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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.11.1922
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- 1922-11-29
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- 29.11.1922
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277, 29. November 1922. Redaktioneller Teil. kennen lassen, immer der künstlichen Treibhausblüte vergleichbar gewesen, daß es niemandem, der es mit der Buch pflege ernst nimmt, entfallen wird, in dem illustrierten Buche des illustrierten Buches wegen etwas sehr Erfreuliches zu sehen. Der Unterschied zwischen dem Künstler, der schasst, und dem trium phierenden Virtuoso ist sehr erheblich. Andrerseits läßt sich nicht dem Begehren der Buchbildmeister, Bücher auszustatten und aus- zuzieren, ausschließlich die Schuld geben, wenn derartige Miß- flände osfenbarer werden. Gefährlich war der lohnende Austrag von jeher für jeden Künstler, um so gefährlicher, wenn er ihn brauchte und sich deshalb auf Wege zwingen lassen mußte, die nicht die seinen waren. Deshalb ist der Grundgedanke, der die Obeliskdrucke des Drei Masken Verlages in Mün chen leitet, Vorschlag und Wahl des Werkes, das er sich als Illustrator wünscht, dem Künstler zu überlassen, ein guter. Man wird dabei nicht immer auf Höhepunkte der Literatur gelangen. Das schadet durchaus nicht. Die beeilten Meisterwerk-Neudrucke in ständigen Wiederholungen ermüden ohnehin, auch wenn sie alle zu Buchkunstmeisterwerken würden. Und vor allen Dingen: es wird dem Künstler eine bessere Einschätzung seiner Kräfte erlaubt, wenn er selbst das ihm Wcsenseigenlllmliche suchen darf. In bescheide- neren Bezirken kann mancher, der als Faust- oder Hamlet-Inter pret versagt, Vortreffliches leisten. Im übrigen ist, wie die drei ersten Obeliskdrucke erweisen, der Geschmack ihrer Künstler sehr literarisch gewesen, den Reizen des Sensationellen und des Stoff lichen sind sie nicht unterlegen, sie haben zu wählen gewußt. Sie haben auch, das mag ein Verdienst des Verlages sein — jeden falls ist cs ein recht empfehlenswertes Beispiel —, die Buchgrößen- übertreibungen vermieden, die zum Ponrpstil verlocken und die der Hand des Lesers wenig angenehm sind. Der erste dieser gefäl ligen Oktavbände birgt: Jeremias Golthelf, Elfi, die seltsame Magd. Mit Originalradierungen von Max Unold (l92l). Jeremias Gotthelf ist, bei aller Anschau lichkeit, die er seiner realistischen Tendenz verdankte, und bei aller Eindringlichkeit seiner Psychologie, doch ein kunstloser Schrift steller, weil das Moralisch-Pädagogische sein« Absichten bestimmte. Die Aufgabe, die der Illustrator zu lösen hatte, war also recht schwierig, wenn anders er nicht mit banalen Situationsskizzen oder mit pathetischen Deklamationen sich begnügen wollte. Den Kaltnadelarbeiten Unolds, den man trotzdem hier mit einigem Bedariern dem Buchbildholzschnitt untreu werden sicht, ist außer ihren künstlerischen Werten nachzurllhmen, baß sie als Bildreihe im Buche einheitlich das Menschlich-Natürliche der Gotthelsschen Novelle schlicht festzuhalten verstanden haben. Einem Meister- werk neudentscher Erzählungskunst, dessen nervöser Stimmnngs- gehalt -die kunstvolle Form zur lebendigsten Wirkung steigert, ist der vierte Obeliskdruck gewidmet: Jacob Wassermann, Die Geschichte des Grafen Erd mann Promniy. Radierungen von Robert Genin <l92I). Die Auf fassung des Werkes durch den Buchkünstler darf schon deshalb eine erhöhte Teilnahme erwecken, weil sich in diesem Bande Autor und Illustrator als Zeitgenossen begegnen. Vielleicht ist nicht zum wenigsten die Abneigung, die der Bilderreichtum mancher unserer Liebhaberausgaben bei vielen weckt, auch durch die retrospektive Richtung und die Stildissonanzen, die sich oft nicht vermeiden las sen,hervorgerufen worden. Man möchte sich die Dichtungen unserer Gegenwart durch Künstler unserer Gegenwart in weitaus größerer Zahl illustriert wünschen und dafür manchen Prachtdruck, trotz allen Aufwandes der Mühewaltung, die er gekostet hat, hingeben. Ein dankenswertes Streben ist es ja zweifellos, alle Buchehren den Klassikereditionen zu geben. Immerhin hat es auch etwas Problematisches, wenn der Buchbildmeister in einem literar historischen Abstande ein ihm ferneres und fremderes Werk illu strieren soll. Da werden die Illustrationen leicht zu geistreichen Übersetzungen, wenn nicht im Feuer einer auslodcrnden Begeiste rung Altes und Neues verschmelzen, 'da wird der Illustrator zu einem Interpreten, der dem Leser nicht immer wohlgefällt. Andrerseits kann es auch seine Reize haben, die lebendige Weiter entwicklung eines alten Werkes, wie sie sein moderner Illustrator zeigt, zu beobachten, zu erkennen, wie sich eine neue Harmonie aus Kontrastwirkungen bildete. Das gilt für den dritten Obeliskdruck: Adalbert Stifter, Abdias. Erzählung. Origi nalradierungen von Richard See Wald (1921), in dem sich zwei Künstlerpersönlichkeiien anscheinend verschiedener Artung, wie man von vornherein preinen möchte, zusammengefun- den haben. Mit dem Entdecken gemeinsamer Züge zwischen dein Buchbildmeister und dem Dichter, den er sich wählte, läßt es sich tiefer cindringen in die Aufnahme des Werkes durch den Illustra tor. Gerade hierbei wird es dann klar, in wie hohem Matze die Absicht der Reihe, de» Illustrator nicht durch eine Austragsbe grenzung zu fesseln, der Buchbildkunst zugule kommen kann (nicht muß). Wobei dann allerdings auch noch etwas zu berücksichtigen sein wird, was als ein allgemeinerer Mangel unserer deutschen Liebhaberausgaben der Gegenwart nicht verschwiegen werden soll, um so weniger, als es des öfteren gerade für die künstlerisch bedeutendsten Leistungen gilt: an die ästhetischen Werte der Bnch- bilder selbst reichen allzuoft ihre illustrationstechuischcn nicht her an, es fehlt die anpassungsfähige Schmiegsamkeit, jene elegante Routine nnb Virtuosität, dis wohl etwas Äußerliches ist, immer- hin jedoch das nicht unvermittelte Zusammenstimmen von Bild und Buch erleichtern Hilst. Es läßt sich ja einwenden, derartige Ausgleichungen seien etwas -Gcschmäcklerisches- und der Könner sei dem Macher nicht vorzuziehen. Aber das Buch ist nun einmal ein Buch, darüber läßt sich mit aller Kunst nicht hinwegkammen. Den Shakespeare in Einzelausgaben, der in der Reihe der -Meisterwerke der Weltliteratur- (München, vr. Julius Schröder) erscheint — erst wenn man ein Jahrhundert zurückgehl, gelangt man zu einer ähnlich groß an gelegten Monumentaledition — setzt »ibs lempost. Sv ViltiLiii Skakespears. München, 1921- fort. Für diese Ausgabe radierte Adolph Schinne rer 26 Bilder, die die bewegte Handlung, ihr malerisches Getriebe glücklich wieder zugeben wissen. Strenger wahrt den barock-phantastischen Stil dieses Zauberspieles, das die Figuren einer Gefühlswelt in die Gestalten einer Wirklichkeitswelt hineinprojiziert, um sie in einer Bühnenstunde zu einer Gemeinsamkeit ihres Lebens zu vereinen, die Ausgabe der Gundolf-Schlegelschen Übertragung: Wil liam Shakespeare, Der Sturm. Wien und Leip zig, Avalun-Verlag: 1922. Ihr Buchbildmeistcr ist, mit 14 Radierungen, Felix Meseck, ihr Drucker Jakob Hegner. Eine buchgewerbliche und künstlerische Meister- leistung, auf die der Avalun-Verlag stolz sein darf. Daß dieser XIV. Avalundruck nur in 116 Abzügen ausgegeben worden ist, ist zu bedauern. Es ist ein Werk, dessen Besitz sich die Lieh- haber neiden werden. Als der Avalun-Verlag sich mit seinen ersten Versuchen an die Buchfreundc wandte, zeigten diese ersten Bände noch einige Unsicherheit. (Ich kenne im Bereiche der neu deutschen Buchkunstbewegung überhaupt nur einen Verlag, der von Anfang an vollendete Leistungen bot, den der -Hundert drucke-.) Sie ist rasch geschwunden, der Verlag hat jene Ge schmacksbeherrschung gewonnen, die man je nach Laune Rou tine, Stiltechnik oder sonstwie nennen kann, die aber dafür un entbehrlich ist, daß auch die Durchschnittsleistung nicht unter einen buchgewerbllchen Höhepunkt sinkt. (Wofür die Beispiele sich noch -an anderen -deutschen »Bibliophilew-Verlagen geben ließen.) Das ist recht wichtig. Wir sind verwöhnt worden, wir vergegen wärtigen uns nicht immer, welche buchgewerblichen Schwierig keiten gerade heutzutage zu überwinden sind, um aus der Höhe zu bleiben. Auch das lohnte einmal Wohl eine retrospektiv ver gleichende Ausstellung, die das »schöne« deutsche Buch von etwa 1870 bis 1895 und von 1895 bis 1922 nebeneinander zeigte. Da könnte dann Wohl der besser zu unterrichtende Betrachter lernen, daß die Behauptung der buchgewcrblichen Leistungsfähigkeit allen Gewalten zum Trotz etwas wert ist. Und der Bllcherkäufer könnte sehen, daß er in unserer Papierzeit noch immer eine bes sere Buchware erhält als in dem gepriesenen Goldzeitalter. Den XVII. Avalnndruck, der in den Werkstätten der Staatlichen Akademie in Leipzig 1922 hergestellt wurde: Jens Peter Jacobs« n, Die Pest von Bergamo schmückte Alois Kolb mit 11 Radierungen. Die feierliche Stimmung der tragischen Novelle, deren Bildstoffreichtum die Entfaltung heroischer Massenszenen ermöglichte, entsprach seinem Talente und Temperamente, das düstere Entsetzen, auf dessen Hinter gründe die Malerei einer Massenpsychose durch den Novellisten IS7S
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