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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.07.1900
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- 1900-07-05
- Erscheinungsdatum
- 05.07.1900
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- Deutsch
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153. 5. Juli 1900. Nichtamtlicher Teil. 5071 sämtlichen Balustraden des Festplatzes befestigt wurden und so von jedermann besichtigt werden konnten. Eine unabsehbare Menschenmenge flutete nunmehr in erhobener Stimmung nach dieser von historischem Geist durch wehten Feier durch die engen Straßen der Stadt, und bald herrschte in den unzähligen Restaurationen der trunkfesten Mainstadt ein fröhliches Durcheinander von Vertretern aller deutschen Gaue, die wie selten wohl vom einmütigen Be streben erfüllt waren, nämlich in der Sehnsucht nach einem kühlen Trunk, der bei der brennenden Sonnenhitze allmählich unumgänglich nötig geworden war. Um drei Uhr begann sodann das offizielle Festmahl in der Stadthalle, jenem schönen Gebäude, über das ich bereits oben berichtet habe. Nicht weniger als fünfzehnhundert Personen nahinen daran teil, und die schier unübersehbaren ge deckten Tische mit den in offizielles Schwarz und Weiß ge kleideten Festgenossen, nur unterbrochen durch die Amtstracht des Magistrats und die Purpurmäntel der höchsten geist lichen Würdenträger, machten einen ungemein feierlichen Eindruck. Die Eröffnungsworte sprach Seine Excellenz Herr Staatsminister Vv. v. Rothe, der in schwungvoller Rede etwa folgendes ausführte: -Den sünfhundcrtjährigen Geburtstag Gutenbergs festlich zu begehen, haben wir uns in Mainz, der Stadt seiner Geburt, der Statte seiner That eingesunken. Dein Rufe, seinen Manen, seiner Kunst zu huldigen, sind wir mit Begeisterung gefolgt. Unvergeß lich wird eineni jeden von uns die hehre Feier bleiben, die Mainz heute seinem größten Sohne bereitet hat. Unter dem über wältigenden Eindruck dieser Feier finde ich keine Worte, von neuem die Bedeutung des Tages zu schildern. Es würde dies auch wohl nicht meine Aufgabe und nicht die Aufgabe gerade dieser Stunde sein. Im Namen des Allerhöchsten Protektors des Festes, Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein, und im Namen seiner Regierung habe ich die Ehre, die hochanschnliche Versammlung zu begrüßen, eine Versamm lung, die in der Eigenart ihrer Zusammensetzung und ihrer freudig bewußten festlichen Stimmung Zeugnis ablegt von dem geistigen Bande, mit dem Gutenbergs unvergängliches Verdienst die Völker der gebildeten Welt umschlungen. Ein Fest des Geistes, ein Fest der Entwickelung und des Fortschritts der Menschheit ist es, das uns der Gedanke an die That Gutcn- bcrgs in ihrer lichtverbrcitenden und die Völker verknüpfenden Wirkung heute begehen läßt. Auf deutschem Boden, in deutscher Stadt feiern wir mit Stolz das Werk eines deutschen Mannes; aber durch die bereitwillige Mitunterzeichnung des ergangenen Festausrufs und durch das freundliche Erscheinen in unserer Mitte haben zu unserer Freude auch Vertreter und Angehörige anderer Nationen gezeigt, daß sie sich mit uns einig fühlen in der Würdigung dessen, was Gutenberg der Welt gebracht, daß sie sich mit uns einig fühlen in dem Wunsche, es möge auch dieses Fest dazu beitragen, das Bewußtsein zu stärken von der höchsten, der edelsten Aufgabe der Staaten und Völker, mitzuwirken am Ausbau der gemeinsamen geistigen Güter. Indessen, sehr verehrte Damen, hochgeehrte Herren, Voraussetzung für die Lösung ist und bleibt der Frieden. Wir alle wissen, wie der Welt den Frieden zu er halten und die Pflege der geistigen Güter zu ermöglichen, das vornehmste Ziel ist, das der erhabene Schirmherr des Deutschen Reiches, Seine Majestät der Deutsche Kaiser, sich gestellt, in dem unablässigen Streben nach Erreichung dieses Zieles aufrichtigst unterstützt von den deutschen Fürsten und dem deutschen Volke. Ich bin überzeugt, daß ich auf Ihre Zustimmung zu rechnen habe, wenn ich Sie bitte, das erste Glas bei unserem festlichen Mahle zu leeren auf das Wohl Seiner Majestät des Deutschen Kaisers, Kaiser Wilhelms II., und aus das Wohl des Fürsten des Hessen landes, des kunstsinnigen Protektors und eifrigsten Förderers des Festes, Seiner Königlichen Hoheit der Großherzogs Ernst Ludwig. Seine Majestät der Deutsche Kaiser, Kaiser Wilhelm II., Seine Königliche Hoheit der Großhcrzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, hoch, hoch, hochi- Nachdem der begeisterte Beifall, der diesen Worten folgte, verhallt war, ergriff wiederum Herr Oberbürgermeister Gnßner das Wort, um in seiner gewohnten geistvollen Art derjenigen zu gedenken, die aus allen Gegenden in dem gemeinsamen Gedanken der Ehrung Gutcnbergs sich hier zusainmengefunden hatten. »Dieser Einladung haben-, so führte der Redner aus, -ernste Männer der Wissenschaft und des Gelehrtenstandes Folge geleistet, hervorragende Männer der Feder, der Buchdruckerkunst, des Buchgewerbes und Buchhandels, die Männer der praktischen Arbeit und ihre Gehilfen, auserlesene Vertreter des Reichs und unseres engeren Vaterlands, au der letzteren Spitze Hessens Staats- ministcr, Excellenz Rothe, der verdienstvolle Ehrenbürger dieser Stadt, amtliche Vertreter ausländischer Staaten, die über dem Meere an den großen Mainzer gedacht, vom Kontinent dann wieder die Repräsentanten kunstfreundlicher Regierungen und Gutenbergs Erfindung pietätvoll ergebener Dynastieen, anschließend die hellleuchtenden Zierden deutscher Hochschulen mit den jungen Vertretern der studentischen Kreise, endlich meine uns freund schaftlich zuneigendenKollegen aus den hessischen und den benachbarten Städten, denen sich die Großstädte Antwerpen, Leipzig und Wien in ihrer Vertretung liebenswürdig und kollegial zugesellt. Kurz, welche festfeiernde Stadt war je in der stolzen Lage, solche Gäste die ihrigen nennen zu können? -Als ich in diesen Tagen die rührenden Worte der alten Mainzer hörte über die Enthüllung des Gutenberg-Denkmals im Jahre 1837 und über die Begebnisse der glänzenden Festlichkeit, wie jeder die Namen der damals anwesenden Fremden wußte und erzählte, wie die Gäste sich begeistert und anerkennend über die Stadt, die Feier, unsere Bürgerschaft ausgesprochen, da habe ich mir gedacht, diesen Männern muß Mainz im Gedächtnis geblieben sein. -Mögen Sie, hochverehrte Herren, die Sie jetzt die Geburtstags feier des großen Meisters mit uns begehen, mit gleich gutem Ein druck in Ihre Heimat zurUckkehrcn, möge unser heutiges Fest für Sic stets eine Quelle freundlicher, ivcrtwvller Erinnerungen bilden! -Das ist mein aufrichtiger Wunsch, den ich an den Dank für die gütige Annahme unserer Einladung knüpfe. -Und jetzt, meine Mainzer, stoßen Sie mit mir an und bringen Sie mit niir ein Hoch aus auf unsere lieben Gäste.» Nachdem nunmehr der eigentliche offizielle Damm ge brochen war, folgte Rede auf Rede, wie es ja bei einer stark von buchgewerblichen Elementen durchsetzten Gesellschaft selbst verständlich ist. Noch manches gute lind schöne Wort be kamen die Festgenossen zu hören, jedoch würde eine auch nur anuäherude Aufzählung zu weit führen, und nur auf die Redeit zweier Augehöriger der Kunst Gutenbergs sei hingewiesen: zunächst auf die des Vorsitzenden des Deutschen Buchgewerbevereins, Herrn vr. Oscar von Hase, der in warmen Worten die Verdienste der Mainzer um das Fest hervorhob und seinen Toast in ein Hoch auf die Stadt Mainz uud ihre Bewohner ausklingen ließ, das lebhaftes Echo erweckte. Großen Beifall erntete auch Herr Rudolf M. Rohrer aus Brünn, der in zündenden Worten auf die Beziehungen Oesterreichs zu Deutschland Bezug nahm und betonte, wie gern gerade die Buchdruckerei besitzer Oesterreichs dem Rufe ihrer deutschen Kollegen zur Ehrung des deutschen Meisters Folge geleistet hätten. Oester reich betrachte sich als das Bollwerk der Kultur des Occidents gegen den Orient, und die gegenseitige Freundschaft, die die Monarchen Oesterreichs und Deutschlands verbinde, möge stets auch warmen Widerhall in den Völkern finden; die österreichischen Kollegen wenigstens würden an dieser Freund schaft für alle Zeiten festhalten. »Alles möge wanken«, so ungefähr schloß der Redner, »aber die Waffenbrüderschaft und Freundschaft, die Deutschland und Oesterreich verbinden, werden zum Heile des Friedens und zum Segen des Volkes bestehen bleiben, und in diesem Sinne trinke er auf das Wohl des geliebten, großen, heiligen Deutschen Reiches.« Ein großer Beifall folgte dieser Rede, und nachdem die deutsche Nationalhymne gesungen war, wurde unter großem Jubel den Oesterreichern zu Ehren der Radetzky-Marsch gespielt. Im Laufe des Mahles wurde an den Deutschen Kaiser folgende Depesche abgeschickt: »Die beim Festmahl zur Feier des fünfhundertjährigen Geburtstags Johann Gutenbergs in der Stadthalle zu Mainz versammelten Mitglieder des Deutschen Buchdrucker-Vereins uud der Deutschen Buchdrucker- Berufsgenossenschaft entbieten Eurer Kaiserlichen Majestät, dem Förderer deutscher Kunst und deutschen Gewerbefleißes, 680»
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