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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.01.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1906-01-24
- Erscheinungsdatum
- 24.01.1906
- Sprache
- Deutsch
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878 Nichtamtlicher Teil. ^ 19, 24. Januar 1906. gewachsen; man wußte, daß sich bei Hofe reaktionäre Strömungen geltend machten und daß Witte in manchen Fragen zur Nach giebigkeit bereit sei. Der Empfang verlief negativ, die Vertreter sicherten dem Minister keine Unterstützung zu, sondern blieben auf ihrem Standpunkt stehen und wiesen seine Forderung, auf das Volk beruhigend zu wirken, schroff ab. -Graf Witte-, so schrieb damals ein Blatt, »hat die Zeitungen gebeten, die Bevölkerung zu beruhigen. Wir ver stehen nicht, was das zu bedeuten hat. Sollen die Zeitungen lügen und sagen, daß alles, was wir gewünscht, erzielt sei und daß man ruhig und voller Vertrauen auf die weitere Arbeit der »vereinheitlichten obersten Regierung» blicken dürfe? Graf Witte kann selbst besser als andre die Bevölkerung beruhigen, aber nicht nach den Rezepten des Generals Trepow, sondern durch die unverzügliche, tatsächliche Verwirklichung einer Reihe freiheitlicher Maßnahmen. Vergeblich schwört Graf Witte, daß er es aufrichtig meine. Die Aufrichtigkeit muß durch Tatsachen bewiesen werden; sonst glaubt das Volk nicht daran.» Diesem unhaltbaren Zustand mußte die Regierung so schnell wie möglich ein Ziel setzen, und rascher, als es sonst ihre Ge pflogenheit ist, ging sie daran, ein temporäres Preßgesetz zu schaffen, das auch in verhältnismäßig kurzer Zeit zustande kam Aber während man oben daran arbeitete, sickerte schon mancherlei über das Gesetz durch, was bei der Presse die schwersten Bedenken erregte. Das mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb auch die ernsteren Blätter sich wenig Selbstbeschränkung auf erlegten und die Zeitungen im allgemeinen einen Ton an schlugen, der allerdings nicht geeignet war, Beruhigung zu schaffen und die Wiederherstellung der Ordnung zu fördern. Dazu kam, daß ganz Petersburg unter einer ungeheuren De pression stand und die Angst vor Bomben wohl auch die Redak teure bewog, Auslastungen und Proklamationen Raum zu ge währen, die schlechthin aufrührerisch waren. Das konnte natürlich nicht verfehlen, wieder eine Wirkung nach oben hin auszuüben und die einflußreichen Reaktionäre wie Durnowo, Jgnatiew u. a. zur möglichsten Beschränkung der Preßrechte anzureizen. Und so entstand das temporäre Preßgesetz vom 24. November vergangenen Jahres, das den äußersten Widersprucb des Verbandes zur Wahrung der Freiheit der Presse hcrvorrief und von diesem Verband sofort außer Kurs gesetzt wurde. Wäre dieses Gesetz zwei Jahre früher als freies Geschenk der Regierung er schienen — ein Jubelsturm würde das ganze russische Reich durch braust haben. Aber nun kam es heraus unter dem Zeichen der Revolution, der Regierungsgewalt abgerungen und abgetrotzt, und erfüllte in nichts die inzwischen ins maßlose gesteigerten Wünsche. Zwei Tage nach seinem Erscheinen hielt der eben genannte Ver band eine Sitzung ab, in der folgende Resolution gefaßt wurde: »1. Durch das Gesetz ist den Administrativbehöcden das Recht eingeräumt worden, nach eigenem Ermessen einzelne Nummern periodischer Zeitschriften zu beschlagnahmen. 2. Unter Androhung schwerer Ahndung ist der Presse verboten, vitalste Fragen zur berühren, die insbesondre zur gegebenen Zeit Ver öffentlichung und allseitige Beleuchtung erfordern (Arbeiter- ausstände, Ausstände auf Eisenbahnen, Telegraph, Telephon usw., die Einstellungen von Arbeit seitens Staatsbeamter und in Schulen usw ). 3. Es ist ein Gerichtsverfahren festgesetzt, das den Prozeß politischer Parteilichkeit aussetzt (völlige Umgehung des Geschwornengerichts und die Beibehaltung des Gerichts mit Ständevertretern). 4. Es sind sogar einige Formen der Präventiv zensur beibehalten worden (Jnseratenzensur, Hoszensur'. Im Hinblick darauf, daß durch das zeitweilige Gesetz in wesentlicher Weise die fundamentalen Prinzipien der Freiheit des Wortes verletzt und die »unerschütterlichen Grundlagen der bürger lichen Freiheit-, die im Manifest vom 17. Oktober verlautbart wurden, angetastet sind, hat der Verband beschlossen, die Frei heit des Wortes in der bisherigen Weise in praxi durchzusühren.- Graf Witte war vor dem ganzem Reiche ernstlich bloßgestcllt; die besonnenen Leute schüttelten den Kopf über ihn, und die Revolutionäre überschütteten ihn mit Hohn. Die -Nowoje Wremja- beschuldigte den Minister der krassesten Reaktion und des Wortbruchs, und die Regierung hatte kein nennenswertes Blatt, das zu ihrer Verteidigung und zur Hilfe bereit gewesen wäre. Eine neue Ara ohne die Unterstützung der Presse — das ist auch in Rußland ein Unding. Die Blätter sind unter dem neuen Gesetz immer radikaler geworden; am schlimmsten treiben es die sogenannten Witzblätter, die wie Pilze aus der Erde schießen und durch einen ungeheuren Aufwand von roter Farbe ihre geistige Impotenz und ihre strotzende Geschmacklosigkeit zu verdecken suchen. Eins von ihnen hatte das Manifest vom 17. Oktober abgedruckt und darüber eine rote Hand geklatscht. Darunter stand: »Gegengezeichnet vom Generalmajor der Suite Trepow.» Diese Gesetzlosigkeit soll dauern, bis die Reichsduma ge brochen haben wird. Das kann sich noch Jahr und Tag hin ziehen, denn wenn dieses Parlament wirklich zusammengetreten ein wird, wird cs mit einer so überwältigenden Menge von Stoff zu tun haben, daß es nicht zuerst an die Regelung der Pretz- verhältnisse wird denken können. Und wie erziehend könnte doch auf ein zuchtloses Volk in dieser Zeit der Gärung und des Über gangs gerade eine gute Presse wirken! Gehaltsverhältnisse der preußischen Bibliothekare. — Dem preußischen Abgeordnetenhause ist soeben eine von 79 Oberbibliothekaren und Bibliothekaren Unterzeichnete Eingabe zugegangen, in der die Petenten die Bitte aussprechen, durch den Staatshaushaltsetat die Gleichstellung der wissenschaftlichen Biblio thekare mit den Oberlehrern wieder einführen zu wollen. Der Inhalt der Petition ist (nach der Nationalzeitung) kurz zusammen gefaßt folgender: Während bis 1899 Bibliothekare und Ober lehrer ein vollständig gleiches Gehalt bezogen, brauchen jetzt die Bibliothekare 24, die Oberlehrer nur 21 Jahre zum Anrecht auf ein bestimmtes Gehalt. Ferner bezieht von den Biblio thekaren nur die ältere Hälfte die Funktionszulage von 900 als Stellenzulage, während alle Oberlehrer sie, aufgeteilt in Raten von je 300 als Alterszulage erhalten. Selbst in dem angenommenen günstigsten Falle beträgt die Mindereinnahme des Bibliothekars im ganzen volle 6000 Es ist in Betracht zu ziehen, daß überdies an die Anwärter des wissenschaftlichen Bibliothekdienstes in finanzieller Beziehung weit größere An forderungen gestellt werden als an den künftigen Oberlehrer. Während der zweijährigen Volontärzeit erledigen sie einen wöchentlichen Dienst von 34 Stunden ohne jedes Einkommen. Nach dem Bestehen der Fachprüfung zu Assistenten ernannt, setzen sie ihre volle dienstliche Tätigkeit in der Regel zunächst ohne Entgelt fort. In der Tat handelt es sich nicht um ein Hinauf schrauben der Gehaltssätze, sondern um die Wiederbeseitigung des Zurückbleibens seit 1899. Bücherversteigerungen in Paris. — Die zweite Dezember hälfte brachte mehrere interessante Bücherversteigerungen; so kam z. B. die Bibliothek Cronier vom 18.—21. Dezember 1905 im Hotel Drouot zu Paris unter den Hammer. Die Leiter dieser Bllcherauktion (Herren Lair - Dubreuil und Jean Fontaine) erzielten dabei eine Totalsumme von ca. 17 000 Frcs. Die Ver steigerung bezog sich fast ausschließlich auf neuere Bücher. Es seien folgende Werke erwähnt: -Llaivsborougch st so. plaos ckaus l'öools anglaiss» von Sir Walter Armstrong, Paris 1899, bei Hachette, wurde mit 200 Frcs. bezahlt, während das Buch »8ir ckosbua R-zmolcks- von demselben Autor nur 105 Frcs. erzielte. Ein Balzac, »Osuvrss cowpltztss», Paris 1875, Lövy, wurde ebenfalls mit 105 Frcs. bezahlt. Das mit photographischen Stahl stichen reich geschmückte Buch von Wilhem Bode »I-'osuvrs cowplst äs ltswöranät", Paris 1897, Sedelmeyer, erreichte 560 Frcs. Einige die Kunst und das Kunsthandwerk betreffende Werke fanden zahlreiche Liebhaber. So z. B. -Tdeätrs cowplst- von Alexander Dumas Sohn, Paris 1890, bei Levy, 405 Frcs., — »1900 ll'Lxposition rötro8psotivs-, Paris 1901, bei Manzi und Joyant, 395 Frcs., — »I-s Illobilisr roz'al kranyais au XVIl> st XVI11° sitzcles» von Emile Molinier, Paris 1901, bei denselben Verlegern, 520 Frcs.,— das von Kunsthandwerkern gesuchte Werk von Jules Guiffrey »llistoirs xsoörale cks la tapisssris-, Paris 1878—85, bei Eugen Müntz und Alexander Puichard, erzielte sogar 700 Frcs., — »lla koreclains cks Lbins« von O. du Sartel, Paris 1881, bei Morel, 155 Frcs., — -Ltat xensral äss tapisssriss äs la wanu- taoturs ckss 6obslivs- vom Autor Maurice Fenaille, Paris 1903, Iwpriwsris dlatiooalo, 120 Frc«., — das interessante Buch der Ge brüder Edmond und Jules de Goncourt -I-'Xit äu XVllls siöols»
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