Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.06.1900
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- 1900-06-19
- Erscheinungsdatum
- 19.06.1900
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4648 Nichtamtlicher Teil. 139, 19. Juni 1900. gelungen, auch bei anfänglich vorhandenen starken Divergenzen eine Mittellinie zu finden, so wird dieser Annäherungs und Ausgleichungsprozeß in der Zeit bis zum Beginn der nächsten Tagung und der Befassung des Reichstags mit der Materie naturgemäß uoch weitere Fortschritte machen. Die Erweiterung der Einzelvorschriften des Entwurfs hat noch nicht aufgehört; die Intensität der kritischen Behand lung derselben ist im Vergleiche zum Vorjahre allerdings eine erheblich geringere geworden, aber trotzdem nimmt die Bearbeitung der Detailbestimmungen noch immer die Auf merksamkeit der unmittelbaren und mittelbaren Interessenten in Anspruch, nicht nur im Jnlaude, sondern auch im Aus lande, das von Anfang a» diesem Vorgehen der Reichs gesetzgebung mit sympathischem Interesse gefolgt ist. Die Vertiefung mancher Einzclfrage des Gesetzentwurfs wird durch die hierfür noch zur Verfügung stehende Zeit ermöglicht, und man kann wohl zuversichtlich annehmen, daß von dieser Möglichkeit in den dazu geeigneten Fällen auch der an gemessene Gebrauch gemacht wird. Wenn somit in der Nichtvorlegung im Laufe der beendeten Tagung des Reichstags ein Unglück oder auch nur ein Nachteil für die litterarischen und künstlerischen Interessen nicht erblickt werden kann, so soll anderseits kein Zweifel darüber gelassen werden, daß auf die Vorlegung in der nächsten Tagung des Reichstags das größte Gewicht zu legen ist und auch that- sächlich gelegt wird. Wenn die verbündeten Regierungen rechtzeitig zu dein neuen Entwurf Stellung nehmen, so wird es möglich sein, ihn an erster Stelle dem Reichstage zu unter breiten, so daß das neue Urheberrechtsgesetz am I.Juli 1901, spätestens am 1. Oktober 1901 in Kraft treten könnte. Eine längere Verzögung würde sich als Hindernis für die doch auch nicht mehr aufzuschiebende Kodifikation des deutschen Verlags rechts erweisen, an dessen von dem Urheberrecht getrennter Behandlung die verbündeten Regierungen ivohl nach wie vor mit Recht festhalten. Es bestehen auch keine Gründe, die zu gunsteu einer weiteren Verzögerung geltend gemacht werden könnten. Man darf sich daher vorerst wohl der Hoffnung hin geben, daß der neue Entwurf in der nächsten Wintertagung des Reichstags das Parlament befassen und auch zur Verabschiedung gelangen wird. Wünschenswert wäre es, wenn auch der neue Entwurf vorher der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht würde, damit die Kritik der unmittelbaren und mittelbaren Interessenten auch zu seinen von den Bestimmungen des ersten Entwurfs abweichenden Vorschriften Stellung nehmen könnte. Es ist ja nicht anzuuehmen, daß zwischen dem im Vorjahre veröffentlichten und dem dem Reichstage vvrzulegenden Entwurf in den hauptsächlichen Fragen ein wesentlicher Unterschied vorhanden sein wird, vor allem schon um deswillen nicht, weil die grundsätzlich wichtigsten und wichtigeren Vorschläge, soweit sie Neuerungen enthielten, doch ziemlich allgemeinen Beifall gefunden haben; immerhin wäre es doch sehr wertvoll, schon vor der Befassung des Reichstages festzustclleu, in welchen Punkten man den For derungen der Kritik Rechnung getragen hat, in welchen nicht; die Verabschiedung wird hierdurch erleichtert, die Interessenten haben alsdann ausreichende Zeit mit ihren Wünschen uoch hervorzutreten und brauchen nicht bis zur parlamentarischen Behandlung zu warten. Welch günstigen Einfluß aber die Einhaltung dieses Verfahrens auf die Ausgestaltung des Inhalts eines Gesetzes ausübt, ist mehrfach zu beobachten Gelegenheit gewesen. Bedenken hiergegen lassen sich bei einem Gesetze, das einen un politischen Inhalt hat und weder durch die politischen, noch die sozialen oder religiösen Tageskämpfe berührt wird, nicht geltend machen. Da naturgemäß die.Reichsgesetzgebung von der Ab sicht geleitet ist, das neue Gesetz über den Schutz der Urheber rechte zu einem möglichst vollkommenen, jedenfalls hinter keinem der bestehenden Gesetze gleichen Inhaltes zurückbleibeudeu Gesetz zu machen, so wird sie auch bestrebt sein müssen, dieses eminent praktische Verfahren einzuschlagen. Wir hoffen also mit Zuversicht, daß die nächste Tagung des Reichstags auch für die Neugestaltung des Urheberrechts bedeutsam werden, und daß man als eine der Früchte der selben am Schluffe einen vollwertigen Ersatz des Gesetzes von 1870 aufzuzählen Veranlassung haben wird. Ein italienischer Verleger über Deutschland. Der Zufall spielt mir die -Erinnerungen eines Verlegers» — G. Barbera — in die Hand, die von seinen Kindern in treuer Anhänglichkeit veröffentlicht wurden. Es wäre unbillig, dem Werk nicht eine besondere Erwähnung angedeihen zu lassen, denn cs bedeutet ein Ehrendiplom für den deutschen Buchdruck und Buch handel, gefaßt in Worte aufrichtigster Anerkennung für deutsche Gesinnung und Eigenart. G. Barbera, ein »Selfmademan» in des Wortes vollster Be deutung, unternahm vor nunmehr einem Vierteljahrhuudert eine -typographische Reise» — so nennt er sie selbst —, um in seiner damals noch ganz kleinen Druckerei die Neuerungen einzuführcn, die ihn zu dem italienischen Vrockhaus machen sollten. Die nam haftesten Druckereien in England und Frankreich bereiten dem strebsamen Jünger Gutenbcrgs manche Enttäuschung, auf die ein- zugchen hier der Mangel an Raum nicht gestattet. In Karlsruhe nimmt Barbera Aufenthalt, um die Haspergschc Werkstatt zu be sichtigen, die in Bezug auf Stereotypie damals als unübertrefflich galt. In Frankfurt besucht er die Gießerei Flinsch, von der er seine Typen bezog. Erst in Leipzig jedoch, dem Emporium des deutschen Buchhandels, fühlt er sich in seinem Element. -In den dortigen berühmten Druckereien» — so sagt er wörtlich — fiel mir die Bequemlichkeit und Größe der Räume, die peinliche Reinlichkeit, die ebenso große Ordnung wie Aufmerksamkeit auf, das Fehlen jener fieberhaften Hastigkeit, die in Paris der Arbeit einen fast revolutionären Charakter giebt. Hier herrscht überall jene gleichmäßige und geordnete Behaglichkeit, die vielleicht nicht so schnell, aber dafür Besseres, weil genauer und korrekter, schafft. Hier überall gut gekleidetes Personal, Ordnung, Licht, das beste Einverständnis zwischen Arbeitgebern und Angestellten.- lieber die Chancen eines Verlegers sagt ihm der alte Brock haus: -Von zehn Geschäften eines Verlegers schlagen fünf ganz fehl, drei gehen mittelmäßig, zwei schlagen dafür so vorzüglich ein, daß sie alles wieder gut machen». Die Palme unter allen Erzeugnissen, die auf seiner typo graphischen Reise durch Europa ihm in die Hand geraten sind, erteilt dieser italienische Kenner, einem Büchlein — -Naturstudicn aus der Pflanzen- und Thierwelt von Hermann Masius» —, das 1863 bei Friedrich Brandstetter erschien. -Der Druck, die Holz schnitte, deren Abdruck, alles dies ist mit unvergleichlicher Exaktheit und Sauberkeit, mit solcher Peinlichkeit und solchem Kunstsinn ausgeführt, daß ich weder vorher noch nachher etwas gesehen habe, was diesem Leipziger Bändchen an die Seite zu stellen würe.» Jn Berlin besucht der regsame Gast, der überall das Beste für seinen Beruf erwirbt, nur die Dunckcrsche Druckerei, sieht sich aber die Hauptstadt des neu gegründeten Reiches desto gründlicher an. Er ergeht sich in Worten der wärmsten Anerkennung über die -wunderschöne Stadt», die Standbilder der Generale Friedrichs II. auf dem Wilhclmsplatz, das Zeughaus, den Tier garten und die nächste Umgebung. Cr ist voll Lobes für die öffentlichen Spaziergänge -mit langen, schattigen Alleen, über die ungeheuren Biergürten, die stark besetzten vorzüglichen Musik corps und Orchester, die auf eine jugcndstrotzende, lebensfreudige Stadt schließen lassen.» Das Mausoleum im Charlottenburger Park bewegt sein Gemüt außerordentlich. -Die Gestalten auf den Sarkophagen, sind von so vorzüglicher Schönheit, daß sie zuerst den Besucher überwältigen; betrachtet man sie etwas länger in der Nähe, dann flößen sie unaussprechliche Ehrfurcht ein.« Den tiefsten Eindruck machen ihm jedoch das -historische Fenster- ain Palast des alten Kaisers Wilhelm und der Kaiser selbst. -Der Kaiser pflegt sich parterre aufzuhalten, so daß man durch die großen Scheiben des Fensters sehen kann, ob er allein arbeitet oder ob er sich mit jemand unterhält. Immer in Uniform, erledigt er die Geschäfte beinahe vor den Augen des Publikums; will er ausfahren, so harrt seiner eine zmcispännigc Kalesche an der Rampe des Palastes den Linden zu. Der Kaiser tritt allein heraus und steigt allein in den Wagen; große militärische Sicher-
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