Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.10.1905
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1905-10-17
- Erscheinungsdatum
- 17.10.1905
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19051017
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-190510176
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19051017
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1905
- Monat1905-10
- Tag1905-10-17
- Monat1905-10
- Jahr1905
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
9384 Nichtamtlicher Teil. 242, 47. Oktober 1905. dauerte nicht lange; denn nach zwei Jahren löste sich die Firma auf. Nun stand er in Moskau ohne Stelle und mit nur geringen ersparten Geldmitteln. War es nun Ver zweiflung oder nicht; zu seinem Gliicke war cs jedenfalls, daß ihm der Gedanke kam, mit dem wenigen baren Gelde eine Notenhandlung zu eröffnen. Das war im Jahre 1861. — In Moskau lebte damals der Bruder des Klavier titanen Anton Rubinstein, nämlich Nikolaus Rubinstein, den seine Landsleute als Klavierspieler wie den Bruder ver ehrten. Er hatte 1864 das Moskauer Konservatorium ge gründet, dessen Leitung er bis zu seinem Tode behielt. Er stand im Mittelpunkte des Moskauischen Musiklebens und hatte Fühlung mit allem, was mit der Musik zusammenhing. Ein glücklicher Stern führte ihn in das Geschäft des jungen Jurgenson, und von da an beginnt der große Um schwung im Leben dieses Musikalienhändlers. Sein Geschäft erhielt durch Rubinsteins Empfehlung immer mehr und mehr Kundschaft. Schließlich beginnt er auf Zureden des Künstlers den eignen Verlag, wenn auch zuerst in ganz be scheidnem Umfang. Eine Gavotte von Bach wird Verlags werk Nummer 1. Bald folgen größere Gesamtausgaben, so die erste und einzige russische von Mendelssohn- Bartholdys Klavierwerken und eine Auswahl Schubertscher Lieder, deren Texte Rubinstein ins Russische übersetzte. Das wurden die Grundpfeiler, auf denen sich die Jurgensonsche Firma ausbaute und aus denen sie so sicher ruht. Die Verbindung mit der Elite der Musikwelt brachte es mit sich, daß seichte Musik keinen Eingang in den Verlag fand; nur wahrer Kunst zu dienen, war seines Besitzers Ehrgeiz. Hierdurch kam Jurgenson, und sicherlich auch wieder durch Vermittlung Rubinsteins als Direktors des Konservatoriums, in Verkehr mit der jüngern Generation der russischen Komponisten und besonders mit Tschaikowsky, dessen erster und Hauptoerleger er nun wurde. Fast alle Kompositionen dieses Künstlers sind in seinem Verlag er schienen, und von den oben erwähnten zweihunderttausend Platten fallen mehr als siebzigtausend auf Werke von Tschaikowsky! Aus der zuerst rein geschäftlichen Verbindung entstand in langen Jahren gemeinsamen Schaffens eine enge Freund schaft, und hier kann man wieder sehen, wie groß die Bedeu tung des Verlegers sür einen Autor sein kann. Ein Verleger muß befruchtend auf das Schaffen des Künstlers wirken, er muß ihn anregen, und, wenn seine Kraft, wodurch auch immer, erlahmt, ihn anspornen; denn das hat der Verleger nicht nur der Menschheit gegenüber zur Pflicht, auch ihm selbst wird es ja nicht zuletzt von Vorteil sein. Ein solcher geradezu idealer Verleger war Peter Jwanowitsch Jurgenson, wie wir sehen werden. Deshalb vertraute Tschaikowsky ihm auch vom ersten Augenblick an fast blindlings, wußte er doch bald nur zu gut, daß ihm von seiten seines Verlegers keine Bitte abgeschlagen wurde. Zur Ehre des Komponisten sei hier aus drücklich betont, daß er auch nicht ein einziges Mal Unbilliges verlangt. Im Gegenteil, oft finden sich Stellen in seinen Briefen an Jurgenson, wo er bei Einsendung neuer Kom positionsmanuskripte schreibt, daß er dieses Mal auf Honorar verzichtet, ja, etwas daraufgeben will, nur damit der Druck gut ausfällt, — allerdings wußte er zu genau, daß sich sein Verleger von ihm nichts schenken ließ, vielmehr ihn oft reicher honorierte, als er es sich in seinen schönsten Träumen träumen ließ. So war es besonders bei seiner Oper »Onegin«, von deren materiellem Erfolg er sich gar nichts versprach, die heute aber fast zur russischen Nationaloper geworden ist und wohl dem Herzen der Russen so nahe steht wie Glinkas »Das Leben für den Zaren«. Hier war es Tschaikowsky in der Tat ernst, wenn er schrieb; -Ebenso dringend bitte ich Dich, meine Oper -Eugen Onegin- in Verlag zu nehmen. Diese Oper ist unter ganz besonderen Umständen entstanden. Ich will mich nicht um eine Aufführung auf einer großen Bühne bemühen: es steht ihr überhaupt keine große Theaterzukunft bevor, darum will ich gar kein Honorar von Dir haben, so daß die Summe, welche ich vor zwei Jahren bei Dir geliehen und in Gestalt einer Oper zurückzugeben versprochen hatte, unverändert meine Schuld bleiben wird — so lange, bis ich noch eine andre Oper geschrieben haben, oder meine Schuld durch andre Kompositionen getilgt haben werde. Ich wünsche also, daß du den -Ouögin-- verlegst, und zwar je schneller — je lieber. Ein Teil des Klavierauszuges ist fertig, und du kannst dir eine Kopie davon im Konservatorium geben lassen. Der andre Teil wird in Monatsfrist fertig sein. Wenn du gewillt bist, die Oper schon bald in Druck zu geben, so laß bitte vorher den Klavierauszug von Tanejew durchsetzen und bitte letzteren in meinem Namen, den Klaviersatz — wo nötig — zu verbessern. Ich gebe ihm volle Freiheit, das Arrangement zu verändern, so viel er Lust hat. -Diese Oper wird dir einst gute Einnahmen bringen können, denn sie enthält eine ganze Menge Arien, welche unter günstigen Umständen Glück machen werden. Sei so gut, lieber Daß Jurgenson sich nicht dazu verstehen konnte, Werke in Verlag zu nehmen, ohne dafür zu bezahlen, beweist der nächste Brief Tschaikowskys, aus dem wir ersehen, daß das Honorar ein besonders hohes gewesen sein muß. Es heißt dort: »Heute ist Dein Brief angekommen, lieber Peter Jwanowitsch. Du bist sehr liebenswürdig. Die Freigebigkeit, welche Du mir gegenüber bekundest, rührt mich sehr. Nichtsdestoweniger will ich sür die Oper nur in dem Falle Geld von Dir nehmen, wenn auch dann bei weitem nicht die hohe Summe, die Du mir an bietest. Das Honorar sür die Symphonie überlasse ich Tanejew, und für die Übersetzungen möchte ich kein Geld von Dir nehmen, -Ich bin Dir sehr dankbar, mein Herzensfreund, daß Du mit mir nicht geizest und mich gern herausgibst, übrigens ist das für mich nicht neu. Deine Großmut und Deine Freigebigkeit habe ich stets zu würdigen verstanden. Asroi, wsroi, moroi!- Ausdrücke wie »mein Herzensfreund« finden wir oft in Tschaikvwskys Briefen an Jurgenson. Einmal redet er ihn an »Liebe Seele«, ein andermal »Lieber Freund«. Immer aber spricht aus allen Anreden und Briefen gegenseitige Vertrautheit. Tschaikowsky wußte auch selten, wie hoch sein Guthaben bei Jurgenson war. Oft erbittet er Abrechnungen, um dann meist zu erfahren, daß er noch von seinem Ver leger Geld zu fordern habe. Und wenn wirklich der Geld mangel bei Tschaikowsky noch so groß war und sich ihm Gelegenheit bot, durch Lieferungen sür andre Verleger, viel Geld zu verdienen, dann akzeptierte er diese Anerbietungen nicht einfach, sondern fragte erst bei Jurgenson an, was er wohl dazu sage. Natürlich untersagte dieser in kategorischer Weise und gab selbst Bestellungen auf, die Tschaikowsky erst mit der Bitte um recht viel Geld beantwortete, wobei er dann fortfährt: -Bemühe Dich, mir recht viel zu senden; jedenfalls möchte ich wenigstens je 600 Rubel erhalten, um die Du mich gebracht hast, Du Bösewicht. Ich schäme mich ein wenig, aber sage mir, was ist besser: Dich mit einer großen Summe anzupumpen (als Vorschuß sür die zukünftigen, aus eigenem Antrieb geschaffenen Werke), oder — Dein Verbot als Erpressungsmittel benutzend — nicht nur 6, sondern, sagen wir, ganze 12 oder gar 24 Klavierstücke zu komponieren und ein Honorar von Dir zu verlangen, obwohl die Stücke handwerksmäßig gemacht sein werden. Ich glaube, das erstere ist besser.« Ein einziges Mal ist es vorgekommen, daß Tschaikowsky nicht mit dem Honorar zufrieden war, das ihm Jurgenson anbot. Das war bei der Drucklegung der Oper »Mazeppa«,
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder