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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.06.1906
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- 1906-06-01
- Erscheinungsdatum
- 01.06.1906
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- Deutsch
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125, 1. Juni 1S06. Nichtamtlicher Teil. 5499 besuchens und Schwärmeus und daselbst öffentlich verübten Hüpfens und Springens, ein sehr humoristisch gehaltener Bericht an Frau Dieterich über eine Reise, die er in Gemeinschaft mit ihrem Gemahl nach Hamburg gemacht hat. Einmal, 1772, schreibt er auch aus Hannover: ^) -Hingegen hatte meine Eigenliebe etwas bey der Durchlesung gelitten, waS mich unruhig machte. Denn, nehmen Sie mir nicht übel, Madame, es muß immer empfindlich seyn, wenn man sieht, daß ein Frauenzimmer, die nie einen Pfennig für Collegia ausgegeben hat, Briefe schreibt, womit sic uns ewige Studenten und Raffineurs beschämt; glauben Sie ja nicht, daß ich Ihnen ein Kompliment damit machen will, Nein mir ist immer bange, es kriegt einmal jemand unsere Briefe zu sehen, der die Sache versteht, und solle der sagen: hat denn der Narre nicht gemerkt, daß seine Correspondentin unverbesserlich schön und leicht schreibt, ich glaube nicht, daß meine Eigenliebe so etwas verschmertzen könte.» Als die Gothaer Handlung verkauft ist, schreibt er aus Kew im Januar 1775:°) -Also haben Sie Ihre Handlung in Gotha verkauft und Christelchen ihr Bürgerrecht? Wir reisen doch in diesem Leben noch einmal zusammen hin, und wenn wir nur Geld haben, so wollen wir bald eine Handlung im Mohren anlegen, die jener verkauften Nichts nachgeben soll. Jedes handelt, womit es will, ich wähle mir Käse und Champagner, Andre wählen sich Musen- kalendcr, und Andre handeln mit Schächtelchen, und so nach der Reihe.» Zur Freundin nimmt er auch manchmal seine Zuflucht, wenn es gilt, Dieterich von einer Sache zu überzeugen. So schreibt er einmal 1795 oder 1796:'°) -Ihrem Herrn Gemahl fehlt eine von den Fiorilloischen Zeichnungen zu Bürger's Gedichten, und er fragt mich, ob sie vielleicht bey mir wäre, da ist sie aber nicht. Er hat mir Zeichnungen von Fiorillo gebracht, aber zugleich die Abdrücke von Geißers Kupferstich mit dabey. Diese habe ich. Von einer blos den Abdruck, und von einer andern den Abdruck und die Zeichnung; weiter nichts. Also davon kan die Rede nicht seyn. Eine dritte Zeichnung hat er mir blos vorgezeigt und sogleich nach einigem Disput, den wir darüber hatten, wieder zurück genommen, wie er sich wohl erinnern wird, sobald sie ihm sagen, daß mir der Vogel Greif mit seinen Flügeln nicht ge fallen hätte. Dieses ist das Stück, das verlohren ist. Ich habe es nur ein Paar Augenblicke in den Händen gehabt, und gab cs ihm, weil es erst in Kupfer gestochen werden solte, sogleich wieder zurück, und er ging, weil er meinen Tadel richtig be funden hatte, mit einigem Unwillen wieder weg. Hiervon also habe ich blos die Zeichnung gesehen. Wir sprachen auch noch nachher davon. Sie wird sich also gewiß finden. Sie werden sie, liebste Frau Gevatterin, sogleich an dem Adler, (oder Gott weiß was es ist) mit Vorderbeinen erkennen, der auf der einen Seite sitzt. Von dieser Zeichnung allein habe ich keinen Abdruck gesehen, und dieses ist gewiß die Fehlende. Solte sie sich nicht gleich offen finden, so würde ich auf alle Weise den Schlosser Koch mit zu Hülse nehmen. So etwas zu thun haben Sie allein das Recht. Ich rathe dazu, denn es ist keine Kleinigkeit, da die Zeichnung theuer bezahlt ist. Ich glaube gewiß sie wird sich finden.» Wenn Lichtenberg fern weilt, was in den ersten Jahren seiner Dozentenlaufbahn vielfach der Fall war, denkt er mit großer Liebe und Sehnsucht an das Dieterichsche Haus, an seine Stube dort zurück: -Wer hat denn nunmehr mein Plätzchen auf dem Canapee? Ist die Stube gescheuert? und erinnert Ihr Euch denn noch an mich?» — schreibt er 1772 aus Hannover") — -Gestern Abend kamen auch Äpfel auf den Tisch, so oft ich einen schälte, dachte ich an mein Plätzchen. Du lieber Gott, gieb mir doch auch hier ein solches Canapee und solche Gesellschaft.» Zwanglos, herzlich ist der Verkehr zwischen Lichtenberg ") Dieterichs Briefe an Lichtenberg 44. °) Lichtenbergs Briefe an Dieterich 88. '») Ebenda III, 268. ") Ebenda S. 8. und den Beiden in Göttingen, da meldet sich Lichtenberg zu Kalbsbrust und Weinsuppe an, oder zu saurem Kohl und Bratwurst, ladet Dieterich zu sich, falls Scheuern und Reinemachen seine Anwesenheit nicht angemessen erscheinen läßt — und dieser trauliche, schöne Verkehr bleibt auch, als Lichtenberg seine bisherige Haushälterin Margarethe Kellner 1789 als Gattin heimführte Das Dieterichsche Ehepaar hatte milde darüber hinweggesehen, daß er schon jahrelang mit ihr in wilder Ehe lebte, und übertrug auf die Frau Hofrätin, die in den Professorenkreisen natürlich sehr über die Achsel angesehen wurde, die gleiche Freundschaft und Liebe, die es ihrem Manne seit Jahren erwiesen hatte. Dietrichs waren Pathen der Kinder, und dankerfüllt schreibt Lichtenberg einmal: ") Meine Freude über Deine Nachricht ist so groß, daß ich fast vor zittern nicht schreiben kan. Der Himmel wird Dir alles vergelten, was Du und Deine Familie an mir thut.» Und seinem Vetter schreibt er einmal nach Darmstadt: »Du kanst nicht glauben was er an mir und den Meinigen thut, der alte gute Dieterich. - Ein Bekenntnis, das hier zum Schluß der Beziehungen zwischen Dieterich und Lichtenberg stehen möge, und das Zeugnis ablegt von dem goldnen Herzen, das in der Brust des wuckern Buchhändlers schlug. — Von den Kindern Dieterichs wissen wir, daß die älteste Tochter Friederike, die mehrfach in Lichtenbergs Briefen erwähnt wird, 1782 starb. Es ist die Tochter, bei deren Tod Bürger dem tieftrauernden Vater die schönen Trost briefe schrieb Sie starb im Wochenbett 1782. Lichtenberg ällt in einem Schreiben an Schernhagen vom 2. Dezember 1779 über sie folgendes Urteil:") -Künfftigen Sonntag wird wohl die älteste Mamsel Dieterich Ihr Wort dem Herrn Or. jaris Erxleben, einem Bruder des verstorbenen Professors, geben. Er ist zwar ebenfalls noch nicht versorgt, aber ein Mensch, der mit vielem Beyfall hier liefet und prackticirt und von einer außerordentlichen Arbeitsamkeit ist. Er bekommt nicht allein ein sehr schönes, sondern auch sonst in aller Hinsicht vortreffliches Frauenzimmer, keine Bücher leserin, sondern ein Mädchen, die schon seit geraumer Zeit die Weitläufftige Haushaltung fast allein geführt hat. Ich hoffe, daß, wenn Ihr künfftiger Gemahl seine Gesundheit behält, sie gewiß glücklich und vergnügt leben wird. Vielleicht bleibt er gar nicht einmal hier.» Die zweite Tochter Louise, ebenfalls häufig in den Briefen erwähnt, heiratete 1781 Herrn Köhler, der im Geschäft des Vaters tätig war und auch weiterhin tätig blieb. »Am Donnerstag vor 8 Tagen ist endlich Mamsel Louise Dieterich den Weg alles Mädchenfleisches gegangen, und lebt nun mit Herrn Köhler im Lonsz- Noou, wie der Engländer sagt«, — schreibt Lichtenberg im Juli 1781.") Die Ehe währte nicht sehr lange; 17 93 war Frau Köhler bereits Witwe und lebte im Hause der Eltern, wo sie den Haushalt mit besorgte. Außer den Töchtern waren noch drei Söhne am Leben, von denen der zweite schwach sinnig war; der jüngste Sohn war in der Druckerei be schäftigt. Des ältesten Sohnes wird später Erwähnung getan werden. Über Dieterich und das Leben im Dieterichschen Hause berichtet uns Johann Georg Zimmer, der spätere Mitbesitzer von Mohr L Zimmer in Heidelbergs), der 1797 als Gehilfe in das Dieterichsche Geschäft nach Göttingen kam. -Der alte Dieterich- — heißt es bei ihm — -war ein stolzer brummiger Mann, den man selten sah, außer bei Tisch, wo er ") Lichtenbergs Briefe III, 279. ") Ebenda I, 338. ") Ebenda I, 381. ") Johann Georg Zimmer u. d. Romantiker S. 5. 718'
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