Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.03.1898
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1898-03-10
- Erscheinungsdatum
- 10.03.1898
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-18980310
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-189803102
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-18980310
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1898
- Monat1898-03
- Tag1898-03-10
- Monat1898-03
- Jahr1898
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
1850 Nichtamtlicher Teil. Die Handelshochschule zu Leipzig und der deutsche Buchhandel. (Vgl. Börsenblatt Nr. 39, 43, 45, 47, 50, 51.) In letzter Zeit ist in diesem Blatte mehrfach über die Handelshochschule, die im nächsten Monat in Leipzig eröffnet werden soll, berichtet worden. Mit dankbar anzuerkennender Bereitwilligkeit sind die königlich sächsischen Ministerien des Innern und des Unterrichts aus die hieraus gerichtete An regung der Leipziger Handelskammer eingegangen, die ihrer seits zuvor des Einverständnisses und der Mitarbeit der Universität sich versichert hatte. Mit dieser ersten deutschen Handelshochschule, deren Errichtung aus wohlgesicherter breiter Unterlage keineswegs als ein bloßer Versuch betrachtet werden darf, kommen lang andauernde Bestrebungen, an denen sich ein namhafter Teil des gesamten deutschen Handelsstandes be teiligt hat, zu einem ersten Abschluß. Wenn auch — wie schon in der hier abgedruckten Denk schrift des Direktors der Leipziger öffentlichen Handelslehr anstalt, Professors Rap dt, betont worden ist — in der Handels welt mit Recht die Meinung überwiegt, daß der Kaufmann vor allem durch die Praxis geschult werden muß, so hat sich in letzter Zeit doch mehr und mehr die Erkenntnis Bahn ge brochen, daß diese Art der Ausbildung nicht immer und unter den heutigen erschwerten Bedingungen des Wettbewerbs keinenfalls vollständig genügt. Ordnung und Pünktlichkeit, Schnelligkeit und Stetigkeit in der Arbeit, diese Grundlagen des kaufmännischen Erfolges neben dem, was der Lehrling an angeborenem Talent, an allgemeiner Vorbildung und Er ziehung milbrmgl, werden freilich immer nur in der strengen Disciplm des Geschäftes selbst erlernt werden können; aber darüber hinaus fordert der deutsche Handel bei seiner heutigen Aus breitung und der ungeheuer gewachsenen Konkurrenz noch mancherlei allgemeine und besondere Kenntnisse, um dem Einzelnen ein Emporheben über die große Menge zu ermög lichen, ihn zu befähigen, mit den wachsenden und wechselnden Anforderungen des Geschäfts Schritt zu halten und mehr zu erreichen als ein eben hinreichendes knappes Auskommen im öden, mechanischen Frohndienst der täglichen Arbeit. An die Jünger des Buchhandels sind von jeher ganz besondere Anforderungen in Bezug auf die für ihr Handels gebiet nötigen Spezialkenntnisse gestellt worden, und diese über wiegen zum Teil so stark die allgemeinen Handelskenntnisse, daß bei einem Teile des Buchhandels leider eine bedenk liche Vernachlässigung dieser letzteren Platz gegriffen hat und daß man in Verkennung des eigentlichen Geschüstszwecks des Buchhandels von den allgemein üblichen Formen des kauf männischen Geschäfts vielfach weiter abgewichen ist, als diesem Zwecke zuträglich ist. Eine übertriebene Wertschätzung der soge nannten »Ideale« des Buchhändlers hat manchen Buchhändler sogar dahrn geführt, mtt einer gewissen Geringschätzung auf kaufmännische Gepflogenheiten und kaufmännische Beurteilung herabzublicken, wobei völlig übersehen wird, daß der Buch handel nach seinem geschäftlichen Zwecke eben doch auch nichts weiter ist als ein Spezialgebiet des allgemeinen Handels. Aber wenn dieses Spezialgebiet auch ein besonders vornehmes ist, so berechtigt dieser Umstand doch nicht dazu, die Warenkenritliis so einseitig zu bevorzugen, daß Korrespon denz, Buchführung, Gewinnberechnring und andere kaufmännische Notwendigkeiten darüber als Nebensache betrachtet werden, wie es in einem nicht unbeträchtlichen Teile des Buchhandels aus alter Gewohnheit thatsächlich geschieht. Vieles hat sich in dieser Hinsicht in letzter Zeit gebessert, oft freilich leider erst infolge mancher trüben Erfahrung, und es ist zu hoffen, daß aus der unverkennbaren und oft beklagten Notlage vieler In haber buchhändlerischer Geschäfte mehr und mehr die Einkehr in sich selbst und die Rückkehr zu kaufmännischen Grundsätzen und kaufmännischer Geschäftsführung sich ergiebt. Dem »Ideale« des Buchhändlerberufs braucht damit kein Abbruch zu geschehen. Wenn wir gerecht sein wollen, so müssen wir bekennen, daß dieses Ideal, neben der von ihm geforderten Arbeits- und gelegentlichen Opferfreudig keit für die Wissenschaft und Kunst, die wir verbreiten helfen, doch sehr wesentlich auch im Besitz aller derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten liegt, über die wir jür den Berufszweck thatsächlich verfügen sollen. Daß sogar im Punkte der buch händlerischen Waren-, also der Bücherkenntnis, und nebenbei auch in der allgemeinen Bildung bei vielen der jüngeren Buchhändler zur Zeit bedenkliche Lücken bestehen, wird schon durch die ungestüme und allerseits mit Beifall aufgenommene Forderung der Einführung von Lehrlingsprüfungen bewiesen. Aber auch ohne dieser Bewegung besondere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, wird man sich der Erkenntnis nicht ver schließen wollen, daß man theoretisch und praktisch nie genug lernen kann und daß die heutigen erschwerten Lebensbeüin- gungen gerade dazu ausfordern, nach äußerster Möglichkeit sein Wissen zu vermehren und speziell in denjenigen Fächern sich zu unterrichten, die dem Berufe zur Grundlage dienen oder gelegentlich doch dienen könnten. Es mag dahingestellt bleiben, wie iveit die Forderung der Lehrlingsprüfungen Aussicht auf Verwirklichung hat. Uns scheint sie in ihren materiellen Wirkungen nicht hinreichend zweckentsprechend, so lange nicht neben der Bücherkunde em Hauptgewicht der Prüfung auf die kaufmännischen Fächer gelegt wird. Das ist bisher nicht geschehen. Und neben diesen Fächern wäre weiter Gewicht zu legen auf einschlägige Gesetzeskunde: Handelsrecht, Verlagsrecht, Urheberrecht, Pretz- rechr. Auch diese wichtigen Fächer sind in den spezialisierten Forderungen an das Wissen des Lehrlings un Laufe dessen, was über die Prüsungsfrage bisher verlautet hat, nur neben sächlich hervorgetrelen. In Leipzig, dem Hauptsitze des deutschen Buchhandels, soll nun also, als erste in Deutschland, eine Handelshochschule erstehen, deren Aufgabe sich zu einem Teile auch mit der Weiterbildung des Buchhändlers befassen wird. Tüchtige Lehrkräfte aus dem Lehrkörper der Universität und der höheren Handelsschule sind bereit, die Hörer zu empfangen und ihnen ihr eigenes bedeutendes Wissen zu vermittetn. Der Lehrplan liegt vor; er hat die Genehmigung des Ministers erhalten und ist in Nr. 47 d. Bl. veröffentlicht worden. — Es ist nun wohl kaum oder doch nur in Ausnahmesällen, bei besonders begabten jungen Leuten, daran zu denken, daß die große Masse der Leipziger jungen Buchhändler, die ja oft sehr )ung und sür höhere Ziele unzureichend vorgebildet in die Lehre treten, in größerem Maße von dieser Einrichtung Nutzen ziehen wird. Aber neben diesen vielen arbeilsamen und sehr achtungswerten Gehilfen mit bescheidenen Ansprüchen, die sich an Geschäftstüchtigkeit übrigens nicht selten den sogenannten akademisch Gebildeten üverlegen zeigen, vereinigt Leipzig in seinen zahlreichen und vielseitigen buchhändlerischen Betrieben auch eine ungewöhnlich große Zahl von wohlvorbereiteten jungen Buchhändlern, denen es ein Leichtes sein wird, den geforderten Bildungsgrad nach zuweisen, um die Handelshochschule mit Nutzen zu besuchen. Für viele Söhne von Buchhändlern, für viele Gehilfen, Volon täre und auch Lehrlinge hat Leipzig stets eine große und be rechtigte Anziehungskraft gehabt. Diese wird sicher vergrößert werden, wenn sich jetzt die Möglichkeit bieten wird, im Mittel punkte des deutschen Buchhandels in aller Form auch dem Studium der für den Buchhändler wichügen oder doch in teressanten Fächer obliegen und mit Unterbrechung der prak tischen Berufsübung oder zum Teil auch neben ihr unter bedeutenden Lehrern sich wohl vorbereiten zu können, um, wie es sein soll, auch d,e höchsten Aufgaben des Berufs zu erfüllen.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder