10820 Künftig erscheinende Bücher. 2kg, 18. November 19ÜS. Oerlag von Friedrich Gutsch, Hofbuchhandlung in Ltarlsruhe. Lnde November erscheint: Dnuline VAörner Deinüicl) stille Mlclt Gelchichten vom Ikaiterltuhl. Erster Vund. (. Sepp der Marcher. 2. Das gefangene Tied- 3. Kameraden. Unterlegen. 5. Kirschwasser. 18 Bogen. Oktav. Geheftet 717. 3.— ord., 7N. 2.25 netto, 7N. 2.— bar. Elegant gebunden. 717. H.— ord., 717. 3.— netto, 777. 2.70 bar. Freiexemplar bei Barbezug 11/10. Fernab vom Weltverkehr liegt im badischen Lande, wenige Stunden von Freiburg, wie ein selbständiger Ausläufer des Schwarzwaldes, der Kaiserstuhl mit seinen interessanten geologischen und botanischen Sonderheiten. Und eigenartig sind auch die einfachen Leute; „ihre Schicksale, wie die innere Verwicklung und Bedrängnis, ihre Leiden und Freuden sind mindestens so ergreifend, wie die der Großstadtleute" (R. Weitbrecht), von ihnen erzählt ?auline Ulörner in „Heimlich stille Mit. «eschichten vom SaisersiukI". „Sie schaut mit Maleraugen und empfindet mit einem echten Poetenherzen" (w. Schlang). Die stille Welt der Heimat zeichnet sie, und „man glaubt, nur nach dem Kaiserstuhl hinüberfahren zu müssen, um beim ersten Schritt aus dem Eisenbahnzug, bei flüchtiger Umschau am Markt, am nächstbesten Wirtshaus einem der wunderlichen treuherzigen Originale zu begegnen, wie pauline wörner sie vor uns hingezeichnet hat" (Beiblatt zur Breisg. Zeitung). Der vorliegende Band könnte auch heißen: Alte vom Kaiserstuhl, alte Leute, knorrige Gestalten mit einem ausgeprägten, fast selbst verständlich erscheinenden und dabei originellen Gemütsleben, wurzelecht und natürlich. Auch der Knabe im „gefangenen Lied" ist bei Licht betrachtet ein Alter, trägt er doch in seinem jugendlichen Leid und seiner kindlichen Freude den greisenhaften Zug erblicher Belastung, die stumme, von realistischem Humor durchsetzte, und darum um so rührendere Klage der schlechtgenährten, schon von Arbeit überbürdeten, mit dem Totenschein geborenen Kinderwelt des ländlichen Armenhauses. Über „Sepp der Marcher" heißt es in einem Brief voll hoher Anerkennung: „Das ist doch einmal Nahrung statt des Biskuits und Znckerwassers, das uns für gewöhnlich die schriftstellernden Damen vorsetzen. Es ist mir eine große Freude, daß mir Ihre Erzählung .... nicht entgangen ist. Ls wäre mir wirklich etwas verloren gegangen." Der alte, seiner Geriebenheit und Biederkeit gleich frohe, ein wenig geschwätzige Marcher kämpft zu seinem Schmerz vergeblich gegen die Herzens- und Gewifsenshärte eines andern Bauern. In ,,Kameraden" hilft ein Graukopf dem andern opferwillig aus böser Verlegenheit. „Unterlegen" ist der Kaiserstühler alten Schlags gegenüber dem Arbeiter modernen Schlags. Und im „Kirschwasser" gibt ein Alter seine lukrative Branntweinbrennerei schließlich auf, weil der Alkoholmißbrauch anderer seinem Gewissen keine Ruhe mehr läßt. Ernste Probleme, Seelenkämpfe im frischen Gewand naturwahrer Erzählungen, in lebendiger, kernhafter Sprache. Der eine meint, pauline wörner komme den Meisterstücken Jeremias Gotthelfs am nächsten, der andere findet in ihr ein zu Hansjakobscher Trockenheit neigendes Darsiellungstalent. Sie hat sich an Auerbach gebildet, sie hat ihre Begabung an Otto Ludwig vertieft, ihre Technik mindestens an der seinen geschult, so sagen die Kritiker. Und der „Kunstwart" findet sich an Lbner-Lschenbach erinnert. — Grund und Zeugnis genug, in pauline wörner ein selbständiges, starkes Talent zu erkennen. „Sie hat auch eine weitere seltene Gabe" berichtet die Norddeutsche Allg. Der Sana eignet sich nach Inkalt uncl Husstattung vortrefflich alr Miknachtrgade. Unverlangt versende ich nichts. im November 1905. Friedrich Gutfeh, Hofbuchhandlung.