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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.06.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1900-06-28
- Erscheinungsdatum
- 28.06.1900
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- Deutsch
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4892 Nichtamtlicher Teil. 147, 28. Juni 1900. Nichtamtlicher Teil Das Buch auf der Pariser Weltausstellung. Von G. Hölscher. (Schluß aus Nr. 146 d. Bl.) Wir steigen nun die prächtige Treppe des Hauses hinan, durchschreiten links den Saal mit der Sammelausstellung für soziale Wohlfahrtspflege und gelangen in ein kleines Eck zimmer, dessen eine Teilwand von den 18 bis jetzt er schienenen Blättern der Dietrich Reim er schen internationalen geologischen Karte von Europa eingenommen wird. In Glaskästen zeigt die Gravicranstalt und Schriftgießerei Otto Kästner in Krefeld ihre prächtigen Messingschriften, Clichss und Ausschmückungsmaterial. Die besondere Spezialität der Firma sind Schriften und Prägeplatten ausschließlich für Buch bindereien. Von letzteren sind H. Sperling L I. R. Herzog in Leipzig mit guten Proben von Einbänden vertreten, während die Gravieranstalt und Messingschriftgießerei von Edm. Koch L Co. in Magdeburg ihre Schriften in Glocken metall für die Buchbindervergoldepresse, sowie auch Plakat- schriften mit Schneidekante für Hoch- und für Tiefprägung unter Glas vvrführt. Dieselbe Art von Ausstellungsobjekten hat R. Gcrholds Gravieranstalt in Leipzig ausgestellt, worunter die gravierte Preßplatte für das »Buch von der Weltpost« besonderes Interesse erweckt. Als leistungsfähig für Farben drucke erweist sich hier noch die vr. Haas'sche Druckerei in Mannheim, besonders für künstlerische Ansichtspostkarten. »Aus der Schule B. Mannfeld in Frankfurt« hängen mehrere Radierungen aus. Aus dem Saal in das Treppenhaus tretend, das übrigens wegen mangelhafter Beleuchtung für die Aussteller wenig vorteilhaft ist, finden wir Büchereinbände des Hofbuchbinders W. Collin in Berlin im modernen Geschmack, von Moritz Göhre in Leipzig, Hübel L Denck in Leipzig und Sperling L Herzog in Leipzig, lieber den Glaskästen dieser Firmen haben an der Wand Autochromos der lithographischen Anstalt und Druckerei Louis Glaser in Leipzig und Farbendrucke der Firma Schupp L Nierth in Dresden Platz gefunden. Das nächste Eckzimmer, das wir betreten, ist der Aus stellung der Reichsdruckerei eingeräumt. Wir sehen an der Wand rechts drei geschlossene Druckformen, die in allen mög lichen Sprachen ein Schillersches Distichon enthalten. Wie leicht es der Reichsdruckerei wäre, Inkunabeln zu fabrizieren, beweisen die hier ausliegenden Druckschriften des fünfzehnten bis acht zehnten Jahrhunderts in getreuen Nachbildungen, ein höchst interessantes Werk, dessen Stoff sich nicht allein auf Deutsch land beschränkt, sondern auch die Schriften fremder Länder, Italiens, Frankreichs u. a., wiedergiebt. Ferner liegen auf: die von der Direktion der Reichsdruckerei herausgegebeuen Kupfer stiche und Holzschnitte alter Meister in Nachbildungen, Mappe I, und die schönen Reproduktionen von Zeichnungen Albrecht Dürers. Auch ein verblüffendes Kunststückchen zeigt die ehr würdige Druckerei: ein Buch mit farbigen Darstellungen, die gleichwohl mittels »mit einem Druck hergestellten vielfarbigen Buchdrucks« entstanden sind. rDie Ausstellung der Reichs druckerei greift auch noch in das Nebenzimmer über, wo vor allem Caspar Schopp meyer in Schöneberg bei Berlin durch eine Sammlung von sehr schönen Miniaturen des sechsten bis sechzehnten Jahrhunderts in getreuen Nachbildungen die Aufmerksamkeit auf sich zieht, wie auch die Sammlung von Nachbildungen der vorzüglichsten Holzschnitte und Stiche von Lucas Cranach, herausgegeben von dem Direktor des Kupfcrstichkabinetts Lippmann, reges Interesse verdient. Die Buch- und Steindruckfarbenfabrik von vr. Lövinsohn L Co. in Berlin zeigt an mehreren, mit ihren Farben gedruckten Bildern die Vorzüglichkeit jener. Mit Holzschnitten sind noch u. a. vertreten: I. I. Weber in Leipzig, die Aktien-Gesell- schaft Wilh. Hoffmann in Dresden, der Xylograph in der Reichsdruckerei Jos. Reinhart (mit dem Kolossalholzschnitt »Kaiser Wilhelm 11.--), die xylographische Anstalt I. G. Huch L Co. in Braunschweig, die Firma Ewald Steinmetz in Hannover, die chromolithographische Anstalt und Spielkarten fabrik B. Dvndorf in Frankfurt a/M., deren Rokokospiel karten besonders ansprechen. Hübsche Buntdrucke sind endlich noch von der lithographischen Kunstanstalt Max Seeger in Stuttgart ausgestellt. Käst L Ehinger, Ges. m. b. H., in Stuttgart, zeigen die gute Wirkung ihrer Farben an den aus liegenden Buchbinder-, Blech-, Dreifarben-, Kupfer- und Buch drucken, I. G. May Söhne in Frankfurt a/M geben in einem dicken Buche die Farbenfolge für die fortschreitende Entstehung des ausgestellten Bildes »Die Briefschreibcrin« von Professor W. von Czachorski in München. Proben ihrer Farbendruckkunst liefern weiter die Hof-Lithographie, Hof- Buch- und Steindruckerei von Wilh. Greve in Berlin (Faksimiledrücke alter Bilder, ferner die Zeichnungen von Rembrandt in Nachbildung der Rcichdruckerei rc.), die chromo lithographische Kunstanstalt Meißner L Buch in Leipzig, Ncnke L Ostermaier in Dresden (nach eigenem Verfahren hergestellte sarbige Photographieen, Spezialität: Photochromie- postkarten), endlich die lithographische Kunstanstalt Werner L Winter in Frankfurt a M und die Kunstdruckerei Kiinstlcr- bund in Karlsruhe. Damit haben wir den flüchtigen Rundgang durch die Ausstellung des deutschen Buchgewerbes beendet. Wenn man nach deren Gesamteindruck fragt, so kann die Ant wort nicht gerade begeistert lauten. Nichts Außergewöhn liches, Neues, Ueberrascheudes bietet sie, aber auch nichts Schlechtes und Minderwertiges. Ein Vergleich mit der fran zösischen Ausstellung fällt nicht zu ihren Gunsten aus, auch wenn man davon absieht, daß die letztere naturgemäß reicher beschickt worden ist. Doch will mir scheinen, daß diese Inferiorität weniger in der Technik, als in der Rückständig keit der deutschen Kunst gegenüber der französischen begründet ist. Man gehe nur einmal durch die französische Abteilung, und man wird bald merken, wie oft man dort stehen bleiben muß, wieviel farbenprächtig Wirksames dort zur Geltung kommt (allerdings durchgehends in viel besserer Beleuchtung, als sie in dem deutschen Hause herrscht), das den Besucher unwillkürlich zwingt zu verweilen. Und das gilt nicht allein von den Farbendrucken, sondern auch von dem Buch an sich. Der französische Geschmack in der Ausstattung des g>bundenen Buches ist viel reizender, viel mannigfaltiger, ich möchte fast sagen kokett. Das alles aber ist weniger ein Werk der Technik als des Geschmacks. Man könnte es fast fertig bringen, durch die ganze deutsche Ausstellung zu laufen, ohne nur einmal stehen zu bleibeu. Manche Verleger haben es für- angebracht gehalten, da ihre ganz gewöhnlich ausgestatteten Verlagswerke auszulegen, als wenn es sich um einen Jahrmarkt handelte, auf dem mau möglichst viel und möglichst billig aus der Hand verkaufen müsse. Hier wäre weniger unbedingt mehr gewesen. Auch hätte für das Aeußere der Ausstellung mehr geschehen können; das Ausgestellte muß auch ein Relief bekommen, wenn es wirken soll. Dafür genügt es nicht, daß man Bücher auf Tische legt oder aus nahmsweise unter Glas sehen läßt. Auch in dieser Beziehung kann ich mich damit begnügen, auf die französische Aus stellung zu verweisen, die allerdings, das soll nochmals betont werden, mit günstigeren Raum- und Lichtverhältnissen rechnen konnte. Wenn also die deutsche Buchgewerbeausstellung als
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