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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.10.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-10-20
- Erscheinungsdatum
- 20.10.1905
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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^ 245. 20. Oktober 1905. Nichtamtlicher Teil 9459 Fmk. 1.50, für an Kunden direkt vom Verlagsort aus gehende Sendungen Fmk. 1.25 (und Porto). Rabaltsätze: Rabatt darf nicht bewilligt werden an werden an Volksschulen und Volksschullehrer bei Partiekäufen bis höchstens 10 Prozent, an wissenschaftliche Institute und Bibliotheken bis höchstens 10 Prozent, an Wiederverkäufer und Agenten nach Gutdünken, sowie an höhere Schulen in Orten, wo sich keine Buchhandlung befindet, bei Partiekäufen. Von Kommissions-Verlagsartikeln sind dem Sortiment mindestens 20A zu bewilligen. Private Verlagsartikel werden nicht unter 25 L vertrieben. In derselben Nummer der »6o1rbavä6l8tiävinA kör kivlanä-, Notiz dankend Bezug auf den im Börsenblatt (1905, Nr. 206) die schwedischen Verleger und lenkt die Aufmerksamkeit der deut schen Buchhändlerwelt auf den Umstand, daß einige deutsche Firmen dem finnischen Buchhandel durch Gewährung von Rabatt Herr Universitätsprofessor Or. Albert Köster sprach am 13. l. M. im kleinen Saal des Buchhändlerhauses über .Ferdinand Raimund und die Wiener Volksbühne«. In seiner Einleitung zog Herr Professor vr. Köster Vergleiche zwischen dem echten Volksstück und jenen Bühnenstücken, die heut zutage als solche dargeboten werden. Während jenes für alle Lebens in wahrheitsgetreuer Weise wiederspiegelt, sind diese meist jämmerliche Rührstücke, die mit ihren höchst unwahrscheinlichen Möglichkeiten, Charakteren und einer falschen Gerechtigkeit ein Zerrbild der Well geben. Dadurch, daß die Schöpfung eines wirklich echten Volksstücks ganz außerordentliche Anforderungen an das natürliche Talent des Dichters stellt, ist die Lösung der Aufgabe, aus der Masse der Möglichkeiten ein solches zu schaffen, besonders schwierig und sie wird deshalb auch nur selten erreicht. Im neunzehnten Jahrhundert ist sie nur einem Dramatiker ge lungen, nämlich Ferdinand Raimund, der ein Volksdichter in der besten Bedeutung des Wortes war. Um heute zu einer richtigen Beurteilung seiner dramatischen Meisterwerke zu kommen, muß man sich in den Geist seiner Zeit und hauptsächlich in die Bühnen- Bühnen, mit denen zu rechnen war. An erster Stelle stand das Burgtheater, um das sich damals Joseph Schreyvogel besonders verdient gemacht hat und das die hohe Tragödie, das Schauspiel, das rezitierende Drama und das feinere Lustspiel pflegte. Diese kennenswerter, als die damaligen Zensurverhältnisse die Dichter in ihrem Schaffen sehr behinderten. Das zweite bedeutendere Theater im damaligen Wien war das -Theater an der Wien«, das in seinem bunten Repertoire Spektakelstücke, rührselige Schaustücke, derbe Possen und dergleichen führte. Dort traten auch Schau spieler in Tierrollen auf, dort war es, wo ein Carstens in der eigen. Die bedeutendsten Vertreter dieser Gattung der Wiener dramatischen Kunst waren Adolf Bäuerle und Karl Meisl. Diese Wienern am meisten gefielen, und sie beide in eine zu ver schmelzen, wie es z. B. auf dem Gebiete der Oper in der .Zauber flöte« geschieht, war eine Aufgabe, die nahe lag. Dazu kam noch, daß die junge Romantik eine gute Vorarbeiterin für die Reorganisation der am Josephstädtischen Theater aufgeführten Posse war. Ihr entstand denn auch zur rechten Zeit in Raimund ein Reformator, der für die Volksbühne Unsterbliches geleistet hat, obwohl er selbst sich in dieser Beziehung unterschätzte und mit selbstquäle rischem Neid auf die Beherrscher andrer dramatischer Gebiete sah. Ferdinand Raimund wurde am 1. Juni 1790 geboren. Sein Vater war Drechsler, der seinen Sohn zuerst für sein eigenes Handwerk bestimmt hatte, dann aber zu einem Zuckerbäcker in die Lehre gab. Ferdinand war ohne jegliche Schulbildung aufgewachsen und nahm so die Stärke eines unverbildeten Talents ins Leben mit. Es fehlte ihm freilich später jene Bildung, die er bei seinem Streben nach Anerkennung seiner für ein gebildetes Publikum gedichteten beitete sich hier mit Mühe und Not und erst nach Überwindung eines Zungenfehlers empor, um schließlich im Jahre 18l3 im Theater an der Wien und einige Jahre später im Joseph städtischen Theater aufzutreten. Er ahmte alle bedeutenden Eigenschaften, die zusammen mit seinem guten Charakter ihn als einen wahrhaft edlen Menschen erscheinen lassen. Seine dichterische Tätigkeit begann Raimund mit der An fertigung von Couplets, darauf arbeitete er einzelne Szenen für seinen Geschmack um, und 1823 schrieb er, gezwungen durch das Fehlen eines paffenden Stücks für einen Benefizabend, sein erstes Märchendrama: »Der Barometermacher auf der Zauberinsel«, das zum erstenmal am 18. Dezember 1823 aufgeführt wurde. Den Stoff hatte er einem Märchen von Langbein entnommen und viele im Stück vorkommenden Witze Abraham a Santa Clara entlehnt. Der Aufbau und die Durchführung der Handlung sowie das Fehlen aller Derbheiten und Grobheiten hoben den .Barometermacher« märchen und Posten hinaus. Sein nächstes Bühnenstück, für dessen Stoff er ein Märchen aus 1001 Nacht benutzte, begründete seinen Ruf als Volksdichter. In ihm ist nicht mehr der Spaßmacher die Hauptperson, er schafft hier vielmehr in dem Helden Eduard und in der Heldin Amine rein poetische Gestalten und im Diener Florian Waschblau eine prächtige, komische Figur aus dem Wiener Volksleben. Von da ab nimmt der Fortschritt Raimunds auf dramatischem Gebiete stark zu. Im Jahre 1826 kam »Der Bauer als Millionär« auf die Bühne, in dessen Helden Fortunatus Wur zel sich Raimund eine Glanzrolle geschaffen hat. In dieses und stellte sich dadurch den größten Dichtern aller Zeiten an die Seite; sehr mit Unrecht hat man sie als nicht literarisch bei neuern Aufführungen weggelassen. Bis hierher arbeitet Raimund, gestützt auf eine zweihundert Jahre alte Tradition, mit der er von nun ab bricht. Seine Er folge hatten seinen Ehrgeiz gesteigert, gleichzeitig wurde er sich aber auch immer mehr seiner Bildungslücken bewußt. Die Reflexion bemächtigte sich seiner folgenden Stücke. Grillparzer warnte ihn in jener Zeit, er möge von seinem Talent nicht Ab schied nehmen. Raimund fand denn sich auch bald, durch Miß erfolge belehrt, zu seiner alten Domäne zurück und schon das Jahr 1828 brachte ein geniales Volksstück: -Alpenkönig und Menschenfeind«, in dem er die tragischen Konflikte seines Privat lebens aus den Jahren 1824 bis 1827 dramatisch verarbeitete und im Helden Rappelkopf sich selbst aus die Bühne brachte. In diesem Meisterstück der Bühnenkunst findet man die gleiche groß artige Technik wie in Molieres Tarlüff und es muß als großer Fehler unsrer Bühnenleitungen bezeichnet werden, wenn sie es 1251"
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