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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.01.1906
- Strukturtyp
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- 1906-01-31
- Erscheinungsdatum
- 31.01.1906
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- Deutsch
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1152 Nichtamtlicher Teil. ^ 25, 31. Januar 1906. Firmen. Die allgemeine Lage des Kommissionsgeschäfts ist also durchaus nicht günstig. Die Barsortimente haben zum Vorteil des Sortiments und derjenigen Verleger, die auch ihre weniger gangbaren Artikel gern durch die Vertriebsmittel der Barsortimente be kannt und durch die Auslieferungsstellen leicht zugänglich machen lassen, wieder ihre Lager und Kataloge bedeutend erweitert. Es liegt auf der Hand, daß dadurch die Unkosten erheblich wachsen und die Gewinne sehr beeinträchtigt werden. Leider haben aber auch die Barsortimente darüber zu klagen, daß manche große Verleger die Extrabedin gungen, namentlich für Schulbücher und andre Monopol- Artikel immer mehr verschlechtern. Diese Artikel können also nur noch mit Verlust von den Barsortimenten geführt werden. Trotzdem läßt ihre Wichtigkeit ein Streichen in den Katalogen im Interesse des Sortiments kaum zu, so daß die Zwischengeschäfte sich oft in einer sehr unangenehmen Zwangslage befinden. Die Verhältnisse des Leipziger Sortimentsbuchhandels haben im Jahre 1905 leider keine Besserung erfahren. Noch immer sind die alten Beziehungen zu den Unioersitätskreisen nicht wieder hergestellt. Eine empfindliche Schädigung des Sortiments ist durch die vom Reichsgericht nunmehr ge billigte Ausfassung des Z 26 des Verlagsgesetzes hervor gerufen (s. u. Akad. Schutzverein). Der anwachsende Mitbewerb der Warenhäuser fängt an, sich immer mehr auch in Leipzig fühlbar zu machen und beeinflußt namentlich den Absatz guter Jugendschriften. Die zeitweilige unsichere politische und wirtschaftliche Lage bleibt auch im Sortimentsbuchhandel nicht unbemerkt, wenngleich »Schlager« auch im Berichtsjahre den nur selten lange an haltenden lebhaften Absatz fanden. Die vom Sortimenterverein veranlaßten Maßnahmen zur Einhaltung des Ladenpreises auch durch Buchbinder und Papiergeschäfte, die sich mit dem Verkauf von Schulbüchern befassen, hatten den gewünschten Erfolg und sollen in den kommenden Jahren wiederholt werden. Eine stete Klage der Leipziger Sortimenter ist die über den Hintertreppenhandel, der leider noch immer in miß bräuchlicher Ausnützung der Platzverhältnisse getrieben wird. Mit Recht wird hiermit die im Verhältnis zur Einwohner zahl geringe Zahl der hiesigen Sortimentsgeschäfte und deren teilweise geringer Umsatz in Verbindung gebracht. Wir bitten wiederholt (zu vergleichen u. a. das Rund schreiben vom 20. Dezember 1902), daß unsre Mit glieder aus Standesbewußtsein weder sich selbst durch falsche Rücksicht auf Freunde und Bekannte zu Bücher lieferungen unter dem Ladenpreise bestimmen lassen, noch dies von ihren Angestellten dulden. Für alle Verkäufe gelten die Verkaufsbestimmungen unsers Vereins, und Handlungsgehilfen dürfen ohnehin (H.-G.-B. § 60) in dem Handelszweige des Prinzipals ohne dessen Einwilligung für eigne oder fremde Rechnung keine Geschäfte machen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß weitaus die Mehrzahl der hiesigen Buchhandlungsgehilfen den Hintertreppenhandel nicht will und nicht billigt; um so eher dürften Vorkehrungen zur gründlichen Abstellung dieses alten Übels in den einzel nen Geschäften Erfolg versprechen. Das Antiquariat ist nach wie vor nicht ans Rosen gebettet. Der Einkauf besserer Werke und geschlossener Bibliotheken ist fast schwieriger als deren Absatz, und dieser kann auch nur durch immer höher werdende Aufwendungen für Herstellung und direkte Versendung von Katalogen auf der Höhe erhalten werden. — Berechtigtes Aufsehen erregt haben die Preise, die im vergangenen Jahre auf^ mehreren Leipziger Auktionen für die Erstausgaben unsrer Klassiker und Romantiker erzielt und dabei zum Teil auf eine Höhe getrieben worden sind, die kaum als gesund angesehen werden kann. Mit diesen verhältnismäßig jüngern Kindern unsrer Literatur steigen auch deren Urahnen, die ältesten Erzeugnisse der Druckerkunst, rasch im Preise, wofür bei dieser Literaturgattung ja die Gründe nahe liegen. — Eine allgemeine Klage im Antiquariat erregen die in auffälliger Weise wachsenden Ansprüche auf Rabatt, Ansprüche nicht nur der größern und kleinern Bibliotheken, sondern auch der Privatkäufer. Fast scheint es, als ob der durch die Rabatt kürzung auf neue Bücher dem Sortimenter zugeflossene Ge winn mindestens teilweise aus der Tasche des Antiquars bezahlt werden sollte. Tätigkeit und geschäftlicher Erfolg des Leipziger Mnfi- kalienhandels im verflossenen Jahre entsprechen im großen und ganzen dem Geschäftsgang der Vorjahre. Neuigkeiten von durchschlagendem Erfolg sind nicht erschienen; leichte Ware, z. B. Ausstattungsoperetten und Possen mit Gesang, belebten den Absatz, allerdings zu ungunsten des Handels mit ernster Musik, von der nur sehr wenig Gangbares neu erschienen ist. Der stark verbreitete Variätsbesuch scheint bis weit in die gebildeten, Kreise hinein nicht gerade sehr veredelnd auf das Volksleben einzuwirken. — Der Warenhausmißstand mitsamt seinen Begleiterscheinungen macht sich immer mehr bemerkbar und verursachte dem regel rechten Sortimentshandel große Einbuße. — Die Rabatt- Bestimmungen haben sich leichter durchführen lassen, als er wartet; ihr geschäftlicher Nutzen ist zwar nicht groß, aber unverkennbar. Dieser kleine Erfolg wird aber leider durch jene andern Übelstände wieder wett gemacht Auf die Um satzziffer selbst hat die Rabattkürzung wenig Einfluß gehabt. Verfehlungen gegen die Rabatt-Bestimmungen sind schwieriger nachzuweisen als ehedem, da die Schleuderer mit größter Vorsicht verfahren. Beim Freiwerden der Werke von George Bizet (»Carmen«) entstand Unsicherheit in der Auslegung der Urheberrechts gesetzgebung. Für den Klavier-Auszug mit Text beansprucht z. B- der bisherige Verleger auch weiterhin Rechte. Während die Universal-Edition in Wien ihre Ausgabe als berechtigt hinstellt und den Sortimentern Schutz gegen Verlust ge währleistet, zögern andre Verleger, diesem Beispiel zu folgen. — Die Konzert-Tantiemefrage verursacht den Konzertgebern anhaltend Unsicherheit. Dem Sortimenter macht sich das unangenehm bemerkbar, weil die Noten für Orchester und Chor in zweifelhaften Fällen unmittelbar vom Verlag be zogen werden. Auch so wird es dem Sortimentsbuchhandel immer schwerer gemacht. Die bedauerliche Trennung des Leipziger und Berliner Musikalienhandels hält nicht nur an, sondern spitzt sich immer mehr zu. Der Notenstecher-Streik beunruhigte wiederholt das Ge schäft, erzeugte aber die überraschend kräftige und von Erfolg begleitete Erklärung des Musikalienverlags, daß der Streik als ganz willkommener Anlaß benutzt werden sollte, die drückende und als größtes Übel anerkannte Überproduk tion nach Möglichkeit einzuschränken. Für das Statistische Amt in Leipzig wurden streng vertrauliche Ermittelungen bei einer Anzahl Firmen ange stellt, um den Wert der Ausfuhr von Musikalien nach Kilo gewicht zu ermitteln. Als Durchschnitt kann etwa 8 ^ 50 H für das Kilo angenommen werden. Während der Privat-Kundenrabatt im Buchhandel fast ganz durch einen »Skonto« von 2—5 Prozent »bei Bar zahlung« ersetzt worden ist, geht der Bibliothekenrabatt noch bis zu 10 Prozent. Sowohl die Höhe dieses Rabatts als auch dessen Ungleichheit in den verschiedenen Orts- und Kreis vereinen macht eine allgemeingültige Festsetzung wünschenswert.
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