denen sich sein reicher Geist immer zuwenden mag, in erster Linie und durchaus Künstler, Gestalter. Daß dieses Verfahren die wissenschaftliche Wahrheit zugunsten einer höheren künstlerischen benachteiligen muß, liegt auf der Hand; und trotz seines enormen Wissens, seiner großen Gewissenhaftigkeit wird eS Chamberlain daher den zünftigen Gelehrten niemals recht mache» können — schon darum nicht, weil bei ihm die synthetische (organisie rende) Befähigung die analytische weitaus überwiegt. Doch macht ihn gerade dieser Umstand zu einem kulturellen Lebenspender, wie wir deren heute keinen größeren besitzen. Als Kunstwerk muß daher auch der Kant verstanden werden. Freilich klingt schon die bloße Aufgabe paradox, Erkenntnistheorie — denn diese ist der Hauptinhalt des Buches — künstlerisch zu behandeln: aber schließlich muß alles Bedeutende so lange paradox erscheinen, bis es verwirklicht wird. Und wer den Kant von Anfang bis zum Ende aufmerksam durchlieft und dann als Ganzes auf sich wirken läßt, der erkennt, daß Chamberlains Unternehmen allerdings geglückt ist. Er hat es wirklich zuwege gebracht, bei allem Eingehen auf die schwierigsten Probleme, bei aller Wissenschaftlichkeit im einzelnen, dennoch aus sprödestem Material ein Kunstwerk zu schaffen, das — wie jede wahre und große Kunst — nicht nur zum Wissenden, sondern auch zum Naiven, zum Laien spricht. Neu« Rundschau. (Fortsetzung folgt.)
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