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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.02.1906
- Strukturtyp
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- Band
- 1906-02-17
- Erscheinungsdatum
- 17.02.1906
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- Deutsch
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/U 40, 17. Februar 1906. Fertige Bücher. 1327 Stimmungsbilder der Presse über Chamberlain, Immanuel Kant (Fortsetzung aus Nr. 31 vom 7. Februar) An Goethe, Leonardo da Vinci, Rens Descartes, Giordano Bruno, Plato zeigt der Verfasser ihre Art zu schauen, die er sodann der Eigenart Kants entgegcnhält. Es ist mit zwei Worten nicht zu um schreiben, welch ein Reichtum von neuen Gesichtspunkten, von erhellen den und ausweitenden Betrachtungen sich bei dieser Methode sür Kant ergibt. Chamberlains Werk steht mit einem Schlage in der ersten Reihe aller bisherigen Kantstudien, ja es ist in manchem Betracht die produktivste und originellste von allen. Die Belesenheit dieses Mannes aus weit auseinauderliegenden Gebieten des Wissens ist erstaunlich, seine geistige Beweglichkeit, die fernsten Grenzen durch ein Bild, eine von ihm entdeckte Beziehung zu verknüpfen, bewundernswert. Sein Stil ist Musik. Der Leser wird nicht selten anders empfinden, als der Vor tragende — nicht nur bei so leidenschaftlichen Ergüssen über die Gegen wart, wie aus Seite 693 bis 701 und sonst oft —; in diesem Anreiz zum Protest liegt sogar ein Hauptwert des gewichtigen Werkes, das von Geist und höchster Kultur schwer ist. Nationalzeitung. Charakteristisch sür Chamberlains Schriften sind das starke Temperament und die eigenartige Persönlichkeit. Der Reiz, der hiervon ansgcht, bildet trotz mancher in das Schrullenhafte übcrschlagenden Vorurteile den Hauptgrund des großen Erfolges. Man könnte nun meinen, daß gegenüber dem Weisen von Königsberg, der als Typus strenger und nüchterner Methode gilt, diese Züge versagen würden. Doch hat vielleicht gerade die Sprödigkeit des Stoffes Chamberlain be sonders befeuert. Chamberlain will nicht bloß belehren, er will über zeugen und begeistern. Kaum in einer ander» seiner Schriften gibt er sich mit solch leidenschaftlicher Energie als Kulturprophet für die Zu kunft der Nationen und namentlich des deutschen Volkes, für es sieht er kaum eine andere Gewähr, als die immer vollständigere Aufnahme von Kants Lehre in das intellektuelle und sittliche Leben. Berliner Tageblatt Die Bedeutung Houston S. Chamberlains als Philosophen und Kultnrhjstorikers, die auch von denen anerkannt worden ist, die seine Anschauungen zum Teil mit Recht bekämpfen zu sollen glaubten, rechtfertigt das hervorragende Interesse der gelehrten und gebildeten Welt an diesem Werk, das die Verlagsanstalt mit einer sür deutsche Verhältnisse nicht gewöhnlichen Eleganz und Vornehmheit aus- gestattet Hai. Münchner Neuest« Nachrichten. Als der geistreiche Mann und Universalgelehrte nun, der Chamberlain ist — aus seine Beteuerung, daß er Dilettant sei, fallen wir nicht hinein —, löst er seine Aufgabe in ganz origineller Weise Er gruppiert fünf große Weltanschauer: Goethe, Leonardo da Vinci, Descartes, Giordano Bruno und Plato, um Kant und versucht an dem, was sie mit Kant gemeinsam haben und was sie von ihm unter scheidet, Wesen, Methode und Arbeitsweise des Weisen von Königsberg klar zu machen; denn auf diese Dinge kommt es ihm an, nicht auf eine Darlegung von Kants „System". Die Zeit (Wien). Das Buch ist glänzend geschrieben. Aus den paar Zitaten geht das natürlich nicht hervor. Aber Chamberlain versteht es in der Tat, einen da und dort so mitzunehmen, daß man förmlich das Bedürfnis hat, ihn, beizustimmen, und erst bei kritischer Besinnung merkt, daß die schöne Form nur sehr mangelhaften Inhalt hat. Was ist nun das Buch im ganzen? Es gibt ein treffliches Wort dafür. Ein Wort, das so oft falsch angewandt wird, ein Wort, gegen das sich Kant, als man auch ihn damit bedachte, mit Händen und Füßen gewehrt hat, das aber hier am Platze ist: es ist ein geniales Buch. Dies Wort wird der Form gerecht, denn sie ist schön. Aber auch dem Inhalt; denn künstlerisches Talent, und sei es auch genial, kann niemals Theorie konstituieren, vielmehr richtet es die Theorie, die sachlich nur der Logik folgen darf, zugrunde, sobald es, wie bei Chamberlain, eben ins Sachliche der Theorie eingreift, und so ist es schlimm genug, wenn man von einem wissenschaftlichen Werke sagen kann, daß es genial sei. Frankfurter Zeitung. Chamberlain gibt eine Betrachtung der Persönlichkeit Kants vom rein menschlichen Standpunkte aus. Dabei leitet ihn die Überzeugung, daß man Persönlichkeiten nur durch Konfrontierung mit anderen führenden Geistern gerecht werden könne. Um Kant zu verstehen, sucht er also Berührungspunkte aus mit vertrauteren Erscheinungen in der Menschheitsgeschichte und führt aus diesem Umwege nach und nach zu seinem Helden selbst empor. Es ist in zwei Worten nicht anzu deuten, welcher Reichtum an originellen Ideen sich aus der Gegen überstellung von Goethe, Leonardo, Descartes, Giordano Bruno und Plato mit dem Königsberger Weisen für das scharfsichtige Auge Chamberlains ergibt. Leipziger Neueste Nachrichte«. Ich weiß wenig Zeitgenossen, die mit so entschlossener und energie voller Geistigkeit nach vorwärts und nach oben drängen wie dieser An reger Houston Stewart Chamberlain. Er ist der Typus jenes werdenden Europäertums, das über die Nationen hinaus einen Weltbund der „Ernsten" (nach Goethes Wort) anstrebt. Er hat Mut und Begabung zu großzügiger Zusammenfassung; er weiß eine Idee herauszuarbeiten, nötigenfalls einseitig und konstruktiv; er hält den Blick sür weitversponnene Zusammenhänge offen; er scheut auch Polemik nicht und will kein Akademiker sein, da die akademische Untersuchungsweise seinem publizistischen Temperament nicht entspräche. Solcher Wagemut eines belesenen und geistvollen Dilettanten großen Stils macht Mut, aus dem gelehrten Spezialismus emporzudringen und neue Aussichtspunkte zu finden. Wege nach Weimar. (Fortsetzung folgt.) 243'
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