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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.08.1907
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1907-08-13
- Erscheinungsdatum
- 13.08.1907
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- Deutsch
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7898 Börsenblatt s. d. Dtschn, Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. 187, 13. August 1907. Herbert König, Doepler, Franz Seitz, E. Ille, Wilhelm Dietz, M. von Schwind, A. Oberländer, L. Meggendorfer, E. Har- burger, H. Schlittgen, Wilhelm Busch, Reim Reinike, E. Zopf, H. Schließmann, Max Heider, Adamo, Andreas Müller, Friedrich Lossow, F. Staub u. v. a., sowie die Dichter und Schriftsteller: Graf Franz von Pocci — der, wie man weiß, auch als Zeichner exzellierte —, Franz von Kobell, Egon Ebert, Friedrich Gerstäcker, Aurbacher, von Ambach, Levin Schücking, Trautmann, H. Schmid, I. B. Vogt, A. Brendel, Ludwig Pfau, Emanuel Geibel, Franz Dingelstedt, Josef Victor Scheffel, Ludwig Eichrodt, Felix Dahn, A. Kopisch, Justinus Kerner, K. G. Nadler, L. Bechstein, Marggraff, Karl Spindler rc. Caspar Braun, der Begründer, Verleger und Haupt zeichner des epochemachenden Witzblattes, ging seinen Ge nossen mit gutem Beispiel voran; er schuf Gestalten, die zu typischen Charakteren wurden. Wer denkt dabei nicht an die unverwüstlichen Figuren des »Eisele und Beisele«, die gradezu eines Weltrufs sich erfreuten! Fand doch der weit gereiste Friedrich Gerstäcker in China ihr plastisches Duo in Papiermacho, und die Zopfträger sprachen deutlich die Namen des famosen Hofmeisters und seines ebenbürtigen Zöglings aus! Dazu kamen noch der europäische »Wühl huber«, die tapferen »Heulmaier«, »Master Vorwärts« u. a. m. Unter seinem Stift entstanden die urkomischsten Szenen, antiken Komödien und wahrhaft klassischen Bilderwitze. Die literarischen Einläufe las er erst mit seinem unermüd lichen, auch dem geschäftlichen Betriebe obliegenden Freunde und Kompagnon Friedrich Schneider, später mit dessen Sohn, mit Eduard Ille und einer eignen Kommission und Jury von Kunstlichtern, die jeden, selbst den kleinsten Beitrag streng kritisch zu prüfen und zu begutachten hatten, damit aus diesem wie Sand am Meer anwachsenden Material ja kein Goldkorn ungesiebt verloren gehe. Er schrieb eine Flut von Briefen, bittend, mahnend, abwehrend und »dankend«, letzteres freilich nicht immer mit eigner Hand, da allein die Rückgabe des als unverwendbar befundenen Materials täg lich einige hundert Briefe umfaßte. Vielen Künstlern stand er mit Rat und Tat als Freund und väterlicher Berater bei, er förderte junge Kräfte und führte sie auf die Bahn eines ehrenvollen Strebens, wie er auch eine eigne Schule von Holz schneidern bildete, die nicht allein zu den ältesten, sondern auch zu den achtbarsten Künstlern dieses Faches zählten und zählen. Der schon wiederholt genannte Eduard Ille charakterisiert treffend die Art und Weise bezw. den Geist des literarischen und zeichnerischen Humors, der sich gleich von Anfang an m den »Fliegenden Blättern« geltend machte und ihnen den ungeheuren Erfolg verschaffte, mit folgenden Worten: »Es war politische Zeitsatire, was den ersten Bänden ihren hervorstechenden Charakter verlieh; gleich die ersten Hefte führten die Figur des Staats-Hämorrhoidarius ins Gefecht; aber diese politische Satire war durch das künstlerische Fluidum geläutert und auf einen süddeutsch-behaglichen Ton gestimmt. Der Kampf galt nicht den Personen, sondern den Zuständen, der Witz war frei von Bosheit und Gehässigkeit, deshalb auch überall zündend; in Bild und Wort wurden Mißbräuche und Albernheiten an den Pranger gestellt, die dem öffentlichen Leben, dem Staat und der Gesellschaft, dem geheimen Gerichtsverfahren, dem Walten der Zensur, dem herrschenden Polizeisultanismus, der Umständlichkeit der bürokratischen Maschinerie anhafteten und dringend nach Reformen verlangten. Dem beschränkten Partikularismus und der beschränkten Kleinstaaterei wurden die Schlag bäume angezllndet, das Verstockte und Verzopfte mit der Pritsche bearbeitet, dem Absolutismus und Feudalismus die Sterbeglocke geläutet, aber auch die Torheiten einer phrasenhaften Demagogie der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Verfahren dabei war ein objektiv künstlerisches; was mau bekämpfte, war nicht kritisch beurteilt, es ward in Szene gesetzt, in seinen Schwächen drastisch vors Auge gestellt. Alle die komischen Typen, die die humoristische Laune Caspar Brauns und seiner Mitarbeiter erfand, sind Vertreter irgend eines Standes, einer Volksklasse, in deren Erlebnissen sich allgemein herrschende Torheiten und Jrrtümer spiegeln, und da die Zustände in den Einzelstaaten Deutschlands so ver schiedene waren, der Einheitsdrang des erstarkenden National bewußtseins aber nach Ausgleich dieses Unterschieds drängte, so ward es für diese typischen Figuren wieder typisch, daß sie als Reisende auftraten und in den verschiedenen Vater- ländchen just solche Abenteuer bestanden, die grade dort vor handene Mißstände aufdeckten.« — Der mutwillige, derbe Realismus, der sich in der Holz schneidekunst Caspar Brauns bekundete, trat in Gegensatz zu der herkömmlichen süßlich romantischen Auffassung der »Poesie des Mittelalters«, der »Poesie des Landlebens« und der »Ruinen« der Zeit. Was Joseph Viktor Scheffel in der Vorrede zu seinem »Ekkehard« als die gesunde Umkehr aus dem Blassen und Begrifflichen zum Konkreten, Farbigen, Sinnlichen bezeichnet hat, fand hier seinen mächtig wirkenden Ausdruck im Bereiche des Humors mit den schlichten Mitteln der künstlerisch gehobenen Holzschneidetechnik. Daher auch die Teilnahme, die das frische fröhliche Unternehmen bei der damaligen künstlerischen Jugend fand. Der bald sinnig-ernste, bald parabolisch mahnende, bald pudelnärrisch-lustige, immer aber sittlich maßvolle, gemütliche Humor machte in jenen wechselreichen Jahren die »Fliegenden Blätter«, deren ursprüngliche Auflage von 4100 Exemplaren im Jahre 1844 schon auf 12 000 im Jahre 1869 gestiegen war, mehr und mehr zum auserlesenen Liebling von jung und alt und übte durch seine kernige Frische und parteilose Objektivität einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf das in Parteien gespaltene Publikum aus. Und als die Sturm wogen der Revolution allmählich geebbt hatten, da konnte auch das Blatt, ohne seiner Tendenz untreu zu werden, auf eine mehr künstlerische Erweiterung und Vervollkomm nung seines Inhalts bedacht sein. Die direkte Beteiligung an politischen Fragen trat seitdem immer mehr in den Hintergrund, und nur soziale Mißstände wurden gerügt. Teilweise aus und neben den »Fliegenden« entstanden die bekannten »Münchener Bilderbogen«, die, fast in alle Sprachen der gebildeten Welt übersetzt, nicht allein dem heiteren Humor dienten, sondern auch ein unvergleichliches erzieherisches Hilfsmittel wurden und jetzt in fünfzig Jahres bänden mit 1200 Nummern die Geschichte der Kostüme, viel ethnographische und botanische Belehrung, Bilder aus dem Altertum, Märchen, Sagen und zahlreichen fröhlichen Schnick- Schnack bieten, — eine wahre Fundgrube der nützlichen Unterhaltung für jung und alt. Auch dieses im Verlage von Braun L Schneider erschienene Unternehmen gelang mit wohltätiger Hilfe der oben erwähnten schriftstellerischen und künstlerischen Kräfte, denen sich bald noch andre Zeichner wie Speckter, Rothbart, Theodor Horschelt, Köster, Weigand, Fröhlich, Franz und Eugen Adam u. a. m. beigesellten. Wenn Caspar Braun darauf sah, daß in den »Fliegenden Blättern« auf alte Motive aus Sagen und Volkstum zum Zweck zeitgemäßer Satire zurückgegriffen wurde, so lebte in diesen »Münchener Bilderbogen« nun zum Zweck poetisch- künstlerischer Ansprüche das Beste unsres alten deutschen Sagen- und Märchenhorts wieder auf, und alte gute Sitten und Bräuche, die einst den Deutschen gemeinsam waren, wurden mit Lust und Laune einem neuen Geschlecht ver gegenwärtigt.
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