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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.03.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1906-03-02
- Erscheinungsdatum
- 02.03.1906
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- Deutsch
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2292 Nichtamtlicher Teil, ^ 51, 2, März 1906. daß für literarische Kuriositäten, für Erstausgaben von Klassikern, für Almanache aus den vorigen Jahrhunderten, jetzt fünfmal so viel verlangt wird als vor wenigen Jahren. Gewiß wird niemand den Antiquaren ihren Gewinn miß gönnen, stellt doch ihr Betrieb große Anforderungen an lite rarische Kenntnisse und Fleiß und verlangt zudem noch eine Menge kaufmännischer Eigenschaften! Wie viel Sorgfalt verwenden doch die großen Frankfurter, Leipziger, Berliner Antiquare auf ihre Kataloge! Es ist eine Freude, die Kata loge jenes berühmten Antiquars Jakob durchzusehen, der sich auf einem Verzeichnis lateinischer Klassiker Jacobus nennt, auf einer Liste von Stammbüchern des galanten Jahrhunderts Jacques, und wenn es sich um Werke aus dem deutschen Mittelalter handelt, sich wieder in einen Jakob verwandelt. Wären nur alle Antiquariatskataloge so sorgfältig be arbeitet, — wie viel Verdruß und Ärger würde dem Vermittler und dem Publikum erspart werden! Man hat zehn Gebote für Schüler, für Badende, für Tramwaypassagiere heraus gegeben, wollte sich jemand das Verdienst erwerben, einen solchen Dekalog für Antiquare zu schreiben, so würde ich nach meinen Erfahrungen als erstes Gebot vorschlagen: Sei vorsichtig in der Angabe der Jahreszahl und bedenke, daß eine unrichtige Jahreszahl unerträgliche Korrespondenzen veranlaßt. Ein weitres Gebot müßte lauten: Schreibe nicht bei einem Titel: »m. Jllustr. von ll. . . .«, weil dies zwei deutig ist; der Besteller nimmt an, das Buch habe mehrere Illustrationen, während es in Wirklichkeit nur eine Zeichnung des berühmten Meisters hat. Ferner: Wenn die erste und zweite Auflage eines Buches in einem und demselben Jahre erschienen sind, so genügt nicht die Angabe der Jahreszahl, sondern es muß auch die Auflage bezeichnet werden, usw.') Es ist nur die Frage, ob man mit zehn Geboten das Aus langen fände. * » » Unter dem kurzen, treffenden Titel »Kaufmannsdeutsch« liegt ein Büchlein vor, das teilweise Ergebnis der vom Allgemeinen deutschen Sprachverein veranstalteten Preis ausschreibung für die beste Beantwortung der Frage: Wie ist die Sprachverderbnis im deutschen Handelsstande zu be kämpfen? Wer von der Schulbank her die Empfindung hat, daß die Grammatik eine der langweiligsten menschlichen Einrichtungen ist, wird sich durch dieses Büchlein, ebenso wie seinerzeit durch Wustmanns Sprachdummheiten, angenehm überrascht fühlen. Während der gelehrte Leipziger Professor mitunter in einer etwas cholerischen, wuchtigen Art vorgeht und über alle Auswüchse des Journalistendeutsch, Juristen deutsch und Kanzleideutsch wettert und tobt wie ein Jünger Abraham a Santa Claras, treten die beiden Verfasser von »Kaufmannsdeutsch« als freundliche Mahner und Warner der Kaufmannswelt auf. Was sie über die Versündigungen auf dem Gebiete der Warenbezeichnungen — insbesondere gegen die englischen Bezeichnungen OsLos statt Kuchen, Oats statt Grütze —, über die Engländerei und Französelei, über Verfehlungen gegen Richtigkeit und Wohllaut der Sprache, über Blüten des Reklamestils usw. sagen, ist durchaus be rechtigt und wird wegen der angenehmen Form, in der diese Sprachsünden besprochen werden, Wirkung machen. Für den Buchhandel gilt hier das alte Wort: laa rss aZitar. Es ist peinlich, in jedem Zettelpaket Rundschreiben mit den fettgedruckten Worten: »Selten günstige Gelegen heitsofferte« zu erhalten. Diese Offerte (man sollte An gebot sagen) ist also selten günstig, in den meisten Fällen ungünstig. Das hat der Absender wohl nicht gemeint, aber *) Muß ich noch besonders erwähnen, daß ich alle diese Be mängelungen auf Grund eigner Erfahrungen mache? gesagt. Wenn ein andrer Verleger von einem Buch sagt: »Aufgeschlagen, ans Schaufenster geklebt oder gehängt, kann jedermann große Partien ohne Risiko absetzen«, so werden die Empfänger von einer solchen Einladung nicht gerade erbaut sein. Wer ließe sich denn gerne aufschlagen, kleben oder hängen? Auch der Kampf gegen die Fremdwörter berührt den Buchhandel. Wir sagen noch immer remittieren statt zurücksenden, disponieren statt zur Verfügung stellen, Emballage statt Verpackung, Memorandum statt Mitteilung, Kollektion statt Sammlung (Göschen sagt richtig Samm lung), konform gehen statt übereinstimmen. Manche vor geschlagene Ersatzwörter würden sich wohl schwer ein bürgern; wir sind so sehr an den Leipziger »Avis« ge wöhnt und sollten nun »Meldung« oder »Bericht« sagen? Auch der Vorschlag, »Prämie« durch »Geschenk« zu er setzen, erscheint uns nicht glücklich; das Publikum läßt sich allenfalls eine Prämie, nicht aber ein Geschenk widmen. Zu scharf wird aber mit Sprachschnitzern, die von Geschäfts leuten verübt werden, niemand ins Gericht gehen, der Zei tungen liest und lächelnd verzeichnet, was die Männer der Feder verüben. Hat doch kürzlich die Redaktion (Ent schuldigung! — die Schriftleitung) einer Zeitung ihren Lesern als Weihnachtsgabe ein Bilderrätsel gespendet, dessen (wohlgemerkt vollständig richtige) Auflösung folgenden schönen Satz gibt: Eine Mehlspeise schmeckt wie ein Kuß von einer schönen Frau, wenn sie mit dem Backpulver .... zubereitet wird! * * * Unsre Schuljugend ist überbürdet — zu Beginn und zum Schluß des Schuljahres tritt diese Klage regelmäßig in der öffentlichen Diskussion auf. Insbesondere den Gym nasiasten werden, wenn man den herzbeweglichen Klagen ihrer Eltern Glauben schenken darf, zu große geistige An strengungen zugemutet. Wie die Kenntnis des Aorist oder die Lösung einer Gleichung mit drei Unbekannten erleichtert werden kann, mag die Sorge der Pädagogen sein. Aber das hohe Ministerium für Kultus und Unterricht hat kürz lich in einem Erlaß an die Schulbehörde beklagt, daß es auch eine körperliche Überbürdung der Gymnasiasten gebe: der Schulpack sei zu schwer, d. h. das Gewicht der täglich in die Schule zu tragenden Bücher soll vermindert werden. Und dies ist eine Angelegenheit, an der der Buchhandel, und zwar der Schulbücherverlagshandel, sehr interessiert ist. Es wäre nämlich Sache der Schulbücherverleger, darüber nachzudenken, auf welche Weise der Umfang und das Ge wicht der Schulbücher — bei unverändertem Inhalt — herabgesetzt werden könnte, und es liegt bereits ein Versuch in dieser Richtung vor. Der bekannte Verlag Tempsky hat eine griechische Schulgrammatik auf Jndia-Papier heraus gegeben, die bei einem Umfang von 176 Seiten Großoktav samt biegsamem Einband nur 25 Gramm wiegt. Bekannt lich hat der Insel-Verlag den Versuch gemacht, die Klassiker in Taschenformat auf Jndia-Papier zu bringen, und wenn auch die bisher vorliegenden Bände nicht einwandfrei sind und das Durchschlagen des Drucks völlig vermieden werden müßte, so kann man das Unternehmen doch als ein schätzens wertes, aussichtsreiches bezeichnen. Hoffentlich gelingt es dem Insel-Verlag, die mustergiltige Dickens-Ausgabe von Chap- man und Hall — die kioltcvwIr-Lspsrs mit 928 Seiten in einem sehr gut lesbaren Bande, der bequem in der Tasche unterzubringen ist — zu erreichen. Ich halte es für durch aus wahrscheinlich, daß derartige Ausgaben — mau wird für sie einen brauchbaren tsrmivns tsebaieus finden müssen — eine starke Änderung im Bibliothekswesen herbeiführen werden. Was nun die erwähnte griechische Grammatik betrifft,
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