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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.07.1885
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- Ausgabe
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- 1885-07-06
- Erscheinungsdatum
- 06.07.1885
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- Deutsch
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153, 6. Juli. Nichtamtlicher Teil. 3155 Auch die geographische Verteilung ändert sich. Während 1853 23 Städte angeführt sind, giebt 1863 schon 27 an, und da in diesem Lande von den früher genannten 4 fehlen, welche auch heute noch keinen direkten Verkehr wieder haben, sondern von anderer Seite versorgt werden, so kann man doch von 8 neuen Wirkungskreisen, die der Buchhandel eroberte, sprechen. Die größte Bewegung zeigte sich in den Städten Basel und Zürich. Erstere hatte in jenen zehn Jahren eine Vermehrung von 5, Limmat-Athen, wie die heutigen Helvetier das sich so schnell er hebende Zürich zu nennen lieben, gar von 7 neuen Firmen. Bern verlor 3, die jedoch durch neue ersetzt wurden; also änderte sich der Stand in Bern nicht. Die Berücksichtigung der einzelnen Jahre würde zu weit führen und den Rahmen dieser Skizze überschreiten; auch dürfte das Interesse dadurch nicht sonderlich gehoben werden. Im Jahre 1870 wurde die Schweiz mit 32 neuen Buchhandlungen beglückt. Wegen der verschiedenen Besitzwechsel bis zu diesem Zeiträume läßt sich nur mit großer Mühe konstatieren, wie viele von den nicht mehr angeführten 22 Firmen ganz eingegangen waren; doch kann die Hälfte als sicher angenommen werden, so daß im ganzen 43 neue Geschäfte auftauchten. Seit dem weltgeschichtlichen Ereignis des deutsch-französischen Krieges bis zum Jahre 1884 dehnte sich das Netz des Buchhandels ganz bedeutend aus; nach dem Adreßbuche giebt es jetzt in der Schweiz 194 dem Buchhandel und den damit verwandten Ge schäftszweigen angehörige Firmen. Es verteilen sich diese auf die einzelnen Branchen wie folgt: Sortiment (kleinere Verlagsartikel inbegriffen) 84, Verlag 48, Sortiment und Verlag 24, nur Anti quariat 8, nur Leihbibliothek 2, Kunstgcschäft 5, Musikalienhand lung 15 u. Annoncenexpedition 8 Handlungen. In Leipzig sind 180, in Stuttgart 7 3, in Zürich 98, in Paris, London rc. 29 Firmen vertreten. Der genaue Bestand ist dies natürlich nicht; namentlich sind in der französischen Schweiz nur die mit dem deutschen Buchhandel in direkter Verbindung stehenden Buchhandlungen berücksichtigt; immerhin giebt dieses Bild ein Zeugnis der wesentlichen Kon sumtion des Landes. Nach diesem kurzen historischen Überblick komme ich auf das Eingangs genannte Programm zurück. Wie schon gesagt, wird besonders auch Berns Buchhandel seine Physiognomie ganz verändern. Die bekannte I. Dalpsche Buchhandlung hat bereits die Umtaufe überstanden. Das Geschäft wurde im August 1831 von Joh. Jac. Dalp gegründet; nach dessen Tod übernahm die Fortführung in Überein stimmung mit den Erben ein Konsortium von vier Hauptgläubigern, demnach Wohl nicht in glücklichstem Zustande. Unter Leitung des Herrn Carl Schmid aus Meiningen erholte sich das Geschäft sehr bald zu einem sehr angesehenen und zählte in kurzem zu den ersten Firmen. Am 1. Januar 1866 übernahm der bisherige Leiter das Geschäft auf eigene Rechnung und widmete neben der Sortiments- auch besonders der Verlagsabteilung besonderes Interesse. Die Hanptrichtung der letzteren ist Pädagogik, vertreten besonders durch eine Reihe gangbarer Schulbücher und sonstiger Lehrmittel. Doch findet sich auch eine Reihe hervorragender Erscheinungen auf an deren Gebieten. So namentlich ist der kartographische Teil (z. B. die bekannten Leuzingerschen Karten der Schweiz) ein wertvolles Stück des nach Russell über 300 Titel zählenden Verlages. Neben dem Prachtwerke »Schweizergeschichte in Bildern« verdient noch als besondere Zierde des Verlages genannt zu werden »Fest-Album der 400jährigen Jubelfeier der Schlacht bei Murten«. Das präch tige Werk enthält 40 Blatt Chromolithographieen, den historischen Festzug darstellend, nach den Originalen von C. Jauslin und G. Roux. Das während einiger Jahre erschienene Familien wochenblatt »Die illustrirte Schweiz« verdankt sein schnelles Ende wohl hauptsächlich der Sprachenzergliederung des Landes; auf eine weitere Verbreitung im Auslande konnte von vornherein wegen des lokal-schweizerischen Charakters nicht gerechnet sein. Eine Reihe von Jahren hindurch hatte die Dalpsche Buch handlung das Generaldepot der Eidgenössischen Kartenwerke; erst später, nach einem Wechsel in der Leitung der betreffenden Be hörde wurden neben dem fortbestehenden Dalpschen noch Depots in anderen Städten errichtet. Schließlich sei noch des Jahrbuches des Schweizerischen Alpenclubs erwähnt, welches von Anfang an in diesem Verlage erschien und eine stattliche alpine Bibliothek von 20 Bänden bildet. Am 1. Januar 1885 nahm C. Schmid seinen Schwiegersohn Alexander Francke aus Kiel als Teilhaber auf; zugleich wurde die Firma in Schmid, Francke L Cie. geändert und die Trennung des Verlags- vom Sortimentsconto eingeführt. Die im März 1883 gegründete Filiale in Lugano steht unter Leitung vonEdmundSchmidjun., der zugleich Teilhaber am Geschäfte ist. Von den weiteren Bernerischen Firmen kam bisher den Ver ordnungen des neuen Gesetzes noch B. F. Haller nach. Die ver schiedenen Beteiligten dieses Geschäftes bildeten eine Kommandit gesellschaft, welche sich im Juli 1884 auflöste. Paul Haller übernahm die Buchdruckerei und den Zeitungsverlag, während sein Schwager Ernst Nydegger die Verlags- und Sortimentsabtei lung in Gemeinschaft mit seinem Freunde Emil Baumgart fort führte. Es sind so zwei Geschäfte entstanden: Paul Haller, Buchdruckerei und Nydegger L Baumgart, Nachfolger von B. F. Hallers Verlag und Sortiment. Die Hallersche Buchdruckerei ist eine der ältesten der Schweiz. Das Gründungsjahr kann nicht genau festgestellt werden; doch läßt sich dasselbe durch Drucksachen und Verlagsartikel in den Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zurückführen. Das Geschäft blieb von Anfang an im Besitze der Familie Haller und ging stets vom Vater auf den Sohn über. Bis 1860 finden wir die Firma im »Schulz« nicht genannt; erst dann wird sie nur als Buchdruckerei, später auch als Verlagshandlung und in den siebziger Jahren end lich auch als Sortimentsbuchhandlung angeführt. Letztere befaßt sich noch heute hauptsächlich mit dem Vertrieb von großen illu strierten Lieferungswerken, bildete sich somit mehr zu einem »Reise geschäft« aus. Der Verlag umfaßt verschiedene Zeitungen, dar unter in erster Linie das Lokalblatt »Jntelligenzblatt der Stadt Bern« (52. Jahrgang), welches durch die große Zahl der Inserate eine gute Einnahmequelle bildet. In den sechziger Jahren ver suchte der damalige Besitzer die Herausgabe von illustrierten Zeit schriften, hatte aber ebenso wie andere schweizerische Unternehmer kein Glück damit. Der übrige Verlag enthält mehrere gut einge führte Schulbücher und trägt in der Hauptsache einen lokal-schwei zerischen Charakter. Russells Katalog giebt nicht ein genaues Bild der Thätigkeit, da viele ältere meist vergriffene Werke nicht mehr aufgeführt sind; immerhin sind über 200 Titel verzeichnet. Von den übrigen älteren und jedem Berufsgenossen bekannten Firmen erlitt eine Veränderung nur noch Orell Füßli L Cie., in sofern das Sortiment im vorigen Jahre durch Kauf an Albert Müller überging. Der neue Besitzer firmirt dem Buchhandel gegenüber mit Nachstellung seines Namens in Parenthese, bringt aber dem Publikum gegenüber seinen eignen Namen in den Vorder grund, um so die definitive Änderung langsam und ohne merklichere Störung vorzubereiten. Da bereits vor einigen Jahren bei Ge legenheit eines Gedenkfcstes das Börsenblatt*) eine ausführlichere Geschichte dieses weltbekannten Geschäftes brachte, so darf ich jetzt davon absehen. C. Ziegenhirt. *) 1881. Nr. 228. 438*
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