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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.07.1884
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1884-07-07
- Erscheinungsdatum
- 07.07.1884
- Sprache
- Deutsch
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3136 Nichtamtlicher Theil. ^ 156, 7. Juli. Diese Anschauung dürfte wohl kaum anzufechten sein; trotzdem wollen wir aber nicht verschweigen, daß sich dieselbe nicht schlechthin auf die Gesammtthätigkeit des Buchhandels anwenden läßt. Wir wollen uns nicht verbergen, daß z. B. die Colportage Dimensionen angenommen hat, welche zu beklagen der Verleger keine Ursache hat, Dimensionen, welche gleichwohl vom Sortimentsbuchhandel allein nicht bemcistert werden können. Wir wollen auch nicht die mancherlei Verlngsspecialitüten unerwähnt lassen, deren Vertrieb dem Sortimentsbuchhandel zu schwierig oder zu fernliegend ist, welche daher der Verleger selbst zu vertreiben sich genöthigt sieht. Wenn aber durch diese Ausdehnung und Mannigfaltigkeit der Verlagsproduction dem Sortimentsbuch handel manche Branche des literarischen Marktes verloren gegangen ist, um so mehr erscheint es dann als ein dringendes Gebot der Selbst- erhaltung, daß die Vertreter des eigentlichen Buchverlags fest zu dem Sortimenter halten, ihn stützen und schirmen und dadurch sich selbst den besten Alliirten erhalten. Unter Stützen und Schirmen verstehen wir in erster Linie auch ein wohlwollendes und treugemeintes Entgegenkommen in der Schleudereifrage, nämlich ein Zusammenhalten der Buchverleger mit den Localvereinen und dem Verband, die Bereitwilligkeit, gegen solche Firmen Rechnungssperrung durchzuführen, welche vom Ver band auf Grund gewissenhafter Prüfung als prinzipielle Schleuderer gekennzeichnet werden. Wenn wir auf das unerschöpfliche Thema der Schleuderei zu sprechen kommen, so mag es Ihnen von Interesse sein, zu hören, daß in einer Versammlung süddeutscher Collegen, welche genau heute vor vierzig Jahren, nämlich am 16. Juni 1844, hier getagt hat, die Statuten zur Gründung unseres Süddeutschen Buchhändler vereins berathen wurden, und daß sich in dem Statutenentwurf, welcher damals vorgelegt wurde, ein Paragraph folgenden Wort lautes befindet: In Erwägung, daß der in den letzten Jahrzehnten auf gekommene größere und kleinere Rabatt an Privatkunden nicht allein dem Sortimentsbuchhandel offenkundig den Untergang droht, sondern eben damit auch die Interessen des Verlagsbuch handels auf's Empfindlichste berührt, erkennt der Verein als seine Hauptaufgabe die gänzliche definitive Abschaffung des Rabatts und die Reconsolidirung des Prinzips der festen Ladenpreise in seinem ganzen Umfange. Meine Herren, die Thatsache, daß schon vor vierzig Jahren die Schleuderei »seit Jahrzehnten« eine solche Rolle gespielt hat, daß man damals schon von ihrem Einfluß den Untergang des Sortimentsbuchhandels befürchtete, gewährt uns einigen Trost und die Zuversicht, daß die schädigenden Eingriffe der Schleuderei bei konsequentem Entgegenwirken auch fernerhin in gewissen Schranken gehalten werden können. Wenn auch wohl heute kein Zweifel darüber besteht, daß es ein unerreichbares Ziel ist, die gewerbsmäßige Schleuderei gänzlich zu beseitigen, so kann sie doch ganz bedeu tend erschwert, sie kann von den gemeinschaftlich wirkenden Local vereinen und Verlegern erfolgreich bekämpft werden. Die Schleuderei ist ein den Gesammtbuchhandel schädigendes Element, welches niemals aufhören wird sich zu rühren, wie etwa Insektenfraß, Pilzbildungen und andere feindliche Factoren der Landwirthschaft stets wiederkehrenden Schaden verursachen. Wie der intelligente Landwirth nicht dabei stehen bleibt, den ihm zu gefügten Schaden zu beklagen, sondern mit allen ihm verfügbaren Mitteln gegen die lästigen Feinde zu Felde zieht, so wird auch ein gut organisirter deutscher Buchhandel nie aufhören dürfen, der Schleuderei offen in's Gesicht zu sehen und ihrer Ausdehnung mit Consequenz entgegenzuarbeiten. Von befreundeter sachverständiger Seite wurde Ihrem Vor stande kürzlich eine trostlose Schilderung der gegenwärtig in Eng-' land (speciell in London) herrschenden buchhändlerischen Verkaufs verhältnisse gemacht. In den dortigen Buchläden kauft das Publi cum zu 20H> bis 25N unter den Ladenpreisen. Der Verkäufer muß sich also, Dank einer zügellosen Schleuderei, mit einem Nutzen von 5°/o bis ION begnügen; wie wenig ihm dabei, in Anbetracht seiner enormen Spesen für Localmjethe rc. übrig bleibt, läßt sich denken. Die Verhältnisse werden daher seitens der davon Betroffenen in hohem Grade beklagt und auch in dem monatlich erscheinenden »Loolcssllsr« vielfach erörtert. Man sucht auch dort — vielleicht zu spät — nach Reformen, um der gründlich verdorbenen Geschäfts lage aufzuhelfen. Man strebt dort eine Organisation an, welche bei uns schon lange besteht, ohne — leider — allseitig gewürdigt zu werden. Uebrigens hat uns die Stimmung, welche sich in der letzten Cantateversammlung geltend machte und unserem Börsenvereins vorstand zu großer Genugthuung gereichen durfte, den erfreulichen Beweis geliefert, daß die große Mehrzahl unserer Standcsgenossen von der Ucberzeugnng durchdrungen ist, die Bekämpfung der Schlen derei dürfe nicht ruhen, der Gesammtbuchhandel dürfe nicht auf hören, diese Frage als eine gemeinsame zu betrachten. Und so hat uns denn diese Cantateversammlung auch die Hoffnung näher gerückt, daß der Börsenverein als oberste Behörde unseres buchhändlerischen Organismus sich die Bekämpfung der Schleuderei dauernd zur Aufgabe machen, und daß der Vorstand des Börsenvereins in der Befürwortung dieses Prinzips von der großen Mehrzahl der Vereinsmitglieder kräftig unterstützt werde." Der einstimmige Beifall, mit welchem dieser Vortrag auf genommen wurde, läßt den Schluß zu, daß in der That die weit - überwiegende Mehrheit darin ein Spiegelbild ihrer eigenen Meinung erkannt, und daß derselbe auch von anderer Seite als solches aufgefaßt werden darf. Der vom Vereinscassirer, Herrn CarlSchöpping (München) vorgetragene und von den Herren Bonz und Krabbe alsbald ge- geprüfte und richtig befundene Rechnungsabschluß weist einen Ver mögensstand von beinahe 3000 M. auf. Die Versammlung nahm hiervon mit Befriedigung Kenntniß und ertheilte dem Herrn Rechner einstimmig Decharge. Nachdem die Wiederwahl der beiden statutengemäß ausschei denden Herren Schöpping (München) als Cassirer undEg on Wer bt tz (Stuttgart) als Stellvertreter im Vorstand erfolgt und damit die Tagesordnung erschöpft war, ergriff Herr Paul Neff (Stutt gart), durch die Zustimmung einer großen Anzahl von Mitgliedern zur Debattestellung eines in jener nicht enthaltenen Gegenstandes ermächtigt, das Wort, um folgenden schriftlich eingereichtcn Wunsch des abwesenden Herrn E. Herwig (Göppingen), betreffend die Reorganisation des Börsenblattes behufs erheblicher Zeit- ersparniß, zum Ausdruck zu bringen: „Ohne Zweifel ist es schon ein stiller Wunsch auch meiner Herren Collegen, das Börsenblatt möchte in mancher Hinsicht eine praktische Umgestaltung erfahren. Da bis jetzt leider nichts in dieser Sache geschehen, so erlaube ich mir, untenstehend meine diesbezüglichen Vorschläge bekannt zu geben und diejenigen Herren Collegen, welche damit ganz oder theilweise einverstanden sind, einzuladen, solches durch ihre Unter schrift zu bekunden, damit durch gemeinsames Vorgehen zur Be seitigung der seitherigen Uebelstände beigetragen werden kann. Meine Wünsche sind zunächst folgende: 1) das Börsenblatt geheftet und beschnitten auszugeben; 2) die Bücher-Gesuche und -Angebote, wie in Weißbach's »Antiquar. Verkehr«, nur alphabetisch geordnet auf zunehmen, so daß nicht nur der Antiquar, sondern auch der
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