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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.06.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1900-06-28
- Erscheinungsdatum
- 28.06.1900
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- Deutsch
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4896 Nichtamtlicher Teil. 147, 28. Juni 1900. Ausstellung eröffnet, die des Interessanten viel bietet. War doch die Bedeutung Kölns als Druckcrstadt in der Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst sehr groß. Sie erklärt sich aus dem hervor ragenden geistigen Leben, das im fünfzehnten Jahrhundert hier herrschte, wo stark besuchte und berühmte höhere Lehranstalten, Universität und Gymnasien, sowie reich begüterte Stifte und Klöster bestanden. Unter den Druckerstädten kommt Köln dem Alter nach an vierter Stelle; ihm voran gehen nur Mainz, Straß- burg und Bamberg. Daß noch ein so großer Schatz an alten Drucken hier vorhanden ist, verdankt die Stadtbibliothek dem Um stande, daß ein gewaltiges Material in den zahlreichen Klöstern und Stiften sorgsam angesammelt und liebevoll bewahrt worden ist, ein Material, das später zum größten Teil mit den Wallraf- schen Sammlungen und mit der Bibliothek der katholischen Gym nasien in städtischen Besitz übcrgcgangen und durch reiche Zu wendungen freigebiger Bürger vermehrt worden ist. Die Ausstellung teilt sich in sechs Gruppen, von denen die erste drei Blockbüchcr: ein vollständiges Exemplar der zweiten xylographischcn Ausgabe der Apokalypse mit 48 einseitig bedruckten Blättern ans dcni fünfzehnten Jahrhundert, eine Biblia. panpsrum, zwischen 1460 und 1475 entstanden, und eine ars morisnäi, nach Hain von Quentel in Köln gedruckt. Die zweite Gruppe der Ausstellung umfaßt Mainzer, Straß burger, Augsburger, Venetianer und holländische Drucke des fünf zehnten Jahrhunderts, worunter wir das nur in vier oder fünf Exemplaren erhaltene Manifest des Mainzer Kurfürsten Dietrich gegen Adolf von Nassau aus dem Jahre 1462 finden, ein großes einseitig bedrucktes Folioblatt von 106 durchgehenden Zeilen, ferner eine höchst seltene Straßburger Ausgabe des Katholicons des Johannes Balbus, um 1462 von Mentel gedruckt, endlich die erste seltene lateinische gedruckte Ausgabe der Imitalio Obristi von Günther Zainer in Augsburg. Unter der reichhaltigen Gruppe der Kölner Drucke des fünf zehnten und sechzehnten Jahrhunderts befinden sich einige sehr seltene Drucke Zells, des ersten Kölner Druckers, so sein erster Druck, von 1466 datiert: ckobavuss Obr^sostomus: Lvpsr psalmo gvinguaAesiwo libsr primus, von dem in Deutschland nur mehr ein Exemplar in Trier vorhanden ist. Der Thomas von Aguin: Husstionos clg guoälibst, 1471 von Arnold Therhörncn in Köln gedruckt, ist das erste Buch, in dem gedruckte arabische Ziffern Vor kommen. In Werner Rolwincks Basoieulns tsmporum desselben Druckers aus 1474 komnit die älteste gedruckte Ansicht Kölns vor; Joh. Niders Bra-eesptorium Isgis von Johann Koelhosf sen., 1472 gedruckt, ist das erste gedruckte Buch, in dem Signaturen Vor kommen. Selbstverständlich ist auch die mit Holzschnitten iiberauS reich ausgestattete Koelhoffsche Oronica, van äsr billigsn 8ta.t van Oosllsn von 1499 ausgelegt. — Daß das Druckenlassen zu da maliger Zeit ein ziemlich teures Vergnügen war, geht aus einer handschriftlichen Notiz auf einer, von Koelhosf jun. 1501 gedruckten großen Einladung zum Schießspiel nach Köln hervor. Danach erhielt der Drucker des Blattes dafür 17 Gulden. Da der rhei nische Gulden damals etwa 5 ^ heutigen Geldes wert war, das Geld aber damals eine viermal größere Kaufkraft hatte, so kostete die Einladung nach heutigem Gelde 340 Auch die Kölner Bilderbibel ist natürlich vorhanden, über die der Streit bezüglich des Druckers immer noch nicht beendigt ist. Manches Interessante bietet auch die vierte Gruppe, die die Zeitungen des 16. und 17. Jahrhunderts umfaßt. Die folgende Gruppe, die sonstige Werke von Seltenheit oder bemerkenswerter Ausstattung enthält, birgt wahrscheinlich ein Unikum: die Historie van Lanslot und van die schone Sandryn, gedruckt um 1510 wahr scheinlich von dem Kölner Drucker Heinrich von Neuß, dem Nach folger Koelhoffs; ferner findet sich hier ein prachtvoller Pergament druck von Hans Schönsperger in Augsburg, ein Gebetbuch -Der Gilgengart (Liliengarten) einer jeglichen christlichen Seele- aus 1521, drei -libri oatsnati-, mit Ketten versehene Bücher zur Be festigung an die Lesepulte in den Bibliotheken nach der im Mittel- alter und dem Anfang der Neuzeit allgemein üblichen Sitte; end lich eine lateinische Ausgabe des Kölner Totentanzes: Kopien nach Holbein von Anton Silvius. Die Ausstellung bleibt unentgeltlich bis zum 8. Juli täglich geöffnet. — Uebrigcns hat die Stadtbibliothek als Festschrift eine Monographie Ulrich Zells, des ersten Kölner Buchdruckers, hcr- ausgegeben. Es handelte sich dabei um ein nachgelassenes Manuskript des verdienten Forschers auf dem Gebiete der rheinischen und spcciell der kölnischen Geschichte Br. Joh. Jakob Merlo, das von vr. Otto Zaretzky in Köln bearbeitet und nach den neuesten Forschungen ergänzt worden ist. Das Jahr, in dem Zell, den wir uns als einen Schüler Gutenbergs oder Fusts zu denken haben, von Mainz nach Köln übersiedelt ist, konnte bisher nicht sestgestcllt werden; die erste ihn betreffende Schreinsurkundc trügt die Jahreszahl 1471; seine typographische Thätigkeit hat aber mindestens fünf bis sechs Jahre früher be gonnen, denn der älteste datierte Druck seiner Presse trägt, wie oben schon bemerkt wurde, die Jahreszahl 1466. Die Anzahl seiner mit dem Namen versehenen Drucke beläuft sich auf nur zehn, während die Zahl der nachweisbar von ihm herrührenden Drucke nicht weniger als gegen 200 beträgt. Zell nennt sich in einigen einer Drucke »olsrious äiosossis Llognntinsnsis-. Die bisher vor wiegende Annahme ging dahin, daß er sich dadurch als einen der Diözese Mainz ungehörigen Schreiber habe bezeichnen wollen, denn olsrious bedeutete zu jener Zeit auch den Schönschreiber. Zaretzky teilt jedoch mit, daß ihm eine Zell betreffende Prozeßschrift bekannt geworden ist, die beweist, daß dieser thatsächlich geistlichen Standes gewesen sei. Da aber Zell zweimal verheiratet war, so ist nur die Annahme möglich, daß er nur die niederen Weihen erhalten hat, die ihm noch gestatteten, der priestcrlichen Laufbahn zu ent sagen. Die Schrift zerfällt in fünf Hauptabschnitte. Die erste schildert den Lebensgang Zells und verbreitet sich über seine frühesten Drucke, der zweite befaßt sich mit seiner früheren Drucker- thätigkeit; dann folgt ein Verzeichnis der 183 bis jetzt bekannten Drucke, woran sich der Abdruck der im Kölner Stadtarchiv und im Pfarrarchiv von St. Aposteln befindlichen, auf Zell bezüglichen 59 Urkunden anschließt. Den Schluß machen acht Tafeln mit Fak similes Zellscher Drucke. Den Druck besorgte die Kölner Vcrlags- anstalt. —r. Gutenberg-Museum in Mainz. — Nach dem vortreff lichen Verlauf der Festlichkeiten in Mainz, worüber hier noch aus führlich berichtet werden wird, fand am Vormittag des 26. Juni im Kurfürstlichen Schlosse zu Mainz eine Versammlung statt, um über den künftigen Ausbau des Gutenberg-Museums in Mainz zu beraten, das zur Zeit noch mit der Stadtbibliothek räumlich verbunden ist. Der vom Stadtbibliothckar Herrn Professor Falk vorgelegte Statuteuentwurf einer internationalen Guten- berg-Gesellschaft mit dem Sitze in Mainz wurde angenommen. Herr Professor Tomanowin aus Montenegro überreichte eine der ältesten noch vorhandenen gedruckten Bibeln aus dem Jahre 1493. Professor Falk teilte mit, daß bereits 100000 ^ für das Museum eingegangen seien. Photographie-Ausstellung. — Der Deutsche Photv- graphen-Verein hält in den Tagen vom 30. Juli bis 4. August 1900 in Berlin seine 29. Wanderoersammlung ab. Mit ihr wird eine Ausstellung verbunden werden. Diese steht unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und dauert vom.30. Juli bis 26. August 1900. Versammlungs- und Ausstellungslokal ist das Künstlerhaus, Berlin V7. 9, Belleouestraße 3. An der Ausstellung können sich Mitglieder und Nichtmitglieder des Deutschen Photographen- Vereins beteiligen. Anmeldungen zur Ausstellung werden an den Vorsitzenden des Ortsausschusses, Herrn Ottomar Anschütz in Berlin W. 66, Leipzigerstraße 116, oder an den Vorsitzenden des Deutschen Photographen-Vereins, Herrn K. Schwier in Weimar, erbeten. Personalnachrichten. Ordensverleihung. — Dem Verlagsbuchhändler Herrn Georg Hirzel in Leipzig ist von Seiner Majestät dem König von Preußen der Rothe Adler-Orden IV. Klasse verliehen worden. Ein verschwundener Buchhändler. — Das Landgericht Wien hat am 31. v. M. folgenden Steckbrief erlassen: -Br. Wilhelm Walther, Schriftsteller und Verlagsbuchhändlcr, am 12. November 1861 in Bremen geboren, verheiratet, zuletzt in Wien wohnhaft, ist des Verbrechens des Betruges in der Gesamtschadenssumme von 3264 Kronen, dann der Veruntreuung in der Schadenssumme von 400 Kronen und des Vergehens der schuldbaren Crida verdächtig, Br. Walther ist im Betretungs falle zu verhaften und cinzuliefern.- Die -Neue Freie Presse- giebt hierzu folgende Erläuterungen: Br. Wilhelm Walther, der in Leipzig Verlagsbuchhändler war, übcrsicdelte im Sommer vorigen Jahres nach Wien und nahm hier in der Josephstadt, Zeltgasse Nr. 11, eine bescheidene Jahres wohnung auf. Er beabsichtigte, sich in Wien als Verlagsbuch händlcr zu etablieren, doch verzögerte sich mit Rücksicht darauf, daß er Ausländer ist, die Konzessions-Erteilung. Seine finanziellen Verhältnisse gestalteten sich ungemein ungünstig. Er mußte Schulden machen, und da er seinen Verpflichtungen nicht Nachkommen konnte, wurde sein Mobiliar gerichtlich verpfändet. Freitag den 2. März erklärte vr. Walther im Hause, daß er in einer Geschäfts angelegenheit nach Brünn reise und in zwei Tagen zurückkommen werde. Seither ist er verschollen. Auch seine Gattin, Paula Walther, die am 3. März die Wohnung verlassen hat, ist abgängig. Eine Lehrerin hat gegen Br. Walther die Strafanzeige erstattet. Sie hatte ihm ein Darlehen von 3000 Kronen gegeben.
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