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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.11.1922
- Strukturtyp
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- 1922-11-29
- Erscheinungsdatum
- 29.11.1922
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. id§ 277, 2g. November 1922. t u m« und den buchgewerbiichen, unter ihnen das »Archiv für Buchgewerbe- und das »Archiv für Buchbinderei-, an bis zu den Verlegerzeitschristen, unter -denen das »Insel- Schiss- an erster Stelle zu nennen ist, bis zu den kritisch-litera rischen und literaturwissenschaftlichen Zeitschriften ließe sich «ine große Zcilschristengruppe zusammenstellen, die mehr oder minder den Buchdingen gewidmet ist. Wozu dann noch kommt, daß auch in den Zeitungen die Bibliophilie jetzt nicht mehr übersehen wird. Von den alten Bibliophilen-Blättern im engeren Sinne ist der >Z w i e b e l s i s ch« (Hans von Weber, München) in den letzten Jahren seinen Ansängcn nicht treu geblieben und längst kein lediglich bibliographisch-kritisches Journal mehr. Die von der Gesellschaft der Bibliophilen in ihre Obhut genommene »Zeitschrift für Bücherfreunde-, vorwiegend literar historisch orientiert, darf mit ihren ansehnlichen Buchseiten sich rühmen, von allen gegenwärtig herausgegebenen Zeitschriften ihrer Sonderart nicht nur in Deutschland die älteste bestehende zu sein. Die beiden etwas unähnlichen Zwillinge »Die Bücher- st u b e« (Horst Stobbe, Münche n) und »Der grundge scheute Antiqua rius- (jetzt Erich Lichtenstein, W e i m a r) haben ihre nahe Verbindung gelöst, der letztere erscheint jetzt in anderm Verlag, ist aber sonst seiner behaglich-beschaulichen Art, Bücher und Menschen zu nehmen, wie sie nun einmal sind, treu geblieben. Als Beiblatt zu anderen Zeitschriften, indessen nach ihrer Anlage, Ausführung und Ausstattung -durchaus selb ständig, erscheinen »Der B ü ch e r sa m m l e r« (als Beilage des »Cicerone-, Klinkhardt L Bi er mann, Leipzig) und »Das Sammlerkabinett« (als Beilage der Monats schrift »Faust«, Erich Reiß, Berlin), beide vorwiegend, doch nicht ausschließlich dem 'deutschen Buche der Gegenwart zu gewandt, während »DieHeftlade, ZeitschriftfürFör- derer des Jacob Krautze-Bundes« (Euphorion- Verlag, Berlin) -die Einbandkunft in vornehmer Weise ver tritt, sich aber im übrigen durchaus nicht auf die Einbandlieb haberei beschränkt, vielmehr ebenfalls als ein allgemeines Biblio- philieorgan zu gelten hat. Darf ich auch die »Vierteljahrs- s ch r i s t für angewandte Bücherkunde« (Max Harr- w i tz, B e r l i n - N ik o l a s se e), -die hauptsächlich die biblio graphische Kritik älterer Schrifttumswerke pflegt, sowie die durch ihre Abhandlungen und ihre Bearbeitung ausgezeichneten »Mit teilungen aus dem Antiquariate Joseph Baer L Co., Frankfurt a. M.-, die unter dem Titel »Frank furter Bücherfreund« in Zeitschriftform veröffentlicht werden, hierher zählen, so ergibt das schon eine recht stattliche Reihe deutscher Bllchersammlerzeitschriften. Und sie läßt sich noch verlängern, wenn man die von den deutschen Büchersamm lergesellschaften für ihre Mitglieder herausgegebenen Jahrbücher hinzunimmt, den »Deutschen Bibltophilen-K a len de r« (Moritz Perl es, Wien) — in dessen Doppeljahr gange VIII/IX, IS21/22, u. a. MaxSchneidewins Grise- bach-Erinnerungen veröffentlicht wurden und neben anderen hübschen Erinnerungen auch die an den berühmten Wie ner Orientalisten August Pfizmayer zu finden sind, der von dem deutsch-französischen Kriege 1870i7l in seiner Büchereieinsamkeit erst etwas aus einer chinesischen Zeitung erfuhr; wo gibt es noch solche Bibliophilenoriginale in unseren Kurszetteltagen? —, die »Zeugkiste- (Julius M ä s e r, L e i p z i g). Schließlich sind auch diejenigen Zeitschriften hier zu vermerken, die, die -Pan--, -Insel-- und »Hyperion«-Tradition weiterführend, den Buchkunst gedanken einer edlen Schrifttumspflege dienstbar machen. Als ein seiner Vorgänger würdiger Ankömmling sind in dieser Zeit schriftengruppe die Neuen deutschen Beiträge. Her« ausgegebenvon Hofmannsthal (Bremer Presse, München) zu begrüßen, die, in einer von IN. Wiegand ge zeichneten Antiqua in der Werkstatt der Bremer Presse gesetzt, in der Mandruck A. G. auf der Schnellpresse gedruckt, eine muster- gültige Typographie zeigen. Ihr erstes Heft enthält u. a. den Erstdruck des Salzburger großen Welt-Theaters von Hugo von Hofmannsthal, es verwirklicht nach Ge halt und Form jene echte Vornehmheit der Gesinnung und Hai- tung, die keine -Aufmachung- glänzendsten Ausstattungsreichtums einer Kunstzeitschrift ersetzen können. Bisweilen ließe sich der IS74 »modernen Bibliophilie- eine Verwechslung der Mittel iUM Zweck mit dem Zweck zum Vorwurs machen, -des Kostbaren mit dem lediglich Kostspieligen. Wenn hier die Ansprüche der Buchsreunde selbst für eine reinliche Trennung Sorge tragen wollten, brauchten Buchgewerbe und Buchhandel nicht geschäftlich« Rücksichten zu neh men, auf die sie gern verzichten würden. Solange aber das Be gehren von Bücherliebhabern in der frühen Nummer, in dem an allen Ecken und Enden signierten Exemplar und in ähnlichen Wünschen gipfelt, kann dem Konsumenten der Produzent schwer widersprechen. Um gute und schöne Bücher herzustellen, muß man sie auch verkaufen können. Wer nicht ein Verleger in der Phantasie bleiben will, mutz heutzutage mehr denn je an den Käuserkreis denken, in den er mit seiner Buchware tritt. Das klingt materialistisch, ist es jedoch nicht. Denn es kommt schließlich auf die Entscheidung der Frage hinaus, ob man nicht, um ein gutes und schönes Buch überhaupt Herstellen zu können, in einigen belanglosen Kleinigkeiten herrschenden Gcschmacksvorurteilen lie ber nachgeben als auf die Ausführung verzichten soll. Daß in Deutschland jetzt die Bibliophilie häufig nur eine Jkonophilie zu sein scheint, daß die Illustration als »Original graphik« triumphiert und stellenweise die Buchkunstentwickluug erheblich stört, ist eine Zeiterscheinung, für die auch dieser Um stand eine Erklärung gibt, daß Deutschlands Kunstsammler immer weiter vom großen internationalen Kunstmarkt zurückgcdrängt werden. So wendet man sich eher den Kleinkunstgebieten zu und findet dabei auch in der Form der Liebhaberausgabe einen ange nehmen Sammlungsgegenstand, der auf ein bequem zu erreichen des Sammlungsziel weist. Ein? gewählte Liebhaberbücherci solcher Art kann schon etwas wert sein, ideell und materiell, ihre Anschasfungskosten lassen sich verteilen; ausgestellt ihre Liebhaber einbände zeigend, repräsentiert sie ansehnlich, ansehnlicher als die Mappen im Schrank. Das sind nicht zu verachtende Vorzüge, die Anreize manchen Sammlungseifers sein werden. Und schließlich gehen auch die stilleren und tieferen Freuden des Umganges mit den Büchern allmählich manchem auf, der anfangs nur dem Au-, stattungszauber unterlag; er wandelt sich in einen Buchfreund echterer Gesinnung. Eine Wendung, die auch dem Buchhandel nur erwünscht sein kann. Je kräftiger -der Baum der Bibliophilie seine neuen Zweige treibt, seine Wurzeln ausbreitet, desto stärker wird der Stamm der Bllcherliebhabcrei werden. Derart betrach tet, sind sogar diejenigen Bibliophiltemoden, die nicht zu gefallen brauchen, nur eine Äußerung des allgemein für das Buch erweck ten Interesses. Darüber darf man sich gewiß nicht beklagen, son dern man muß versuchen, ein solches Interesse zu erhalten und zu leiten. Früher bespöttelte man den Leihbibliotheksleser, jetzt er scheint bisweilen der Bücherkäufer als eine Karikatur, die denn doch in den meisten Fällen allzusehr verzerrt wird. Man redet von einer Bllcherkaufsucht, wo man früher vom Lesehunger sprach. Den Käufer können Buchgewerbe und Buchhandel nicht entbehren, sie müssen ihn willkommen heißen, wie er sich ihnen zeigt. Von einer Blütezeit des internationalen Bücher- und Kunstmarktcs ist gegenwärtig nicht allzuviel zu spüren, überall Rücklauf. Still stand. Man bezahlt im Auslande mäßige Voikricgspreise für Stücke, die einen Weltmarktwert haben. Worüber deutsche Han delspreise mit ihren aufgeblähten Zahlen nicht hinwegtäuschen können. Man kauft in Deutschland noch vielfach unter dem Gold werte, nicht zum wenigsten neue Bücher, und wenn im Altbuch handel bisweilen die Dollaiphantasic auch die Scharteken schmückt, die keine Weltmarktwerte sind, so wird sich auch das ausgleichen. Das alte deutsche Antiquariat ist diel zu ernsthaft, viel zu wissen schaftlich solide, uni seine Rechnung mit einer Scheinkonjunktur zu machen. Es -verfolgt seine idealen Ziele und -befestigt sein internationales Ansehen, indem es ihnen unbeirrt weiter zustrcbt. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man in solchem Zusammenhänge eine Gedenkschrist, die den Glauben an die Mission des Buches verkündet, eine Trostschrift nennt: OttoHarrassowitzund seine Firma. Zum Tage des 50jährigen Beste hens der Firma Otto Harrassowitz in Leipzig, Leipzig (Harrassowitz): 1922. (Vgl. auch Bbl. Nr. 286.) Die eine Jllustromanie begleitenden buchgewerblichen Mitzstände sind so unverkennbar und in denjenigen ihrer Erscheinungsformen, die sich schon geschichtlich er-
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